AUTISMUS - für Kinder ab ca. 10 Jahre erklärt

Hier könnt ihr Gedichte, Texte und kleine Geschichten zum Thema "besonderes Kind" einstellen und darüber dikutieren.

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AUTISMUS - für Kinder ab ca. 10 Jahre erklärt

Beitragvon Alexandra78 » 16.02.2010, 11:14

Hallo Ihr Lieben,

mein Sohn besucht die erste Klasse einer Regelgrundschule. Er hat eine Schulbegleiterin, die ihn im Unterricht begleitet.

Vor kurzem fragte mich ein Mädchen aus der zweiten Klasse (ein Nachbarskind), warum Nico immer von einer Frau in den Unterricht begleitet wird. Ich war ehrlich gesagt ziemlich sprachlos, wußte nicht gleich was ich ihr anworten sollte... wahrscheinlich werden uns solche Fragen noch häufiger erreichen im Laufe der Zeit, und deshalb kam mir eine Idee.
Ich wollte versuchen, eine kleine Geschichte zu schreiben, die Kindern verständlich erklärt, was Autismus ist und warum manche autistischen Kinder eine Schulbegleitung brauchen.

Herausgekommen ist nun dieser Text, der aber leider nicht so leichtverständlich geworden ist, wie ich ihn geplant hatte.

Vielleicht kann man ihn aber für älter Kinder ab 10 oder 12 Jahren nutzen, um ihnen etwas über Autismus zu erklären... ?!
Sohn *2003 mit frühkindlichem Autismus (HFA)

Tochter*2006 Entwicklungsstörung mnestischer Funktionen, Entwicklungsstörung der Seriation, Sprachentwicklungsstörung, Emotionale Störung mit sozialer Ängstlichkeit, Dyskalkulie

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Beitragvon Alexandra78 » 16.02.2010, 11:15

Das bin ich:

Ich heiße Tim und bin schon 7 Jahre alt. Ich gehe in die erste Klasse.
Das ist Frau Schmidt:

Frau Schmidt begleitet mich im Unterricht- deshalb nennt man sie eine “Schulbegleiterin”.
Du gehst wahrscheinlich jeden Morgen alleine in die Schule, und fragst Dich, warum ich so eine “Schulbegleiterin” habe.
Das möchte ich Dir gern erklären.

Es gibt einige Kinder, die eine Schulbegleiterin brauchen, um zur Schule zu gehen. Man nennt sie meist behinderte Kinder, weil sie etwas haben, das sie daran hindert, ein ganz normales Leben zu führen.
Die Gründe hierfür sind ganz unterschiedlich- manche dieser Kinder sitzen vielleicht im Rollstuhl, weil sie nicht laufen können, andere sind z.B. blind, das bedeutet, sie können nicht sehen, es gibt sehr viele verschiedene Behinderungen, und nicht alle sind gleich zu erkennen. Diese Kinder brauchen im Unterricht und in den Pausen oft Hilfe, wo ein anderes Kind alleine zurechtkommt.
Auch ich bin solch ein “behindertes” Kind, wie man sagt, wobei mir dieses Wort nicht so gut gefällt, denn ich bin einfach nur ich- so wie ich eben bin.
Ich kann manche Dinge gut, und andere nicht so gut, genau wie jeder andere Mensch auch, egal, ob er nun im Rollstuhl sitzt, oder so wie ich Autismus hat.



Was ist Autismus?
Das ist gar nicht so leicht zu erklären, denn obwohl ich “Autismus” habe, so bin ich doch nicht “krank”. Manche Leute sagen, ich “leide” an Autismus, aber das stimmt nicht, denn ich leide nicht, es geht mir sehr gut und ich fühle mich wohl so wie ich bin.

Ich möchte Dir ein wenig mehr von mir erzählen, damit Du Dir besser vorstellen kannst, was Autismus bedeutet.



