Erfahrungen bei Kindern mit verbaler Entwicklungsdyspraxie

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Dani+Feli
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Erfahrungen bei Kindern mit verbaler Entwicklungsdyspraxie

Beitragvon Dani+Feli » 30.10.2008, 20:35

Hallo Zusammen,

ich suche einen Austausch mit Eltern, die auch solch eine
Sprachstörung bei Ihren Kindern haben.

Unser Sohn ist 4 J.a. und lautiert jetzt in Vokalsprache.
Wir fördern ihn spielerisch mit Logo, Ergo, Psychomotorik, Musik, Guk-Karten und nach MC Ginnes.
Er ist kognitiv weit, aber motorisch noch hinterher.
Wir sind ganz zuversichtlich, weil es stetig besser wird.

Wie sehen die Prognosen aus, können sie vielleicht mit 10 J. doch
gut sprechen? Vorrausgesetzt sie werden adäquad gut gefördert?
Ist eine Sprachheil-oder Schwerhörigenschule angemessen?

Ich freue mich sehr über Antworten.
Mit freundlichen Grüßen
Dani+Feli
Sohn 14J alt: Epilepsie, Dyspraxie, ASS
Mama 46J alt: Psoriasis-Arthritis, Arthrose
Tochter 16J alt: Migräne, chron. Sinusitis

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Logopädin Aila
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Beitragvon Logopädin Aila » 14.11.2008, 17:50

Hallo Dani,

ich bin zwar keine betroffene Mutter, dafür aber Logopädin mit viel Erfahrung in der Therapie bei Kindern mit verbaler Entwicklungsdyspraxie (gebe selber seit drei Jahren Fortbildungen zur VED) - und ausserdem ganz frisch hier im forum :D

Ich selber arbeite mit dem niederländischen Dyspraxie-Programm (habe in den Niederlanden studiert), kenne aber auch die Methoden hier in Deutschland z.B. McGinnis und Taktkin. Das schwierige ist, hier in Deutschland ist dieses "Störungsbild" noch relativ unbekannt, und erst in den letzten Jahren beschäftigt man sich immer mehr damit. Darum dauert es oft lange, einen geeigneten Therapeuten zu finden bzw. erst mal einen Arzt, der sich damit auskennt.
Und nur mit einer Therapie, die speziell auf die verbale Entwicklungsdyspraxie (VED) zugeschnitten ist, werden Fortschritte gemacht...

Wie lange die Therapie dauert, kommt immer darauf an, ob ein Kind eine "reine" VED hat, oder ob noch eine allgemeine Entwicklungsverzögerung, eine auditive Wahrnehmungsstöung oder eine geistige Behinderung etc. dazukommt. Grundsätzlich haben alle meine kleinen Patienten (ausgenommen Kinder mir geistiger Behinderung) mehr oder weniger schnell sprechen gelernt - einige sind auf die Sprachheilschule gekommen, die meisten sind auf einer Regelschule. Eines haben jedoch alle gemeinsam: es sind alles Kinder, die vorher kaum gesprochen haben und trotzdem sehr kommunikativ waren und noch dazu unglaublich motiviert! Das tolle ist nämlich, dass diese Kinder von sich aus sehr schnell merken, dass sie mit dieser Methode endlich sprechen lernen können und darum arbeiten sie auch sehr gut mit. Meine kleinen Patienten bekomme ich teilweise schon mit 2,5 Jahren und auch diese Kleinen machen super mit (da ziehe ich meinen Hut  8) ) Generell sollte die Therapie mindestens 2 mal wöchentlich stattfinden und ich gebe die Übungen und das Material auch immer nach Anleitung für das häusliche Üben mit, denn bei einer VED sind die Wiederholungen das Wichtigste!

Die Aussichten sind also nicht schlecht - man braucht nur viel Zeit und Geduld! Und ohne Druck und Stress lässt es sich leichter lernen - Sprache soll schließlich Spaß machen.

