Erfahrungen mit G-Schulen?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Nina Falentin
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Erfahrungen mit G-Schulen?

Beitragvon Nina Falentin » 01.07.2005, 20:40

Hallo!

Meine Tochter ist ja vor kurzem getestet worden und hat das ernüchternde Ergebnis von einem IQ von 63 bekommen. Mir wurde gesagt, das sei unterer Bereich Förderschule, aber da sie sehr problembewusst, unsicher und sensibel ist und ein sehr schlechtes Selbstbewusstsein hat, denke ich, für sie wäre es vielleicht besser, einen Level tiefer einzusteigen und versuche mir jetzt einen Überblick über die Schullandschaft in Freiburg zu verschaffen. Wir haben noch ein Jahr Zeit, aber erstens kann man ja bei Privatschulen kaum früh genug dran sein und zweitens bin ich auch etwas ungeduldig, würde gerne wissen, wie es mit ihr weitergehen kann, wie die Perspektiven sind, obwohl mir natürlich schon klar ist, dass ich Lisa auch noch dieses Jahr Zeit lassen muss, sich zu entwickeln und eigentlich erst dann entscheiden kann.
Nichtsdestotrotz habe ich mir gestern und heute zwei Schulen angesehen und bin jetzt etwas wirr im Kopf und würde gerne Eure Meinung hören.
Also, zuerst habe ich eine antroposophische Einrichtung angeguckt, die unter Sonderschule G läuft. Sehr angenehmer Schulleiter, tolles Konzept, aber an die Schule ist ein Heim angegliedert und vielleicht deshalb sind doch recht schwer behinderte Kinder dort, also durchschnittlich die Hälfte jeder Klasse kann z.B. überhaupt nicht sprechen. Wenn ich nur an Lisas Seele denke, würde ich sagen, da ist sie gut aufgehoben, wird nicht überfordert, kann Vertrauen in die Welt und in sich selbst erlernen und wird sich einfach wohl fühlen. Aber in mir bleiben so Grundängste, ob sie da nicht doch verkehrt ist, weil "soo" behindert ist sie ja nun auch wieder nicht und wenn man gar keine Kinder hat, an denen man sich nach oben orientieren kannn, fehlt doch auch irgendwas.
Heute habe ich eine staatliche Schule für geistig behinderte angeschaut. Das ganze hatte viel mehr Schulcharakter, als das "Haus Tobias" , eine Lehrerin der Unterstufe erzählte mir, was sie mit den Kindern so machen und das hörte sich für mich nicht so an, als ob Lisa da sonderlich unterfordert wäre und auch die Kinder, die ich gesehen habe, waren rein äußerlich eher so, dass Lisa da hineinpassen würde. Leider allerdings so gut wie keine Mädchen. Also rein vom geistigen Umfeld passte das irgendwie besser und ich hätte auch weniger Sorgen, dass in ihr schlummernde Kapazitäten im Kognitiven übersehen werden könnten, aber es menschelte so wenig... Am liebsten hätte ich gefragt - ja und für ihre zarte Seele, was tut ihr da??? -
Das Problem ist, bei uns gibt es kaum Alternativen, es gibt nur noch eine antroposophische Schule für Erziehungshilfe, die wohl auch schon mal Förderkinder nehmen, aber nicht, wenn sie soo schwach wie Lisa sind, und die machen jetzt seit neuem wohl auch vor der Einschulung einen IQ-Test. Und ansonsten bleiben nur die staatlichen Förderschulen, die für mich eigentlich nicht in Frage kommen.
Könnt Ihr mir mit ein paar Erfahrungen vielleicht weiterhelfen?

Ganz liebe Grüße
Nina
Lisa *2000, allg. Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörungen, ca. 2 Jahre zurück und Jana *2003

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Beitragvon CarolineF » 01.07.2005, 20:51

hi , also ich kenne in freiburg noch die janusz-korczak-schule für geistig behinderte , außerdem in emmendingen-wasser die eduard-spranger-schule.
hast dus dort schon probiert?
gruß caro
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Beitragvon CarolineF » 01.07.2005, 21:02

hier noch die links zu den schulen : www.jkfs.de und www.eduss.de
ich denk aber fast , daß deine tochter für die janusz-korczak-schule ehr zu fit ist , da scheinen vorwie´gend schwerst-mehrfachbehinderte schüler zu sein. also voielleicht doch eher eduard-spranger ( oder gibts da probleme , weli anderer landkreis? da kenn ich mich leider nicht aus... )
schau dir einfach mal die homepages an , vielleicht hilfts dir weiter ?
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Beitragvon marianne » 01.07.2005, 22:51

Hallo Nina, nach deinen Beschreibungen sähe ich auch ein bisschen die Entscheidung zwischen Regen und Traufe, denn eine geistige Unterforderung meines Kindes fände ich nicht akzeptabel, aber auch nicht eine seelenlose oder nicht warmherzig genug erscheinende Schulatmosphäre. Aber vielleicht hat die anthroposophische Schule beim genaueren Hinsehen auch klassenübergreifende Leistungsniveaugruppen bzw. die zu schulische Schule bei genauerem Hinsehen auch warme Ecken und Rituale? Aber wahrscheinlich hast du schon genau hingesehen? Dann würde ich doch auch weitersuchen, denn die von dir beschriebenen Probleme fände ich inakzeptabel. Und wenn es absolut keine Alternative gäbe?....oh je! Doch, findest du bestimmt- ich drücke euch die Daumen! Lieber Gruß Marianne
Janosch (06/00) Frühkindlicher Autismus, leichte geistige Behinderung, Aufmerksamkeitsstörung, Adoptivkind

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Beitragvon Leonie » 01.07.2005, 23:22

Hallo,
die JKSF ist eine klasse Schule, allerdings sind die meisten Kinder dort nicht sprechend und viele können auch nicht laufen. Die Kids dort sind also schon schwer mehrfach behindert. ich weiß also nicht, ob diese Schule wirklich was für Lisa wäre
Viele Grüße
Leonie

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Beitragvon Karin 67 » 01.07.2005, 23:26

Hallo Nina,
unsere Tochter wurde ebenfalls getestet, mit dem Ergebnis unterer Bereich Förderschule, d.h. für die Diagnose- und Förderklasse wäre sie derzeit überfordert.
Für die G-Schule ist sie aber zu fit. Zum Glück gibt es bei uns im Heilpädagogischen Zentrum einen Mittelweg, nennt sich Orientierungsklasse.
Dort sind Kinder, die stark entwicklungsverzögert bzw. lernbehindert, jedoch nicht geistig behindert sind. In kleinen Klassen (ca. 8 Kinder) versucht man, diese Kinder nach drei Schuljahren wieder in die 3. Klasse der Förderschule zu bringen.
Mit beachtlichem Erfolg. Sie hatten schon mal einen sehr guten Jahrgang, wo von 11 Kindern wieder 10 in die Förderschule wechseln konnten.
Dieses Schulmodell Orientierungsklasse gibt es laut HPZ derzeit nur in Rosenheim.
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Eltern diesen Klassentyp auch für ihr Kind
in Betracht ziehen würden. Man kann nur hoffen, das dieses Schulmodell auch in anderen Städten eingeführt wird.
Unsere Theresa wird heuer eingeschult. Sie freut sich sehr darauf, denn dort wird sie nicht ständig das Gefühl haben, überfordert zu sein und nicht mithalten zu können. Auch für uns Eltern entspannt sich endlich die Lage, da wir doch hoffen, das Richtige gefunden zu haben.

Viel Glück bei der sehr schweren Wahl zur richtigen Schule und alles Gute
Gruss von Karin 67


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