Als ich zur Welt kam war ich ein kleines süßes Baby, sagte meine Mama.
Aber sie machte sich auch ein bisschen Sorgen um mich, da ich nicht ganz so wie andere Babys war. Ich wollte zum Beispiel nicht von meiner Mama in den Arm genommen werden. Kuscheln war für mich nicht etwas schönes, so wie es für Dich wahrscheinlich ist. Ich schaute meine Mama und meinen Papa auch nicht an, wenn sie mit mir sprachen.
Ich liebte es, mein Mobile anzuschauen, das über meinem Wickeltisch hing.
Eine Rassel oder anderes Babyspielzeug war für mich sehr lange nicht interessant.
Ich freute mich, Dinge anzusehen, die leuchteten, so wie meine Lampe an meinem Babybett, die sich immerzu drehte und bunte Bilder an die Wand warf.

Erst später, als ich krabbeln konnte, fand ich Interesse an blinkendem Spielzeug, sowie Spielsachen, die Geräusche machten. Dinge, die sich drehten, so wie die Waschmaschine oder ein Brummkreisel waren sehr interessant für mich, und ich konnte mich lange damit beschäftigen.

Wenn die Dinge sich “drehten” fing ich an, mit meinen Händen zu flattern (so wie ein Vogel mit seinen Flügeln flattert), und meinen ganzen Körper anzuspannen. Oft wurde ich dabei rot im Gesicht.
Das war ein gutes Gefühl für mich.


Als ich größer wurde und auf dem Spielplatz spielte, liebte ich es, Sand zwischen meinen Fingern hindurchrieseln zu lassen. Die anderen Kinder auf dem Spielplatz beachtete ich nicht.
Ich wollte nicht mit ihnen spielen.

Zuhause liebte ich es, mit den Lichtschaltern zu spielen. Licht an, Licht aus- das konnte ich stundenlang tun, ohne das es mir langweilig wurde.
Wenn ich mit meinen Spielzeugautos spielte, reihte ich sie zu langen

Autoschlangen aneinander. Keiner durfte sich ein Auto aus der Reihe herausnehmen, vor allem nicht die kleine Schwester. Manchmal drehte ich das Auto auch einfach andersherum so das es auf dem Dach lag und drehte an den Autoreifen, was mir wieder dieses gute Gefühl gab, so das ich mit meinen Armen flatterte und meinen Körper anspannte.
Sprechen tat ich lange Zeit nicht- erst als ich in den Kindergarten kam und merkte, das ich sprechen müsse, um mich verständlich zu machen, fing ich an.

Mit drei Jahren kam ich in den Kindergarten. Ich fühlte mich dort nicht wohl. Es war mir viel zu laut, die Kinder wuselten alle durcheinander.
Ich konnte mir die Namen der Kinder nicht merken. Für mich waren sie alle irgendwie gleich- ich konnte keinen Unterschied zwischen ihnen erkennen, deshalb wohl nannte ich sie alle “der Junge”. Das es auch Mädchen in der Gruppe gab, war mir nicht bewusst.


Was mir im Kindergarten gut gefiel waren die “Regeln”. Es gab feste Zeiten zum Spielen, zum Aufräumen und zum Essen. Nach dem Essen gingen wir raus auf den Spielplatz, danach kamen die Eltern, um uns wieder abzuholen. Die Regeln waren gut, die Regeln gaben mir ein Gefühl von Sicherheit. Ich konnte mich auf sie verlassen.
Nur gab es da manchmal auch große Probleme, denn es gab Tage, an denen die Regeln gebrochen wurden. Wenn wir zum Beispiel in einen anderen Raum gehen mußten, weil wir eine Gruppenarbeit machen sollten, oder wenn beim Osterfrühstück die Tische und Stühle verstellt wurden, und alle Kinder plötzlich an einem anderen Platz saßen.
Das war sehr schlimm für mich, ich hatte mein Gefühl von Sicherheit verloren.

