Schwimmen lernen mit Hemiparese

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

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Outdorle
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Schwimmen lernen mit Hemiparese

Beitrag von Outdorle »

Hallo,
mein Sohn wird demnächst 5 Jahre alt, hat eine Hemiparese rechts und möchte gerne in einen Schwimmkurs. Hat Ihr da Erfahrungen? Geht das in einem normalen Schwimmkurs? Wie machen die Kinder das von der Technik her?
Über Anregungen und Erfahrungen freue ich mich.
Liebe Grüße
Andrea
Outdorle und Ehemann mit Jungen (3/2004) und Mädchen (5/2006). Junge hat eine ICP, spastische Hemiparese rechts.
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

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Janina78
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Beitrag von Janina78 »

Hallo Andrea,
Tim (Spastiken in Beinen und Armen) besucht auch seit einiger Zeit einmal in der Woche einen Schwimmkurs, der wird allerdings von einem Behindertensport-Verein veranstaltet. Das tut ihm richtig gut und man merkt auch kleine Fortschritte.

Die Leitung des Kurses hat uns gesagt das die Kinder eine eigene Technik entwickeln, ganz nach Ihren Möglichkeiten.

Gruß Janina
Janina 11/78, Thomas 06/72 und Tim 03/03
(NBIA (Genmutation auf dem FA2HN Gen) seit 5/09 Epilepsie, Baclofenpumpe seit 09/13, PEG seit 11/13) lieber kleiner Kerl

Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ist Geheimnis, aber jeder Augenblick ist ein Geschenk!

InkeG
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Beitrag von InkeG »

Hallo Andrea,
Magnus (4,5 J) hat eine Hemiparese links. Wir gehen seit 1,5 Jahren in eine Sportgruppe für besondere Kinder (wird von unserem Turnverein angeboten). Hier wird auch 1x Woche geschwommen. Magnus tut die Bewegung im Wasser gut. Er fängt an (natürlich noch mit Schwimmflügeln) seine eigene Schwimmtechnik zu entwickeln und kommt gut voran. Erfahrungen mit normalen Schwimmkursen haben wir nicht. In unserem Kurs wird eben auch besonders Rücksicht auf jedes Kind genommen und jeder bewegt sich wie er Spaß hat und seinen Möglichkeiten entsprechend.
Lieben Gruß
Inke
Inke (1979) mit Magnus *07/2004, spastische Hemiparese links mit Spitzfuß nach Hirnstammblutung bei Cavernom und Henrik *07/2010, gesund

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Yvonne 76
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Beitrag von Yvonne 76 »

Hallo Andrea,

leider gibt es bei uns keine Schwimmgruppe für besondere Kinder. Aber Jan (spastische Hemiparese rechts ohne Handmotorik) darf im örtlichen Schwimmverein zum Schwimmkurs. Nach ca. einem halben Jahr konnte er "schwimmen". Er hält sich durch "Hundepaddeln" über Wasser und ist super stolz, dass er nun keine Schwimmhilfen mehr benötigt. Aktuell arbeiten wir an der Ausdauer damit er bald das Seepferdchen machen kann.

Liebe Grüße
Yvonne
Sohnemann (2001)
Hemiparese (rechts) nach Aneurysmablutung und Mediainfarkt
komplette Hemianopsie nach rechts, Optikusatrophie links
Epilepsie, funktionelle Hemisphärektomie

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Britta1974
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Beitrag von Britta1974 »

Hallo

Nico hat eine Diparese - Kennt Sich jemand von Euch damit aus?? Wir wollten demnächst auch einen Schwimmkurs besuchen.

Leider gibt es bei uns keine Behinderten Sportgruppe. Nur die DLRG und einen Förderverein, der normal Schwimmkurse veranstaltet.

Britta
LG Britta

mit Zwilling Tom (gesund) und Nico (spastische Diparese nach Frühgeburt SSW27+1; posthämorrhagischer Hydrozephalus Shuntversorgt) * 05/03

wiltrud
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Beitrag von wiltrud »

Hallo,

bin eher ein stiller Leser, aber hierzu würde ich gern meine Erfahrung einbringen. Unser Sohn 9 Jahre (spast.Triparese links u.armbetont nach Verkehrsunfall mit 6 Jahren) hat Anfang 2008 in einer REHA eine Wassertherapie nach McMillan absolviert. Aus meiner Sicht war der Erfolg nur sehr gering. In der Reha sagte man uns, dass hier nicht mehr viel drin ist.
Da wir direkt an der Grenze zu den Niederlanden wohnen, haben wir es dann dort nochmal versucht. Seit Anfang August 2008 gehen wir ein- bis zweimal wöchentlich zum Schwimmkurs in einem kleinen Lernbecken. Was soll ich sagen, ich bin begeistert.

Therapiedauer (Einzeltherapie) eine halbe Stunde; danach dürfen wir die Übungen nochmals eine halbe Stunde vertiefen. Für diese Stunde bezahlen wir 35 Euro. Viiiel Geld, aber er hat vor kurzem im Schulunterricht das Bronze-Abzeichen geholt. Für die 200m hat man 15 min zur Verfügung. Er hat es in 8,5 min geschafft.
Natürlich stolz ohne Ende (ich auch)
Der Schwimmtherapeut schaute sich unseren Sohn ein paar mal an, und hat aus den Möglichkeiten eine Technik erarbeitet mit der unser Sohn von A nach B kommt. Das sieht sogar noch sehr elegant aus. Dabei muss er die linke Körperseite so gut es geht mit einsetzen. Aus meiner Sicht eine fantastische Therapie in jeder Hinsicht.
Zur Zeit arbeiten wir daran auch noch das Rückenschwimmen wieder zu lernen. Nicht ganz einfach aber mal sehen wie sich das entwickelt.Wir gehen ausserdem noch ca. einmal wöchentlich im örtlichen Schwimmbad, aber auch um mal Spaß zu haben und um ein wenig zu üben.

