Mütter und Kinder (Töchter) - die besondere Beziehung?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Sandra ...
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Beitragvon Sandra ... » 15.10.2005, 19:46

Hallo Annamirl!

Dein Bericht hat mich stark erschreckt.Vielleicht hatte Deine Mutter psychische Probleme?!Vielleicht brauchte sie diese Vorführungen bzw.das Mitleid,um es besser zu verarbeiten?Wie hat Dein Vater auf all das reagiert?!Hast Du Dich je mals darüber mit ihm unterhalten?
Ich denke,wir versuchen unsere Tochter zu einem selbstständigen und selbstbewußten Menschen zu erziehen.Sicher fällt einem das Loslassen manchmal schwerer,man hat sicher auch mehr Angst.Beispiel:Christins Freunde dürfen teilweise schon allein zur Schule fahren.Von uns aus fährt man ca.10Min.mit Rad.
Die Sicherheit,wie Radweg oder Ampel sind gegeben.Ich habe angst,daß sie das Gleichgewicht verliert,wegen schulra.auf Gepäckträger oder entgegenkommenden Radfahrer,....Dann fällt sie womöglich auf die stark befahrene Straße.....Auch in Sachen Geduld muß man sich öfter üben.Ein schlechtes Gewissen?Manchmal ja,aber ich denke jeder macht Fehler und sie weiß,daß wir sie lieben.
Man braucht sicherl.auch Zeit zu verarbeiten,daß sein Kind sich anders entwickelt als andere.Wie lange?Hängt wohl vom jeden einzelnen ab und von dem handicap des Kindes.
Alles in allem entschuldigt nichts das Verhalten deiner Mutter!!!!!!!!Hatten Deine Eltern vielleicht Eheprobleme,oder hatte sie eine schlechte Kindheit?!War sie beliebt bei ihren Patienten?!

L.G.Sandra

annamirl

Beitragvon annamirl » 17.10.2005, 17:22

Ein ganz schnelles, aber liebes Danke fürs Lesen und Anztworten. Bin grad ziemliche im beruflichen Stress und daher kommt meine Antwort morgen!
LG
annamirl

Frau Antje
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Beitragvon Frau Antje » 17.10.2005, 17:43

Hallo Annamirl,

der allererste Gedanke der mir durch den Kopf schoß:

deine Mutter könnte das erweiterte Münchhausen Syndrom gehabt haben.

Hier manipulieren dann die Mütter nicht an sich (wenngleich bisweilen zusätzlich), sondern an einem oder mehrerer ihrer Kindern. Es sollen also Symptome vorgetäuscht oder verstärkt werden, um das Kind in Kliniken aufnehmen zu lassen, ja um medizinische Eingriffe bis hin zu Operationen zu provozieren.

Solche Mütter erscheinen - nach außen - erst einmal besonders fürsorglich und besorgt. In Wirklichkeit liegt hier eine krankhafte Identifikation vor, also eine in gemütsmäßiger Hinsicht krankhafte Gleichsetzung mit einer anderen Person, in diesem Fall zwischen jemand mit Münchhausen-Syndrom, der dieses Leiden auch noch auf sein Kind überträgt. Dabei fällt zuerst einmal die überaus enge Beziehung zwischen beiden auf. Und dann der sonderbare Umstand, dass dieses Kind selbst schmerzhafte Eingriffe geduldig über sich ergehen lässt, wenn sie von der Mutter in die Wege geleitet wurden.


Ich möchte hier keinerlei Erinnerungen oder Gefühle verletzen. Falls doch: bitte entschuldige.
Sicherlich kann ich auch irren. Wie bereits geschreben- das war so mein erster Gedankenanflug...
LG Antje
*******************************
Oma von Leonard * 2003 Autist schwerste Verhaltensstörung

annamirl

Beitragvon annamirl » 19.10.2005, 11:55

Hallo Ihr Lieben,
ganz lieben Dank fürs Lesen und die tollen Antworten.

