Autist hält es nicht in Schule aus

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Meni13
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Autist hält es nicht in Schule aus

Beitragvon Meni13 » 14.06.2005, 17:44

Hallo!

Wir sind auf der Suche nach anderen Eltern, die ein autistische Kind haben, das es auch nicht in Schule oder Kindergarten aushält.

Obwohl wir jetzt eine sehr verständnisvolle Schule gefunden haben hält Leon (8 Jahre) es nicht länger als 1- 2 Schulstunden aus. Schon in der Kindergartenzeit (wir hatten 3 Kindergärten) mußten wir den Besuch abbrechen, da Leon dann sich so zurückzieht, das auch wir nicht mehr an ihn rankommen.

Eigentlich wirkt Leon in seinem gewohnten Umfeld garnicht so autistisch. Nur wenn er das Haus verlassen muß dreht er irgendwie durch. Wir sind ständig bemüht ihn mit seinen Interessen zu locken und das geht dann nur solange gut wie es ihn auch interessiert und wenn es menschenleer ist.

Ich hoffe jemand meldet sich!

Tschau Meni

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ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 14.06.2005, 19:32

Hallo Meni, ein nachträgliches herzliches Willkommen :hand:
zu deiner Frage fallen mir gleich viele Rückfragen ein: gibt es bei Euch im Landkreis ein autistisches Zentrum ( wo liegt denn Groß-Zimmern)?
Gerade bei solchen Problemen können die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Neben einer Schule speziell für Autisten, die aber auch eher selten sind :? , gibt es immer die Möglichkeit einen sogenannten Schulhelfer zu beantragen, der das Kind in einer Regelschule begleitet. Welche Schule besucht denn Leon? Hat er diese Probleme, weil er so viele Kinder auf einem Fleck nicht ertragen kann oder kommt hinzu, dass er der Form des Unterrichts nicht folgen kann?
Im Fall von meinem Sohn, er hätte eine Regelschule (er ist in seiner Entwicklung sehr zurück) nicht besuchen können, haben wir uns für eine Schule für geistig Behinderte entschieden, die die Erfahrung und die Lehrkräfte hat, autistische Kinder entsprechend zu fördern und sehr kleine Klassen hat (sechs Kinder: eine Lehrerin und zwei bis drei Erzieher).

Naja, ihr werdet Euch sicher schon lange mit der Problematik befassen und meine Fragen/Hinweise sind daher vielleicht überflüssig, aber in jedem Fall würde ich mich über einen Austausch sehr freuen! :)

LG,
Valeska

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Beitragvon shone » 14.06.2005, 19:57

Hallo Meni,
ich kann Dir zum Thema Schule leider gar keine Tips geben, weil ich da selber noch welche brauche, denn ich bin auch noch auf der Suche nach einer Schule für Dennis für nächstes Jahr.
Sofern er seine Probleme mit der Impulskontrolle nicht bald in den Griff bekommt, kann ich mir Schule für ihn GAR NICHT vorstellen, denn zur Zeit scghubst, haut und tritt er alle Kinder die in seiner Nähe sind (aber nicht aggressiv, sondern man merkt, dass es ein Zwang ist und er nicht anders kann).
Am 20.06. sind wir in der UNi FRA zur weiteren Diagnostik und ich hoffe sehr und bete, dass es etwas gibt, was man dagegen machen/geben kann, denn so kann es nicht bleiben.
Ich wünsche Euch aber viel Erfolg bei Eurer Suche nach Informationen (was sagt denn das Schulamt dazu?) , vielleicht können wir uns ja auch noch mal persönlich "kurzschliessen" und austauschen...
LG Inci
(http://www.inci-auth.de - Mama von Dennis, geboren 28.01.1999;
komplexer Herzfehler (Shone-Komplex) mit Lungenhochdruck, Autismus mit Zwangsstörung, Thorakal-lumbal-Skoliose, Epilepsie mit fokalen Anfällen; unser "kleiner" Sonnenschein)

Diana W.
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Beitragvon Diana W. » 14.06.2005, 20:15

Hallo Meni,

ich würde versuchen, für leon einen Integrationshelfer zu bekommen. Auch wenn derzeit die Chancen auf einen Integrationshelfer eher bescheiden sind, habt ihr glaube ich gute Chancen. Zum einen scheint es für Leon absolut erforderlich zu sein, zum anderen Leisten die Autismuszentren und insbesondere autea für diese Gruppe im Moment super Lobby-Arbeit. Mehr als 3/4 der in diesem Schuljahr bewilligten I-Helfer wurden in diesem Jahr für Autisten bewilligt. Und da, wo ich es beobachten kann, erkenne ich auch massive Fortschritte. In der Klasse einer unserer Bewohnerinnen haben sie einen Autisten, der Anfang des Schuljahres noch nicht mal eine Stunde zur Schule gehen konnte, dann ist er total ausgerastet und mit Hilfe des I-Helfers geht er jetzt seit 4 Wochen ganztags zur Schule. Dies wurde möglich, weil der I-Helfer Auszeiten und Ruhephasen gestalten und begleiten konnte, so dass auch die Aufsichtspflicht nicht vernachlässigt wurde.

