Familie... naja... Freunde... Vergangenheit

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Petra B
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Beitragvon Petra B » 07.12.2005, 11:25

Hallo Sabine,

Großzügig gebaute Häuser, Gärten mit Spielgeräten für oft nur EIN Kind!


da muss ich widersprechen!

Wir wohnen auf dem Land, auch wenn es noch das Einzugsgebiet Stuttgart ist.
Wenn hier einer ein 280 qm großes Grundstück hat ist es groß, wohlgemerkt im Neubaugebiet, es sei denn, das Grundstück wurde von den Eltern gesponsert und die stammten vor 2 Generationen von Bauern ab.

Gegenüber wurden Reihenhäuser gebaut, von der Gemeinde hochgejubelt als familienfreundlich. Da stehen jetzt auf den 3 nicht gerade üppigen Grundstücken 10 :!: Häuser.

Arbeitslosigkeit und Finanzsorgen sind in diesem Wohngebiet Fremdwörter. Alle haben Arbeit, die Mütter können es sich in aller Regel sogar leisten zu Hause zu bleiben. Traumhafte Verhältnisse - und das in der heutigen Zeit!


Hast du schon einmal hinter die Tür gesehen??
Klar gebaut wird, wenn man es sich leisten kann, sollte man zumindest, nur wenn dann etwas dazwischen kommt oder man sich verkalkuliert hat, hat man ein Problem.
Hier haben schon einige Häuser den Besitzer gewechselt, da sie nicht mehr bezahlbar waren.
Ich muss allerdings auch dazu sagen, ein Haus von gegenüber mit 98 qm Grundstück und etwa 100 qm Wohnfläche, Teil vom Keller und der Spitzboden mitgerechnet kostete damals (ich glaube '92) bereits über 500.000,-- DM.

Ich glaube, dass kann man nicht alles über einen Kamm scheren.

Viele Grüße
Petra B

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Sabine
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Beitragvon Sabine » 07.12.2005, 16:17

Hallo Petra,

nein, das kann man nicht.
Ich weiß natürlich auch nicht, welches von diesen Häusern bereits "Scheidungshäuser" sind... :wink: Die Häuser sind allerdings tatsächlich sehr großzügig "verteilt" und die Gründstücke teilweise recht groß - vielleicht ist das dort die Ausnahme, das weiß ich nicht. Wenn man wie wir ein paar Jahre in Berlin gelebt und dort die beengten Wohnverhältnisse vieler Familien "live" erlebt hat, kommen einem solche "Neubauverhältnisse" natürlich wie das Paradies auf Erden vor.
Ein winziges Haus mit Mini-Garten ist in meinen Augen immer noch besser als eine enge Drei-Zimmer-Wohnung für eine vierköpfige Familie in der Gropius-Stadt oder im Wedding... Und die Häuser im Neubaugebiet meiner Schwester gehören sicher nicht zur "Mini-Sorte".

Lieben Gruß
Sabine
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Petra B
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Beitragvon Petra B » 07.12.2005, 16:31

Hallo Sabine,

Wenn man wie wir ein paar Jahre in Berlin gelebt


Das wird zum Teil der springende Punkt sein, ich weiß ja nicht wo deine Schwester wohnt, auch in Iserlohn?? Es kommt eben sehr stark auf die Grundstückspreise an und so weit ich wei0 sind bei euch in der Gegend viele Grundstücke auf Erbpacht. Es ist ein Unterschied, ob das Grundstück gekauft wird oder Erbpacht ist.

Und man muss sich entscheiden, in der Stadt oder außerhalb.

Ein winziges Haus mit Mini-Garten ist in meinen Augen immer noch besser als eine enge Drei-Zimmer-Wohnung für eine vierköpfige Familie


Das mag in manchen Gegenden sein, aber bei uns gegenüber haben die eine kleine Terrasse, die geht bis zur Grundstücksgrenze, kein Platz für einen Strauch, die Wohnzimmer ich glaube nicht ganz so groß wie Manuels Therapiezimmer.

Eine schön geschnittene Wohnung in der Größe mit Balkon, da hat man mehr davon.

Gut auch als Bauherr muss man etwas Phantasie haben und aus dem Gegebenen herausholen was heraus zuholen ist.

Aber wir schweifen hier sehr stark vom Thema ab :?

Viele Grüße
Petra B

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Beitragvon Sabine2 » 07.12.2005, 17:56

Hallo,

ich bin leicht erschütter über Eure Berichte und muss jetzt mal eine Lanze für Neubaugebiete brechen. Wir wohnen auch in einem und wir fallen mit Stella vielleicht auf, aber sie wird auf keinen Fall ausgegrenzt. Im Gegenteil, die Nachbarskinder waren sich einig, dass Stella auf jeden Fall im nächsten Jahr einen Rollstuhl braucht, damit sie an Halloween mit um die Häuser ziehen kann.