Ich versuch mal eure Fragen zu beantworten....
Meine jüdische mutter wurde mitten ins Nazideutschland geboren, 1938. Ihre Eltern haben sie über die Organisation "boat-children" außer Landes geschmuggelt, selbst kamen sie in KZ´s um. In England lebte sie bei Pflegeeltern, die sie nach dem Krieg wieder nach Deutschland schickten. Hier wurde sie dann durch jüdische, heimähnliche Organisationen betreut. Besonders verwöhnt wurde sie dort eher nicht. Versehentlich wurde sie recht früh schwanger und musste dann allein ein Kind groß ziehen. Irgendwie hat sie aber ihr Med-Studium gepackt, meinen Dad kennen gelernt, meine Schwester und mich bekommen, Kberufliche und politische Karriere gemacht. Ein Teil an ihr, den ich durchaus sehr bewundere.

Mein Dad hat irgendwie mit seiner Mutter das KZ überlebt. Genaueres hab ich nie erfahren, außer dass sie in Süddeutschland in einem "harmloseren" KZ waren.
Er hat mit 15 Abi gemacht, diverse Stipendien bekommen, spricht 9 Sprachen und beschäftigt asich am liebsten mit theoretischen Dingen. Er ist mehr in der Wissenschaft tätig als als Arzt.

Ganz sicher hatten und haben beide so ihre eigenen Probleme, das bringt ihre Lebensgeschichte mit sich.
Was mein Vater sagte? Wenig, er arbeitete und arbeitet.
Er hatte ansonsten die "nettere" Rolle in meiner Kindheit. Er spielte auch mal mit mir, weckte mein Interesse die alten Griechen und Römer, er brachte mir Sprachen bei und erklärte mir, warum es besser ist mit der Sense zu mähen als mit dem Rasenmäher :wink:
fragen zu meiner Krankheit beantwortete er nur ausweichend und meist verharmlosend. "Och, so ein Tumor ist nix schlimmes, den kann man rausoperieren.", "wenn du Kopfweh hast, dann denk einfach, das geht vorbei".
Schlimm wurde es, als ich mich selbst baden, anziehen, etc wollte. Erst war er zu tode betrübt dann wütend. Muttern hat das geklärt, duschen ist eh zu gefährlich für mich, ich könnte ja ausrutschen, baden darf ich alleine nicht, könnte ja was passieren und außerdem will sie nicht die Schweinerei, dich ich veranstalte, aufwischen. Punkt. Und so wurede ich peinlicherweise bis zu meiner Flucht ins Internat mit 12 von Daddy gebadet, an und ausgezogen.


......


Leider muss ich jetzt arbeiten, ich schreib heute abend weiter.

So long,
annamirl

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Beitragvon marianne » 19.10.2005, 14:39

Hallo annamirl, nachdem ich nun die Kindheitsgeschichte deiner Eltern gelesen habe, finde ich, dass mir gar keine "Beurteilung" des Verhaltens deiner Mutter mehr zusteht, denn mein Vater gehörte als junger Soldat zur Generation derjenigen, die dieses unsägliche unmenschliche Verbrechen an deinen Eltern samt ihren Familien und an Millionen anderen verantwortet oder nicht verhindert haben. Es ist ja bekannt, dass Gewalt und Aggression, Misshandlung und Traumatisierung in der Kindheit natürlich zu vielen psychischen und emotionalen Störungen und eigenem Fehlverhalten führen. Täter sind oft selber Opfer gewesen. Und deine Eltern müssen ja Entsetzliches gesehen und gefühlt haben und entsetzlich verstört nach dem Krieg gewesen sein. Also sind unsere deutschen Vorfahren eigentlich sehr wahrscheinlich in erster Linie schuldig an dem, was deine Eltern dir an nicht genug liebevoller Rücksicht haben geben können. Davon kannst du ausgehen, es lag NICHT an dir und -wie ich es nun verstehe- nicht mal an deinen Eltern, sondern an den nie aufgearbeiteten Nachwirkungen des Dritten Reiches. Findest du das nicht auch wahrscheinlich?

