Frage an Schweizer

Zum Teil unterscheiden sich die rechtlichen und organisatorischen Strukturen zwischen Deutschland und den verschiedenen Nachbarländern erheblich. Hier in dieser Rubrik sammeln wir alle landesspezifischen Infos.

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Frage an Schweizer

Beitragvon ehemalige Userin » 08.07.2008, 15:55

Hallo liebe Schweizer :hand:

Es fällt mir etwas schwer zu schreiben, aber nun versuche ich es einfach. :oops:
So wie es aussieht führt uns unser Weg bald ins Berner Umland.
Und daraus ergeben sich sehr viele Fragen und Unsicherheiten :roll:

Mir geht es speziell um meinen Sohn, der es als Asperger-Autist (mit ADS) nicht so ganz einfach hat in einer Regelschule zu bestehen. Nach den Sommerferien geht er in die 9. Kl. eines Gymnasiums. Er bekommt hier so gut wie keinen Nachteilsausgleich, wir kämpfen also bereits seit 8 Schuljahren um das "Überleben" an den jeweiligen Schulen (Grundschule war nicht besser als das Gym).

Wie sieht das in der Schweiz aus? Wie gehen Schweizer Gymnasien mit autistischen Schülern um?
Schlimmer als an unserer Schule kann es ja nicht werden, das ist mir durchaus bewusst :) Aber ich mache mir große Sorgen, weil mein Sohn mit Veränderungen nur sehr schlecht zurechtkommt und ein Umzug in die Schweiz bedeutet eine riesige, kaum zu verkraftende Veränderung für uns (betrifft mich ja ebenso wie meinen Sohn :( ). Und ich denke, dass gerade in solch einer extrem belastenden Situation die Lehrer besonders gefordert sein werden mit unserem Sohn..... :?

Oder mal ganz allgemein gefragt - auf welche Schule müssten meine Söhne wechseln (der zweite Sohn kommt jetzt in die 7. Kl. Gym)? Da gibt es bei euch ja Unterschiede.... :?
Müssen sie vorab geprüft werden?
Wie ist das mit den Fremdsprachen? Es wird bei euch ja mehr französisch unterrichtet, nicht wahr. Meine Söhne haben aber als 1. Fremdsprache Englisch und somit fehlt ihnen der französische Schulstoff. Wie können sie das aufholen oder müssten sie aus diesem Grund ein Jahr zurückgestuft werden?


Dann mache ich mir noch Gedanken über passende Therapeuten. Viel Therapien bekommt mein Sohn nicht, eigentlich erhält er nur regelmäßig jugend-psychiatrische Einzelgespräche oder z.Zt. Gruppentherapie.
Wie ist das mit der Kostenübernahme? Auch in Bezug auf die Medikamente (Methylphenidat).
Werden Arztberichte aus Deutschland anerkannt oder muss man ihn in der Schweiz erneut auf Asperger testen?


Oje, da kommt einiges auf uns zu.
Kann mir irgendjemand Adressen nennen von Schulen, die evtl. in Frage kommen könnten (wir haben uns noch nicht auf einen bestimmten Wohnort festgelegt, mein Mann würde in Bern direkt arbeiten) ?
Oder gibt es offizielle Stellen, an die wir uns wenden könnten?

Oder kann mir jemand Adressen von Kinder- und Jugendpsychiatern geben, die sich mit dem Asperger-Syndrom auskennen?

Wie ist das Leben in der Schweiz? Wie gehen die Schüler mit den ausländischen Kindern um?
Wie wird unterrichtet - auf hochdeutsch oder in Schweizerdeutsch?

Es gäbe noch tausend offene Fragen, aber ich ende jetzt erstmal. :oops:
Ich würde mich über Informationen sehr freuen, fühle mich im Moment vollkommen überfordert mit dieser Situation :roll: :oops:

Vielen Dank!

LG Annette

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Beitragvon christinefä » 08.07.2008, 17:26

Hallo Annette,

dann sind wir ja bald Nachbarn :D Wir wohnen ca 20 Autominuten von Bern, Richtung Süden.

Mit Schulen für Autisten habe ich mich leider noch nicht auseinandergesetzt. Oliver packt es ja gerade noch in der Regelschule. Und Philipp ist ja eh frühkindlicher, der geht in eine HPS.

Aber ich kann dir eine sehr gute Adresse geben, die dir dann auch sicher weiterhelfen kann.

http://www.nathaliestiftung.ch/index.cf ... stelle.htm

Die Frau links auf dem Bild ist auch Deutsche! Die Frau rechts ist unsere Ansprechperson für Philipp.
Sie werde dir sicher weiterhelfen, was geeignete Schule betrifft.

