Die "Spezialmutter" (Teil 2) o. eine Erklärung f.

Hier könnt ihr Gedichte, Texte und kleine Geschichten zum Thema "besonderes Kind" einstellen und darüber dikutieren.

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Christoph
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Beitragvon Christoph » 04.07.2005, 15:23

Hallo Sabine,

weder steht eine Familienauflösung an noch sonst irgendetwas, und weder fange ich was mit dem Begriff der "Spezialmutter" an, noch würde ich mich mit dem "Spezialvater" anfreunden können.
Und dass wir bzw. Karin von irgendjemandem "bewußt" ausgewählt worden sind - bullshit. Mal eine mutige Verallgemeinerung gewagt: eine nachträgliche Rationalisierung eines nicht anders erklärbaren "Schicksalsschlages" - das Leben ist halt nicht nur gerecht und manche trifft es halt härter als andere - dann wirkt eine solche Rationalisierung manchmal richtig beruhigend. Wer an die ordnende Hand glauben mag, fühlt sich mit einer solchen Geschichte vielleicht gut aufgehoben, den anderen wird es wahrscheinlich eher wie mir ergehen: doof.
Und dass die Geschichte traditionelle Rollenklischees widerspiegelt, ist ja kaum erstaunlich: a.) ist es ja immer noch gesellschaftliche Realität, dass eher die Männer abtauchen, die Frauen aber mit dem behinderten Kind zurückbleiben und b.) soll es sicherlich gerade Frauen aufbauen und mit ihrem Schicksal versöhnen. Auch so können konservative Frauen- und Familienleitbilder fortleben. Subtiler als ein Wahlkampfaufruf: Frauen zurück an Heim und Herd ist es allemal.

Wenn's klappt ....

liebe Grüße

Christoph

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Constanze
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Beitragvon Constanze » 04.07.2005, 17:10

Hallo Christoph,

nicht gerne, aber ich muß Dir recht geben.
Habe mich auch mal für eine unabhängige Frau gehalten - Studium, mehrere Berufe, guter Job usw. - ich kannte das früher gar nicht anders.
Mit der ersten Schwangerschaft war ich den Job los, und mein Mann konnte seinen nicht auch noch riskieren, indem er Erziehungsurlaub nimmt.
Inzwischen sind meine Kinder so pflegeleicht, daß ich locker arbeiten gehen könnte. Aber den Kampf um eine Stelle (bitte Teilzeit, ja?) habe ich schließlich nach 4 Jahren weitgehend aufgegeben. Nö, die Kraft brauche ich einfach anderweitig.

Mittlerweile habe ich ziemlich viel Achtung vor Frauen, die "nur" für die Familie da sind. Das kann ich schon mal nicht, weil ich äußere Quellen zum Auftanken brauche und so oft heimlich gewünscht hätte, jetzt lieber auf Arbeit zu sein als mitten in diesem Familienchaos.
Mittlerweile betätige ich mich ehrenamtlich und bilde mich weiter (vielleicht klappt's ja später doch mal mit einem Job??).

Was der vielgeschmähten Klischeemutter nämlich einfach nicht gegönnt wird, ist Anerkennung! Und dafür ist der oben diskutierte Text mal ein Tropfen auf den heißen Stein: zu sagen, daß sie nämlich doch Fähigkeiten hat und braucht.
Daß die Sache mit der Gleichberechtigung in Wirklichkeit etwas schwieriger ist, zeigt sich eben darin, daß Hausfrauen- und Mutterarbeit einfach nix zu zählen scheint, oder?
Sollte uns wer nun noch den mangelnden Kampfgeist vorwerfen dafür, daß es im Alltag in der Mehrzahl die Mütter sind, die bei den Kindern zu Hause bleiben, vielleicht weil der Vater sowieso einfach den besseren Job hat?

Übrigens kenne ich auch ein behindertes Kind, dessen Mutter sich verkrümelt hat. Ich zolle gern meine Anerkennung - ob haupt- oder nebenamtlichen Vätern oder Müttern.
Daß Pauschalaussagen doof sind, darin stimme ich mit meinen Vorschreiber/innen fraglos überein. Wäre da nicht die Statistik...

Tut mir leid, falls manchmal immer noch ein wenig Verbitterung in mir ist. Ist einfach recht zweischneidig, und ich bin noch immer in zweierlei Hinsicht empfindlich, denn weder will ich mich auf Muttersein reduzieren lassen, noch dafür geschmäht werden, daß ich "nicht arbeite".