Am allerschlimmsten war es, als einmal die Feuersirene losging und alle Kinder nach draußen auf den Spielplatz gehen mußten. Die Feuerwehr kam. Es war kein Feuer im Kindergarten. Ich wurde so wütend, ich schrie meine Erzieherinnen an, sie hätten mich belogen. Die Feuerwehr dürfe nur kommen, wenn ein Feuer ausbricht. Für mich gab und gibt es viele Regeln, die eingehalten werden müssen. Es gibt weniger wichtige Regeln und es gibt sehr wichtige Regeln, die niemals gebrochen werden dürfen. Dies war so eine Regel.

Meine Mama und mein Papa gingen dann mit mir zu einem Institut, das sich SPZ nennt.
Dort können Eltern mit ihren Kindern hingehen, wenn sie glauben, das das Kind eine Behinderung haben könnte, oder wenn sie sich unsicher sind, weil ein Kind sich so anders verhält, wie die meisten anderen Kinder sich verhalten.
Im SPZ gibt es viele Ärzte, die sich besser mit Krankheiten, Behinderungen oder auch Autismus auskennen, als der Kinderarzt das kann.
Meine Mama und mein Papa hatten keine Ahnung warum ich so anders war, aber sie wollten mit einem Arzt aus dem SPZ darüber sprechen.

Die Ärzte waren dort sehr nett zu mir, sie spielten mit mir und wollten schauen, was ich schon so alles kann und staunten nicht schlecht, das ich schon schreiben und rechnen konnte, obwohl ich noch gar nicht in der Schule war.
“Ihr Sohn ist ein intelligenter Junge”, sagte die Ärztin. “Und Ihr Sohn hat (hochfunktionellen) Frühkindlichen Autismus”.
Was das bedeutete wussten meine Mama und mein Papa am Anfang auch nicht, aber sie lasen dann zuhause einige Bücher und trafen sich mit anderen Eltern , die “autistische” Kinder hatten. So lernten sie, mich besser zu verstehen und zu akzeptieren, das ich so bin, wie ich bin.


Am Ende der Kindergartenzeit hatte ich viel gelernt. Ich konnte die meisten Kinder nun erkennen, ich wusste wer von ihnen ein Junge oder ein Mädchen war, und mit einigen Kindern mochte ich nun auch spielen.

Meine Mama verabredete mich mindestens einmal in der Woche mit einem Kind aus der Kindergartengruppe, und es klappte immer besser mit dem “zusammen” spielen. Ich tobte nun auch mal wild durch das Haus mit dem anderen Kind, oder hüpfte mit ihm auf dem großen Gartentrampolin.

Wenn ich das Kind aber am nächsten Tag beim Spazieren gehen auf der Strasse traf, zusammen mit seiner Mutter, schaute ich schnell in eine andere Richtung und huschte vorbei. Wenn es freundlich :”Hallo” zu mir sagte, fluchte ich oft und flüchtete weiter. Meine Mutter sollte nicht anhalten, um sich mit der anderen Mutter zu unterhalten. Das konnte ich nicht aushalten, und außerdem wollte ich nicht mit dem Kind sprechen, weil wir nicht “verabredet” waren.
Kinder waren nur meine Freunde, wenn wir verabredet waren.


Im Sommer vor meiner Einschulung schenkte mir meine Mama eine Autoparkgarage für meine Autos. Ich freute mich sehr, und half fleißig dabei, sie zusammenzubauen. Als sie fertig war, konnte ich aber nicht damit spielen. Ich war sehr unglücklich darüber, denn es war eine Parkgarage mit “Regeln”, die nicht gebrochen werden durften. Auf den Plastiketagen waren kleine Parkplätze eingezeichnet mit Verkehrszeichen und Parksymbolen. Ich hielt mein rotes Auto in der Hand, und schaute zu dem Parklatz, auf dem ich es abstellen wollte, aber ich konnte es nicht tun, denn der Parkplatz war ein Behindertenparkplatz, und mein Auto war nicht “behindert”. Eine Alternative wäre für mich gewesen, mein Auto direkt neben der Auffahrt zu parken, aber auch dies ging nicht, denn hier war absolutes Halteverbot.
Meine Mama half mir dann, indem sie mit mir zusammen Aufkleber über die Symbole klebte. “Rote”, “Grüne” und “Blaue” Aufkleber. Nun konnte ich meine Autos in der entsprechenden Farbe dort einparken und war zufrieden.


