Ganztags-Kita: Gewöhnung?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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marianne
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Ganztags-Kita: Gewöhnung?

Beitragvon marianne » 19.07.2005, 18:12

Hallo Zusammen! Unser 5jährige Sohn Janosch, der ca 2 Jahre entwicklungsverzögert ist, besucht ja seit 1 Jahr eine Integrationsgruppe in einem Regelkiga. Es handelt sich dabei um eine Ganztagsgruppe. Diese konnten wir aber bislang überhaupt nicht nutzen. Von September bis März blieb Janosch von 8-13.30 Uhr nach dem Mittagessen im Kiga und war dann ganz müde, man sah, das reichte, im Kiga schlief er nicht ein, aber daheim. Damit kamen wir alle aber gut klar, denn ich kam auch noch zu meinen Tätigkeiten und meiner Weiterbildung. Wir planten ursprünglich, Janosch dann an 2x wöchentlich ganze Tage zu gewöhnen, damit ich wieder beruflich einsteigen könnte. Aber es kam gaaaanz anders:

Nun seit April überdreht Janosch regelmäßig nach 3 bis höchstens 4 Stunden Kiga und ist, wenn er länger bleibt, dann so überdreht, dass ich ihn stundenlang nicht zur Ruhe bringe. Weil er jetzt auch ins verspätete Trotzalter gekommen ist, ist uns auch besonders wichtig, dass die impulsiven Wutausbrüche, die ihn jetzt schneller, aber besonders oft bei Überreizung überfallen, sich nicht verfestigen, sondern halt vorübergehendes Trotzalterverhalten sind. Hier zuhause können wir die Wutausbrüche durch Ruherituale und feste Grenzen oft stoppen, wenn es sich um Überreizung handelt und auch als Trotzanfall bedeutend geringer halten im Vergleich zum Kiga, wo er teilweise täglich zum "Monster" mutierte.

Jetzt meine Fragen an Euch! Vorweg: Mir geht es nicht so sehr um Hilfe bei einer Analyse unserer aktuellen Kiga-Situation mit allen Schwierigkeiten und "Mängeln", die vielleicht ungünstig für Janosch sind. Mit dieser Analyse sowie auch der Analyse der ungünstigen Einfluss-Bedingungen, die eher bei uns und Janosch zu suchen sind, sind wir Eltern und alle Erzieherinnen und Therapeutinnen schon gründlich dabei und hoffen, auch erfolgreich. :roll:

Meine Frage ist vielmehr, da ja viele von euch ihre Kinder bis nachmittags in der Betreuung haben: Gewöhnen sich entwicklungsverzögerte Kinder evtl. aufgrund ihrer ja vielleicht auch späteren emotionalen Ablösung von daheim später und schlechter an Ganztagsbetreuung als normalentwickelte Kinder oder ist diese "These" Quatsch?

Ein Analyseergebnis bei uns ist schon folgende Entscheidung: Janosch soll ab nächstem Jahr, möglichst schon ab Frühjahr, einen heilpädagogischen Kiga mit heilpädagogischer Tagesstätte,die bis nachmittags geht, besuchen. Dass er bei kleineren Gruppen und heilpädagogischem Ansatz länger dort "durchhält" glauben wir schon. Aber bis um 15:45? Da habe ich schon wieder Befürchtungen. Dort wird aber auch aus Finanzierungsgründen schon am liebsten gesehen, dass die Kinder auch die volle Zeit bleiben inklusive HPT, die ja auch tolle Angebote hat. Nur wollen wir natürlich auch dann nicht bei Janosch Überforderungs-Aggressionen kultivieren, die er eindeutig viel viel weniger und schwächer hat, wenn er seine Zuhause-Kuschelrituale bei Bedarf hat. In seiner jetzigen Kiga-Gruppe darf er ja z.B. nicht seine persönliche Trinkflasche und das Kuscheltier dabei haben (weil das sonst alle wollen, ist das Argument) und alleine sein Hörspiel hören oder so. Aber ist sowas in einer HPT vielleicht mehr am einzelnen Kind als an der Gruppe orientiert? Die Info-Broschüre sagt dies, aber das tut das Infomaterial der Integrationsgruppe auch.:wink: Und ich weiss auch nicht, ob die gute Absicht reicht. Wie bekommen sie dort eine solche Geborgenheit, ABSOLUTE Reizreduktion und Ruhe wie daheim für sehr schnell überreizte Kinder hin, die dann den ganzen Tag durchhalten sollen?

