Männer

Hier könnt ihr Gedichte, Texte und kleine Geschichten zum Thema "besonderes Kind" einstellen und darüber dikutieren.

Moderator: Moderatorengruppe

Uli50
Gast
Gast
Beiträge: 30
Registriert: 21.12.2009, 20:28

Männer

Beitragvon Uli50 » 26.12.2009, 13:21

Gedanken eines Mannes beim Weihnachtstrreffen der Eltern, die in diesem Jahr ihr Kind verloren haben, in Bad Saarow, 24.12.2009!

Männer nehmen in den Arm

Ich habe außer meiner geliebten Frau niemand erlebt, der mich in dieser Zeit, als Halina von uns gegangen ist, auch nur einmal in den Arm genommen hätte.

Und wir beide haben uns nach ihrem Hinübergehen zum ersten Mal seit Monaten wieder richtig in den Arm genommen.


Männer geben Geborgenheit

Wer hat mir und wer hat uns Geborgenheit gegeben?


Männer weinen heimlich

Wer hätte mich weinen sehen wollen?
Ein anwesendes Fernsehteam, das uns über zwei Jahre mit Halina begleitet hat, hat bewußt gewartet, wenn ich einmal geweint habe.


Männer brauchen viel Zärtlichkeit

Ich bin meinem Schatz dankbar für viel Zärtlichkeit gerade in den
schweren Stunden um den Abschied von Halina.


Männer sind so verletzlich.

Haben mir die Leute vom Krankenhaus gesagt als ich mich über die unpersönliche Atmosphäre dort beklagt habe.

Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich.

Das sind Männer sicher nicht.
Nur: warum zeigen sich betroffene Väter so selten in der Öffentlichkeit, z. Bsp. auch in REHAkids in ihrer Not und mit ihren Problemen mit schwerstkranken und / oder schwerstbehinderten Kindern?

Männer haben's schwer, nehmen's leicht.

Stimmt das? Nehmen wir Männer es leicht, z. Bsp. wenn wir mitansehen, wie sich unsere Frau / Partnerinnen fast ganz im Dasein für unser (gemeinsames) Kind verzehren und sich selbst und uns kaum mehr wahr - und ernstnehmen?

außen hart und innen ganz weich

Sind wir das, oder ist es nicht vielmehr so, daß wir "hart" gemacht werden?


Wann ist ein Mann ein Mann?

Ich bin ein ganzer Mann und gerne ein Mann.
Ich habe mich in den letzten Jahren oft gefragt, warum ich nie, auch nicht in der Öffentlichkeit als Mann wahrgenommen wurde. Ich war "nur" der Vater von Halina, der Vater eines schwerstkranken Kindes und der "Partner" der Frau, die sich fast ganz für dieses Kind aufgegeben hat.
Aber wir waren auch in diesen schweren Zeiten Frau und Mann, jeden Tag und jede Nacht!

Wann ist ein Mann ein Mann?

Männer führen Kiriege

Wie oft meine Frau und ich uns in den Jahren mit Halina gestritten haben, weiss ich nicht mehr, nicht selten, zu oft.
Warum haben wir uns und Halina das zugemutet?
Warum haben wir die Zeit des Krieges nicht genutzt um uns lieb zu haben?
Warum haben wir die Zeit des Streites nicht genutzt um uns zu begegnen, so wie wir waren und sind?

Männer sind furchtbar schlau.

Und Frauen auch!

Warum haben wir nicht zugegeben, dass wir mit unserem Wissen am Ende sind, und uns gemeinsam noch besser informiert?


Männer machen alles

Ich habe wirklich versucht "alles" zu machen und habe das Wichtigste vergessen:

Einfach dasein, das wäre oft besser gewesen als "alles" zu machen!


Wann ist ein Mann ein Mann?


Männer kriegen keine Kinder.

Das ist halt auch falsch. Wir bringen unsere Kinder nicht zur Welt, aber jedes Kind hat einen Vater. Jeder Vater hat ein Recht auf auch sein Kind und auf die Sorge um dieses Kind, auch die "Väter", die erst nach der Geburt des Kinder die Stelle als Vater angenommen haben.


Männer sind auch Menschen.

Ich möchte Mann und Mensch sein, heute und an jedem Tag!


Männer sind etwas sonderbar und ...

Frauen auch .... das ist wunderbar!


Männer sind so verletzlich

Das war und bin ich auch.
Ich verteile dann "Schläge" und wundere mich, daß die Wunden meiner Verletzungen nicht heilen.

Beim Tod von Halina ist mir klar geworden wie sehr ich meine geliebte Frau in den Jahren mit unserem Sternlein veletzt habe.

Lass mir Zeit mein Schatz mit Dir zusammen die Wunden zu heilen und heilen zu lassen!

Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich.

Das sind wir Männer wahrlich nicht.

Aber wir wollen auch wahrgenommen werden ... wenn wir stark sind und wenn wir schwach sind, wenn wir fröhlich sind und wenn wir trauern.

Danke Euch allen, die ihr mir hier Raum gegeben habt, mich so einzufinden, wie ich bin.

(mit Genehmigung des Verfassers: Roland Staudinger)

Ich frage mich, ob es nicht vielen Männern hier genauso geht!
Und ich möchte Euch Männern mitteilen, daß ich meinen Mann nach diesem Treffen ganz fest in den Arm genommen habe.

Auch wir haben uns bei aller Sorge um unsere eigenen drei Kinder und um meinen lieben Neffen - beinahe verloren!

Danke allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an diesem Treffen für ihre Offenheit!

Nächster Treff: 06.01.2010, 10 Uhr, Potsdam

L G

Uli

Werbung
 
Benutzeravatar
Dirk K
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2070
Registriert: 11.12.2004, 10:44
Wohnort: Hauset, Belgien, nah bei Aachen

Beitragvon Dirk K » 26.12.2009, 17:17

Hallo Uli,

mir gehts genauso - und ganz anders.

LG
Dirk
Papa von den 09/01 geb. Zwillingen Rebecca, gesund, und Nadja, ehem. eutrop. Frühgeb., blind, periventrikuläre noduläre Heterotopie, Hydrocephalus mit Shunt versorgt, Balkenagenesie, Kleinhirndisplasie, unterschiedlich schwere Epilepsie, geistig und motorisch retardiert, nach Unfall 2005 posttraumatischer ADH-Mangel und Diabetes Insipidus

Uli50
Gast
Gast
Beiträge: 30
Registriert: 21.12.2009, 20:28

Beitragvon Uli50 » 26.12.2009, 23:16

Hallo Dirk!

Das ist eine interessante Antwort! Wäre toll, wenn Du das "ganz anders" mal beschreiben könntest!

Liebe Grüsse nach Belgien!

Wir sind öfters in Moresnet, ist das in Eurer Nähe?

Paul15
Gast
Gast
Beiträge: 37
Registriert: 14.09.2009, 15:26
Wohnort: Berkenbrück

Beitragvon Paul15 » 27.12.2009, 09:29

Hallo Uli!

Hallo Roland!

Es gibt weder "Männer" noch "Frauen"!
Es fällt mir auf, daß Du in Deinem Text einmal von "Männern" sprichst und dann von Dir: "Ich".

Meine Gefühle sind meine Gefühle, mein Frohsein mein Frohsein und mein Traurigsein mein Traurigsein.

Wenn "Männer" und "Frauen" das spüren und leben, daß sie kein "Typ" sind sondern ein Mensch mit Herz und Verstand, dann würde es in schönen und in schweren Tagen leichter sein, den Menschen, für die wir Verantwortung tragen, glaubwürdig zu zeigen, daß ich sie / ihn liebe, nicht "Frau" oder "Mann", und die beiden können diese ihre je eigene und gemeinsame Liebe dann auch an ihre Kinder oder an die weitergeben, für die sie Verantwortung tragen.

"Männer weinen heimlich"

Wen wundert das?

Traurige Männer dürfen sich nicht zeigen. Tun sie es werden sie nicht selten sowohl von Frauen und Männern lächerlich gemacht. Das muss ich zum Bsp. nicht haben.
Ich kann mit Kindern und Jugendlichen weinen, mit Erwachsenen nur, wenn wir uns sehr gut kennen und einander vertrauen.

Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag!

L G

Hermann

Uli50
Gast
Gast
Beiträge: 30
Registriert: 21.12.2009, 20:28

Beitragvon Uli50 » 27.12.2009, 11:12

Hallo Hermann!

Das tönt nicht gut!

Deine Gefühle sind Deine Gefühle aber sie sind zugleich auch die eines Mannes.
Ich verstehe, was Du sagen willst.
Es wäre schlimm, wenn Du Deine Gefühle als Mann und Mensch nicht offen zeigen darfst oder kannst. Red mal mit Deiner Frau oder Partnerin darüber! :wink:
Wenn Du Dich so beherrschen kannst, daß Du nicht als weinender Mann zeigen willst und kannst, dann ist das - mit Verlaub! - typisch männlich und nicht menschlich.
Ich will Dir nicht böse, allein: wenn Dir zum Weinen ist, dann weine.
Lass es bröseln! Mauern der Angst, z. Bsp. der "lächerlich gemacht" zu werden, töten.
Du bist doch mitten im Leben! Weine vor Lachen, das macht lebendig!

