Gesundes Geschwisterkind bekommt hirnlosen Kommentar

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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angela
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Beitragvon angela » 28.10.2005, 12:32

Hallo Karin,

sicher ist es nicht die "feine Art" über den eigenen Bruder mal etwas "doofes" zu sagen.

Aber verstehst Du das Mädchen nicht auch ein wenig? Wenn ich eine beh. Schwester oder einen beh. Bruder gehabt hätte, dann wäre mir das in einer Art von Sauersein und Wut auch über die Lippen gekommen...
So wie wir vielleicht mal sauer sind, daß unsre Kinder nicht dem "Ideal" entsprechen, dürfen das die Geschwisterkinder doch auch mal sein.

Das nur kurz zwischenrein, meine Meinung dazu.

Ansonsten ist es mir vollkommen klar, daß eigentlich niemand das Recht hat solche Worte zu sagen, die andere verletzen.
Aber ehrlich, wem ist das noch nicht passiert?

LG - Angela, die manchmal auch aufpassen muß was sie sagt... :oops:
unsere Vorstellung: hier
Angela mit Eric (*93) und Franz (*98);
beide Dravet-Syndrom

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ehem. User

Beitragvon ehem. User » 28.10.2005, 15:15

Verstehen? Wenn sie mein Verständnis hätte, würde ich ganz genauso denken. Und das tue ich nicht. Akzeptieren muss man die Verzweiflung der Familienangehörigen, verstehen nicht.

Karin

Sonja H. und Michi
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Beitragvon Sonja H. und Michi » 28.10.2005, 22:10

...ups,da hast Du mich aber völlig falsch verstanden,Karin.Vielleicht habe ich mich auch zu wenig klar ausgedrückt-habe halt gedacht,es kommt richtig rüber.
Meine Tochter darf ihre Gefühle mir oder meinem Mann gegenüber Äußern.
Ich bin froh,wenn sie es tut,auch wenn solche Worte weh tun können.Wir
können dann gemeinsam über die Behinderung sprechen,über Verzicht seiten des Bruders,der mit seiner Behinderung leben muß und Verzicht seiten der Schwester,die eben nicht mit einem gesunden Geschwisterkind herumtollen
kann wie alle anderen aus ihrer Klasse oder früher Kindergarten.
Sie beleidigt doch nicht in dem Moment ihren Bruder,sondern hinterfragt ihre
Situation!Sie sagt es ja auch nicht zu ihm, sondern zu uns als Eltern.
Wenn sie in unserer Familie nicht das Recht hätte,sich auszusprechen-und
zwar mit geballtem Frust,wie sie es in dem Moment fühlt,wo bitte schön dann?
In einer Psychopraxis zehn Jahre später oder mittels irgendwelchen entwickelten
Zwängen oder Suchten?Soll sie später einen Haß auf Behinderte im allgemeinen
haben,nur weil sie in der Kindheit das Gefühl gehabt hat,nur Rücksicht nehmen
zu müssen? Ich kenne jemanden,der große Angst davor hatte,ein beh.Kind zu
bekommen,weil er eine geistigbeh. Schwester hatte und er seine Kindheit ganz
schrecklich fand.Seine Frau mußte alle möglichen Untersuchungen machen,
um eine Beh. auszuschließen.Sie haben zwei gesunde Kinder.Ich habe mich
manches Mal gefragt,was gewesen wäre , wenn...Außerdem kann immer was passieren und dann?
Im übrigen lasse ich Beleidigungen auch von meiner Tochter nicht zu.Ich habe
mich auch nicht tierisch über dieses Kommentar des Mädchens aufgeregt,sondern
wollte nur mal wissen,wie man möglichst konfliktfrei mit so einer Situation
umgehen könnte,denn diese werden ja wohl noch öfter auftreten und irgendwie
muß man seinem Kind auch helfen ,damit fertig zu werden. Außerdem sehe ich
das so wie Sabine:sie hat anbsichtlich meine Tochter mit diesen Worten ver-
letzen wollen und das muß nicht sein.

So-ich hoffe,jetzt ist mein Kommentar richtig angekommen,

liebe Grüße,Sonja

ehem. User

Beitragvon ehem. User » 29.10.2005, 18:21

Da kann ich ja froh sein, dass meine Erziehung Früchte getragen hat und sich meine Kinder nicht als "blöder Bruder" bezeichnen. Das legen ich auch deiner Tochter nicht zur Last, sondern es ist eher ein Problem der Erwachsenen-Erziehung. Ich maße mir hier keine Erklärung an, aber solltet ihr jemals eine Erziehungs-Beratung in Anspruch nehmen mit geschulten Leuten, dann sprich sie doch mal drauf an.

Vielleicht können die vermitteln, worum es mir eigentlich ging.

Es gibt immer "sone und solche" wie wir hier sagen, und wir sind eben sone und ihr seid solche... mit einer anderen Auffassung. Und das ist auch gut so.

Weiterhin alles Gute!