Natürlich werden wir das alles bei der HPT vor Ort fragen, aber mich interessieren auch sehr schonmal vorweg eure HPT-Erfahrungen.


Lieber Gruß

Marianne

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Beitragvon yve » 19.07.2005, 18:49

Hallo Marianne,

Bei Steven war das bzw ist das auch so ein problem mit der kita.Steven geht jetzt auch fast ein jahr in die kita und er ist auch noch nicht richtig drinn.Manchmal packt steven es die ganze woch bis nachmittags und dannn wird er wieder krank.Ich muß dazu sagen das Steven schwerst mehrfach behindert ist und selbständig garnichts machen kann.Steven weint sehr viel und deswegen ist es so schwierig los zu lassen.
Jetzt aber denke ich auch ab und an mal an mich und sage das Steven und ich da durch müssen und lasse ihn dann auch öffter mal bis nachmittags.
Jetzt zum b.z. hat er zwei wochen bis nachmittags hinter sich auser freitags und ich merke schon das es ihm zu viel wird da er wieder so viel weint.
Und ich denke dann immer das er zu hause bleiben sollte aber das ist ja auch nicht immer die gute lösung?!

Ich konnte dir zwar deine fragen nicht fichtig beantworten aber ich wollte dir mal meine situation mit steven schildern.

Lieben gruß yve

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Isolde
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Beitragvon Isolde » 19.07.2005, 18:52

Hallo Marianne,

eine gute Frage, die Du da stellst, in Bezug auf Janosch gesehen.

Also in einer HPT (ich nenne das kompl. Paket jetzt mal so) sind wesentlich weniger Kinder i.d. Regel in einer Gruppe, und mehr Betreuer. Auf die Kinder kann viel individueller eingegangen werden.
Wir hatte z.B. unsere Lieblingsflasche immer dabei gehabt und die Lieblingsbrotdose, weil ich auch von zu Hause das Frühstück mit in die Einrichtung gab und dort gemeinsam gefrühstückt wurde und heute in der SVE auch noch wird.

Auch hatte Jonathan in seiner Ruheecke sein Kuscheltier gehabt - es war eben seins.
Dann sind die Förderangebote insgesamt andere. Da gibt es andere Therapieräume als in einer integrativen Einrichtung eines Regelkindergartens.
Und nach dem Essen gehen ALLE schlafen, ruhen.
Insofern würde ich ausprobieren und es durchhalten - ist meine Meinung.
Dafür sind die Erzieher einer HPT ausgebildet, dass sie gerade mit solchen besonderen Kindern umgehen können, sonst wäre es für mich nicht die richtige HPT.

Dass die Kinder dort möglichst den ganzen Tagen bleiben sollen, ist richtig. Dieser Platz wird teuer vom Landeamt bezahlt und sobald ein Kind über längeren Zeitraum fehlt oder mittags nicht da ist, muss eine handfeste Begründung her, sonst wird es nicht finanziert. Dann wird der Platz frei gegeben für ein anderes Kind.
Gerade eine SOLCHE Einrichtung ist dafür da, um diese Entlastung den Eltern zu bieten.

Dass es am Anfang schwer wird ist klar.
Aber da ist das Durchhaltevermögen ALLER Betroffenen gefragt, und ich glaube ganz feste daran, dass Janosch dann auch dieses Gefühl der Geborgenheit bekommt und sich auch einordnet, wenn er merkt - es geht nicht anders. Sicher eine "harte" Schule für ihn, aber gut, denke ich.

An unserer Einrichtung sind die Therapeuten angestellt und ein Psychologe ist da, ist für die Kinder da und für die Angestellten.