Lieber Gruß

Marianne

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Beitragvon marianne » 19.10.2005, 14:59

Auch meine Eltern, (meine Mutter als Kind in Bombenangriffen, die heute noch in der Folge Panikanfälle hat und mein Vater als mehr und mehr entsetzter sehr junger Soldat, dem in Russland als Verwundeter fast die Füße abgefroren sind, der in Kriegsgefangenschaft war, dessen Vater auf der Flucht gestorben und dessen Mutter von den Russen vergewaltigt wurde, der nie mehr in seinen Heimatsort zurückkonnte, der sich aber natürlich nicht als Opfer leidtut) tragen noch heute an den Folgen dieser Erfahrungen, nicht nur an der Schuld dieser Generation, sondern auch an den traumatischen Kriegserfahrungen, die sie selber natürlich auch machten und auch, als sie die Verbrechen in ihrer ganzen Tragweite begriffen. Ich habe so folglich keine emotional ausgeglichenen Eltern gehabt und weiss bis heute nicht, wie gestört sie durch diese Erfahrungen als Eltern später waren und sind.

Aber vielleicht ist dieser Aspekt für dich hier in der Diskussion gar nicht der zentrale, sondern natürlich deine eigenen Kindheitserfahrungen. Aber ich als Tochter meiner Eltern muss dir und deinen Eltern natürlich mein riesiges Bedauern und Mitgefühl aussprechen, das ist auch klar, oder?

Nochmal lieber Gruß

Marianne

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Beitragvon Isolde » 19.10.2005, 16:32

Hmmm.............. Marianne,
ich bin nicht annamirl - aber ich habe genau gelesen, was Du geschrieben hast.
Ich kriege das vom Gefühl her noch nicht so in den Griff.
Unterm Strich stimmt das natürlich alles was Du da geschrieben hast.

Meine Eltern, kurz nach dem 1. Weltkrieg geboren, den 2. Weltkrieg in ihrer Blütezeit erlebt, jeder erst alleine, dann fanden sie sich und erlebten die Restzeit zu zweit, haben danach geheiratet, 1948 das 1. Kind bekommen wos nix zu essen im Saarland gegeben hat - sie haben auch viel durchgemacht, natürlich anders als die Eltern von annamirl. Mein Vater hatte Glück gehabt, dass er vor den Toren Stalingrads verwundet wurde. Ihm wurde der Kessel von Stalingrad erspart - ein Glück.
Ich weiß dass es meiner Mutter noch recht gut im Krieg ging und mein Vater hat teils die Hölle gesehen. Während meine Mutter mit einem Lächeln und Strahlen von ihren Freundinnen heute erzählt aus den Kriegsjahren, erzählt mein Vater noch heute bei fast jeder Familienzusammenkunft vom Krieg und was er alles gesehen hat - seine Verarbeitung, wir Kinder könnens nicht mehr hören, wir hören es seit 40-50 Jahren, je nach Alter von uns.
Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist die - ist es wirklich eine Erklärung dafür, dass in den späteren Jahren die Eltern (hier von annamirl) so gehandelt haben, so handeln mussten, wie sie es taten?
Kann man so Gefühle verlieren - und seine Kinder "gefühllos" dann erziehen?
Ist nicht irgendwo der Gedanke dann doch da - ich will, dass es meinem Kind besser geht als mir / uns, will es in die Selbständigkeit bringen, dass es mit beiden Beinen voll im Leben stehen kann?

Eigentlich gebe ich Dir recht und verstehe das auch total, was Du geschrieben hast - und doch stehe ich da und weiß nicht, ob ich es so formulieren darf dass sie eigentlich das eigene erlebte Unrecht auf ihr eigenes Kind projeziert haben.
Sie wollten es sicher so nicht, konnten aber nicht anders.

Lieben Gruß - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

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Beitragvon marianne » 19.10.2005, 18:28

Hallo Isolde, ich weiss, was du meinst, was dir Unbehagen bereitet, nämlich der Gedanke, dass man Eltern für nichts mehr kritisieren darf und nichts von ihnen fordern kann, weil sie solch traumatische Vergangenheit hatten. Daran liegt mir auch nicht. Ich wollte nur deutlich machen, dass ich mich als Tochter der Kriegstätergeneration nicht mehr so recht traue, hier über Annamirls Mutter zu "psychologisieren". Und dass ich mir ziemlich sicher bin, dass ohne Krieg ich z.T. emotional anders gestrickte Eltern gehabt hätte.

