Iris mit Johannes und Konstantin (beide verhaltensauffällig)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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IrisB
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Iris mit Johannes und Konstantin (beide verhaltensauffällig)

Beitragvon IrisB » 28.04.2009, 14:40

Hallo,

Einleitung:

ich lese hier schon ziemlich lange mit, hatte bislang aber Anmeldehemmungen, das meine Kinder eigentlich nur ein wenig seltsam sind - aber da es in den normalen Elternforen nur weniger seltsame Kinder gibt und nachdem ich gerade beim Stöbern auf der WDR-Webseite auf das Thema Autisten und Smalltalk gestoßen bin und mich bei diesem Beitreg http://www.wdr.de/tv/quarks/videos/flas ... ?mid=27880 kaum eingekriegt habe vor Lachen, weil es so ein exaktes Abbild meiner eigenen Eroberungsfeldzüge im Bereich Smalltalk vor ca. 20 Jahren war, trau' ich mich nun doch.

Kind 1:
Johannes, 5,5. Ein ruhiges, sehr empfindliches (Licht, Lärm, kleine Brüder, Berührungen, Unruhe, Spannung, Überraschungen) Kind, das mich von Anfang an mit der Konsequenz beeindruckt hat, mit der es "sein Programm" durchzieht. Erst das Baby-Kleinkind-Entwicklungsprogramm,jetzt seine Vorlieben. Als er kleiner war, wirkte er vor allem auf Außenstehende (Fremde und Schwiegerfamilie) seltsam, in meine Familie passt er gut rein - wenig Augenkontakt, streng dosierte Zärtlichkeiten, mehr an Sachthemen als an Menschen interessiert, obwohl er ein paar feste Bezugspersonen (vor allem Eltern und immer jeweils einen engen festen Freund) braucht. Er hat lange schlecht gehört (Polypen, Paukenergüsse), mit 2 Jahren fiel das richtig auf, es hat aber fast 2 Jahre gedauert, bis mir das ein Arzt (zu dem Zeitpunkt Arzt Nr. 7) geglaubt hat, da das Nicht-Reagieren ohnehin so typisch fürs Kind war. Mit 4 dann Paukenröhrchen, seither hat er beim Sprechen rapide aufgeholt; was mir aber immer mehr auffiel, war, dass er ganze Bereiche komplett umging bzw verweigerte. Kein Malen, kein Bauen, dann war er mal ein halbes Jahr nicht zu bewegen, die Kindergarten-Turnhalle zu betreten, etc. Er ist ein superguter Problemlöser, solange er Probleme im Kopf lösen kann, aber er würde nie etwas ausprobieren, was er nicht sicher beherrscht - bei Dingen, die man nur durch Üben beherrschen lernt, läuft er da gerade in eine Sackgasse.

Die Erzieherinnen haben mich bislang immer sehr beruhigt "alles prima, der braucht nur Zeit" und wurden erst in den letzten Wochen angesichts der drohenden Einschulung etwas panisch, weil sie ihn für emotional nicht stabil genug halten. Seit Anfang März erhält er Ergotherapie (eigentlich für die Feinmotorik, die Ergotherapeutin möchte aber lieber erstmal allgemein Körpergefühl, taktile Überempfindlichkeit, Durchhaltevermögen angehen, was ich auch für viel grundlegender halte), letzte Woche hat die Schulärztin entschieden, ihn noch ein Jahr im Kindergarten zu lassen (nach einer höchst kläglichen Untersuchung, bei der sehr deutlich würde, dass er in der Schule eigentlich 1:1-Betreuung bräuchte, um sich nicht komplett zurückzuziehen).

Was mich nun gerade umtreibt - alle haben supertolle Ideen, wie man ihn fördern könnte. Spiele, Übungen, Massagen,... - ich habe den Eindruck, all das könnte man auch mit ausgiebigen Waldaufenthalten erreichen (wir leben mitten in der Großstadt, wäre also Wochenendprogramm) - der Knabe kommt aber nachmittags völlig k.o. aus dem Kindergarten und möchte am Wochenende eigentlich nur im Schlafanzug in einem abgedunkelten Zimmer sitzen und Lego oder Autos spielen.

