Die "Spezialmutter" (Teil 2) o. eine Erklärung f.

Hier könnt ihr Gedichte, Texte und kleine Geschichten zum Thema "besonderes Kind" einstellen und darüber dikutieren.

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Sonja und Louis
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Die "Spezialmutter" (Teil 2) o. eine Erklärung f.

Beitragvon Sonja und Louis » 22.06.2005, 20:33

Ich war heute mit Louis zum EEG - Gott sei Dank keine Anzeichen für Krampfanfälle - und habe dort die wohl schönste Erklärung für die Frage: `Warum Ich - Warum mein Kind´gefunden. Ich hoffe sie gibt euch auch so viel Frieden wie mir....

Die Spezialmutter von Erma Bombeck
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Die meisten Frauen werden durch Zufall Mutter, manche freiwillig, einige unter gesellschaftlichem Druck und ein paar aus reiner Gewohnheit.
Dieses Jahr weden 100.000 Frauen Mütter behinderter Knder werden.
Haben sie siech schon einmal Gedanken darüber gemacht, nach welchen Gesichtspunkten die Mütter behinderter Kinder auserwählt werden?
Ich stelle mir Gott vor, wie er über die Erde schwebt und sich die Werkzeuge der Arterhaltung mit größter Sorgfalt und Überlegung aussuchtt. Er beobachtet genau und diktiert dan seinen Engeln Anweisungen ins riesige Hauptbuch.
`Armstrong, Beth: Sohn, Schutzheiliger: Matthias
Forrest, Marjorie: Tochter, Schutzheilige: Cäcilie
Rutledge, Carrie: Zwillinge, Schutzheiliger? Gebt ihr Gerard, der ist es gewohnt, daß geflucht wird.´
Schließlich nennt er einem Engel einen Namen und sagt lächelnd: `Der geb ich ein behindertes Kind.´
Der Engel wird neugierig: ` Warum gerade ihr, o Herr? Sie ist doch so glücklich.´ `Eben deswegen´, sagt Gott lächelnd, `kann ich einem behinderten Kind eine Mutter geben, die das Lachen nicht kennt? Das wäre grausam.´ `Aber hat sie denn die nötige Geduld?´ fragt der Engel.
`Ich will nicht, daß sie zu viel Geduld hat, sonst ertrinkt sie in einem Meer von Selbstmitleid und Verzweiflung. Wenn der anfängliche Schock und Zorn erst abgeklungen sind, wird sie es tadellos schaffen. Ich habe sie heute beobachtet. Sie hat den Sinn für Selbständigkeit und Unabhängigkeit, die bei Müttern so selten und so nötig sind. Verstehst du: das Kind, das ich ihr schenken werde, wird in seiner eigenen Welt leben. Uns sie muß es zwingen, in der ihren zu leben, das wird nicht leicht weden.
`Aber, Herr, soviel ich weiß, glaubt sie nicht einmal an Dich.´
Gott lächelt. `Das macht nichts, das bringe ich schon in Ordnung. Nein, sie ist hervorragend geeignet. Sie hat genügend Egoismus.´
Der Engel ringt nach Luft. `Egoismus ! Ist das denn eine Tugend?´
Gott nickt. `Wenn sie sich nicht gelegentlich von dem Kind trennen kann, wird sie das alles nicht überstehen. Diese Frau ist es, die ich mit einem nicht ganz vollkommenen Kind beschenken werde. Sie weiß es zwar noch nicht, aber sie ist zu beneiden. Nie wird sie ein gesprochenes Wort als etwas Selbstverständliches hinnehen. Nie einen Schritt als etwas Alltägliches. Wenn ihr Kind zum ersten Mal MAMA sagt, wird ihr klar sein, daß sie ein Wunder erlebt. Wenn sie ihrem blinden Kind einen Baum, einen Sonnenuntergang schildert, wird sie ihn so sehen, wie nur wenige Menschen meine Schöpfung jemals sehen.
Ich werde ihr auch erlauben, alles deutlich zu erkennen, was auch ich erkenne - Unwissenheit, Grausamkeit, Vorurteile - , und ich werde ihr erlauben, sich darüber zu erheben. Sie wird niemals allein sein. Ich werde bei ihr sein, jeden Tag ihres Lebens, jede einzelne Minute, weil sie meine Arbeit eben so sicher tut als sei sie hier neben mir.´
`Und was bekommt sie für einen Schutzheiligen? ´ fragt der Engel mit gezückter Feder.
Da lächelt Gott. `Ein Spiegel wird genügen.´