Grüße
Aila

Katja S.
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Beitragvon Katja S. » 14.11.2008, 18:42

Hallo!
Unser Sohn 4 Jahre ist auch Sprachentwicklungsverzögert. ER bekommt Logopädie seid langem ca. 2 Jahren und lernt jetzt die GUK Gebärden.
Außer laudatieren, Papa und Mama kann er nichts sagen. Mich würde interessieren wie Ihr so den Alltag meistert? Ich finde es einfach schwer manchmal! Musikalische Früherziehung macht er auch im Kindergarten, er geht in eine Heilpädagogische Gruppe. :wink:
Liebe Grüße Katja

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susi15
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Beitragvon susi15 » 14.11.2008, 22:17

Hallo zusammen,
unsere Diagnose lautet auch VED (verbale Entwicklungsdyspraxie). Fabian (5 Jahre) wird nach Mc Guines therapiert und macht das auch super mit. Die Ärzte und auch seine Logopädin haben uns gesagt, der Weg ist lang und schwierig und man kann jetzt wirklich noch nicht sagen, wo er in 10 Jahren stehen wird. Wir können ihn nur so fördern, wie er es auch zulässt. Im Moment macht er super Fortschritte. Vieles Versucht er jetzt auch nachzusprechen, was er früher NIE gemacht hat. Fabian wird 2010 in eine Sprachheilschule gehen. Ich mach mir keinen Kopf, ob er später perfekt spricht oder nicht. Sicher fördern wir ihn, wo es nur geht, aber wir werden damit auch leben können, wenn er nicht vernünftig (was für ein schweres Wort, wenn man es selten schreibt :shock: ) sprechen kann. Fabian kennt seine Behinderung und kann damit umgehen. Im SPZ-Bericht stand wörtlich :"Es scheint, dass Fabian seine Einschränkung gut kennt und seine expressiven sprachlichen Fähigkeiten gut einzuschätzen weiß."
Früher hat er immer zugemacht, wenn man ihn nicht verstanden hat. Seit der Mc Guines Therapie merkt er selbst das es funktioniert und wenn er merkt, er kann sich sprachlich nicht ausdrücken, dann versucht er es mir zu zeigen. Hier ein Beispiel von letzter Woche: Fabian sagt zu mir "to teh" . Ich wußte erst gar nicht, was er meinte und sagte ihm auch "ich weiß nicht, was du meinst". Hatte ihm dann den Vorschlag gemacht, ob er mir das zeigen konnte. Er antwortete mit "Nein", dann fragte ich ihn, ob er mir das malen könnte, das machte er dann auch. Er nahm sich ein Blatt und malte einen großen Kreis drauf. Dann malte er komische Kreaturen drauf :lol: . Dazu lautierte er dann als Löwe und ein chibchib (steht bei ihm für sein Lieblingstier Pinguin). Dann wußte ich endlich was er meinte: "to teh= Zoo gehen".
Fragte ihn dann auch, ob er meinte Zoo gehen und das meinte er dann auch.
Wir versuchen das Beste raus zu machen, ohne ihn zu überfordern.

LG Susi
Susi(28) (im Reha-Chat fabismama81)und Sven(30) mit Fabian(29/09/2003) verbale Entwicklungsdyspraxie (VED), Entwicklungsverzögert und Verdacht auf LRS
Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic18393.html
Krankheitsbild: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic18394.html

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susi15
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Beitragvon susi15 » 14.11.2008, 23:45

Logopädin Aila hat geschrieben: es sind alles Kinder, die vorher kaum gesprochen haben und trotzdem sehr kommunikativ waren und noch dazu unglaublich motiviert! Das tolle ist nämlich, dass diese Kinder von sich aus sehr schnell merken, dass sie mit dieser Methode endlich sprechen lernen können und darum arbeiten sie auch sehr gut mit.



Bei Fabian kann ich das genauso feststellen. Es stimmt genau überein. Fabian hat eine VED (Stand auf ca. einem 24 Monatigem), ist etwas entwicklungsverzögert und hat einen Verdacht einer geistigen Behinderung. Bei einer SNO-R wurde ein IQ von 56 festgestellt, die sich aber nächstes Jahr erst durch einen erneuten Test bestätigen soll. Aber da ich sehe, wie gut er mit seiner Behinderung umgehen kann und da er auch so ist, wie du es beschrieben hast, gehe ich doch eher von einem höherem IQ aus.

LG Susi
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Krankheitsbild: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic18394.html

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Beitragvon Logopädin Aila » 16.11.2008, 18:24

@ susi

"Fabian sagt zu mir "to teh"Das hätte ich dir auch "übersetzen" können :lol: Ich bin da ja an einiges gewöhnt. Aber die Idee mit dem Aufmalen ist wirklich schön! So bekommt das Kind wenigstens die Chance sich irgendwie mit Erfolg auszudrücken.

Übrigens können auch geistig behinderte Kinder mit dem Dyspraxieprogramm und auch nach McGinnis im Rahmen ihrer Möglichkeiten sprechen lernen und sogar lesen (da sind meine kleinen und auch größeren Down Patienten super gut). Es ist also nicht unbedingt "IQ abhängig". Ich arbeite ja selber sehr viel mit behinderten Kindern und auch dort sind die Erfolge zu sehen, man braucht halt Geduld und muss dem Kind die Chance geben, sich in seinem eigenen Tempo zu entwickeln.