Alles, was ich sonst zu veranstalten versuche (Rausgehen, Malen, Bügelperlen...) ist nur unter Qualen zu machen. Davon ist nur das Rausgehen so, dass, ist er Widerstand überwunden, das Kind draußen auch fröhlich ist (aber dann bräuchte er eigentlich einen weiteren Wochenendtag um sich zu regenerieren), der Rest ist eher frustrierend (1 Stunde motivieren, damit das Kind 3-5 Striche malt und dann geknickt feststellt, dass das Gemalte nicht seinen Vorstellungen entspricht).

Wenn ich ihn dagegen einfach lasse, vielleicht noch ein Kind zum Spielen einlade, das auch gerne in einem abgedunkelten Zimmer Lego spielt, dann ist er glücklich, ausgeglichen und erzählt mir beim Insbettgehen, dass dies der allerschönste Tag der Welt war. Ich sehe nun einerseits die Defizite, habe aber andererseits das Gefühl, dass das, was er zu Hause wirklich braucht, nicht Förderung, sondern Ruhe ist. Und mit diesem Gefühl schon wieder ein schlechtes Gewissen...

Kind 2:
Der "Kleine", Konstantin, ist gerade 3 geworden. Ein verkörperter Körperkontakt - seine ersten Lebensmonate hat er nur auf fremden Bäuchen verbracht und auch jetzt verbringt er die Zeit mit uns Eltern gerne eher auf als bei uns. Während Johannes sehr berührungsempfindlich ist, sucht Konstantin Körperkontakt der eher heftigeren Weise - als er noch sehr klein war, war es sein größtes Vergnügen, sein Gegenüber an den Haaren zu packen und Köpfe aneinander zu dotzen (Johannes hatte lange panische Angst vor ihm). Zu Hause ist er ein unkompliziertes, offenes, ausgesprochen interaktives Kerlchen, das viel Aufmerksamkeit braucht, diese aber auch deutlich einfordert.

Aber: die Erzieherinnen liegen uns seit November konstant in den Ohren - sie machen sich Sorgen. Schwer definierbare Sorgen (er stößt viel an, er wirkt 'irgendwie seltsam', er hat kaum Kontakt zu anderen Kindern, er fällt oft von Stühlen) - Sachen, die uns teils altersgerecht vorkommen, die wir teils auch unter "Suche nach Aufmerksamkeit" verbuchen würden. Sie meinen aber dennoch, dass er im Vergleich mit all den Hunderten von Dreijährigen, die sie schon kennengelernt haben, irgendwie besorgniserregend seltsam wirkt.

Die Kinderärztin, der ich diese Sorge weitergetragen habe, meinte, wir sollten ihn doch mal auf Wahrnehmungsstörungen untersuchen lassen - 5 Monate Wartezeit - Termin im SPZ mit einer Ärztin, die ihn kaum anguckte, dafür aber mich ausführlich nach seiner Entwicklung befragte - schwierig, da ich ja immer noch nicht weiß, was die Erzieherinnen meinen und als Vergleichskind nur Johannes habe, gegen den Konstantin nun mal ausgesprochen einfach wirkt. Sie hatte eine Holzeisenbahn im Sprechzimmer, Konstantins Lieblingsspielzeug - da lag er also auf dem Boden und spielte höchst unauffällig Holzeisenbahn und ich durfte nach einer halben Stunde wieder abziehen.

Das hat die Erzieherinnen nicht gefreut, jetzt schlagen sie vor, ich soll ihn doch mal im Gesundheitsamt vorstellen - aber ich kann doch nicht schon wieder irgendwohin gehen und erklären, ich hätte da ein Kind, das käme mir ganz normal vor, aber die Erzieherinnen... Hilfe! Ich glaube ja, dass Konstantin betreuungsintensiv ist, aber das kann ich nunmal nicht ändern...