Während dem Unterricht wird fast ausschliesslich Schriftsprache gesprochen. Ich kenne etliche Deutsche Familien hier, mache habe das Hochdeutsch beibehalten, andere wiederum nahmen etwas Schweizerdeutsch an.
Aber keiner wird deswegen schräg angeguckt.

In welche Klasse deine Söhne eingeteilt werden würden? Sie müssten wohl nach der Anmeldung in der Wohngemeinde beim Schulleiter einen Test machen.
Französich gibts hier ab der 5. Klasse ( in der 5. Klasse kommen nach den Sommerferien diejenigen Schüler, die vor dem 30. April 10 Jahre alt geworden sind. In Deutschland ist der Stichtag etwas später, könnte schon von daher nicht aufs Schuljahr passen.
Meist wiederholen Kinder dann eine Klasse, wohl auch aufgrund der Tests, die gemacht werden.

Du kannst die Schule nicht wählen, nur den Wohnort. Dort wo ihr hinzieht, dort müssen deine Kinder zur Schule gehen. Integration ist hier leider noch nirgends...
Es gibt auch Gemeinden, besonders kleine, die gar keine Oberstufe führen. Dann müssen die Kinder in die nächst grössere Schule.

In der Stadt Bern gibt es viele private Schulen, falls ihr das bezahlen könnt.

Jeder Bürger muss bei einer obligatorischen Krankenkasse(gibt viel Auswahl und Konkurrenz) versichert sein und die zahlt dann auch 90% vom Ritalin und anderen Medikamenten.

Das ist für dich und deine Familie aber eine gewaltig Veränderung! Wird es denn für viele Jahre sein?
Ich verstehe ich sehr gut, dass du 1000 Fragen hast. Frag ruhig weiter, wenn ich kann, helfe ich euch gerne!

LG Christine
Christine 64, F 65, C 92, A 95, O 96(Asperger Autist), J 98 & Philipp 01 (frühkindlicher Autismus, Sprachbeginn mit 4 1/2, noch immer 1-2 Wort Sätze, Microdeletion 22q13.33 Phelan Mc Dermid Syndrom)
unsere Vorstellung http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... ght=#73943

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Beitragvon ehemalige Userin » 08.07.2008, 18:35

Hallo Christine,

bin ich froh, dass du mir geantwortet hast. :D - ich habe ja schon gelesen, dass du aus dieser Gegend kommst, nur ist das ja immer so eine Sache mit dem Ansprechen... :roll: :oops:

Wir würden bis zu 30km um Bern ein geeignetes Haus (oder Wohnung) zur Miete suchen. Ausschlaggebend ist dann die Schule wegen Marcel.

Marcel geht ja hier auch in ein Regelgymnasium, also wird er das auch irgendwie in der Schweiz schaffen. Er hatte nie einen Integrationshelfer, auch wenn es verdammt schwer für ihn ist.
Aber es ist sicher nicht so sinnvoll, wenn wir ihn einfach an "irgendeiner" Schule anmelden (ich hoffe, dass das jetzt nicht missverstanden wird, mir geht es wirklich nur um die Asperger-Thematik).
Er hat ja schon hier in seinem gewohnten Umfeld extreme Schwierigkeiten in der Schule, er verweigert sich oft, spricht so gut wie nicht mit Lehrern und nur mit wenigen Schülern, er fragt nie um Hilfe. In einer ganz fremden Umgebung besteht die Gefahr, dass er so gut wie nichts mehr spricht und sich nur noch verweigert.

Das würde ich gerne irgendwie verhindern, dass es eben nicht so eskaliert mit meinem Sohn. Und das wird mir sicher nur an einer Schule gelingen ,die generell mit "Problemfällen" tolerant umgeht.
Ein Anfang wäre ja schon mal, wenn die Schule zumindest mit ADS Erfahrungen hat. Darauf könnte ich ja aufbauen. Wie sind da deine Erfahrungen an Olivers Schule?
Kommt Oliver dann nach den Sommerferien auch in die 7. Klasse? Unser jüngerer Sohn ist auch 1996 geboren.

Sind eure Schulklassen auch so riesig (31 Schüler)?

Danke für den Link, das hört sich super an.
Dort lasse ich mal meinen Mann anrufen - das ist sehr schwierig für mich. Vielleicht können die uns ja bezüglich Asperger und Schulen bzw. Therapeuten weiterhelfen oder sind sogar selbst dafür zuständig, da sie ja auch u.a. von "autistischen Zügen" sprechen. Das bringt uns aber auf jeden Fall weiter - vielen, vielen Dank dafür.

