Isabell (Trageberaterin aus Kurpfalz)

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IsabellK
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Beitragvon IsabellK » 21.04.2010, 15:00

Hallo liebe Eltern & Kolleg(inn)en,

ich wollte mich mal wieder melden, weil ich inzwischen selbst neue Erfahrungen gesammelt habe:

Letzte Woche war eine Mutter mit ihrer Tochter (Downsyndrom) bei mir zur Trageberatung.

Ich habe mich vorab viel informiert, bin aber bei meiner Recherche auch auf sehr unterschiedliche "Ratschläge" und Vorgehensweisen gestoßen. Zum Einen gibt es die Meinung, dass man die Beinchen nicht überstrecken soll, sondern eher Beine und Arme zusammen bringen, also zentrieren soll.
Daneben steht ein Kommentar einer Physiotherapeutin auf der Didymos-Homepage, die diese Praktik anzweifelt - ihre Argumentation, dass man von Kinder mit Spastiken nicht einfach analog umgekehrt auf Kinder mit niedrigem Muskeltonus schließen kann, leuchtet ebenfalls ein.

Ich habe daraufhin beschlossen, nicht voreingenommen zu sein, sondern mir erst einmal ein Bild von der Mutter, dem Kind und der Lebenssituation der Familie zu machen. Wie kommen sie klar? Was möchte die Mutter eigentlich? Wie, wozu, wie lange will sie tragen?

Es hat sich herausgestellt, dass das 7 Monate alte Mädchen bisher regelmäßig im Tragetuch getragen wurde und eine mitlerweile doch recht gute Kopfkontrolle hatte. Die Mutter muss auch nicht zur Ergotherapie und ist ansonsten in keiner therapeutischen Behandlung, hat aber eine Therapeutin, mit der sie sich ab und zu austauscht.

Wir haben das Mädchen letztendlich in den Bondolino "verfrachtet", weil dieser Mutter + Kind am Besten passte und sie gut damit klar kam. Tolles Bild. Die Mutter möchte ihrer Bekannten Therapeutin beim nächsten Treffen die Tochter im Bondolino zeigen. Fakt ist aber, dass sie sich beim Tragen sehr wohl gefühlt hat und für sich entschieden hat, ihr Kind weiterhin zu tragen.

Des Weiteren bat sich meine Schwägerin (die selbst ein Downkind hat) an, auf Wunsch weitere Infos und Kontakte herzustellen.

So weit der Stand der Dinge... :D

Liebe Grüße
Isabell
Herzliche Grüße

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Mone80
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Beitragvon Mone80 » 21.04.2010, 15:19

Hallo IsabellK, das klingt echt spannend.

LG Mone80
Ergo.-Castillo Morales, Sensorische Integration, Psychomotorik,...,Schwerpunkt:Säuglinge/Kleinkinder - ca. 16 Lebensjahr, Die "Besonderen Kinder" liegen mir besonders am Herzen! Praxisarbeit/Praktisch Bildbaren Schule/Lernhilfeschule
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Beitragvon IsabellK » 21.04.2010, 18:32

Hallo Mone,
ja, das war/ist es auch. In so einem Fall gibt man sich ja echt gleich nochmal mehr Mühe, weil man sich denken kann, dass die Mutter ja noch ganz "andere Sorgen" hat und sie mit Tragetuch oder Tragehilfe eine echte Erleichterung im Alltag haben wird (sie hat nämlich noch zwei größere Kinder)...
Ich denke, wichtig ist einfach für mich als Beraterin, dass man erst mal die Lage checkt und dann ganz frei von Zwängen eine Lösung sucht.
Ein vorgegebenes "Beratungskonzept" für besondere Kinder halte ich für absolut fragwürdig...

ist also echt gut gelaufen....mehr davon! :D
Herzliche Grüße



Isabell mit

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Beitragvon vanessas_carry09 » 21.04.2010, 19:15

Hallo,
da zu diesem Thema nun schon so viele Antworten geschrieben worden sind konnte ich diese, aus zeitgründen :wink: , jetzt nicht alle lesen.
Ich wollte lediglich folgendes sagen:

Egal ob ein Kind "besonders" ist oder nicht ich persönlich finde es gibt nichts schöneres als ein Kind zu tragen. Ich habe meinen Sohn (gesund) 8 Monate lang getragen und nur aufgehört, weil ich wieder schwanger war und meine Tochter ("besonders") trage ich nun schon elf Monate jeden Tag. Sie liebt es abgöttisch und ich bin mittlerweile Expertin beim Binden des Tuches.
ich denke jeder kann sein Kind tragen wenn er möchte. Es gibt für jedes Kind eine Möglichkeit das Tuch passend zu binden. Bei andren Tragehiolfen ist das vielleicht nicht unbedingt der Fall, aber beim Tuch schon. Absprachen mit Ärzten etc. sehe ich kritisch, aber dennoch als sinvoll an, wenn sich Ärzte und Therapeuten darauf einlassen. Ein Arzt der z.B. absolut gegen das Tragen ist (unser ehemaliger Orthopäde z.B.) wird immer ein Argument dagegen finden weil er es einfach nicht verstehen WILL. Bei solchen Ärzten beißt man da auf Granit und die WOLLEN einfach nicht mitmachen.
Wenn man jedoch offene Ohren findet dann machen Absprachen durchaus Sinn denke ich.

