Ein Brief an die Eltern mental geschädigter Kinder

Hier könnt ihr Gedichte, Texte und kleine Geschichten zum Thema "besonderes Kind" einstellen und darüber dikutieren.

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Nina Falentin
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Beitragvon Nina Falentin » 02.07.2005, 20:58

Ob wir den so weitergeben dürfen?

Eines verstehe ich jedoch nicht:

Wieso mental geschädigt?
Ich finde, das passt zu jeder Art von Behinderung oder auch schwerer Krankheit, oder?

[quote][/quote]
Lisa *2000, allg. Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörungen, ca. 2 Jahre zurück und Jana *2003

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Nina Falentin
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Beitragvon Nina Falentin » 02.07.2005, 21:02

Sorry, falschen Button angeklickt - ich wollte Dirk zitieren und habe es nicht kapiert...

Also jedenfalls wollte ich sagen, dass wir den sicher weitergeben dürfen, ich habe es ja auch schon gemacht. Können doch nur Leute von profitieren!

Und zu dem "Mental" - verstehe ich auch nicht ganz, würde auch sagen, dass das auf alle Behinderungen und schweren Krankheiten zutreffen kann.

Lieben Gruß
Nina

Freue mich, dass Euch allen der Brief gut gefällt, dann hat sich die Mühe ja gelohnt. Das mit der Mutmach-Ecke finde ich auch eine gute Idee!
Lisa *2000, allg. Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörungen, ca. 2 Jahre zurück und Jana *2003

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Beitragvon ericsmama » 05.07.2005, 22:49

hallo!

klasse brief....und so eine ecke für "gesammelte werke" wäre wirklich schön.


lg

verena

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Sabine
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Beitragvon Sabine » 06.07.2005, 09:50

Hallo Nina,

mit "mental geschädigt" meint der Autor vermutlich Kinder mit geistiger Behinderung.
Dieser Brief ist auch auf Eltern, die mit geistig behinderten Kindern leben, zugeschnitten.
Der Alltag mit einem kranken Kind (z. B. Krebserkrankung) oder einem Kind, das eine körperliche Behinderung hat, sieht wieder anders aus. Für diese Situation gelten andere Probleme - z. B. sind sich die Kinder sehr wohl bewusst, dass sie krank sind oder durch ihre körperliche Behinderung mit Gleichaltrigen nicht so mithalten können. Das führt oft zu Frust und Aggressionen bei den betroffenen Kindern. Will sagen, die Problematik ist einfach eine andere. Mit den Kindern müssen die Eltern reden, ihnen den Rücken stärken usw. Die Familie muss gemeinsam einen Weg finden, um mit dieser Situation umzugehen. Die Eltern können auf "Augenhöhe" mit ihrem Kind reden und mit ihm gemeinsam Lösungswege finden.
Eltern, die ein geistig behindertes Kind haben, stehen oft vor anders gelagerten Problemen. In unserer Gesellschaft ist es enorm wichtig, geistig fit zu sein, um in der Leistungsgesellschaft mithalten zu können. Ein geistig behindertes Kind wird vielleicht nicht lesen und schreiben und kann später keinen Beruf ausüben können. Geistige Behinderung - das bedeutet für den Betroffenen lebenslange Abhängigkeit von Dritten, kaum Selbstständigkeit, vielleicht lebenslange intensive Fürsorge und Pflege.
Ein geistig behinderter Mensch wird nicht im eigentlichen Sinne "erwachsen" werden können und wie ein normal entwickelter Erwachsener für sich selbst verantwortlich sein können. Für Eltern ist das eine enorme Belastung. Unter diesem Aspekt ist auch das "Trauma" von der lebenlangen Elternschaft zu verstehen.
Der Brief ist somit für mich direkt auf Eltern geistig behinderter Kinder zugeschnitten.

Lieben Gruß,
Sabine
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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Petra B
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Beitragvon Petra B » 06.07.2005, 14:44

Hallo Sabine,

es trifft auch auf die Eltern schwer körperbehinderter Kinder zu.
Auch hier ist es so, dass die lebenslange Abhängigkeit nicht aufhört, keine Selbständigkeit erlagt wird und kein Beruf ausgeübt werden kann.

Der Unterschied ist, dass unsere Kinder, wo der Körper nichts kann, aber die geistig fit sind, dies Alles mitbekommen.
Was war Manuel traurig, als es hieß er darf noch nicht einmal in eine Werkstatt für Körperbehinderte, oder als der Vormundschaftsrichter gar nicht erst versucht hatte ihn zu verstehen, sondern Manuel sofort als total unfähig abstempelte irgendetwas zu entscheiden.

Die Belastung für die Eltern ist nicht weniger belastend, das Kind und später der Erwachsene fordert ganz anders.
Er braucht über die Pflege noch eine intensive Betreuung damit der Verstand, der da ist ausgefüllt werden kann.
Was macht man mit jemandem, der vielseitige Interessen hat aber absolut nicht alleine machen kann. Auch will er sich über diese ganzen Dinge unterhalten, kann aber nicht sprechen. Das bedeutet, dass Du als Eltern nicht nur die Antworten sondern auch die Fragen finden musst.
Es ist wahnsinnig schwer dem gerecht zu werden.


Das ist meines Erachtens das Einzige, was nicht bei rein körperbehinderten Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen zutrifft.
Das Kind selbst leidet nicht!


Viele Grüße
Petra B

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Nina Falentin
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Beitragvon Nina Falentin » 07.07.2005, 13:40

Hallo Sabine, Petra!

Ich denke, dass auf Keine Familie alles zutirifft, aber jeder kann sich hoffentlich das rausziehen aus dem Brief, was bei ihm stimmt.
Ich würde uns z.B. in eher in die "geistig behinderte Ecke" stellen, da Lisa eben kognitiv entwicklungsverzögert ist und zwar so weit zurück, dass sie eben so am Rand der geistigen Behinderung ist. Dennoch trifft gerade bei uns nicht zu "DAS KIND LEIDET NICHT", weil sie eben so weit doch ist, zu merken, dass sie anders ist, dass sie vieles nicht so kann wie die anderen und darunter eben leidet und frustriert ist. Das ist bei uns das Hauptproblem, dass nicht nur wir Eltern lernen müssen, sie so zu nehmen, wie sie ist, sondern auch sie selbst lernen muss, sich so zu akzeptiern mit ihren Schwächen und natürlich auch Stärken...
Liebe Grüße
Nina
Lisa *2000, allg. Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörungen, ca. 2 Jahre zurück und Jana *2003

Ute Maria
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Beitragvon Ute Maria » 04.09.2009, 02:08

Der Brief ist so klasse, dass er es verdient hat, mal wieder ausgegraben zu werden :wink:


LG Ute
André, geb. 1982, SSW 29+1, Blind, leichte Körperbehinderung, Lernbehindert.
André hat noch zwei nichtbehinderte Brüder, geb. 1983 und 1989

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Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben,
macht unser Schicksal aus. (Marie v. Ebner-Eschenbach)


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