Der Punkt ist nämlich, dass ja erst seit den "68er" Jahren das Psychologisieren in Mode kam, sei es über die eigene Kindheit, sei es zum Dritten Reich, sei es zur Rolle der Frau etc. Die 50er und 60er Jahre waren ja Biedermeier pur und nationale Verdrängung.
Meine Eltern haben das Psychologisieren von Familienverhältnissen etc. und sowas wie Selbstreflexion nie mehr gelernt. Ihre Sozialisation mit allen entscheidenden Verhaltensmustern war abgeschlossen. Meine Mutter z.B., deren Familie zwar als Mitglied der bekennenden Kirche Nazigegner war, glaubt bis heute nicht an den Einfluss von Erziehung und Familiensituation, Wissenschaft hin oder her. Sie hält alles für angeboren und genetisch bedingt, was aus Menschen wird. Wann soetwas gelehrt wurde, muss ich ja nicht weiter suchen, oder? Das meine ich. Vieles an Reflexion ist erst uns Jüngeren möglich (und wird dann so übertrieben, dass die Supernannys ein breites Betätigungsfeld bekommen, weil Eltern sich jegliche Orientierung wegreflektieren :roll:).

An meinen Vater, der von der abwesenden Vatersorte war, ist Selbsteinsicht in keinster Weise zu erwarten. Er würde die Frage nicht mal verstehen. Bei jedem Verhaltens-Thema zitiert er als relevante Autorität und Orientierungsmaßstab schon immer und immer wieder seine Eltern. Dass es da um Werte und Normen des Kaiserreichs ging und heute um heute, da guckt er mich an, als ob ich ihn bitten würde, mir mal die Wurzel aus 3456742 zu ziehen. Geht nicht. Funktioniert nicht. Meine Mutter hat zwar andere Abwehrmechanismen, aber hängt auch den Wertmaßstäben ihrer Jugend klar an (natürlich nicht den nationalsozialistischen). Ich habe mehr gemeinsam von meiner Denkkultur her mit 30 Jahre jüngeren Teenies als mit meiner 25 Jahre ältern Mutter. Der Bruch fand in den 68ern statt.


Sorry, Annamirl, hoffentlich gehen wir jetzt nicht zu sehr von deinem Thema ab, dann zerre uns einfach wieder hin.


Lieber Gruß

Marianne

Sandra ...
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Beitragvon Sandra ... » 19.10.2005, 19:35

Hallo Annamirl!

Zurück zum Thema!Mich würde bei der ganzen traurigen Geschichte interessieren,warum Du genau meinst,sie hätte Dich nicht geliebt?!Die Dinge,die sie Dir antat,sprechen eher für eigene psychische Probleme oder eine Art Überbehütung??!
Ich denke,sie hat Dich geliebt,sie wußte wahrscheinlich gar nicht wie sehr sie Dich verletzte!!!!!!
Ich hoffe,Du wirst ihr eines tages verzeihen können und dadrüber hinweg kommen!!!!!!

L.G.Sandra

annamirl

Beitragvon annamirl » 19.10.2005, 19:40

Guten abend,
also ich finde die Diskussionen , die hier so entstehen, sehr spannend und ich kann viel für mich rausziehen!
Ich weiß, ich werde hier die ultimative Antwort bekommen, aber es ist einfach gedankenanreichernd, gedankenanstoßend, versteht ihr?


Und wahrscheinlich gibt es die ultimative Antwort gar nicht, alle Aspekte , die ansprecht, stimmen. Es sind viel Puzzleteile, die zu dem Bild führen, das ich heute bin.
Es ist einfach interessant, eure Meinungen zu hören.