Ich denke schon, dass a) das Kinderzentrum Euch nicht umsonst die Empfehlung gegeben hat und b) dass es Janosch längerfristig denkend etwas bringt, auch wenn es im Moment vielleicht anders ist.
Eine gute HPT kann eine Menge Geborgenheit geben. Es ist in Jonathans 3 Einrichtungen seines Lebens immer viel Platz auch für das Kuscheln da gewesen. Zivis und Praktikantinnen haben dafür gesorgt für dieses Zwischendurch, oder auch dieses Kuscheln beim Einschlafen bzw. Ruhen.

Das ist so meine Erfahrung damit.
Gut, ich gebe zu, Jonathan war nie so drauf wie es Janosch scheinbar sein kann.
Aber in dem 1. Kindergarten waren viele verhaltensauffällige Kinder gewesen, und somit habe ich da schon manches mit bekommen, weil ich immer irgendwie aktiv mit an dem KiGa-Leben beteiligt war.

Ich wünsche Euch ganz viel Mut zu dieser Entscheidung mit der HPT. Wenn sie gut ist, dann ist es für Janosch auch gut.
Euer Bauchgefühl muss einfach stimmen - und dann stimmt es auch für Janosch.

Einen lieben Gruß - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

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Beitragvon marianne » 19.07.2005, 21:44

Hallo Yve, dein Beitrag ist für mich schon eine wichtige Antwort, weil er wichtige Stichworte nennt. Allerdings weiss ich ja viel zuwenig über die üblichen Verhaltensweisen eures Sohnes im Unterschied Kiga und daheim. Es ist schon oft schwierig, nach Ursache und Wirkung bzw. ob überhaupt ein Zusammenhang besteht zu entscheiden.

Stichwort "Auffällig mehr Krankheit": Janosch war auch in den ersten 6 Monaten im Kiga von September bis März jeden Monat eine Woche krank mit Fieber daheim, ein absoluter Unterschied zu vorher. Allerdings war zuvor Sommer, und im Winter davor war er genauso viel krank. Ansonsten war er während des ersten halben Jahres im Kiga zufrieden und sichtlich gerne dort.

Stichwort " Neue Verhaltensäußerungen", die extreme Hilflosigkeit signalisieren wie ständiges Weinen und bei Janosch ein Rumwüten täglich, wie ich es von daheim nur sehr selten kannte und nie ohne Grund. Das schaue ich mir dann allerdings, wenn es auffällig neu ist, nicht mehr lange an, das ist NICHT hinnehmbar. Wir haben nach 2 Wochen reagiert und die Kiga-Zeit mit Unterstützung der Therapeutinnen und Erzieherinnen reduziert auf 3 Stunden, was auch deutlich half sowie dieses Thema in die große Therapeutenrunde gebracht. Dazu mussten wir aber alle zusammentrommeln, während ja eine HPT das wohl alles vor Ort hat, auch noch täglich, was ja ein riesengroßer Vorteil sein kann.

Vor allem ist das Weinen ja bei deinem Sohn eins der wenigen möglichen Ausdrucksformen, wenn ich dich richtig verstehe. Nach 1 Jahr Kiga würde ich das an deiner Stelle nicht so stehen lassen, tust du ja wahrscheinlich auch nicht. Irgendwann müssen unsere Kinder sich auch gewöhnen. Da, finde ich, könnte es helfen, wie ja Isolde auch für die HPT anmerkt, wenn ein Psychologe mit ins Fachteam kommt und sowohl auf das Kind wie auf die Angestellten schaut.

Du hast absolut Recht, dass wir Eltern auch an uns denken müssen, denn wir müssen ja stark bleiben. (Wem sagst du das nach den letzten 3 Hammermonaten mit Janosch mindestens 9 Stunden täglich um mich?:cry: ) Aber ich möchte langfristig durch die Betreuung nicht mehr statt weniger Probleme bekommen, was z.B. bei Janosch der Fall wäre, wenn er sich durch den Kiga die Wutanfälle als festes Repertoire täglich dauerhaft aneignen würde.

Lieber Gruß

Marianne

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Beitragvon Isolde » 19.07.2005, 21:57

Hallo Marianne,

nochmal eine Frage - vielleicht habe ich die Antwort irgendwann mal verpasst.
Aber ich stelle sie hier nochmals.