Nun bin ich schon in der Schule, und es gefällt mir dort richtig gut.
Meine Mama bringt mich jeden Morgen in die Schule, denn der Weg wäre für mich allein zu gefährlich. Ich habe nämlich nach wie vor dieses “gute Gefühl”, wenn ich Dinge beobachten kann, die sich drehen, die blinken oder leuchten, etwa wie die Autoreifen von vorbeifahrenden Autos. Ich fange dann an zu hüpfen, spanne meinen ganzen Körper an und flattere mit meinen Händen. Mein Gesicht ist dabei oft verkrampft. Es sieht für Dich vielleicht komisch aus, wenn ich das mache, aber es geht mir gut dabei. Ich sehe die Dinge durch den Autismus oft anders, wie Du sie siehst, aber ich fühle mich wohl so. Wenn Du mich aber auslachst, weil ich das mache, dann fühle ich mich nicht mehr gut. Es macht mich traurig, wenn Kinder über mich lachen. Dich würde es bestimmt auch traurig machen, oder nicht? Wenn Du zum Beispiel eine Brille tragen müsstest, und jemand würde Dich deswegen auslachen?



Wenn ich so hüpfe, dann bin ich mit meinen Gedanken ganz woanders- viele sagen, ich “lebe dann in meiner eigenen Welt”.

Wenn ich an einer roten Ampel stehe, dann bleibe ich stehen. So wie Ihr das hoffentlich auch tut. Wenn es grün wird, gehe ich über die Strasse. Wenn die Ampel aber sehr schnell wieder zurück auf Rot springt, dann bleibe ich stehen, auch wenn ich noch nicht auf der anderen Seite angekommen bin. Es ist eine sehr wichtige Regel für mich, bei “Rot” stehenzubleiben, und ich kann nicht verstehen, das man trotzdem weitergehen muß, weil man schon halb über die Strasse gelaufen ist.

Aus diesen Gründen und noch einigen anderen brauche ich meine Mama oder einen anderen Menschen, der mich sicher in die Schule begleitet.
Es könnte sonst gefährlich für mich werden, ich könnte überfahren werden.


Meine kleine Schwester liebe ich sehr. Sie kann ich gut verstehen, was mir bei den meisten anderen Kindern oft nicht so gut gelingt.
Es fällt mir schwer, zu sehen, wenn ein Kind traurig ist, oder sich über etwas ärgert. Gefühle von anderen Kindern kann ich nicht immer erkennen. Manchmal klappt es schon recht gut und manchmal gar nicht so gut. Ich weiß dann meistens auch nicht, was ich tun soll, und gehe deshalb einfach weg. Das liegt daran, das ich das Gesicht von den Menschen um mich herum anders sehe, man sagt auch “anders wahrnehme”.

Stell Dich doch mal zuhause vor den Spiegel, und versuche “traurig” zu schauen. Und dann “glücklich“. Und vielleicht auch noch “wütend”. Beobachte dabei, wie sich Dein Gesicht verändert. Es ist nicht nur der Mund, der sich verändert, nein, auch die Augen, die kleinen Fältchen um Deine Nase herum und auch Deine Augenbrauen bewegen sich dazu.
Als Kind mit Autismus ist es schwierig für mich diese ganzen Bewegungen in Deinem Gesicht zu verstehen. Und anders, wie auf einem Bild “bewegt” sich Dein Gesicht auch noch dabei und verändert sich ständig.