Oje, nun ist das ein Roman geworden...

Grüße
Iris

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niciko
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Beitragvon niciko » 28.04.2009, 16:43

Hallo Iris...

herzlich willkommen hier im Forum.

Einige deiner Ausführungen finde ich bei meinen Jungs auch wieder....

Wünsche dir hier eine schöne Zeit


Hab auch erst gedacht..na warum soll ich mich den hier anmelden. Hatte erst auch ein wenig hemmungen mit unserem Krankheitsbildern geht es uns noch gut..Aber habe hier schnell herausgefunden, das jedes Kind hier ein besonderes Kind ist..das eine mehr das andere weniger..aber eben besonders...mittlerweile fühle ich mich hier gut beraten und aufgehoben...

Lg nici
Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exupéry)
Kind 1 (*95): ADS, Depression
Kind 2 (*00): ADHS, auditive Wahrnemungsstörung, Sprachentwicklung rückläufig

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Beitragvon Sonni4Kids » 28.04.2009, 18:17

Hallo Iris

habe versucht den Beitrag auch schon mal zu schauen,konnte aber leider keinen Ton abspielen.
Ich schaue ihn mir heute Abend an.Wie du an meinem Anmeldedatum sehen kannst bin ich auch noch ganz frisch hier.
Ich erkenne aber immer mehr mich selbst und vorallem meinen ältesten Sohn in vielen Dingen hier wieder.
Eigentlich bin ich hier wegen einem meiner Zwillinge um mich hier auszutauschen und Erfahrungen zu sammeln im Hinblick auf Sprachförderschule und weiterer Entwicklung bzw.derzeitiger Entwicklungsstand
Das mein Ältester immer schon ein besonderes Kind war habe ich immer gewußt,er hatte seine Themen und eine besonder Art,einfach anders als andere.Im Kiga sagten sie immer er wäre halt der abwartende Typ und läßt andere auf sich zukommen,im nachhinein weiß ich es besser,er hatte immer nur einen Freund und konnte mit den Interessen anderer nicht gut umgehen,er hat versucht sich anzupassen hat heute auch Freunde.
Er hat das Abitur ohne große Antstrengung geschafft und geht jetzt studieren.


Bei deinem Großen spiegelt sich einiges wieder was ich hier schon oft gelesen habe und da ich auch ein Laie bin der sich mit dem Thema beschäftigt erinnert es mich an Autismus.
Bei deinem Kleinen ist es schwieriger,aber da mein Sohn auch Körperwahrnehmungsstörungen hat und ich ihn da auch erkenne könnte es so etwas schon sein.
Hast du denn für beide zur Zeit keine weiteren Untersuchungen geplant und gibt es keine andere Anlaufstelle als das SPZ oder das Gesundheitsamt?

LG Sonni

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IrisB
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Beitragvon IrisB » 29.04.2009, 00:06

Sonni4Kids hat geschrieben:
Hast du denn für beide zur Zeit keine weiteren Untersuchungen geplant und gibt es keine andere Anlaufstelle als das SPZ oder das Gesundheitsamt?

LG Sonni


Beim Großen haben wir jetzt ja gerade mit Ergo angefangen, da sehe ich gerade nicht noch mehr Handlungsbedarf. Für den Kleinen fällt mir nicht so recht was ein - eine Möglichkeit wäre, die Kinderärztin auch für ihn um ein Ergo-Rezept anzubetteln (falls sie sowas überhaupt ausstellen darf, wenn das SPZ ihr gerade bescheinigt hat, dass das Kind unbedenklich ist) aber dann bekommen wir ein dickes organisatorisches Problem - es können ja nicht beide gleichzeitig Ergo haben, der Kleine würde sich nicht alleine reintrauen, den Großen könnte man nicht alleine im Wartezimmer lassen (1. Angst und 2. Eifersucht - im Moment ist die Ergo halt was, was er für sich alleine hat). Und wenn der Kleine einmal gesehen hat, was es im Behandlungszimmer für tolle Sachen gibt, dann nimmt der uns die Praxis auseinander, wenn der Große reindarf und er 45 min mit Papa im Wartezimmer bleiben soll. Und die zwei haben es so schwer miteinander, dass ich vor allem, was noch mehr Konflikte zwischen ihnen heraufbeschwören könnte, zurückschrecke.