Vielleicht habt ihr ja Glück und es klappt,

liebe Grüße, Diana

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 15.06.2005, 21:14

Hallo Meni,
danke für die mail! Ich antworte Dir hier im Forum, da ich nämlich nicht heraus finden konnte, wie das mit Integrationshelfern für Autisten in den verschiedenen Bundesländern aussieht, die keine Regelschule besuchen und vielleicht jemand anderes (Vielleicht Diana??:) ) weiterhelfen kann.
Zu Deiner Frage, wo man einen Integrationshelfer beantragt: im 'Normalfall' müsstest Du dich an das zuständige Sozialamt, Abt. Eingliederungshilfe wenden und dort einen Antrag auf Übernahme der Kosten für einen Integrationshelfer stellen. Gut wäre es, wenn Du (damit es schneller geht) schon jemanden vorschlagen könntest (von Lebenshilfe, Caritas, etc.) Rechtlich basiert die Integrationsregelung auf §§ 39,40 BSHG "Hilfe zur angemessenen Schulbildung, vor allem im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht..." Einen/ die Nachweise über die Notwendigkeit eines Integrationshelfers kann durch ein Attest des KiA und/oder eines von der Schule erstellten Gutachten erbracht werden. Trotzdem kann das Schulamt darüber hinaus eine Vorstellung beim Amtsarzt einfordern, der das bestätigen muss.
So und jetzt kommen die "Haken":roll: , zum einen gilt die Integrationshelferregelung in fast allen Bundesländern (soweit ich rausfinden konnte,hoffentlich habe ich es übersehen) nur für die Eingliederung in eine Regelschule (eine PB ist keine, oder? diese Bezeichnung kenne ich von Berliner Schulen nicht) und wenn doch Sonderschulen berücksichtigt sind, dann meistens nur "wenn eine Betreuung des beh. Schülers über das übliche Maß hinaus erforderlich ist"
Letztendlich könnte ich mir vorstellen, dass die Beurteilung was über das "übliche Maß" hinaus geht und ob Autismus dazu gehört, dann im Ermessen des Sozialamtes liegt und es auf die bereits bestehende Sonderbeschulung verweist. Da die ja meistens nichts Besseres zu tun haben, als einen so viele Steine wie möglich in den Weg zu legen, werden da wahrscheinlich die Schwierigkeiten anfangen.
Hast Du mal in der Schule gefragt, welche Lösungmöglichkeiten sie sehen, und ob es intern irgendwelche Alternativen geben könnte (z.B. eine Kleinklasse) oder lassen Sie dich mit dem Problem alleine stehen?
Gäbe es denn bei Euch im Umkreis eine andere geeignetere Schule? Und wie sieht denn der Unterricht für Leon aus, berücksichtigen sie in der Unterrichtsform seine Bedürfnisse und unterrichten ihn mit für Autismus geeigneten Methoden oder "läuft er so mit"? Du siehst, ich habe noch eine Menge Fragen.... :) :roll: :lol:
LG Valeska

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Beitragvon Meni13 » 16.06.2005, 10:01

Liebe Valeska!

Leon ist in einer Schule für praktisch Bildbare mit einer Klassenstärke von 6 anderen Kindern. In der Klasse selbst hält er es ganz gut aus, solange er sich auch dort zurückziehen kann.
Sein Hauptproblem ist die Pause oder AG, Abschlusskreis, eben da wo fast alle aus der Schule zusammenkommen.

Groß-Zimmern liegt in Hessen in der Nähe von Darmstadt.
Du fragst mich, ob mich die Lehrer alleine mit dem Problem lassen. Ich finde sie ziehen das Gespräch immer hinaus. Es muss ja beantragt werden und ich wünsche mir schon so einen Helfer nach den Sommerferien.

Ob es eine geeignetere Schule gibt? Ich weiß das Leon in dieser Schule unterfordert ist und mache deswegen viel mit ihm zuhause, aber es gibt keine andere Schule solange Leon nicht gelernt hat mit den anderen Schülern auszukommen. Leon läuft in dieser Schule eigentlich nur so mit.

Wir haben hier auch ein Autismus-Therapieinstitut. Dort hat Leon Therapie und Diagnostik gehabt, aber richtig weitergeholfen haben die uns nicht. Es dauert dort alles solang und dort sagte man mir " Wir hatten noch nie so einen Fall, wie Leon. Wir haben darüber gelesen, aber hatten es noch nicht." Leon lernt sein ganzes Leben auswendig. So hat er sprechen gelernt und so liest er. Er erkennt Worte in Druckbuchstaben wieder, kann aber keine zusammenhängenden Texte lesen.
Mit 4 Jahren hat er über nacht bis 100 zählen gelernt.

LG Meni

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Beitragvon Diana W. » 16.06.2005, 11:21

Hallo Meni,

arbeitet ihr eigentlich mit Leon nach TEACCH? Ich finde das läßt sich gut in den Schulalltag integrieren und macht den Schulalltag für Leon überschaubarer. Und da müssen die Lehrer auch nicht sofort alles auf einmal umsetzen, sie können nach und nach den Schulalltag für Leon danach umstellen, so dass er mit entsprechenden Strukturhilfen am geminsamen Unterricht teilnehmen kann.
Wenn du für nächstes Schuljahr einen I-Helfer willst, solltest du jetzt noch das Gespräch mit der Schule suchen und da etwas Druck machen, sonst wird das nichts.

Liebe Grüße, Diana

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Beitragvon Meni13 » 16.06.2005, 20:43

Hallo Diana!

Ich habe die Lehrer zu einem Gespräch aufgefordert, weil ich nicht mehr abwarten möchte, bis mal eine Reaktion von denen kommt.
Kannst Du mir etwas mehr von TEACCH erzählen? Wo kann ich mich darüber informieren? Ich habe ein bißchen davon gehört.

Liebe Grüße Meni


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