Für mich ist es am einfachsten zu sehen, wenn ein Kind traurig ist, und dabei weint. Tränen sind für mich ganz klar ein Zeichen von Traurigkeit.



Auch Freude kann ich schon gut erkennen, denn die Kinder machen dabei Geräusche, sie lachen, und der Mundwinkel geht dabei ganz deutlich nach oben. Schwieriger ist es aber, wenn ein Kind ohne zu weinen “traurig” ist.
Und selbst, wenn ich es erkenne, dann weiß ich nicht, was das Kind möchte, was ich tun soll.
Vielleicht möchte es in Ruhe gelassen werden, vielleicht möchte es in den Arm genommen werden, vielleicht braucht es auch ein Pflaster, weil es verletzt ist. Für mich wäre es am einfachsten, wenn das Kind mir sagen würde, was es möchte. Zum Beispiel : “Tim, ich bin traurig, weil ein anderes Kind mich geärgert hat. Kannst Du mich in den Arm nehmen?” Leider sagen die wenigsten Leute, die traurig sind, was sie möchten. Sie denken, ich müsste doch wissen, das ich sie in den Arm nehmen soll.
Würde ein Kind dies zu mir sagen, dann würde ich es ganz bestimmt in den Arm nehmen. Ich wäre dann auch froh, weil ich dem Kind helfen konnte.



Wenn ich selbst traurig bin, dann möchte ich am liebsten für mich allein sein. Wenn ich mich verletzt habe, dann bin ich meistens total durcheinander. Für mich ist es sehr schlimm, wenn ich eine Wunde habe, die ich sehen kann. Ich schreie dann ganz fürchterlich und habe richtig Panik. Selbst, wenn die Wunde nur ganz klein ist. Wenn ich aber hinfalle, und mich stoße, so das zum Beispiel mein Arm geprellt ist, dann sehe ich die Wunde nicht, und ich merke auch keinen Schmerz. Viele autistische Kinder wie ich haben ein anderes Schmerzempfinden, was bedeutet, sie nehmen Schmerzen anders wahr wie die meisten Kinder.
Einige Kinder mit Autismus spüren überhaupt keine Schmerzen, und andere wie ich nehmen manche leichte Schmerzen ganz deutlich wahr, und andere Schmerzen, die tief im Körper sind, gar nicht, oder nur wenig wahr.

Was mir auch Schmerzen bereitet, ist für die meisten anderen Kinder überhaupt nicht schlimm. Zum Beispiel kann ich das Duschen nicht ertragen, weil sich der Wasserstrahl auf meiner Haut schlimm anfühlt.
Das gleiche ist, wenn ich eingecremt werde, Haare schneiden muß und vieles anderes auch. Ich kann die Berührungen nicht ertragen.
Im Sommer ist es etwas leichter für mich. Ich trage dann nur wenig Kleidung, ein T-Shirt und eine kurze Hose, so wie Du sicher auch, und wenn ich dann im Sand sitze, oder der Wind über meine Haut bläst, dann habe ich die ganze Zeit über das Gefühl, berührt zu werden. Ich kann mich dann daran gewöhnen. Im Winter aber ist mein Körper ja fast komplett mit Kleidung bedeckt und es kommt nichts an meine Haut heran. Wenn ich dann duschen muß ist es für mich zu viel Berührung auf einmal.