Sie ist auch nicht das einzige behinderte Kind in der Siedlung, ich kenne mindestens noch vier weitere Kinder (hier wohnen insgesamt bestimmt über hundert Kinder) und es gibt noch eine WG für junge behinderte Erwachsene, die betreut werden.

Der Vorteil des Neugebietes ist, dass es komplett ebenerdig ist. Es gibt keine Bordsteine, Treppen innerhalb des Gebietes etc. Dazu ist es Spielstraße, die Autos fahren also langsam.

Ich bin noch nie komisch angesprochen worden. Es wurde vielleicht mal gefragt, was Stella hat, die Behinderung wurde aber nie bewertet. Es mag sein, dass wir für einige, die uns nicht so gut kennen, die Familie mit dem behinderten Mädchen sind, aber das sind wir ja auch;-)

In diesem Sinne, viele Grüße
Sabine mit Stella (06/2002, fröhliches Rollikind, globale Entwicklungsverzögerung unbekannter Ursache, spricht nicht, hat aber ein gutes Sprachverständnis, Schluckstörung)

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Beitragvon ehemalige Userin » 07.12.2005, 20:21

Hallo zusammen,

also wir gehören auch zum Glück zu den Menschen wo Familie und Freunde voll hinter uns stehen.

Sie erkundigen sich regelmässig wie es den Kindern geht und ob Christoph schon wieder Fortschritte gemacht hat.
Wenn es mir schlecht ging und ich das Gefühl hatte ich kann nicht mehr, hatten/haben sie immer ein offenes Ohr oder Schultern für mich.

Ich wünsche Euch allen, die Ihr von Euren Freunden oder Familien im Stich gelassen worden seid, dass Ihr wirkliche Freunde findet.

Mich erschüttert das richtig und ich kann es gar nicht nachvollziehen.

Liebe Grüsse

marianne
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Beitragvon marianne » 07.12.2005, 20:58

Hallo Zusammen, wir hatten gottseidank in unserem Mietshaus zuvor weder mit unseren Nachbarn Schwierigkeiten wegen Janosch noch sieht es jetzt danach aus, wo wir ein Haus haben. Auch unsere direkten Nachbarn, die in der anderen Doppelhaushälfte wohnen, sind sehr freundlich und entgegenkommend. Wir haben uns auch sofort ganz offen damit vorgestellt, dass wir wegen des Sonderpädagogischen Schulzentrums hergezogen sind, und heute habe ich auch erzählt, dass Janosch jetzt schon im Bus heimkommt. Da war unsere Nachbarin ganz erstaunt, dass das ein Fünfjähriger schon muss. Aber da wird von unseren besonderen Kindern auch viel mehr verlangt als von normalentwickelten Kindern, die noch viel ängstlicher sein dürfen. Ich hoffe, es bleibt so unkompliziert. Da ich absolut kein geselliger Nachbarschaftstyp bin und meine Privatsphäre möchte, ist mir am liebsten, jeder bleibt freundlich und lebt ansonsten sein eigenes Leben.

Lieber Gruß

Marianne

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Beitragvon Sabine » 07.12.2005, 20:58

Hallo Petra,

wir sind vom Thema abgewichen, aber Sabine hat zum Glück wieder die Kurve in die richtige Richtung gekriegt. :wink: Zu deiner Frage: Meine Schwester wohnt mit ihrer Familie im Landkreis Osnabrück.

Lieben Gruß
Sabine
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Beitragvon Petra B » 08.12.2005, 08:00

Hallo Sabine,

nur noch einmal gaaaaaaaaaanz kurz.

Landkreis Osnabrück


da wundert es mich nicht mehr, große Grundstücke, Häuser, es kommt halt immer auf die Kosten an.

Dort kostet solch ein Haus mit großem Grundstück höchst wahrscheinlich weniger, als die Häuser bei uns gegenüber.

Aber nun wieder zum Thema.

Egal ob Neubaugebiet oder nicht, leider ist die Ausgrenzung bei uns etwas ganz Normales. Viele wissen einfach nicht mit Behinderungen umzugehen.

Ein Beispiel:

Ich hatte einmal auf die kleine Tochter unserer Nachbarin aufgepasst, wie ich meine eine Selbstverständlichkeit.
Als Dank wollte sie uns dafür zum Essen einladen, fand ich ja schon einmal übertrieben, gut sie bestand darauf, sie kocht und ich sollte mit den Kindern kommen. Ich sagte noch, machen wir es an einem Tag, wo Manuel mittags nicht zu hause ist. Sie bestand darauf, dass Manuel dabei war ok. Habe ich positiv gesehen.

Dann kam der Tag, ich ging mit den Kindern zu ihr, alles setzte sich an den Tisch, ihr Sohn war noch nicht da, der Platz neben Manuel blieb leer und ich wollte meinen anderen Sohn neben Manuel sitzen lassen.
Die Nachbarin meinte, wäre nicht nötig, ihr Sohn hätte Erfahrung vom Großvater her, der inzwischen auch Probleme beim Essen hätte. Gut, was sollte ich noch machen.
Der Sohn kam, setzte sich neben Manuel, der an diesem Tag außerordentlich gut gegessen hatte!!
Auf einmal meinte die Nachbarin zu ihrem Sohn er dürfe aufstehen und woanders weiter essen. :shock: , als er weg war meinte sie zu mir es hätte sein müssen, er hätte fast gekotzt, wörtlich :shock: :shock:
und das im Beisein von Manuel und unseren anderen beiden Kids.
Das wars dann.