Gruß
Aila

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Beitragvon Katja S. » 16.11.2008, 19:44

Hallo,
kann mir jemand sagen was Therapie nach Mc Guines ist?
Mein Sohn 4 Jahre bekommt Logopädie und lernt da die Guk Gebärden.
Er kann nur Mama und Papa sagen! :(
Gruß Katja

Dani+Feli
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MC Ginnis - Assoziationsmethode

Beitragvon Dani+Feli » 16.11.2008, 22:05

Hallo Zusammen,
d.h. das Kind kann durch Schriftbilder : Laut-Buchstabe-Silbe-Wort
animiert werden zum lesen und sprechen. Dafür werden alle Wahrnehmungen genutzt. (sehen,hören,tasten)
Wörter werden zu Sätzen.
Dazu und zu dem NL-Dyspraxie Programm kann sicher Aila etwas mehr erzählen.

Gibt es Anleitungen für Eltern über die Therapieprogramme bei Dyspraxie?
Oder auch Verhaltensweisen der Angehörigen bei kindlicher Dyspraxie?

Vielen Dank für Eure Mitteilungen, das ist gut für uns alle!

MfG
Daniela mit Felix
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Beitragvon Claudia Bergedorf » 17.11.2008, 02:10

HAllo Daniela !

Meine Bella ist auch 4 Jahre und fällt besonders wegen Fröhlichkeit und Spaß an Rhythmus und Gesang auf, hat Diagnose VED und motorisch betonte Entw. verzögerung.

Im hiesigen SPZ hat man einen Entw. Test gemacht , der zeigte , dass sie kognitiv mindestens altersgerecht entwickelt sei, emotional altersgerecht - aber motorisch und in allen weiteren anderen Bereichen zT. sehr weit zurück liege. - Dann haben sie mir Tipps gegeben , wie man die kognisive Stärke gezielt nutzen solle, um die Dyspraxie ( in allen Bereichen, nicht nur in der Sprache) zu verbessern... - Mit 2,5 JAhren hat meine Kleine nicht mal lautiert (hatte allerdings auch noch ne Chemo zu bewältigen..), und hat dann mit guter Logopädin doch sehr gut sprechen gelernt, offenbar komprimierter und vor allem " plötzlicher " (!)als andere Kinder, wenn es auch grammatikalisch und von der Deutlichkeit her noch einiges Aufzuholen gibt. - An Austausch sind wir ggf. auch interessiert,

beste Wünsche für Dich und Felix !!
LG, Claudia
Claudia (1966) - lebensfrohe Isabella (08/2004) - "I-Kind" wg. Entwickl. ( Motorik, Dyspraxie), Gaumenspalte (Z.n. OP), unreife Gelenkpositionen ; Kurzsichtig; Wahrnehmungs-/Muskeltonus-/Koordin.-/Gleichgew.-Probleme; Z.n. 2 Jahre Chemo wg. Leukämie: jetzt in Nachsorge

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Beitragvon BirgitW » 17.11.2008, 15:41

Hallo Daniela,

wir haben uns eh schonmal ein bisserl unterhalten, aber bei mir geht's manchmal drunter und drueber.

Du sagst, das Kind wird zum Sprechen animiert durch Schriftbilder. Gabriel liebt Buchstaben und Worte, keine Frage. Er kann auch schon seit langem das Alphabet, und erkennt ("liest") ca. 30 Worte.
Ich bin mir aber sicher, dass bei diesem Mc Guines (das am Internet durch googlen absolut nicht zu finden ist, leider) nach einem gewissen Konzept vorgegangen wird. Wuerdest du das bitte ein bisserl genauer beschreiben, das waer total lieb.

Auch ueber diese Niederlaender Methode wuerde ich sehr gerne mehr erfahren, wenn moeglich.

Herzlichen Dank an euch alle und liebe Gruesse,
Birgit
Mama von Gabriel (*2002, Sauerstoffmangel waehrend der Geburt; allgemeine Entwicklungsverzoegerung; komplexe Wahrnehmungsstoerung: Magensonde zw. 15 Monaten und 2,5 Jahren; Autismusspektrumsstörung diagnostiziert 2012, vermutet schon lange vorher), Julian (*2004, gesund), Florian (*2008, gesund) und Elisabeth (*2012, gesund)


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