Liebe Grüße
Iris
Iris mit Johannes (Herbst 2003), Asperger Syndrom, und Konstantin (Frühling 2006), HFA
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Beitragvon Barbara71 » 29.04.2009, 11:21

Hallo,

ich habe zwei Kinder mit einer sensorischen Integrationsstörung - mein jüngerer Sohn fällt damit bereits ins autistische Spektrum. Meine beiden Jungs sind genau wie deine aber recht unterschiedlich - Jakob liebt (mittlerweile) festen Körperkontakt, konnte aber besonders als Baby leichte Berührungen kaum aushalten, Niklas war von jeher sehr anhänglich. Auch Probleme in der Feinmotorik etc. können eigentlich die Spitze des Eisbergs sein, wenn die Kinder eine SI-Störung haben - genauso zeigt sich ein Problem der SI im Verhalten. Bei der Beschreibung beider Deiner Kinder denke ich, dass eine SI-Therapie gut wäre (Ergotherapie mit Schwerpunkt SI - bei uns ins Österreich gibt es dafür eine eigene Ausbildung - wie das in D ist, weiß ich nicht). Bei uns reicht eine Überweisung vom Kinderarzt für 10x Ergotherapie, was dann von der KK genehmigt werden muss. Ergotherapeuten mit SI-Ausbildung machen zuerst eine Begutachtungsstunde, wo mittels standardisierter Tests herausgefunden wird, woran es hakt (die Stunden selbst sind für die Kinder wie Spielen). Ein gutes Buch zum Thema ist "Jean Ayres - Bausteine der kindlichen Entwicklung"; eine gute Website www.spielstudio.at

LG, Barbara
Niklas (*2002)- Epilepsie, SI-Störung
Jakob (*2004) - Autismus-Spektrums-Störung

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Re: Iris mit Johannes und Konstantin (beide verhaltensauffäl

Beitragvon CordulaK » 03.05.2009, 23:36

IrisB hat geschrieben:Wenn ich ihn dagegen einfach lasse, vielleicht noch ein Kind zum Spielen einlade, das auch gerne in einem abgedunkelten Zimmer Lego spielt, dann ist er glücklich, ausgeglichen und erzählt mir beim Insbettgehen, dass dies der allerschönste Tag der Welt war.


Hallo Iris,
das hat mich irgendwie berührt...
Es ist spät, ich will ins Bett, daher fällt mir jetzt nichts sehr Intelligentes ein. Aber: diese oder jene Förderung mag sicher sinnvoll sein, dennoch muss Dein Sohn auch Zeiten haben können, wo er einfach nur er selbst sein darf. Das ist mindestens ebenso wichtig wie die ganze Förderung. Gönne ihm ruhig mehr von diesen "allerschönsten Tagen der Welt"!
Übrigens verbringen meine Kinder manche Tage am Wochenende auch gerne im Schlafanzug... und das, wo wir direkt am Waldrand in herrlicher Landschaft wohnen. ;-)
Liebe Grüße
Cordula
mit Tochter (8/01, Frühchen und Wachstumshormonmangel) und Tochter (1/98, gesund)

Angi
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Beitragvon Angi » 04.05.2009, 12:37

Hallo Iris!

Wir haben auch 2 Jungs ( 6 und 3 J ).

Für mich klingt die Beschreibung von dem Großen nach Autismus.

SPZ`s sind nicht auf Autismus spezialisiert, Du kannst ihn im ATZ vorstellen oder einem Früherkennungszentrum.

Sie werden ihn an mehreren Terminen zu Hause und im Kiga beobachten, Du müsstest auch einen langen Anamnesebogen ausfühlen.