Ich selber habe damals unsere neue Orthopädin und die Krankengymnastik gefragt ob ich beim einbinden irgendetwas besonderes beachten solle und habe sie dann getragen als das klar war.
Ich liebe das Tragen im Tuch. Leider werden die Kleinen so schnell groß...
...und schwer... :)

LG Vanessa
Vanessa (´81) Osteogenesis imperfekta Typ 1 und Ronny (*´63 +'15) Krebs, mit
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Carry z.N West Syndrom, ausgeprägte HD beidseits (OP war am 29.12.10), Z.n. Kranioplastik, Osteog. imp. Typ1
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Beitragvon IsabellK » 22.04.2010, 07:32

Hallo Vanessa,

du fasst letztendlich das zusammen, was wir oben schon diskutiert haben.
In Deutschland neigt man einfach oft dazu, Dinge, Personen und Sachverhalte in Kategorien und Schubladen zu pressen. Viele Eltern (und auch die mit "normalen" Kindern) benötigen für fast alles einen Fachrat, an den sie sich hoffnungsvoll klammern oder der bestätigen soll, dass sie mit ihrem Bauchgefühl richtig lagen, was leider manchmal nicht immer so ausfällt.
Ich finde es gut, wenn man sich einen Rat einholt und berücksichtigt - aber man sollte auch immer mitdenken und selbst HERZ & HIRN einschalten :-)

Ich glaube auch, dass es für jedes Kind und jede Mutter eine Möglichkeit gibt, sie mit dem Tragen zu entlasten und auch ihr Kind damit glücklich(er) zu machen.

Trägst du deine Tochter noch auf dem Bauch?

LG
Isabell
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Beitragvon vanessas_carry09 » 22.04.2010, 13:41

Hallo Isabell,

ich trage meine Tochter auf Bauch und Hüfte. Je nachdem. Wenn Gefahr besteht dass sie einschläft ehr auf dem Bauch in der Kreuztrage. Ich ziehe die Bahnen dann weit am Rücken hoch um sie zu stützen und sie kann sich dann gemütlich ankuscheln und einschlafen.

Wenn ich sie zu Hause trage dann meist auf der Hüfte. Dann habe ich die Hände auch frei und Carry kann alles sehen. Beim einkaufen trage ich sie auch auf der Hüfte. Mein Sohn sitzt dann im Wagen und sie eben im Tuch. Dann habe ich noch genug Platz im Wagen für den Einkauf.

Wenn sie frei sitzt werde ich sie auf dem Rücken tragen. Aber durch die Hypotonie und entwicklungsverzögerung ist ihre Rumpfmuskulatur noch nicht stark genug und deshalb will ich noch etwass warten damit. Wenn sie mir auf dem Rücken doch mal nach hinten kippt oder sich überstreckt dann kann ich sie nicht so leicht stützen.

Bauch und Hüfte sind aber im Moment ganz prima Varianten.

Ich habe mir damals ein Didymos Tuch Gr. 7 gekauft damit ich die Möglichkeit habe alles zu binden was ich möchte. Meistens sind die Enden viel zu lang aber ich bekomme sie immer irgendwie unter.

Ich kann nur lange Tücher empfehlen. Die kurzen können die Tragevariante doch einschränken.


Auch auf die Gefahr hin hier vielleicht jemandem auf die Füße zu treten sage ich das trotzdem mal: Ich bin überzeugt davon dass es kein Kind gibt dass nicht gerne getragen wird. Die Kinder die das ablehnen werden (meiner Meinung nach) nicht richtig eingebunden oder siind im falschen Tragesystem das sie nicht mögen.

GLG Vanessa
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Beitragvon IsabellK » 22.04.2010, 19:32

Du solltest Trageberaterin werden :wink:
Deine Uhr tickt absolut richtig :)

LG
Isabell
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Beitragvon vanessas_carry09 » 22.04.2010, 20:51

Hey Isabell

danke danke :)

Wer weiß, vielleicht mache ich das ja sogar irgendwann mal...
...sag niemals nie, oder wie heißt es so schön?

LG vanessa
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Beitragvon Isabell C. » 20.05.2010, 11:33

Hallo Isabell,
Ich habe eine kleine Frage an dich. Mein Sohn Max wird in 2Wochen 3 Jahre alt, ist für sein Alter recht klein und leicht ( 83 cm, 10,5kg).Er läuft noch nicht, krabbelt aber sehr flink.
Jetzt nach 3Jahren meldet sich so langsam mein Rücken zu Wort.Ich suche eine Möglichkeit zur Rückenentlastung für kurze Tragewege z.B. Treppe rauf und runter und eine Möglichkeit zum Tragen bei kleinen Wanderungen für unseren Sommerurlaub.

Liebe Grüße
Isabell
Isabell (1971) mit Max (06/07):Kleinhirnatrophie, Minderwuchs, global entwicklungsverzögert ohne konkrete Diagnose und Elias (2004) und Robin (1998)

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Beitragvon Nellie » 20.05.2010, 15:08

Hallo Isabell,

da eignet sich bestimmt die Manduca. Sie hat ein langes Rückenteil und einen breiten Hüftgurt und bequeme Träger. Wenn man sie nicht braucht, kann man sie einfach von der Hüfte baumeln lassen, da sie dann nicht bis zum Boden reicht. Wenn er rein will, hebst Du ihn auf den Rücken, schnell die Träger drüber und los gehts. Und Du hast ihn auch schnell wieder draußen. Wir machen das gerade oft mit unserer Kleinen, die zwar noch kleiner und leichter ist, aber vermutlich auch mit 10 kg noch rein und raus will.

LG
Nellie
Linn *2004, schwerste Mehrfachbehinderung durch pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet
A. *2009
Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann. (Richard von Weizsäcker)
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