Karin

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Beitragvon Ela74 » 29.10.2005, 19:16

Hallo,

wir sind dann auch solche...ich sehe das auch so, daß es gut ist wenn mein kleiner sich bemerkbar macht und wenn er dann sagt: "Marvin ist blöd", dann deute ich das auch ehr so - die Situation ist blöd. (dann hat er ihm schon zig mal gesagt, daß er ihn in Ruhe lasen soll und er keine Lust zum toben hat). Klar versuche ich ihm das dann zu erklären, eigentlich aber nicht mehr nötig, denn, daß sein Bruder krank ist und eben nicht alles so bewußt macht ist ihm längst klar. Trotzdem macht er damit seinen Unmut über die Situation klar. Das er das bei seiner Beschwerde über seinen Bruder nicht alles weiter ausholt und bis ins kleinste sortiert, sondern es einfach nur auf einem "blöd" beruhen läßt, ist denke ich noch okay in dem Alter.

Zu der Freundin kann ich nur sagen, ich glaube nicht, daß es irgendein Geschwisterkind eines Behinderten gibt, der das nicht schonmal zu hören bekommen hat. Mein kleiner hört solche Kommentare, bei den Kindern meiner Nachbarn habe ich solche Kommentare über ihre behinderte Schwester des öfteren gehört und wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin und mich weit zurück erinner, dann hab ich im Grundschulalter auch schonmal einen nicht behindertenfreundlichen Satz von mir gegeben. Kinder sehen das alles noch etwas einfacher, jemand der behindert und somit eventuell geistig nicht so weit ist wie andere, der ist eben einfach "blöd", was laut IQ ja auch hinkommen mag. Wieso das so ist, ist dann ja auch erstmal egal. Wenn sie dann sagt:"du bist genau so blöd wie dein Bruder", dann kommt das ungefähr aufs gleiche raus, als ob sie nur sagt "du bist blöd", was dann ja schließlich so auch nicht der Wirklichkeit entspricht.
Ich würde solche Bemerkungen nicht zu sehr auf die Goldwaage legen und deine Tochter selber entscheiden lassen, ob sie mit ihr spielen will, oder nicht. Ich würde zu dem Kind selber nur etwas sagen, wenn ich den Kommentar mitbekommen hätte und der Mutter würde ich es vielleicht erzählen, aber nicht mit dem drohenden Zeigefinger, wie schlecht ihr Kind erzogen ist. Sie sind aus dem Windelalter raus und auch diese Mutter steht nicht den ganzen Tag hinter ihrem Kind und hört und sieht alles, was die Tochter tut.
Da muß deine Tochter wohl durch und selber entscheiden, ob sie die Kommentare ignoriert oder ob sie ihrer Freundin Kontra gibt, was der dann wiederrum zeigen würde, daß sie ihre Bemerkungen nicht weiterbringen.

LG
Ela
Ela (Bj.74) mit Marvin (09/97, CP, geistige Behinderung, fehlende Sprache, Epilepsie, Neurodermitis) und Felix (10/01 ADS?, Neurodermitis) und Gordian Andrin 10/09 und Aurelian 8/11

ehem. User

Beitragvon ehem. User » 30.10.2005, 21:31

Für mich gehört es zum Bestandteil der Erziehung, dass man es einem Kind nicht durchgehen lässt, jemanden als "blöd" zu bezeichnen.
Gefühlsäußerungen sind wichtig, aber nicht auf dieser Ebene.

Zitat: der ist eben einfach "blöd", was laut IQ ja auch hinkommen mag

Da wir uns auf einem solchen Diskussionsniveau bewegen, steige ich hiermit aus .

Karin

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Beitragvon Ela74 » 04.11.2005, 09:02

blöd= unwissend, was wohl auf ein stark geistig eingeschränktes Kind zutreffen mag. Das sollte keine persönliche Abwertung sein. Aber da kann man wohl mal wieder Wörter verschieden auslegen. Ursprünglich bedeutete blöd sogar nur schüchtern, was ja nun wirklich nichts beleidigendes hätte.
Von Durchgehen lassen war keine Rede, zumindest bei dem eigenen Kind sollte da schon eine Ermahnung und Erklärung folgen, wie ich es bereits geschrieben habe. Mir ist dennoch eine unschön ausgedrückte Gefühlregung meines Kindes lieber als garkeine. Aber mit Sicherheit bringen auch schonmal wohl erzogene Kinder Wörter und Bemerkungen über die Lippen, die den Eltern nicht gefallen, weil sie sie irgendwo gehört haben und weiter nutzen, ohne sich weitere Gedanken über deren Bedeutung zu machen. Von daher sollte man fremde Bemerkungen nicht überbewerten und wenn schon dann direkt mit dem Kind drüber sprechen.
Ela
Ela (Bj.74) mit Marvin (09/97, CP, geistige Behinderung, fehlende Sprache, Epilepsie, Neurodermitis) und Felix (10/01 ADS?, Neurodermitis) und Gordian Andrin 10/09 und Aurelian 8/11


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