Gruß Thomas
C. *1999, SHT, spastische Tetraparese (links- und armbetont) und sein Bruder F. *1997

Irene
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Beitrag von Irene »

Hallo,

Stefan hat alleine schwimmen gelernt. Er war nie in einem Schwimmverein. Aber er schwimmt super und hatte sein Bronzeabzeichen früher, als seine ältere Schwester.

Klar, die Bein- und Handarbeit ist nicht so, wie bei "gesunden" Kindern, aber er kann auch längere Strecken gut mithalten.

Überhaupt spürt er im Wasser sein Handicap weniger, als an "Land".

Viele Grüße
Irene
Sonja (11/91), Stefan (07/94): spastische Hemiparese rechts

wiltrud
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Beitrag von wiltrud »

Hallo,

Genau das ist es ja, ich behaupte man kann die Kinder nicht nach einem Standard-Kurs schicken und erwarten sie werden es schon lernen.
Dieser Schwimmtherapeut hat unsern Sohn dort abgeholt wo er stand (bis dahin hat er sich auch einen eigenen Schwimmstiel angeeignet), und aus diesen Möglichkeiten die Techniken entwickelt was möglich war.

@Irene
bei Clemens ist es genau so, im Wasser fühlt er sich ganz entspannt und benutzt so seine linke Seite automatisch mehr, und vor allem den Leuten fällt sein Handicap nicht so sehr auf. Das genießt er, und verlässt das Becken dann auch nur in dringenden Fällen.

Gruß Thomas
C. *1999, SHT, spastische Tetraparese (links- und armbetont) und sein Bruder F. *1997

FabrieJacq
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Beitrag von FabrieJacq »

Hallo,

man kann die Kinder schon in einen Standard-Kurs schicken - es kommt auf's Kind und auf den/die Trainer(in) an!
Unser Sohn wird in 3 Wochen 10 Jahre alt und war eigentlich schon immer eine Wasserratte. Schwimmflügel hatte er jedoch immer abgelehnt, was es für mich noch einmal wichtiger machte, daß er schwimmen lernt.
Er ist zuerst in einen Kurs beim DLRG gegangen, der aber eher Wassergewöhnung war als sonst was und das brauchte er absolut nicht.
Ich habe lange, lange gesucht bis ich einen Kurs gefunden habe, wo die Trainerin integrativ gearbeitet hat. Dort ist er dann hin, hatte einen Mordsspaß und hat sein Seepferdchen gemacht.
Inzwischen hat er in der Schule einmal wöchentlich schwimmen (die anderen Kinder sind alle nicht behindert) und geht wieder in einen ganz normalen DRLG-Schwimmkurs. Sie waren dort total begeistert, wie er das Ganze meistert und er kommt in der Gruppe prima mit. Er hat sein Bronze-Abzeichen gemacht und ich bin erstaunt wie gut und schnell er schwimmt. Er schwimmt sicherlich nicht besonders schön und hat seinen eigenen Stil, aber das ist ja total egal.
Seinem Selbstbewußtsein hat es sehr gut getan und er hat sich schon früh Dinge getraut (wie z.B. vom 1 m-Brett springen), die andere - nicht behinderte Kinder - nicht gemacht haben oder immer noch nicht machen.

LG,
Jacqueline
Julian (*03/99, Hemi rechts, Lernbehinderung u. Sprachentwicklungsstörung)


Die Freude und das Lächeln der Kinder sind der Sommer des Lebens.
(Jean Paul)

Irene
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Beitrag von Irene »

Hallo,

ja, Stefan hat natürlich auch beim Schulschwimmen teilgenommen. Ich habe mit dem zuständigen Lehrer vorher gesprochen, ihn genau aufgeklärt. Auch, dass es beim Umziehen Probleme geben kann (Stichwort Schnelligkeit). Da mein Sohn zu diesem Zeitpunkt ziemlich "stark" war, meinte der Lehrer dann auch, es sei gut zu wissen, sonst könne es eben doch in die Kategorie "dick, daher langsam und vielleicht auch noch faul" abgeheftet werden. Und er versprach auch gleich, gut aufzupassen, dass Stefan nicht gehänselt wird. Und es hat super funktioniert! Im Schwimmen ist es vom Sportunterricht her das einzige Mal, dass er auch eine 1 bekommen hat!

Zum Thema springen vom Sprungturm fällt mir gerade noch ein: wir waren zusammen in unserem Schwimmbad. Stefan war schon öfters vom 1- und 3-Meter-Brett gesprungen. Nun wollte er unbedingt vom 5er springen. Er also hoch, aber lieber doch wieder runter. Nun hatte es aber in ihm gegärt. Er wollte springen! Dann eben doch wieder hoch. Da stand er dann, wußte nicht, ob er springen sollte, oder doch lieber wieder runter. Ich lag am Rand und beobachtete ihn. Plötzlich fingen 2 - 3 Leute an, im Rythmus zu klatschen. Es dauerte keine 5 Sekunden und fast alle, die im Bad waren haben mitgeklatscht. Sie feuerten Stefan an wie verrückt. Und: er sprang! Das seltsame war: wir kannten die Leute alle gar nicht!

War ein wirklich schönes Erlebnis für uns!

Liebe Grüße
Irene
Sonja (11/91), Stefan (07/94): spastische Hemiparese rechts

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