Ronald (Psychotherapeutischer Heilpraktiker ADS/ADHS)

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Beitragvon ehemalige Userin » 03.02.2010, 11:45

Hallo
Ich bin entsetzt wie verzweifelten Eltern das Geld aus der Tasche gezogen wird mit immer neuen Theorien über ADHS die völlig unhaltbar sind.
Zu Hellinger fällt mir nur Scientology ein.
Traurig wo wo gelandet sind.
Und das Kinder von der Einnahme von MPH zusammenbrechen habe ich noch nie im Leben gehört.
Anja

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Beitragvon ehemaliger User » 03.02.2010, 11:55

Erica hat geschrieben:Hallo,

sarah oettinger hat geschrieben:was du schreibst finde ich sehr interessant denn es gibt ja wirklich viele ADHS Betroffene die auch Traumata erlebt haben. Ich u.a. auch.


da stellt sich mir nur die Frage, ob es dann eigentlich wirklich ADS ist, wenn es klar einzugrenzende Traumata gegeben hat.
Sind dann die Symptome nicht eher Trauma-Nachwirkungen, die können ja ähnlich aussehen wie bei ADS?

VG
Erica


Hallo Erica,

könnte gut sein, so genau weiß ich das leider nicht. Das Trauma bei mir fing ja im Grunde schon mit der Geburt an. FG und Zwillingsschwester verloren. Es folgten noch so einige.

LG
Sarah

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Hindmarsh
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Beitragvon Hindmarsh » 03.02.2010, 12:12

Hallo Erica,

das sind ja gleich eine ganze Menge Fragen...

Ich habe eine Ausbildung bei Cora-Besser-Siegmund zum wingwave-Coach gemacht. Wingwave erweitert EMDR um den kinesiologischen Muskeltest, was die Behandlung tief liegender bzw. unterschwelliger post-traumatisch entstandener Emotionen ermöglicht. Meistens arbeite ich jedoch immer noch mit EFT, das mache ich schon einige Jahre lang.

Ich denke, das ADS/ADHS-Symptome verschiedene Ursachen haben kann bzw. multifaktoriell entstanden sind. Ich kann nur die psychischen Wirkfaktoren behandeln. Ich kann nicht ausschließen, dass es ADS/ADHS-Fälle mit ausschließlich genetischer Ursache gibt. Was ich sicher sagen kann ist, dass bisher alle Fälle in meiner Praxis tatsächlich Traumata hatten...

Es ist sicher Ansichtssache, ob man es ein Beziehungsproblem nennen will, wenn Kinder sich nicht verstanden fühlen und Eltern nicht mehr weiter wissen. Vielleicht ist der Ausdruck Kommunikationsproblem treffender. In meinem Konzept ist für Kommunikationsprobleme die Auflösung kalibrierter Schleifen vorgesehen. Eine kalibrierte Schleife (dieses Konstukt kenne ich aus dem NLP) liegt vor, wenn aus nichtigem Anlass ein furchtbarer Streit entsteht. Die Eskalation passiert, weil die Beteiligten weniger auf den Anlass reagieren, sondern hauptsächlich unbewusst auf nonverbale Signale und die dadurch bei ihnen ausgelösten Befindlichkeiten.

Die Konzentrationsprobleme werden am Kind behandelt. Soweit ich das bisher sagen kann, hängt der Erfolg ein Stück weit von der Schwere der Probleme ab. Gehen sie nicht weg, haben nur die Eltern eine Entlastung ihres subjektiv empfundenen Leidensdrucks erfahren. Dies wirkt sich dann auch positiv auf das Kind und die Partnerschaft aus.

Für die Selbstanwendung nutzen meine Klienten BEFT. Das ist eine Kombination aus EFT und EMDR, die ich meistens in der Praxis einsetze. Ich plane, ein kleines Video dazu auf der Homepage einzustellen. Es ist nicht vorgesehen, dass die Eltern mit ihren Kindern BEFT, EFT oder EMDR praktizieren.