Dein Sohn schein ja relativ gut in dieser Welt zu recht zu kommen.
Trotzdem glaube ich wird er von einer sicheren Diagnose profitieren.
Einschulung steht an, mit Autismusdiagnose kann er mit 1:1 Begleitung in die Regelschule gehen, die Lehrer werden nicht bei jeder Kleinigkeit ihre Geduld verlieren wenn sie wissen, das Kind ist besonders und hat auch besondere Wahrnehmung.
Die Lehrer sind meistens tolerant gegenüber einem Autisten. Ihre Geduld endet aber sehr schnell wenn ein "unerzogenes, verhaltensgestörtes Kind " ihr Unterricht stört.

Mit dem Kleinen würde ich die Sorgen der Erzieherinen ernst nehmen, sie haben den Vergleich und Objektivität, was wir als Eltern nicht haben. Und wenn man bedenkt, das Autismus genetische Ursachen hat...Bei uns waren die Erzieherinen auch die ersten, die die Andersartigkeit von dem Großem gesehen haben.

Was die Förderungsschwirigkeiten betrifft....
Die Kinder mit Autismus haben keine Motivation wie gesunde Kinder irgendetwas von alleine zu tun. Die Motivation hoch zu halten, damit das Kind mit Spass lernt, das ist die Kunst. Wir machen ABA seit 3 J und da ist es der Hauptpunkt wie man dem Kind beibringt mit viel Spass zu Lernen.
Die Zeiten der Regenirierung sind sehr wichtig und nötig, aber die Zeit wo er keine Ruhepause macht kann man ausnutzen um ihn spielerisch etwas beizubringen.
Unser Sohn würde vor 3 J , wo die Diagnose stand nichts freiwillig machen, die Kinder sollen aber für die Zukunft lernen.

LG, Angi
Die Vergangenheit ist Geschichte,
Die Zukunft ein Geheimnis,
Und dieser Augenblick ist ein Geschenk.

Angi und Sohn 2002 mit Autismus ( HFA ) , Bruder 2005 gesund

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Re: Iris mit Johannes und Konstantin (beide verhaltensauffäl

Beitragvon IrisB » 05.05.2009, 14:07

CordulaK hat geschrieben:diese oder jene Förderung mag sicher sinnvoll sein, dennoch muss Dein Sohn auch Zeiten haben können, wo er einfach nur er selbst sein darf. Das ist mindestens ebenso wichtig wie die ganze Förderung. Gönne ihm ruhig mehr von diesen "allerschönsten Tagen der Welt"!
Übrigens verbringen meine Kinder manche Tage am Wochenende auch gerne im Schlafanzug... und das, wo wir direkt am Waldrand in herrlicher Landschaft wohnen. ;-)


Ich habe meine letzten Jahre im Elternhaus auch einen schönen Garten vor der Nase gehabt, den ich komplett boykottiert habe ;-)

Was das Fördern angeht - ich bin kurz vor der Totalverweigerung. Das Kind ist nach einer Kindergartenwoche so platt wie ich nach einer Arbeitswoche. Zu Ferienzeiten kann ich die Momente nutzen, wo er für etwas Neues offen ist - aber eigentlich möchte ich ihn an den Wochenenden einfach wursteln lassen wie es ihm passt. Mit etwas Glück bekommt er fürs nächste Jahr einen I-Platz - wenn das durchkommt, dann würde ich, glaub ich, klipp und klar erklären, dass die Förderung von Defiziten bitte im Kindergarten geschehen soll.

Und ich überlege halt, ob es sinnvoll wäre, ihn im Laufe des nächsten Jahres auf Autismus (Asperger) zu testen. Würde in die Familie passen, ich frage mich nur, ob ein eventuelles Ergebnis eine Verbesserung oder eine Verschlechterung bedeuten würde. Was passiert, wenn die Einschätzung (durch Erzieherinnen etc) von 'nett, freundlich, etwas seltsam, braucht noch Zeit' auf 'behindert' umschwenkt? Was heißt das für die Eigenwahrnehmung? Wie lebt man in einer Schublade? Schwierig, schwierig.