Auf was hat Janosch eigentlich Wut?
Woher kommt die Wut?
Wie sind die Reaktionen in den Momenten, wo die Wut hoch kommt - im ganzen Umkreis?

Hat das Kinderzentrum da Euch praktische Hilfen geben können? Oder ist Euch da der Psychologe vielleicht nicht ein guter Helfer?
Hat er nicht eine Idee, wie das mit einer HPT zu packen sein könnte, damit es eben für Euch nicht mehr Stress wird, sondern entspannter, und für ihn auch Freude wird .....

Sorry diese direkten Fragen.

Lieb gemeinte Grüße - Isolde
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Beitragvon marianne » 19.07.2005, 22:06

Hallo Isolde, das, was du über Jonathans HPT-Erfahrungen berichtest, hört sich sehr vielversprechend an. Die Beispiele, was alles von daheim mitgebracht werden darf (und nicht nur am Spielzeugtag einmal wöchentlich) finde ich SEHR gut.

Die noch kleineren Gruppen als derzeit im Kiga und der noch bessere Personalschlüssel kommen noch dazu. Da setzen wir ja große Hoffnungen hinein, wenn nicht wie bei uns im Kiga im Endeffekt doch durch Personalmangel im Hause zuoft viel zu wenig Personal faktisch in der Gruppe ist. Heute musste ich z.B. Janosch, der seit fast 2 Wochen keine Windel mehr tagsüber trägt, im Kiga eine anziehen, weil nur 1 Vetretung in der Gruppe war, die nicht mit ihm zur Toilette gehen konnte.

Dann, dass du berichtest, dass Therapieräume, Therapeuten und Psychologe in der Einrichtung sind. Traumhaft, vor allem wenn sie Janosch täglich kennen und zwar in demselben Umfeld. (Solange sie engagiert sind und nicht gemeinschaftlich schräg.)

"Und nach dem Essen gehen ALLE schlafen, ruhen." Auch super! Das ist die aufgedrehteste Zeit in unserer Gruppe für die, die nicht schlafen (können)!

"Insofern würde ich ausprobieren und es durchhalten - ist meine Meinung.
Dafür sind die Erzieher einer HPT ausgebildet, dass sie gerade mit solchen besonderen Kindern umgehen können, sonst wäre es für mich nicht die richtige HPT."
GENAU! Wenn wir das so erfahren würden, dass warmherzig und kompetent mit Janosch umgegangen würde, dann kann ich dem nur zustimmen und uns würde ein Stein von der Seele fallen.

"Aber in dem 1. Kindergarten waren viele verhaltensauffällige Kinder gewesen, und somit habe ich da schon manches mit bekommen, weil ich immer irgendwie aktiv mit an dem KiGa-Leben beteiligt war." Die Hoffnung haben wir ja auch. Es muss doch eine Menge anderer Kinder geben, die Rückzug brauchen und mit Aggressionen auf Überforderung reagieren.

"Ich wünsche Euch ganz viel Mut zu dieser Entscheidung mit der HPT. Wenn sie gut ist, dann ist es für Janosch auch gut.
Euer Bauchgefühl muss einfach stimmen - und dann stimmt es auch für Janosch." Danke! Ich hoffe wirklich, dass es so kommt, denn ich habe auch keine Lust mehr auf dieses häufige Spießrutenlaufen zum Kiga, wo es wieder eine neue "Horrorgeschichte" über Janosch gab. Ist aber wieder viel besser. Aber halt zu dem Preis "3 Stunden".....

Lieber Gruß, auch an Jonathan und ihm auch gute Besserung (habe im Nachbarstrang gelesen)!

Marianne

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Beitragvon marianne » 19.07.2005, 22:29

Hallo Isolde, während ich noch an meiner langen Antwort auf deine lange Antwort bastelte, kam noch eine Frage von dir :lol:.

Also, Janosch hat 2 Sorten von Wutanfällen.