Liebe Grüße

Ronald
Ronald Hindmarsh
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Beitragvon Erica » 03.02.2010, 12:46

Hallo Ronald,

aha, also ist BEFT ein Konzept, dass Du selbst aus EFT und EMDR entwickelt hast?
Eine Ausbildung in EMDR hast Du aber nicht gemacht, sondern in Wingwave, oder?

VG
Erica
Mama von Lena (18 Jahre), Frühchen, occipitale Partialepilepsie/ Panayiotopoulos-Syndrom, Herzrhythmusstörungen, Z.n. Schädelbasisfraktur/ SHT/subduralem Hämatom/ Hämatotympanon im April 2006, räuml.-konstruktive Wahrnehmungsstörung, Gesichtsfelddefekte, etc

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Beitragvon Erica » 03.02.2010, 13:22

Hindmarsh hat geschrieben:Hallo Erica,

das sind ja gleich eine ganze Menge Fragen


ja, ich habe mich im Studium damit auch beschäftigt, daher interessiert es mich auch sehr.


Was ich sicher sagen kann ist, dass bisher alle Fälle in meiner Praxis tatsächlich Traumata hatten...


Wenn die Patienten Traumata erlebt haben, bettet ihr dann die bisher erwähnten Methoden auch in eine Traumatherapie ein?
Ich kenne zudem EMDR und Traumatherapie als Methoden, in denen ein Trauma nicht unbedingt aufgelöst wird, sondern in das Leben integriert werden soll, da sich viele Traumata nicht einfach auflösen lassen.

Es ist sicher Ansichtssache, ob man es ein Beziehungsproblem nennen will, wenn Kinder sich nicht verstanden fühlen und Eltern nicht mehr weiter wissen. Vielleicht ist der Ausdruck Kommunikationsproblem treffender.


Den Begriff "Beziehungsproblem" habe ich aus Deinem Konzept übernommen, ich kopiere das mal hier hinein:

______________________
1) Die Symptome hängen mit traumatischen Erfahrungen in Beziehungskontexten zusammen. Hier spielen wiederkehrende Beziehungsmuster und von Bezugspersonen übernommene Emotionen eine wichtige Rolle....

"Kernstück ist die eigens für die Auflösung von Traumata in Beziehungskontexten entwickelte Methode der energetisch-systemischen Aufstellung."
_______________________


Die Konzentrationsprobleme werden am Kind behandelt.


Macht ihr dann klassisches Konzentrationstraining? Oder etwas anderes?

VG
Erica
Mama von Lena (18 Jahre), Frühchen, occipitale Partialepilepsie/ Panayiotopoulos-Syndrom, Herzrhythmusstörungen, Z.n. Schädelbasisfraktur/ SHT/subduralem Hämatom/ Hämatotympanon im April 2006, räuml.-konstruktive Wahrnehmungsstörung, Gesichtsfelddefekte, etc

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Beitragvon Hindmarsh » 03.02.2010, 15:46

Hallo Erica,

Du spornst mich an, das BEFT-Video so schnell wie möglich fertig zu machen. Ich benachrichtige Dich, wenn es online ist, OK?

Vielleicht müssen wir uns einigen, was wir unter einem Trauma verstehen wollen. Für mich ist ein Trauma eine seelische Wunde, die nicht immer nur auf ein einziges unverarbeitetes Ereignis zurückzuführen ist. Traumata können auch durch Kommunikationsmuster in Beziehungen entstehen. In aller Regel ist es diese Sorte Trauma, denen ich in der ADS/ADHS-Behandlung begegne.

Das Problem bei diesen Traumata ist hauptsächlich die post-traumatische Bildung von Glaubenssätzen (Beliefs) über sich selbst. Hier ein konstruiertes extra-krasses und vereinfachtes Beispiel zur Verdeutlichung des Prinzips:

Kommunikationsmuster:
Vater kommt immer spät und gestesst von der Arbeit und kann sich nicht mit seinem Kind beschäftigen.