Wir sprechen hier überhaupt keinen Dialekt, auch nicht unsere zwei NT's der Familie :wink: - das wird für uns sicher ziemlich schwierig werden euren Dialekt anzunehmen, aber wir werden uns bemühen.
Ist ja schon mal gut zu hören, dass in Hochdeutsch unterrichtet wird, so können die Jungs dem Unterricht ja gut folgen und an den Dialekt werden wir uns dann schon irgendwann gewöhnen. Verstehen geht ja immer schneller als selbst aussprechen.

Tja, dass sie einen Test machen müssen, hatte ich ja schon geahnt. :shock: Da kann ich nur hoffen, dass Marcel diesen dann auch mitmacht...

Jetzt hat mein Sohn alles dafür gegeben, dass er dieses Schuljahr schafft; er hat so gekämpft und ist wirklich über sich hinausgewachsen, hat versucht die Schwierigkeiten in der Schule zu bewältigen, indem er erstmalig von sich aus die Lehrer angesprochen hat; und dann wird er bei euch doch wiederholen müssen, weil ihm 2 Jahre Französisch fehlen. :? Das ist bitter. :x Wie soll ich ihm das nur erklären, ohne dass es ihn völlig demotiviert und fertig macht.


christinefä hat geschrieben:Das ist für dich und deine Familie aber eine gewaltig Veränderung! Wird es denn für viele Jahre sein?


Das wäre dann wohl für immer...
Mein Mann hat ein sehr gutes, langfristiges Arbeitsangebot im Angestelltenverhältnis (hier in D ist er ja selbständig).
Wir müssten unser Haus verkaufen und ganz von vorne anfangen.
Für mich persönlich eine enorme Herausforderung, und ich bin mir zur Zeit noch nicht sicher, ob ich das so ohne weiteres bewältigen kann.

Ich danke dir fürs Zuhören und deine Hilfe.

Liebe Grüße
Annette

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Beitragvon christinefä » 09.07.2008, 08:34

Guten Morgen Annette,

Oliver kommt in die 6. Klasse, wie alle Kinder hier mit Jahrgang 1996. Wir sind wohl immer ein Jahr hinter euch.

Die Klassen sind nicht gross. Für uns manchmal schon, aber für eurer Verhältnisse sind sie klein, so 20-25 Schüler. Und eigentlich ist die ADS/ADHS Problematik schon ein Thema für die Lehrer. Unsere Schule z.B. hat auch ein Heilpädagogisches Ambulatorium, das jederzeit bei schwierigen Verhältnissen einspringen kann. Auch das Thema Mobbing wird hier mal mehr, mal weniger beachtet.

Wegen dem Französich. Es gibt für neue Schüler auch Extra-Unterricht, damit sie den fehlenden Stoff aufarbeiten können.

Auf welchen Zeitpunkt würdet ihr kommen? Ist es denn schon sicher, hast du überhaupt noch eine Wahl?
Was würde dir am meisten helfen, dieses riesige Veränderung zu meistern?

Die Frauen der Nathaliestiftung (den Link, den ich dir gegeben habe) wissen wohl am ehesten, an welcher Schule schon Asperger Kinder erfolgreich waren. Aber es ist halt immer sehr Lehrerabhängig.

Du hast keine Signatur mehr? Kannst du mir bitte per PN das Alter deiner Kinder durchgeben. Ich weiss jetzt gerade nicht, welcher deiner Söhne nun Autist ist; ist es der ältere oder der jüngere?
Frag nur ruhig weiter, ich helfe dir gerne.

LG Christine
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unsere Vorstellung http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... ght=#73943

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 09.07.2008, 09:54

Liebe Christine,

ich schreibe dir per PN weiter, das ist mir doch angenehmer als so öffentlich.

Aber zuvor möchte ich mich noch einmal ganz herzlich für deine Mühe bedanken.
Es beruhigt mich sehr, zu wissen, dass ich bei dir Antworten auf meine zahlreichen Fragen finden kann.

Liebe Grüße
Annette

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Beitragvon Fabian » 14.07.2008, 12:17

Hallo Annette

Willkommen bald bei uns in der Schweiz. :)

Betreffend den Fragen wegen der Schule würde ich dir empfehlen, dass du mit Petra_ch kontakt aufnimmst. Wenn ich mich richtig erinnere, ist sie ja auch eine Asperger-Autistin und daher kann sie dir sicherlich ein wenig Auskunft geben. Sie kommt ja auch aus der Schweiz

Grüsse
Fabian


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