Liebe Grüsse
Sonja
Sonja BJ 1969 + Axel BJ 1968 mit Aliena Juni 01 36 SSW aber Top fit und Louis April 04 2 mal reanimiert mit Hirnblutung, stark entwicklungsverzögert, muskelhypotonie, ICP, spastische Tetraparese - aber zuckersüß

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Helmut
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Beitragvon Helmut » 22.06.2005, 20:58

Hallo Sonja,

kuck mal hier : http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... zialmutter

:-) Helmut
Vater von Sonja, 22.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung. Schwerstmehrfachbehindert.

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Beitragvon mine » 22.06.2005, 20:59

Hallo,

erstmal super das bei Louis keine Krampfanfälle zu erkennen sind. Über Dein Beitrag sind mir die :cry: gekommen. Ich weiß nicht wie es euch geht " ich finde es sehr passend " und wunderbar.
Alexandra 11.03.1973 mit Yasmin 27.01.2004 verstorben am 05.08.2013 nd Lena Henriette 14.06.2010

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Beitragvon Eva D. » 22.06.2005, 21:00

Hallo Sonja,
ich habe diesen schönen Text gelesen, als Hauke noch auf der Intensivstation gelegen hat. Schon damals war ich sehr gerührt. Kann also gut verstehen, daß er dir gutgetan hat.
Schön dass das EEG so gut ausgefallen ist, da freue ich mich mit euch.
Viele Grüße
Eva

Ach ja, kommst du auch zum Treffen am 9. Juli?
Eva (05/75), Eike (12/76) und Sohn Hauke (10/03) mit Hydrocephalus, kompl. Hirnfehlbildung, ICP, Hypotonie, Sehbehinderung, schwer mehrfach behindert, Epilepsie

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Beitragvon Daniela K. » 22.06.2005, 21:05

Hallo Sonja!

Mag jeder glauben was er will, aber der Text ist wirklich sehr schön. Eine schöne Vorstellung.
Lieben Gruß Daniela

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Beitragvon ks.kathrin » 22.06.2005, 21:25

Hallo zusammen,

nachdem wieder einmal ein so schöner Text (den ich übrigens auch sehr sehr schön finde!!) ins Spiel gebracht wird, will ich auch noch einen netten Text dazugeben. Er hat vielleicht nicht direkt etwas mit der Frage "warum" zu tun - aber ich finde ihn (auch wenn ich nicht besonders religiös bin...) wunderschön uns "Gänsehaut-erzeugend"

:icon_flower:

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachhimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen
vorüber gezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
dass an vielen Stellen meines Lebensweges
nur e i n e Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
dass in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er: „Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich Dich getragen.“


(Margaret Fishback Powers)
Mama von Melina *Okt 2001 blind und entwicklungsverzögert
sowie N. *Mai 1991 u. R. *März 2005 beide gesund
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Beitragvon Daniela K. » 22.06.2005, 21:32

das ist auch sehr schön. Regt doch zum nachdenken an.

Daniela sagave
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Beitragvon Daniela sagave » 22.06.2005, 22:12

moin moin,

wie schade das mein drucker gerade nicht geht... :?
hätte meinem sohn diese schönen texte gerne morgen mit zum konfirmations-
unterricht gegeben.

da hätte unser pastor sich bestimmt gefreut.

lg
Dany :icon_flower:

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Beitragvon -marika- » 22.06.2005, 22:17

Hallo Sonja und Louis,

ich kenne den text auch schon,aber heulen du ich trotzdem immer wieder.er ist so schön!!!

LG
marika
Marika 05/72,Markus 02/71,Moritz 09/95 gesund und Martin03/98 shuntversorgter Hydrocephalus,Amaurose bds.blind,Epilepsie und Spastik links.

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Beitragvon ks.kathrin » 22.06.2005, 22:17

Hallo Daniela,
wenn Du ein Faxgerät hast, schicke ich Dir die Sprüche per Fax.
Meine große Tochter (gerade frisch konfirmiert) wird den Spruch "Spuren im Sand" auf der Taufe meines kleinen Sohnes am Sonntag auch lesen.
Mama von Melina *Okt 2001 blind und entwicklungsverzögert

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