Resultierender Belief beim Kind (schlimmstenfalls):
„Ich fühle mich vom Vater ignoriert, also bin ich es nicht wert, überhaupt da zu sein“

Ich gehe davon aus, dass alle Eltern ihre Kinder im Grunde ihres Herzens zutiefst lieben (in diesem Punkt stimme ich mit Hellinger überein). Auch wenn sich der Vater unterstelltermaßen allein aus Liebe zu seiner Familie überarbeitet und hier eigentlich ein krasses Missverständnis passiert ist: Für die Befindlichkeit des Kindes ist nicht die Absicht des Vaters, sondern vielmehr sein subjektives Erleben entscheidend. In diesem Fall hat das fatale Folgen für das Kind und, wenn es irgendwann ausrastet, für die ganze Familie und das soziale Umfeld.

Danke für Deinen Hinweis zum Begriff des „Beziehungsproblems“. Ich habe im zitierten Text den Begriff „Beziehungsmuster“ durch „Kommunikationsmuster“ ersetzt. Ich hoffe, es wird dadurch klarer.

Zur Konzentrationsfähigkeit kommt ein Kind bei mir wie folgt (beispielhaft):

1) Das Kind schreibt einen Text ab. Dann gibt es irgendein leises Geräusch von der Straße und es ist sofort abgelenkt.

2) An diesem Punkt ermittle ich die schwächende Emotion, die das Kind aufhorchen und in einen Alarmzustand gehen lässt. Das kann zum Beispiel sein, dass es denkt, es kommt jemand oder dass es etwas wichtiges verpasst oder ...

3) Diese schwächende Emotion wird dann mit BEFT, EFT oder EMDR behandelt (die Kriterien dafür, welche Methode da gerade am besten passt, würden hier den Rahmen sprengen).

Es geht also auch hier nicht um das Lernen und Trainieren von erwünschtem Verhalten sondern um die Entmachtung von schwächenden Emotionen und Beliefs, die das Verhalten steuern. Völlig anderer Ansatz als der therapeutische Mainstream, zugegeben...

Liebe Grüße - Ronald
Ronald Hindmarsh

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Beitragvon dagmar neo frea » 03.02.2010, 16:18

hallo ronald

auch auf die gefahr hin,das ich jetzt alles falsch verstanden habe,weil ich es zu flüchtig gelesen habe,ist es richtig,das ihr diese kommunikationstraumas mit klopfen auf akupunkturpunkte beheben wollt,also und dann sätze dazu sagen?
sorry,wenn ich das alles mißverstanden habe,darum frage ich lieber nochmal nach :wink:

l.g.
Dagmar *1962,Robert *1965,Frea Jakobine *1985, T21,operierter AV- Kanal,Neo Leander*2004, HFA

http://www.institut-fuer-menschenrechte ... rpd_de.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=dVrX7Gqjzs0

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Beitragvon Hindmarsh » 03.02.2010, 16:54

Hallo Dagmar,

ja, die Traumata werden tatsächlich durch Klopfakkupressur (manchmal auch mit EMDR) aufgelöst.

Diese Methoden sind für viele Menschen total neu. Ich habe, genau wie praktisch alle denen ich das erzähle, das zunächst selbst als völligen Quatsch und Humbug eingestuft. Dann habe ich es selbst versucht und überraschend immerhin eine kleine Verbesserung meiner damligen Atemnot erreicht. Da ich ein sehr neugieriger Mensch bin, habe ich mich näher informiert. Heute entwickle ich die Methoden weiter und arbeite beruflich damit.