Liebe Grüße
Iris
Iris mit Johannes (Herbst 2003), Asperger Syndrom, und Konstantin (Frühling 2006), HFA

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Beitragvon dagmar neo frea » 05.05.2009, 14:35

hallo iris

du hast geschrieben:
dann würde ich, glaub ich, klipp und klar erklären, dass die Förderung von Defiziten bitte im Kindergarten geschehen soll.


die defiziete sollen eigentlich garnicht gefördert werden,die sollen ja weniger werden :wink:

dann hast du geschrieben:

der Rest ist eher frustrierend (1 Stunde motivieren, damit das Kind 3-5 Striche malt und dann geknickt feststellt, dass das Gemalte nicht seinen Vorstellungen entspricht).

jetzt würde ich tatsächlich davon ausgehen,das man damit defiziete fördert

ich hoff du verstehst mich :oops:

auf der anderen seite stellt sich jetzt die frage,ob er im kindergarten dann motivierter ist :?

was ich sagen will ,ich kann dich gut verstehen
andererseits wäre ein bischen förderung der betreffenden bereichen ja auch nicht schlecht :icon_scratch:


aber,es kann halt auch bei drängeln und verharren paradoxen effekt geben

das mit dem wald ist völlig richtig

man kann auch im sand malen anfangen
aber das wär auch nur eine neue idee
und davon habt ihr glaub ich ausreichend

wirklich raten kann ich dir zu nix
außer,das drängeln und immer neue frustration nicht die lösung sein kann
liebe grüße
dagmar
Dagmar *1962,Robert *1965,Frea Jakobine *1985, T21,operierter AV- Kanal,Neo Leander*2004, HFA

http://www.institut-fuer-menschenrechte ... rpd_de.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=dVrX7Gqjzs0

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Beitragvon IrisB » 05.05.2009, 14:54

Liebe Dagmar,

ach, ja, mit dem "Defizite fördern" liegst Du natürlich richtig... drängeln geht völlig nach hinten los und ermuntern/locken geht absolut völlig nach hinten los (das haben mittlerweile auch die Erzieherinnen kapiert). Eigentlich funktioniert es nur, wenn man bei dem ansetzt, was er wirklich kann - und z.B. beim Malen gibt es zwar lichte Momente, in denen er nicht nachdenkt und plötzlich ein erkennbares Strichmännchen zustandebringt. Aber sobald er merkt, was er da tut, kann er nur Kritzeln und große Kreuze malen. Selbst Ausmalen geht noch gar nicht. Vielleicht sollte ich ihn zum Durchstreicher ernennen...

Wald - oh, da bin ich gerade glücklich, wir waren letztes Wochenende im Wald! Nach zwei Tagen zu Hause und superdekadent (mit dem Auto von der Haustür bis in den Wald gefahren, da musste ich über einen sehr großen Schatten springen) - 20 min Auto, 1 Stunde Wald, 20 min Auto und Kind war wieder in der Lego-Ecke. Konstantin war selig, der ist munter über Stock und Stein gepurzelt und hat Ameisen, Käfer und Vögel gejagt. Und Johannes, mit Feldstecher bewaffnet, ist tapfer mitgelaufen. Als er anfing, zu jammern, haben wir kehrtgemacht - und das war richtig. Abends im Bett, als wir den Tag rekapitulierten (mein Schönstes: Wald, sein Schönstes: Lego), erklärte er ganz erleichtert: "Wenn wir mal im Wald sind und ich will sofort nach Hause, dann gehen wir auch sofort nach Hause." Das klang, als wäre es nicht das letzte Mal gewesen. Er war auch schwerst beeindruckt, dass wir das Auto wiedergefunden haben ;-)

Liebe Grüße
Iris
Iris mit Johannes (Herbst 2003), Asperger Syndrom, und Konstantin (Frühling 2006), HFA

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