Andererseits ist es gut, daß dieses Thema mal angesprochen wird, gleichgültig, aus welchem Anlaß.

Liebe Grüße
Constanze
Constanze und Reiner mit Leon (09/96) und Henrike (05/98, 29+3 SSW, cerebrale Diparese)

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Beitragvon Isolde » 04.07.2005, 19:08

Hallo zusammen,

Christoph - ich musste so herzhaft lachen über Deinen Satz;

"als Vater finde ich die Geschichte einfach doof".

..............................

Und sonst muss ich mal anfügen - dass ich es insgesamt in der Gesellschaft doof finde, wenn Mütter, wie Väter abgestempelt werden die sich dafür entscheiden, für ihre Kinder zu Hause zu bleiben - das ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft, und dafür sei an dieser Stelle einmal das ausgesprochen, dass ich es toll finde, dass es noch Väter und Mütter gibt, die sich bewusst dazu entscheiden auf das eine und andere zu verzichten für ein paar Jahre und für ihre Kinder da zu sein.

Klasse !!!! - Danke für Euren Mut.

Doof daran ist nämlich - dass man als doof abgestempelt ist und einem das "Dummchen am Herd" manchmal auf die Stirn damit gedrückt wird.
Waauuu.... ich kenne viele intelligente Bewusst-Mütter und Bewusst-Väter, die mit der Gesellschaft tolle mithalten können - auch wenn sie "nur" Hausmann/Frau sind.

Fällt mir grad ein,
lag mir grad auf der Seele,
sorry - falls es die falsche Textstelle grad war.

Einen lieben Gruß von einer Mutter die "nur" halbtags arbeiten geht, und die andere Hälfte "nur" zu Hause sitzt.
Isolde

PS: Zu der Spezialmutter - ich lese sie mittlerweile auch viel zu häufig - ich lese sie gar nicht mehr. Ich denke schon, dass mir die Anwesenheit meines Kindes in meiner persönlichen Entwicklung weiterhilft, aber an die "Auserwählung" in dem Sinne glaube ich auch nicht, trotz Kath. Glaubens.
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

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Beitragvon Christoph » 05.07.2005, 11:11

Hallo Isolde,

wenn das "Dummchen" gut kochen kann ...

Nein, zurück zum Thema, wir hatten die Diskussion mit der Berufstätigkeit ja schon an anderer Stelle: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic1680.html

Es ist generell nicht einfach Kindererziehung und Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen. Die Rahmenbedingungen in Dtl. stimmen da einfach nicht, und mit einem behinderten Kind stimmen sie gleich dreimal nicht.

Aber: Ob ich diesen Text nun als Anerkennung für die Leistung von Müttern behinderter Kinder sehen kann???? Mir kräuseln sich die Nackenhaare. Also eine Anerkennung kann ich darin nicht finden, für mich ist es ein Text, der den betroffenen Müttern irgendetwas Tröstliches mit auf den Weg geben soll und das ganze noch untermalt mit einer Begründungsschiene, die mich grausen lässt. Denn in der Umkehrung des im Text formulierten komme ich zu dem Schluss, dass es Frauen gut anstehen würde, griesgrämig durch die Weltgeschichte zu laufen, denn das schützt davor, zur Mutter eines behinderten Kindes ausgewählt zu werden. HALLO, das ist doch total doof.

liebe Grüße

Christoph
Jonas, 28.04.2002 - 29.11.2006, David, 12.05.2004 und Mia, 12.09.2007

Adrian

Beitragvon Adrian » 24.07.2005, 19:14

ganz schön gemein für Papas :(

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Beitragvon Bianca1983 » 14.06.2010, 15:14

auch wenn es schon 5 jahre her ist, wollte ich auch mal was schreiben.

Ich finde, es ist ein geschenk gottesist überhaupt mutter/vater werden zu dürfen.

Was die menschen daraus machen, ist etwas anderes.
Manche können mit behinderten kids nicht umgehen, anders können manche auch ihren gesunden kids nicht gerecht werden.
Martina (10/03)
Zt.n. Schütteltrauma
-schwere cerebrale Mehrfachbehinderung mit schwerer Bewegungsstörung, fehlende Sprachentwicklung, deutliche mentale Retadierung, ferner symptomatische Epelepsie, Ernährungsstörung, partielle Schluckstörung, Button, Hüftdysplasie.
Stella Fabienne (11/08) *gesund geboren*
Oliver (07/13) *gesund geboren*


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