Feinmotorik erlaubt keine Talker-Nutzung, wer hat Erfahrung?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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CarolineF
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Beitrag von CarolineF »

Hi Britta- ihr habt aber mit einer Beratungsstelle für UK Kontakt , oder??? Also nicht "nur" mit der Talkerfirma?
Also ich meine was gehört zu haben , dass es wohl auch bald einen Talker geben soll mit Augensteuerung ( aber eben ohne Monitor)
Kann mich da aber auch täuschen.
Ansonsten denk ich fast , Tasten an der Kopfstütze , die er mit dem Kopf bedienen kann , wären vielleicht nicht schlecht.
Leider hab ich die UK_Fortbildung noch nicht.....
Gruß Caroline
HEP ,Heilpädagogin und angehende Kommunikationspädagogin (Fachmensch für UK)

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FamGodow
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Beitrag von FamGodow »

Hallo Caroline,
ja, wir werden vom SPZ betreut. Allerdings ist die Zusammenarbeit dort mit PRD sehr eng. Ich hoffe, dass sie dort trotzdem in alle Richtungen offen sind.
Wenn Du etwas über diesen Talker mit Augensteuerung in Erfahrung bringen könntest, wäre es nett, wenn Du mir noch kurz Bescheid sagen könntest.
Gruß
Britta
Lennart, * 05.04.2003, ICP unklarer Ursache, Dystonie

Anan
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Beitrag von Anan »

Hallo Ihr,

habe jetzt noch einmal diesen etwas älteren Thread rausgesucht, weil das Thema doch sehr interessant ist...

Das Kind, welches ich betreue, hat auch einen Talker, ist von diesem im Prinzip ebenfalls recht angetan, aber trotz aller Bemühungen haben wir noch keine richtige Möglichkeit der Ansteuerung gefunden.

Deshalb funktioniert die Kommunikation innerhalb eines engen Bezugssystems mittels Lautspracheresten, einer Symbolsammlung (sehr, sehr groß) und in Ausnahmefällen über Buchstabierungen. Oft sind aber sogar die engen Bezugspersonen darauf angewiesen zu raten. Deswegen wäre der Talker, der über mehr Variantenreichtum verfügt, eigentlich keine schlechte Sache - auch in der Kommunikation mit fremden Personen.

Insgesamt kommt nur das Scanningverfahren in Frage, da auch dieses Kind aufgrund einer Tetraspastik mit recht ausgeprägter Athetose nicht in der Lage ist, den Talker direkt anzusteuern. Kopfkontrolle ist kaum vorhanden, auch die Augenbewegungen sind nicht immer zielgerichtet. Die einzigen Tasten, die halbwegs bedienbar sind, sind solche, die sehr klein sind und direkt an der Hand befestigt werden, damit sie bei ausfahrenden, unwillkürlichen Bewegungen mitgehen. Damit gelingt aber auch bei langsamster Einstellung des Scannings kein zeitgerechtes Auslösen. Training läuft schon seit einigen Jahren.

Nun meine Fragen:
Ich bin immer wieder am Überlegen, ob nicht ein völlig anderes System das richtige wäre. Das Kind hat eine verhältnismäßig gute Kontrolle über Mund und Zunge; der Mundschluss gelingt meist relativ schnell, die Zunge kann es willkürlich in jede Richtung bewegen - ihre Bewegungen sind Part des bisherigen Kommunikationssystems.

Hat jemand Erfahrungen mit Mund- oder Zungenansteuerungssystemen? Kennt wer gute Adressen? Wie sieht es mit dem Kopf aus - in meiner Vorstellung sollte der bei irgendeinem System dieser Art in gleichbleibender Position sein - sonst ist ja das Ansteuerungssystem als solches nicht mit dem Mund erreichbar, oder? Kann man das irgendwie umgehen, weil das Kind keine Fixierung des nicht willkürlich kontrollierbaren Kopfes zuläße?

Und dann noch: Das Kind versucht sehr viel über einzelne Laute zu kommunizieren - diese Möglichkeit soll ihm ja auch bleiben; stört da ein Ansteuerungssystem im Mundbereich nicht?

Danke,
und Gruß,
Anna.

Doedtmann
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Beitrag von Doedtmann »

Hallo zusammen,
es sind ja schon sehr viele Vorschläge und Ideen beschrieben worden für eine mögliche Ansteuerung von Kommunikationsgeräten. Das Scanning-Verfahren bietet eine gute Ansteuerung für Menschen die motorisch nicht in der Lage sind mehrere einzelne Taster zu bedienen (Spastik, Ataxie, Atethose ...). Doch leider ist die Kommunikation sehr zeitaufwendig- d.h. es muss vom Kind jeweils gewartet werden bis die Markierung das gezielte Bild erreicht und das Kind den Button betätigen kann. Vielen Kids dauert das zu lange- Wenn dann auf einem Bildschirm auch nocht 24 Bilder sind wird dies sehr langwierig. Für Kommunikationsgeräte wie den Small Talker, LEO, Personal-Communicator etc. sind Fingerführraster zu bekommen. Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten z.B. 3 x 2 oder 4 x 6 oder auch mehr Felder. Wenn die motorische Ansteuerung dennoch zu schwierig ist, besteht die Möglichkeit über die Kopfsteuerung. Wie schon in einem Text beschrieben erhält das Kind einen Klebepunkt auf die Stirn- große Bedingung hierbei ist jedoch- dass eine einwandfreie Kopfkontrolle und gezielte Kopfbewegungen ausführbar sein müssen. Denn die Ansteuerung erfolgt lediglich über die Kopf"bewegungen". Sollte auch dies nicht möglich sein, gibt es noch die (auch schon erwähnte) Augensteuerung. Hier erfolgt die Ansteuerung über die Augenbewegungen - Das Gerät heißt MyTobii (von Fa. Reha Media aus Duisburg)
Vor dem Kind ist ein Bildschirm positioniert der mit Bildern (wie beim z.B. SmallTalker) hinterlegt ist. Durch anschauen eines Bildes (ca. 3 Sekunden) wird ein schwacher roter Punkt auf dem angeschauten Bild immer kleiner bis er explodiert und die Sprachausgabe auslöst. D.h. die Kids schauen das Bild welches sie sprechen wollen für ca. 3 Sekunden an und das Gerät spricht es dann aus.
Nachteil dieses Gerätes ist jedoch die Größe. Das Gerät benötigt eine Batterie (ist unter dem Sitz eines Aktivrollis anzubringen) und es hat einen sehr großen Bildschirm der eine kompakte Halterung benötigt. ABER- es ist möglich. Hier kann ich immer wieder empfehlen, das Gerät auszuprobieren und Erfahrungen damit zu machen. Die Bedienung ist wirklich sehr einfach. Für weitere Fragen bin ich gerne offen und freue mich über jede positive Entwicklung im Bereich der Kommunikation.
Ganz liebe Grüße aus Münster
S. Dödtmann
Fr. Dödtmann, Logopädin in stationärer Intensivreha für besondere Kids, UK- Fachberaterin

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