Liebe Grüsse

Uli und Rudi

Paul15
Gast
Gast
Beiträge: 37
Registriert: 14.09.2009, 15:26
Wohnort: Berkenbrück

Beitragvon Paul15 » 27.12.2009, 14:17

Liebe Uli!

Wann ist der Mann ein Mann?

Dass ich mitten im Leben bin stimmt, ich möchte so alt wie Jopi Heesters werden! :D , so ich dieses Leben leben kann.

Das andere: Ich denke niemand von uns weiß wieviele Mauern um uns eingerissen werden müssen, weil wir manche garnicht kennen oder auch nicht wahrnehmen wollen! Wenn ich an meine Tränen aus den letzten vier Wochen denke, dann staune ich jeden Tag und jede Nacht mehr, wieviel da bröseln "muß (-te)", wenn dem so war und ist. Manchmal weint Mann auch aus Sehnsucht, aus Liebe, aus Schuldbewußtsein und nach "Rat" (?) - Schlägen (!!)", die ihren Grund auch darin hatten, sich selbst in einem Streit und in einer Not zu profilieren.
Mir ist das Lachen in den letzten Wochen fast vergangen, eines aber hält mich: Das Lächeln eines Kindes und das Lachen über das, was wir gemeinsam erlebt und worüber wir uns gefreut haben.
Glücklich ist, wer nicht vergisst! Im dankbaren Erinnern kann ich dann auch wieder über mich selbst lachen, und das hilft mir manchmal mehr als Lachen über lustige Gespräche oder Comedy!

Danke und liebe Grüsse an Euch beide!

Hermann

Benutzeravatar
Dirk K
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2070
Registriert: 11.12.2004, 10:44
Wohnort: Hauset, Belgien, nah bei Aachen

Beitragvon Dirk K » 27.12.2009, 20:07

Hallo Uli,

erstmal, Moresnet ist praktisch gleich um die Ecke.

Anders bei mir ist z.B., daß ich nicht daran denke, heimlich zu weinen. Entweder spontan, egal wann und wo, oder gar nicht.
Das hat mir nie irgendwelche Ablehnung oder (offenen) Spott eingebracht. Vermutlich traut sich niemand, dazu sehe ich wohl zu kerlig aus...
Meine Gefühle trage ich offen, allerdings können die so schnell wechseln, daß Fremde nicht mitkommen.

Auch ich denke, daß Männer nicht unersetzlich sind.
Aber wir sind da, und wir haben unseren Platz verdient, wenn man von einigen "netten" Geschlechtgenossen mal absieht.

Es ist irgendwie falsch, von "Männern" und "Frauen" zu reden, wenn wir alle Menschen und Eltern sind. Und doch hat die Geschlechtertrennung auch wieder Sinn.
Ich meine nicht das typische Rollenverständnis von der Frau am Herd und dem Mann auf der Arbeit. Viele hier wissen, daß ich z.B. diese Rolle lange Zeit mit meiner Frau getauscht habe, mittlerweile teilen wir uns diese "Rollen" komplett.
Was aber Sinn macht, ist die Art, wie man nach aussen präsentieren kann.
Würde ich manchen Kampf meiner Frau nicht überlassen, würde einiges Eskalieren.
Würde jedoch manchmal eine Eskalation ausbleiben, kämen wir nicht weiter.
Vielleicht nicht sehr verständlich geschrieben, aber ich will hier nicht ins Detail gehen.

LG
Dirk
Papa von den 09/01 geb. Zwillingen Rebecca, gesund, und Nadja, ehem. eutrop. Frühgeb., blind, periventrikuläre noduläre Heterotopie, Hydrocephalus mit Shunt versorgt, Balkenagenesie, Kleinhirndisplasie, unterschiedlich schwere Epilepsie, geistig und motorisch retardiert, nach Unfall 2005 posttraumatischer ADH-Mangel und Diabetes Insipidus

Werbung
 
Uli50
Gast
Gast
Beiträge: 30
Registriert: 21.12.2009, 20:28

Beitragvon Uli50 » 28.12.2009, 17:17

Hallo Dirk!

Das gefällt mir sehr gut, was Du da geschrieben hast.

Wenn wir wieder mal in Moresnet sind, werde ich Dir schreiben!

Finde es toll, daß Du schreibst: "wir sind da und wir haben unseren Platz verdient".

Wir Frauen sehen das ja nicht immer so.

Ganz toll finde ich den Satz: "Würde ich manchen Kampf meiner Frau nicht überlassen, würde einiges Eskalieren. Würde jedoch manchmal
eine Eskalation ausbleiben, kämen wir nicht weiter!"

Stark! Warum nehmen das so wenige Paare so positiv wie Ihr an?
Ich muss zugeben, da muß ich auch noch zulernen!

Danke für Deinen Beitrag!

Gruß Uli


Zurück zu „Gedichte/Prosa“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste