Wer hat sein Kind auch in einem Internat oder in einem Heim?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Astrid S.
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Wer hat sein Kind auch in einem Internat oder in einem Heim?

Beitragvon Astrid S. » 20.04.2008, 21:18

Hallo,
wir stehen vor einer sehr quälenden Entscheidung.
Unser Sohn,Til, ist ein 24 Std. Job. Was ich damit meine ist, das er aufgrund seiner geistigen Behinderung so viele Probleme hat, das er permanent überwacht werden muß.
Er kann mit "normalen" Kindern gar nicht spielen, andere behinderte Kinder haben wir leider nicht in der Nähe. In der Kita ist das natürlich gar kein Problem, er geht in eine heilpädagogische Gruppe. Dort ist immer jemand der mit ihm spielt.
Til kann sich etwa eine Minute für etwas interessieren und konzentrieren dann ist schon das nächste dran. Dadurch muß man immer neben ihm stehen sonst passieren permanent Unglücke.
Er hat auch sonst viele Störungen und man rät uns ihn in ein Internat oder Heim zu geben. Ich weiß das es für ihn bestimmt eine sehr gute Lösung ist aber als Eltern ist es die Hölle darüber nachzudenken.
Wer hat diesen Weg schon begangen. Wie erging es euch dabei.
Ich würde mich sehr freuen wenn ihr mir eure Erfahrungen mitteilen könntet.
Vielen dank
Astrid

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anjajura
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Beitragvon anjajura » 20.04.2008, 21:30

Ich arbeite an einer privaten G-Schule mit angeschlossenem Heim.
Im Heimbereich wird eine so gute pädagogische Kontinuität geboten, wie es daheim niemals möglich sein kann.
Lange Zeit habe ich mich auch mit dem Gedanken getragen meinem Sohn die Möglichkeit von Freunden und einer tollen Freizeitgestaltung dort zu bieten, kann mich aber, ganz unprofessionell auch noch nicht lösen....
Aber die Eltern die diesen Schritt gegangen sind haben das Vertrauen, dass die Einrichtung die Richtige ist und ich glaube, dass ist der entscheidende Punkt.
Sohn*92 keine Genese, zwischen Gb u. L., ADHS- Symptome, autistische Züge.

Astrid S.
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Beitragvon Astrid S. » 20.04.2008, 21:58

Hallo anjajura
Danke, ja da ist was wahres dran. Vertrauen ist hier wohl das a und o .
Man ist als Mutter ja immer der festen Überzeugung das man die einzige auf der ganzen großen Welt ist die das Kind versteht. Einmal im Jahr fährt Til mit der Kita 5 Tage weg. Da klappt "komischer Weise" immer alles super.
Wie sind denn die Kinder dort in der Schule?
Haben sie oft heimweh? Wie ist der Kontakt zu den Eltern. können sie trotzdem mit Entscheidungen treffen?
Danke
Astrid
Frank 1972, Astrid 1974, Lea 2000 gesund, Til 2002, Frühchen SSW28, Lungenrisse, 65min Reanimation, beids. Hirnblutungen 1.-2.Grad,geistig behindert, körperlich etwas eingeschrängt an dem Rest verzweifeln die Ärzte

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Beitragvon Jaqueline » 20.04.2008, 22:05

Hallo Astrid,

meine Cousine (20) ist schwer geisitig behindert (auch ein 24 Std. Job) und sie besucht seit der Schulzeit ein Internat für Geistig- und Mehrfachbehinderte. Sie kann dort sehr gut gefördert werden und hat viel gelernt. Selbst ihre Mutter sagt, sie hätte niemals gedacht, dass man aus ihr noch so viel raus holen kann. Sie ist seit der 1. Klasse dort und vor allem sehr gerne. Sie geht alle 14-Tage am Wochenende nachhause (die Häufigkeit kann man individell absprechen) und in den Ferien jeweils so lange, wie ihre Mutter und LG frei bekommen. Dort kann sie lebenslang bleiben. Das beruhigt meine Tante sehr, falls ihr mal was passieren sollte. Woanders hin zu kommen würde sie nach solanger Zeit nicht mehr mitmachen. Für sie war es die beste Entscheidung.
LG Jaqueline
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Beitragvon ehemalige Userin » 20.04.2008, 22:12

Hallo Astrid, mein Kind lebt in einem Kinderheim. Wir hätten aber keine andere Einrichtung genommen, als gerade diese! Wir kannten sie vorher schon gut. Wir treffen weiterhin alle wichtigen Entscheidungen und sehen Malte oft.
Z.Z. ist er im Krankenhaus, wir haben viele Sorgen. Da erweist sich das Personal aus dem Heim als gute Stütze, geteilte Sorgen sind nun mal leichter. Die Anteilnahme und Unterstützung (Besuche im KH!) tut sehr gut.
Viele Grüße, Vera

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Beitragvon Jaqueline » 20.04.2008, 22:15