Wenn Du Dir 3 Minuten Zeit nehmen willst, schau mal dieses Video an (stark verkürzte Version der Heilung einer Rattenphobie):
http://www.youtube.com/watch?v=F2YMS1Z10SA

Was Du siehst ist kein Wunder sondern die Anwendung einer modernen energetischen Therapiemethode. Du kannst dir hunderte weitere solcher Videos auf youtube ansehen, das Spektrum reicht bis hin zu schwerst traumatisierten Vietnamveteranen. Oder Du bestellst Dir ein Buch bei Amazon über EFT oder eine andere Variante der Klopfakupressur (auch davon gibt es hunderte):
http://www.amazon.de/gp/bestsellers/books/404352

Ausser mir haben bestimmt schon viele versucht, EFT bei ADS/ADHS anzuwenden. Der Knackpunkt ist, dass EFT nur funktioniert, wenn die Sätze - respektive die schwächenden Emotionen - zutreffend benannt werden. Dummerweise ist die Psychodynamik eines Bündels von ADS/ADHS-Symptomen ungleich komplexer als die einer Rattenphobie...

Liebe Grüße - Ronald
Ronald Hindmarsh

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Beitragvon AnjaD » 03.02.2010, 17:35

Hallo, Ronald!

Ich finde Deinen Ansatz der Therapie extrem interessant - bin selbst auch schon mit EMDR behandelt worden (hat jetzt nix mit ADHS zu tun gehabt, aber egal).

Beziehst Du denn bei der Behandlung der "schwächenden Emotionen" tatsächlich auch die Eltern mit ein? Ich denke, wenn man nur die Kinder behandelt, die Eltern aber weiter auf bestimmte Trigger in einer bestimmten "falschen" Art reagieren, dreht sich doch alle im Kreis.....
In dem Fall verstehe ich nur den Begriff der "Kurzzeittherapie" nicht so ganz, denn "kurz" kann die Dauer doch eigentlich nicht sein. Kannst Du vielleicht mal eine "durchschnittliche Therapiedauer" angeben?

Ich habe übrigens auch einen 11-jährigen Sohn (siehe Signatur), der mit MPH behandelt wird. Glücklich sind wir alle damit nicht, er verändet sein Wesen unter der Behandlung doch sehr und die eh schon arg strapazierte Beziehung zwischen ihm und mir wird ehrlich gesagt immer schlechter.... Auch wenn es in der Schule jetzt besser klappt....
Die Situation wird ja nun durch das Vorhandensein von 3 Geschwistern, davon eine geistig und körperlich behinderte Schwester nicht unbedingt einfacher... :? Man hat ja als Mutter NIE die Zeit, die man für jedes einzelne Kind bräuchte....


GLG Anja
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht.
Vaclav Havel

Anja (*1969)mit F. und D. (*1998), D.: ADHS, L. (*2001) vorgeburtl. Schlaganfall, Hemiparese, Epi, GB und Y. (*2004) V.a. ADHS

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dagmar neo frea
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Beitragvon dagmar neo frea » 03.02.2010, 18:42

ronald hat geschrieben:


[Es geht also auch hier nicht um das Lernen und Trainieren von erwünschtem Verhalten sondern um die Entmachtung von schwächenden Emotionen und Beliefs, die das Verhalten steuern. Völlig anderer Ansatz als der therapeutische Mainstream, zugegeben]


meine frage ist diesbezüglich, das es ja sein kann,das die schwächenden emotionen durchaus ihre berechtigung haben können

wenn man jetzt vom beispiel ausgeht,zieht das kind ja einen schluß aus dem tatsächlichen verhalten des vaters,einen kindlichen schluß eben

von daher finde ich es irgendwie nicht ganz verständlich,warum man in dem fall die schwächenden emotionen wegklopfen will,es müßte sich doch eher das verhalten des vaters ändern

würde ich jetzt das von anja vorgegebene prozedere durchspielen,also alle werden beklopft,damit alle keine schwächenden emotionen haben,frage ich mich,wie man dann noch erkennen will,wenn was im argen ist
oder umgedreht,würde man alle menschen auf der welt beklopfen und besprechen,hätten wir weltfrieden :roll:

vielleicht kanst du das ja doch nochmal aufklären

l.g.
Dagmar *1962,Robert *1965,Frea Jakobine *1985, T21,operierter AV- Kanal,Neo Leander*2004, HFA



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