Ich hatte es ihr hoch angerechnet, dass Manuel dabei sein sollte, nur so wäre es besser gewesen, wir hätten alles von vorneherein gelassen.

Viele Grüße
Petra B

marianne
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Beitragvon marianne » 08.12.2005, 12:56

Hallo Petra, dein Bericht ist für mich ein Beispiel für die absolute Überforderung sowohl von dir als auch von der anderen Mutter in der Situation. Ich habe bei Einladungen immer auch versucht, aus der "normalen" Sicht zu gucken und so alles fast abgelehnt bis Janosch 5 Jahre alt war. Die Familien normalentwickelter Kinder können sich nicht im geringsten in unseren Alltag eindenken und sind natürlich viel mehr geschockt und zurückgestoßen von Dingen, die für uns alltäglich sind. Wenn dann eine freundliche Einladung kommt, wissen sie gar nicht, was auf sie zukommt und wir Eltern haben den Mega-Stress, unser besonderes Kind zu betreuen, den anderen seine Besonderheit zu erklären, uns zu entschuldigen, unser Kind von irgendetwas abzuhalten, hinterherzurennen, NEIN DANKE!

Ich probierte genau EIN Mal aus, Kinder einzuladen bzw. mit Janosch zu einem Kindereburtstag zu gehen, bevor er 5 Jahre alt war. Alle, Ärzte, Mütter etc. sagten ja, er benehme sich wie jedes andere Kind. Komisch nur, dass nur ich dauernd rannte, nämlich hinterher. Janosch ignorierte bei den beiden Treffen die anderen und suchte sich seine stereotypen Spiele "Licht an - Licht aus" "Tür auf - Tür zu", das gleiche bei Klodeckeln, Schränken etc. Ich war sooo gestresst, sah am Blick der Mütter, dass sie doch in richtung Erziehungsproblem/Fall für die Supernanny dachten und lehnte in der Folge alle Treffen ab bis ICH der Meinunug war, nun weiche das Verhalten meines Kindes weniger von der Norm ab. Alles andere würde ich mir nicht mehr antun.

Am entspanntesten und schönsten von allen Mutter-Kind-Treffen (und ich war in vielen Sport, Musik, Krabbelgruppen und auf dem Spielplatz etc.) über die Jahre war das Treffen mit Isolde und Jonathan im Sommer. Kein Rechtfertigen, kein Entschuldigen, keine blöden Blicke, keine Ausnahmemutter....finde ich viel besser als in unserer nicht-integrierten Gesellschaft mir den Megastress anzutun, für die "normale" Seite ihre Schocks vorwegzudenken.

Lieber Gruß

Marianne

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Beitragvon Petra B » 08.12.2005, 14:38

Hallo marianne,

absolute Überforderung sowohl von dir als auch von der anderen Mutter in der Situation


Wo siehst du da meine Überforderung??
Ich weiß, dass es für einen Außenstehenden nicht gerade angenehm ist, Manuel essen zu sehen.
Nur wenn ich zum Essen eingeladen bin, mit Manuel und die Leute wissen nicht, auf was sie sich einlassen, sage ich es vorher, gerade um solche Situationen erst gar nicht aufkommen zu lassen.

und so alles fast abgelehnt bis Janosch 5 Jahre alt war.


Ich weiß auch nicht ob das der richtige Weg ist, verstecken müssen wir unsere Kinder nicht!

Klar ist es nicht immer einfach, aber wie soll sich die Gesellschaft ändern, wenn sie unsere Kinder nie zu Gesicht bekommt?

Bei uns waren immer viele Kinder, inzwischen fahren auch Freundinnen meiner Tochter mit in den Urlaub, wenn sie mit muss :roll: und das mit schon - "gerade erst 14" :roll:
Kein Problem.

OK bei uns sieht jeder die schwere Behinderung auf den ersten Blick. Kann es sein, dass dich
sah am Blick der Mütter, dass sie doch in richtung Erziehungsproblem/Fall für die Supernanny dachten

das am meisten stört??

Unsere beiden Kids sind behindert aber auch hier können wir sie nicht über einen Kamm schweren.
Solch ein Treffen Kein Rechtfertigen, kein Entschuldigen, keine blöden Blicke, keine Ausnahmemutter..
bringen mir auch nicht weniger Stress. Ich muss trotzdem die ganze Zeit füttern oder beschäftigen, es sei denn wir sind hier im Haus, Manuel ist in seinem Zimmer nebenan und hat ein gutes Video. Dann muss ich nur springen, wenn er ein neues braucht.

Viele Grüße
Petra B


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