Hallo nochmal,

wenn es dich interessiert, meine Cousine ist in der Stiftung Lindenhof Schwäbisch Gmünd.
Sie hat dort die Martinusschule besucht und ist jetzt im Förder- und Betreuungsbereich,
da sie nicht in einer Werkstätte arbeiten kann.

http://www.haus-lindenhof.de/

Ich selber war auch im Internat, aber das ist für dich sicher nicht so interessant,
da es eine Einrichtung für Körperbehinderte war.
LG Jaqueline
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Beitragvon Isolde » 20.04.2008, 22:37

Hallo liebe Astrid,

ich bin eine der Mütter hier, die ihr Kind in ein Internat gegeben hat,
als er eingeschult wurde.
Zuerst - als er noch im Kindergarten war, war dieser Gedanke bei mir noch nicht akut gewesen.
Aber meine Ehe ging während der Kindergartenzeit auseinander und ich zog viele Kilometer weiter weg nach München.
Hier in der SVE kam mir der Tipp mit dem Blindeninstitut entgegen und ich habe erfahren, dass es hier ein Internat gibt und ein Ganzjahresheim.

Ich begann mich mit dem Thema auseinander zu setzen,
und habe auch Menschen um mich herum gefragt, quasi wollte Meinungen wissen und stieß auf viel Unverständnis,
wie man nur ein 6-jähriges Kind in ein Internat stecken könne.
Je mehr solche Gegenargumente kamen, umso mehr wurde mir klarer, dass es der richtige Weg ist,

denn in dem Fall ging es auch um mich,
ich muss arbeiten gehen und ich habe nicht die Möglichkeit meinem Sohn eine solche Förderung zu bieten, wie er sie da erfahren konnte, auch eine Förderung in Bezug auf seine Selbstständigkeit. Und Jonathan ist ein Kind das die Gruppenerlebnisse mag, es eignet sich sehr gut in einer Gruppe, und somit wurde immer mehr in mir der Gedanke klar - ich packe das alleine nicht mit dem Kind, auch wenn er nicht unbedingt ein 24-Std.-Betreuungskind ist, aber seine Wachzeiten reichen, um irgendwann kraftlos abends ins Bett zu fallen.

Ich habe damals eine gute Entscheidung getroffen. Jonathan hat sich in den 3 bisherigen Jahren sehr gut entwickelt, das hätte ich nicht so tun und fördern können, und es geht uns beiden damit gut.
Jedes Wochenende, Ferien und Krankheiten ist Jonathan bei mir und während der Schulzeit ist es auch schön, an 3 Tagen in der Woche nicht Jonathan zu haben.

Und im nächsten Jahr ziehe ich vermutlich wieder um - dann wird Jonathan in eine Heimeinrichtung gehen, wobei er dann immer noch viel zu Hause sein wird, aber das MUSS das ich jetzt im Internat habe, das habe ich dann nicht mehr, dann hole ich Jonathan ab, wenn es mir recht ist und wenn es passt.
Dann ist Jonathan 12 Jahre - immer noch für viele Eltern viel zu jung um in ein Heim zu geben,
aber es ist mein Leben und meine Entscheidung,
und hinter der stehe ich voll und ganz,
und erst seit jüngster Zeit weiß ich genau, es wird Jonathan an nichts mangeln und es mangelte Jonathan auch im Internat an nichts.
Es ist für ihn das Beste - und das zählt an erster Stelle für mich,
an zweiter Stelle stehe ich und da sage ich ebenso, es ist gut so.

Ich wünsche Dir eine mutige Entscheidung,
auch gegen alle Gegenstimmen, die sicherlich auftreten werden,
weil manche im Umfeld nicht verstehen werden, was es heißt ein geistig behindertes Kind rund um die Uhr zu beaufsichtigen und wie es ist wenn man in der eigenen Freiheit maßlos eingeschränkt ist dadurch.
Ich habe sehr gute Erfahrung gemacht und kann andere nur dazu ermutigen, auch frühzeitig solche Entscheidungen zu treffen,

denn unterm Strich ist man einfach auch nur ein Mensch mit Grenzen.

Lieben Gruß - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

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Beitragvon Annette Schmidt » 20.04.2008, 23:46

Hallo Astrid!

Mein Sohn lebt seit Februar 2005 in einer Jugendhilfeeinrichtung. Es war für mich die schwerste Entscheidung meines Lebens und hat mich damals völlig aus der Bahn geworfen, aber aus heutiger Sicht weiß ich, dass sie richtig war.
Ich habe im Forum schon mal was dazu geschrieben, ich verlinke das mal:

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... heim#98014
http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... eim#123747
http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... men#419429 (da habe ich auch einige Threads verlinkt, wo andere Eltern über ihre Gedanken und Erfahrungen schreiben).

Inzwischen ist es bei uns nun schon über 3 Jahre her und mein Sohn ist im Juli 2007 in eine andere Wohngruppe der Stiftung umgezogen, zurück in die Großstadt.
http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 4nderungen
Auch dort wissen wir ihn optimal aufgehoben und ich kann nur jeder Familie, die auch die Entscheidung treffen muss, das Kind in eine Einrichtung zu geben, wünschen, eine solche Einrichtung zu finden, wie die, in der Uli lebt.