Sorte 1: Typisch Trotzalter: Er redet jetzt von sich endlich als "ICH" und damit in Zusammenhang erfährt er sich selbst neu und testet Grenzen und kann den Ärger über Grenzen noch nicht kontrollieren. Sieht nicht anders aus als bei allen anderen Kindern im Trotzalter, die ich gesehen habe und sehe. Konsequenz hilft! Janosch ist eh sehr temperamentvoll und ein Draufgänger und so sind auch die Wutanfälle von ihm. Nicht einfach!

Sorte 2: Überforderungswutanfälle: Ein völlig außer Rand und Band geratenes Um-Sich-Schlagen oder -Werfen von Gegenständen. Wird hier auch von Eltern autistischer oder hyperaktiver Kinder beschrieben. Anklänge in diese Richtungen gehören sicherlich zu Janoschs Verhaltensstörungen, wenn auch kein Vollbild da ist. Der Hintergrund ist Panik. Alles ist zuviel. Das war im Anfang nach der Kinderheimzeit oft so bei Erschrecken, ärztlichen Untersuchungen.....heute nur noch bei Überforderungen.

In den letzten 3 Monaten war ein stärkerer (innerer) Druck bei allen, die mit Janosch gearbeitet haben und vor allem auch bei mir wegen der Schuldiskussion, das hat Janosch auch sehr gestresst. Dann beginnendes Trotzalter und insgesamt in einem Riesenentwicklungsschritt (Sauberwrden, ICH-Werdung, auf allen Ebenen....)....da war schon viel los, was überforderte. Aber die Erzieherinnen sind auch nicht ausgebildet für solch ein Verhalten. Hmmm...


Beantwortet das deine Fragen genügend?

Ach ja, der Psychologe im Kinderzentrum meinte zwar, eine HPT wäre viel besser für Janosch, wobei er den Förderaspekt meinte, aber die Frage, ob sie denn dort Janosch die wirlich passenden Angebote machen könnten, beantwortete er auch nicht. Wir waren allerdings ja wegen der Entwicklungsdiagnostik da und das nahm schon viel Zeit in Anspruch, so dass das Verhaltensthema nur kurz gestreift werden konnte. Naja, da kommt ja noch der Februar-Termin. Ich möchte ja auch für Janosch nach wie vor mal irgendwann eine Traumatherapie, denn das erste Lebensjahr im Kinderheim liegt ihm noch auf der Seele.

Lieber Gruß

Marianne

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Beitragvon benni » 20.07.2005, 13:41

Hallo Marianne,

In Benjamins HPK ( SVE ) ist es genau wie bei Isolde und Jonathan. Die Gruppe ist mit 8 Kindern kleiner als vorher im I.- Kiga mit 15 Kindern. Alle Kinder müssen sich Mittags hin legen und schlafen oder zumindest ausruhen und der Personalschlüssel ist höher.
Benjamin kam mit 5,5 J. in den HPK und die ersten Wochen Ganztagsbetreuung waren nicht einfach, vorher war er nur bis 13.30 Uhr im Kiga. Am Anfang kam er total müde und kaputt nach Hause , schlief nach dem Kiga oft kurz ein oder war sehr unruhig und Therapien oder Termine am Nachmittag waren eine Überforderung für ihn. Mittlerweile hat er sich nach 3 Jahren HPK sehr gut daran gewöhnt und die kleinere Gruppe tut ihm einfach sehr gut, er braucht eben ein ruhiges Umfeld. Am Nachmittag gehen wir nur noch zum Th. Reiten, KG und FF. v. Blindeninstitut bekommt er im Kiga . Eine Zeit lang mußten wir wöchentlich 2 mal zur KG am Nachmittag + Th. Reiten, das war eine große Belastung nach einem langen Kiga- Tag.
Bei der Wahl der Förderschule haben wir sehr auf die Klassenstärke geachtet, 10 Kinder und mehr wie in der örtl. G.-Schule sind nicht für ihn geeignet und die Therapien außer dem Th. Reiten werden ab 09 / 05 alle in der Schule statt finden.