Die Opfer/Täter Diskussion ist mir bekannt. Ja, stimmt alles.
Ich kann nur für mich heute sagen, ich möchte es anders machen. Ich möchte nicht zur Täterin werden. Ich möchte das in meinem Leben irgendwie aufarbeiten, wegtherapieren, analysieren oder sonst was. Wenn schon meine Eltern das nicht gemacht haben, dann wenigstens ich.
Aber ich möchte auch bei allem Verständnis, bei allen logischen Erklärungensagen können, mich macht das unheimlich traurig.
Aber das ist so ein Ding von mir persönlich. Wenn man mir rationale Erklärungen an die gibt, verbiete ich mir selbst die negativen Gefühle dazu. Was auch nicht gesund ist.
So kann ich nur schwer sagen, ch bin traurig oder wütend über meine Behinderung. Denn es gibt ja eine völlig logische und rationale Erklärung dafür und die habe ich zu akzeptieren.
Nur Gefühle sind nun mal Gefühle, sie sind einfach da, ohne Wertung. Und Gefühle, die verdrängt werden, äußern sich anders. Bei mir mit Essen, nicht Essen und Ähnlichem.

Da bin ich schon beim nächsten Thema:
Wie geht ihr damit um, wenn euer Kind mal traurig, frustriert oder wütend über seine Behinderung ist? Wie könnt ihr trösten oder stärken? Macht euch das auch mal hilflos?
Passiert es, dass sich euer Kind mal gegen eine Therapie/Behandlung (z.B. KG, Arztbesuch, etc) wehrt? Was macht Ihr dann?
Mich hat es immer genervt, wenn ich das Gefühl hatte, ich werde angelogen. So im Sinne von: "das tut überhaupt nicht weh" und ich wusste genau, dass wird weh tun. Dannbin ich ziemlich wütend geworden und habe das ganze schon mal boykotiert.
Auch so eine Geschichte, meine Wutanfälle....die ich immer nur zu Hause abgeliefert habe, nie vor Ärzen, Therapueten, etc. Etwas wofür mich heute tatsächlich schäme, auch wenn ich weiß, dass es dafür keinen Grund gibt.

Ihr betont mir immer wieder, dass mich keine schuld trifft. Ja, ich weiss. Aber leider ist euine Art Grundgefühl, eine Basdis, die ich mitgenommen habe, irgendetwas ganz Grunsätzliches, besoinders Wichtiges habe ICH falsch gemacht.
Z.B. hätte ich mich genügend in der KG angestengt, hätte ich auch Roch n Roll tanzen könne, hätte ich mich mehr in der Ergo bemüht, könnte ich die Gabel mit der linken Hand halten. Wäre ich braver, netter, fröhlicher gewesen, hätte man mich lieben können.
Heute ist es mein Job, diese Annahmen und Leitsätze auf zu dröseln, zu verändern, zu akzeptieren, dass egal was ich gemacht hätte, nichts anders geworden wäre.
Schön aber zu wissen, dass ich es HEUTE anders machen kann.
Auch wenns viel Psychoarbeit und mühsam ist.
Liebe Frau Antje,
das Münchhausen Syndrom by proxy ist mir geläufig....aber ich bin momentan nicht bereit, dass in mein Birn zu lassen. Irgendwie wehre ich mich dagegen, das meine Mutter daran gelitten hat. Obwohl ich mit dem Verstand weiß, dass einiges dafür spricht. Mein Gefühl will das nicht ztulassen.


Liebe Isolde,
vielleicht mag deine lebensgeschichte inhaltlich sicher anders sein als meine, aber ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass da einge Gefühle ganz ähnlich sind wie bei mir. jedenfalls hat mich dein Bericht sehr berührt.
Aber es hat mir auch Mut gemacht, hey, da ist jemand mit ähnlichen Erfahrung und sie hat heute ein eigenes leben, mit Kind, beruf, Mann. Toll!!! Vielleicht kann ich ja auch irgendwann ein eigenes Kind haben ohne ihm meinen "dachschaden" zu "vererben"?
und vielleicht lernen wir uns ja auf dem Münchentreffen kennen? besonders spannend, weil dein Sohn ja scheinbar eine ähnliche Behinderung wie ich hat.


Hey ihr anderen,
soory, dass ich netjeden einzeln antworte, aber auf jeden Fall hab ich alles gelesen und lass es in mein Hirn einsickern, Danke!

LG
annamirl


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