Ich möchte Dir noch einiges über mich erzählen, so interessiere ich mich zum Beispiel für alles, was mit Technik zu tun hat und rede auch sehr viel darüber. Ich baue mir Maschinen, die ich mir vorher ausgedacht habe und auf einem Papier skizziert habe, oder baue Schaltkreise mit meinem Elektrobaukasten.
Ich habe meiner Lehrerin erzählt, das ich gerne eine Wissenschafts- AG oder Technik- AG in der Schule hätte. Es gibt Theater- AG, Bastel AG und vieles andere, aber dies wäre eine AG, die mir sehr gut gefallen würde.
Wenn ich groß bin möchte ich Pilot werden. Das ist mein Traum, und meine Mama hat mir erzählt, das ich dafür immer fleißig sein muß in der Schule.
Ich bin fleißig, und gehe wirklich gern zur Schule. Ich lerne viel und mache “große” Fortschritte, wie meine Mama immer sagt.
Und deswegen werde ich auch irgendwann ohne Frau Schmidt in die Schule gehen können. Da bin ich mir sicher.

Wer weiß, vielleicht gehen wir dann beide zusammen, Du und ich ?!



Dieses Büchlein soll Dir das Thema “Autismus” ein bisschen näherbringen.
Man geht heute davon aus, das von 150 Kindern, eines eine autistische Störung hat. Nicht jeder Autist ist jedoch gleich. Es gibt einige, die eine sehr schwere Form von Autismus haben, die niemals sprechen werden, und keinen Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen können. Diese Menschen, so könnte man sagen leben die ganze Zeit über “in ihrer eigenen Welt.

Dann gibt es wiederum Autisten, die zwar sprechen können, aber sich trotzdem nicht normal unterhalten können. Sie wiederholen zum Beispiel ständig sinnlos irgendwelche Sätze oder laufen einfach auf die Straße ohne auf den Verkehr zu achten.

Andere essen jeden Tag dasselbe zum Mittag, ohne das es ihnen langweilig wird. Eine berühmte Autistin namens Nicole Schuster ißt zum Beispiel jeden Tag zum Mittag Wirsingkohl.





Es gibt auch leichte Formen von Autismus, so wie ich eine eher leichte Form habe.

Einige wenige Autisten haben besondere Fähigkeiten, zum Beispiel können sich einige den kompletten Hamburger Stadtplan merken, wissen genau wo jede Straße ist und wie sie heißt (dies nennt sich auch “Fotographisches Gedächtnis“), ein anderer kann unglaubliche Rechenleistungen vollbringen, besser wie jeder Computer.
Diese Menschen nennt man Savants. Die meisten Savants sind zudem auch autistisch, aber nicht alle. Es gibt auch einige Ausnahmen.

Es gibt Bücher und Filme über Autismus, aber sie alle geben nur einen groben Einblick in ein Leben mit Autismus, denn jeder Mensch ist verschieden, und so ist auch jeder Mensch mit Autismus verschieden.

Man spricht bei “Autismus” auch von einem “Spektrum”.
Das muß man sich vorstellen wie einen Regenbogen.
Auf der einen Seite des Regenbogens ist die sogenannte Normalität, bei der ein Mensch als nicht autistisch gilt, und auf der anderen Seite ist die schwerste Autismusform, die meist mit einer geistigen Behinderung einhergeht.
Jeder Autist befindet sich auf diesem Spektrum (dem Regenbogen)- wo genau er sich befindet, weiß niemand so genau, denn keiner kann genau sagen, wer den nun die schwerste Form hat und wer die leichteste Form hat. Die Übergänge sind fließend.
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Beitragvon maya64 » 17.02.2010, 09:32

hallo alexandra

das gefällt mir richtig gut was du geschrieben hast. :icon_thumleft: . Und für noch etwas jüngere Kinder genau richtig . echt super.

Gruß
Maya64

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Beitragvon Alexandra78 » 18.02.2010, 10:34

Liebe Maya,
es freut mich sehr, das Dir die Geschichte gefallen hat :)
Ich hoffe, das sich dadurch viele, die das Thema Autismus interessiert, ein ungefähres Bild davon machen können, wie es ist, ein autistisches Kind zu haben (bzw. wie es sich für das Kind anfühlt, selbst autistisch zu sein).
Auch für Klassenkameraden autistischer Kinder könnte es vielleicht hilfreich sein. :)
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Beitragvon ehemaliger User » 18.02.2010, 13:24

Boa Klasse Geschichte !


Da hast du viel gefühl rein gesetzt.

Darf ich die Geschichte Kopieren und unter deinem Namen bei mir im Forum setzen ?

Sandra73
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Beitragvon Sandra73 » 18.02.2010, 19:45

Hallo,

mir hat deine Geschichte sehr gefallen und für meine siebenjährige Tochter ist sie ideal, sie zeigt so deutlich, was in einem Autisten vorgeht. Meine Tochter geht in eine Kooperationsklasse, in den Regelbereich und in dem Koop-Bereich ist ein ganz schwer autistischer Junge, ich werde ihr die Geschichte mal vorlesen. Es wäre toll, wenn es sowas auch von anderen klassischen Behinderungen geben würde, ihre Freundin hat z.B. das Down Syndrom, was sie natürlich weiß und benennen kann aber wenig mit Inhalt füllen kann. Meine Süße ist durch ihren behinderten Bruder sehr sensibilisiert für diese Dinge, für sie sind solche Geschichten ideal.

Ganz liebe Grüße, Sandra
ge Tochterri
PS, *99, Gb,ADHS, seit 2017 Diagnose frühkindlicher Autismus,Epilepsie
PT, *02, PTBS

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Beitragvon Alexandra78 » 18.02.2010, 20:17

Hallo Bianka,

das darfst Du gerne tun :) Ich habe mir Deine Internet-Seite angeschaut- auch das Video, das Du eingestellt hast über Dein Forum. Ich finde es ist richtig klasse geworden- Respekt :icon_thumleft:

Hallo Sandra,

ich habe schon lange gesucht nach einem Kinderbuch über Autismus... leider fand ich nur ein einziges- es heißt "Dibs und der Delfin".
Bei Amazon.de habe ich aber allerhand Kinderbücher über das Down Syndrom gefunden. Bestimmt wirst Du da auch fündig werden :)
:icon_cheers:
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Beitragvon anja0711 » 18.02.2010, 20:20

hallo

auch ich fand die geschichte toll. hast du mit deinem sohn darüber gesprochen? wie gefällt sie ihm? ist es für ihn ok, das alle kinder in der schule dann sein bisheriges leben kennen?
stelle mir das gar nicht so einfach vor für ein autistisches kind. aber vll täusche ich mich da auch.

ach übrigens finde ich es für die erste klasse sehr passend. sie ist nicht schwer zu lesen bzw zu verstehen. *hut ab*

liebe grüße
Domenic, 12.01.1998
Cornelia de Lange Syndrom, Zwerchfellhernie-angeboren und operiert, Gastroösophagealer Reflux-operiert, Hyperbilirubinämie, Krämpfe....
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Beitragvon Alexandra78 » 18.02.2010, 20:23

Hallo Anja,
nein, ich habe nicht mir meinem Sohn darüber gesprochen. Und ich habe sie auch nicht mit in die Schule genommen, wie ich es eigentlich vorhatte, eben aus Angst, das dann noch mehr über ihn gesprochen oder gelästert wird... auch wenn der Junge in der Geschichte anders heißt wie mein Sohn, so ist es doch zu einem großen Teil unsere Geschichte- unsere Erlebnisse, und auch die beschriebenen motorischen Stereotypien sind so, wie mein Sohn sie macht. Die Kinder würde ihn sofort wiedererkennen, und ich möchte das nicht.
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Beitragvon anja0711 » 18.02.2010, 20:55

liebe alexandra

genau davor hätte ich auch n bissl angst. deswegen fragte ich ja. trotz alledem hast du dir sehr viel mühe gegeben. aber ich würde sie trotzdem deinem sohn mal vorlesen. vll empfindet er den autismus ja ganz anders als ihr

liebe grüße
Domenic, 12.01.1998
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