Liebe Grüße

Annette
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

Bitte keine PN-Anfragen, danke.

anjajura
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Beitragvon anjajura » 21.04.2008, 08:50

Astrid S. hat geschrieben:Hallo anjajura
Danke, ja da ist was wahres dran. Vertrauen ist hier wohl das a und o .
Man ist als Mutter ja immer der festen Überzeugung das man die einzige auf der ganzen großen Welt ist die das Kind versteht. Einmal im Jahr fährt Til mit der Kita 5 Tage weg. Da klappt "komischer Weise" immer alles super.
Wie sind denn die Kinder dort in der Schule?
Haben sie oft heimweh? Wie ist der Kontakt zu den Eltern. können sie trotzdem mit Entscheidungen treffen?
Danke
Astrid



Hallo Astrid,

die meisten Kinder/Jugendlichen fahren alle 2 Wochen nach Hause und der "Montag danach" ist bei den meisten von Eingewöhnungsschwierigkeiten geprägt. Dienstags fluppt es dann meist schon wieder und wirklich fast alle sind sehr gerne da.
An den Wochenenden zu Hause wird ja doch meist tüchtig verwöhnt :wink:

Die Freude darauf im Internat die Freunde wiederzusehen. ist nach einer gewissen Zeit genauso gross, wie die Freude auf die Heimfahrt.
Die Kinder haben feste Zeiten zu denen sie Die Eltern anrufen können, bei Vielen geht ein Heftle zwischen Schule und Heim hin und her, in dem die Aktivitäten, Vorfälle der Gruppen, oder auch besondere Dinge die das Kind betreffen, für die Eltrn mitgeschrieben werden und im Gegenzug die Eltern über das WE berichten können.
Viele der Klassenlehrer schreiben einen Wochenbericht, damit auch das was in der Schule geschieht, für die Eltern nachvollziehbar wird.
Zumindest in unserer Einrichtung wird sehr darauf geachtet, dass die Eltern mit einzogen sind.

Wenn Du noch spezielle Fragen hast, kannst Du Dich gerne wieder an mich wenden.

LG
Anja

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Beitragvon Isolde » 21.04.2008, 10:37

Hallo liebe Astrid,

Jonathan ist in einer Einrichtung, wo er JEDES Wochenende nach Hause MUSS,
wo er auch 12 von 14 Wochen Ferien nach Hause MUSS,
und auch bei jeder Krankheit nach Hause MUSS,
ich kann es mir also leider nicht aussuchen, was für mich gut oder nicht so gut ist.
Ich hätte dann nur die Möglichkeit gehabt, Jonathan ins Ganzjahresheim zu geben, dann wäre das lockerer gewesen.

Aber dadurch dass Jonathan jeden Wochenende nach Hause kommt,
Freitags mittags bis zum Montagmorgen,
ist sein Heimweh eigentlich recht begrenzt.
Sie haben für ihn auch eine schöne Lösung, wie sie ihn da abgelenkt bekämen, sollte es bei ihm doch so sein.

Da das Internat hier in München ist, wir hier auch wohnen,
habe ich es so geregelt, dass Jonathan mit dem Fahrdienst am Montagmorgen geholt wird, und Freitags hole ich ihn selber ab nach meiner Arbeit,
dann habe ich auch den direkten Kontakt Woche für Woche zur Gruppe und kann gleich vor Ort klären und Fragen stellen.
Die Schule schreibt dann ein Buch,
aber ich versuche nach Möglichkeit sooft es geht, auch den Kontakt mit der Schule zu haben,
da hat sich die E-Mail auch bewährt.

Es war für mich wichtig, weil Jonathan am Ende mit seinen 7 Jahren doch noch recht klein war, dass ich diesen Kontakt habe und auch mit einbezogen werden möchte in alles was da ansteht - und da bin ich bis heute nach 2,5 Jahren nicht wirklich enttäuscht worden,
und wo mir Dinge nicht gefallen haben, da habe ich den "runden Tisch" gesucht und wir haben darüber geredet.

Ich bin im Elternbeirat der Schule, so habe ich auch da Kontakte.

Und wenn Jonathan im nächsten Jahr in die Heimeinrichtung eines anderen Trägers kommt, rein für geistig behinderte Kinder und Jugendliche,
dann werde ich genauso am Ball bleiben und den Kontakt halten,
denn als Mutter möchte ich diesen Draht trotz einer solchen Unterbringung nicht vermissen, mir würde etwas fehlen in der Entwicklung des Kindes.

Für Jonathan ist es auch ein gutes Stück Verlässlichkeit - ich sehe ihn zwar unter der Woche nicht und wir telefonieren auch nicht miteinander,
aber irgendwie weiß er, dass ich da bin und immer da sein werde.

Lieben Gruß - Isolde
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