Gruß Anja
Anja mit Benjamin 03/97- schwere Mehrfachbehinderung wahrscheinlich durch 6- fach-Impfung, Muskelhypotonie,Wahrnehmungsstörungen/aut. Züge, Grand-mal-Epilepsie, Skoliose, Gastrotube, Tracheostoma, Sondennahrung
Benjamin hat 1 grossen und 3 kleine Brüder

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Beitragvon yve » 20.07.2005, 18:42

Hallo Marianne,

Ich muß sagen Steven weint in der regel sehr viel es ist schon besser geworden.Steven hat vom zweiten monat durchgehent geschriehen tag und nacht.Ich konnte noch nicht einmal mit ihm spazieren gehen.Jetzt ist es so das steven auf dem arm immer gut zu frieden ist und ich kann ihn jetzt auch schon mal ne halbe stunde auf seine decke legen und das ist schon viel.Man kann mir nicht sagen warum Steven so viel weint bzw unzufrieden ist.In der kita klappt es eigentlich gut sie kommen gut mit steven zurecht und können auch unterscheiden wenn er vor wut weint oder ob er was hat.
Das ist halt schwierig und ich kann ihn ja deswegen nicht zu hause lassen ob er jetzt zu hause weint oder in der kita.
Wenn man sich mit ihm bescheftigt ist ja alles in ortnung.
Es ist halt schwierig für mich wenn er mogens ein nicht so guten tag hat dann überlege ich immer geht er oder bleibt er zu hause und meistens geht er und ich hole steven dann immer mittags ab.Und wenn ich ihn dann ab hole sitzt er in seiner sitzschale und ist zu frieden.
Viele sagen ich habe steven zu sehr verwöhnt aber was sollte ich denn machen ,sollte ich ihn immer schreien lassen ?Nein das könnte ich nicht.
es ist halt nicht immer einfach mit den würmern.
l
lieben gruß
yve

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Beitragvon marianne » 20.07.2005, 19:26

Hallo Anja, dein Bericht hört sich wie der von Isolde auch vielversprechend an, denn er zeigt, dass zwar die Eingewöhnung nicht einfach ist, dass aber bei auftretenden Überforderungen in dieser Zeit alle zusammen mit dem Kind durch diese Zeit gehen. In unserem Kiga ist es dagegen so, dass wir Eltern Alle Lösungsvorschläge für Janoschs Probleme im Kiga finden müssen. Vom Kiga kommt ganz schnell das Signal: "Nicht leistbar hier." So wurde mir heute in aller Seelenruhe von der Gruppenleiterin gesagt, dass es auch in Zukunft immer weiter und zwar mindestens einmal wöchentlich vorkommen wird, dass nur 1 Betreuung in der Gruppe sein wird und Janosch, der seit Wochen keine Windeln tagsüber mehr trägt, dann eine tragen muss. Nicht nur, dass er, der einen heilpädagogischen Platz hat, also nicht gefördert wird, nein, er wird noch behindert bei seinem Sauberwerden. Genauso ist es beim Umgang mit seinen Wutanfällen. Im Kiga kultiviert er sie erst so richtig.

Und da frage ich mich eben schon mittlerweile wirklich pessimistisch, ob sich das jemals ändert. Heute habe ich auch mit Janoschs Frühförderung darüber geredet und sie meinte, in einer HPT würden die Mitarbeiter selber nach Lösungen für Probleme suchen und wenn sie keine finden, den Eltern Alternativen vorschlagen. Kennt ihr das auch so? Oder muss ich dann in Zukunft die HPT-Probleme auch lösen?



Hallo Yve, siehste, das hört sich doch gar nicht so an, als ob die Kita die Probleme bei deinem Sohn vergrößert, oder? Sondern sie befassen sich ja auch aufmerksam damit. Dann kannst du doch beruhigt sein.

Lieber Gruß Marianne


PS: Mich würden aber auch die Berichte zu Kindern, die zu Trotzanfällen neigen und der Umgang damit in der HPT interessieren. Natürlich besprechen wir das alles mit unserer zukünftigen HPT, aber in Janoschs Kiga wurde schon soviel geredet, dass ich auf Zusagen und Worte zuvor nicht mehr soviel gebe..... :roll:


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