Arzt gegen PEG! (bei Anorexia nervosa/Bulimie)

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

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Laila
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Arzt gegen PEG! (bei Anorexia nervosa/Bulimie)

Beitragvon Laila » 12.06.2005, 17:27

:twisted: Was soll ich machen? Wir haben einen Fall, bei dem trotz Mangelernährung und Einsicht aller Parteien (bis auf den Arzt) keine PEG gelegt wird. Der Arzt meint, dass eine Anorexia nervosa (Kombi mit Bulimie) keine Indikation sind, obwohl die Patientin bereit für eine PEG wäre.

Ist hier vielleicht ein "Fachmensch" oder sogar ein Arzt der mir weiterhelfen kann?

DANKE

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Helmut
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Beitragvon Helmut » 12.06.2005, 18:29

Hallo Laila,

das ist ein sehr heikles Thema, mit dem ich als rechtlicher Betreuer eines Bulimiekranken zu tun hatte. Sicher kann man einem Patienten mit Anorexia nervosa (Kombi mit Bulimie) eine PEG legen. Da die Krankheit aber ein sehr großes psychisches Problem ist, ist das etwa so, als wenn man ein altes Haus, mit kaputter Statik, durch neue Tapeten retten wollte. Da das so niemand, der vernünftig mit dem Problem umgeht, tun würde, sollte man jemandem mit der Krankheit, nicht "einfach auf eigenen Wunsch eine PEG legen". Wenn er tatsächlich eine PEG will = er die Gefahr für sein Leben einsieht, sollte er vor dem Legen der PEG eine herkömmliche Therapie anfangen, und so seine Einsicht in die Krankheit beweisen. Sonst besteht die Gefahr, das er das durch die PEG verabreichte genau so wieder erbricht, wie das was er einfach ißt.

Ich habe wegen meinem Betreuten 3 Ärzte gefragt, und das getan was die Mehrheit empfohlen hat = keine PEG, solange er andere Therapieformen ablehnt, und nicht ernsthaft bei einer mitgemacht hat, oder direkte unmittelbare Gefahr für sein Leben besteht.

:-) Helmut
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Beitragvon Nellie » 12.06.2005, 21:03

Hallo Laila,

worum geht es denn genau? Ich verstehe es nicht richtig. Die Patientin ist bereit zuzunehmen, sich ernähren zu lassen, aber kann irgendwie nicht? Ist sie "therapieresistent"? Ist sie momentan lebensgefährdet? Wenn ja, kenne ich es nur so, dass die Patienten per Infusion ernährt werden.
Warum will die Patientin eine PEG? Dadurch hat sie für immer mindestens eine kleine Narbe, muss sich einer Magenspiegelung unterziehen... irgendwie fehlt mir noch der Durchblick.

LG
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Beitragvon Diana W. » 12.06.2005, 21:13

Hallo Laila,

mir gehen ähnliche Fragen wie Nellie durch den Kopf. Wenn sie zur PEG bereit ist, kann man das ganze ja vielleicht auch mit einer nasalen Magensonde lösen, So kenne ich das bis jetzt. grundsätzlich kann ich mich da nur Helmut anschließen, eine Therapie gehört für mich unabdingbar dazu. Nach meinen bisherigen Erkenntnissen zu diesem Krankheitsbild, empfinde ich eine PEG als einen sehr großen Eingriff.

Liebe Grüße, Diana

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Beitragvon Laila » 13.06.2005, 14:02

Hallo!

Ja, die Sache mit der nasalen Sonde ist die, dass sie sich schon darüber ernähren lässt, aber sie diese Sonde jeden Abend legt, ist schließlich auch ein kosmetisches Problem. Es besteht keine akute Lebensgefahr, aber sie lässt sich über die Sonde einfach ohne weiteres ernähren, will nicht selbst essen, über die Sonde macht ihr das nichts aus. Das ist recht komisch, aber warum sollte man in diesem Fall ablehnen?!

Helmut, kannst Du, wenn Du noch einmal die Möglichkeit hast, einen Arzt fragen, ob das in diesem Fall nicht ginge, oder als Kompromiss, mit einer Therapie.

Es geht ihr mit Sonde ja auch gut, aber ohne... :roll:

Ich hoffe es kann mir jemand einen Tipp geben.

VIELEN DANK!

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Beitragvon merlevicky » 15.06.2005, 21:48

Hallo Laila,

ich kann Helmut nur zustimmen. Ich habe in meiner beruflichen Praxis mit Menschen mit Eßstörungen zu tun gehabt. Nicht zu Essen ist ein Hilferuf, der in der Regel mit inneren Konflikten, Verweigerung der Anpassung oder Selbstverletzung zu tun hat. Anorexia ist vor allem ein psychisches Problem, auf jeden Falle sollte es in der Psychiatrie so abgeklärt sein. Es ist vor allem auf der psychisches Ebene eine Lösung für die Probleme zu finden.

Ich finde, es wichtig, daß die Magensonde sichtbar ist, denn sie erinnert die Patientin an ihr Problem. Verdrängung ist dadurch nicht möglich. Hört sich vielleicht hart an, aber oft sind fehlende äußere und innere Grenzen ein Problem. Einige Kliniken arbeiten deshalb sehr klar mit solchen "harten" Regeln.

Wenn die Erkrankung mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung verbunden ist, würde ich auch nicht ausschließen, das der Gedanke der Selbstverletzung beim Legen des PEG's mit eine Rolle spielt.

Liebe Grüße

Ute
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Beitragvon Helmut » 15.06.2005, 22:39

Laila hat geschrieben:Hallo!

Ja, die Sache mit der nasalen Sonde ist die, dass sie sich schon darüber ernähren lässt, aber sie diese Sonde jeden Abend legt, ist schließlich auch ein kosmetisches Problem. Es besteht keine akute Lebensgefahr, aber sie lässt sich über die Sonde einfach ohne weiteres ernähren, will nicht selbst essen, über die Sonde macht ihr das nichts aus. Das ist recht komisch, aber warum sollte man in diesem Fall ablehnen?!

Helmut, kannst Du, wenn Du noch einmal die Möglichkeit hast, einen Arzt fragen, ob das in diesem Fall nicht ginge, oder als Kompromiss, mit einer Therapie.


Hallo Laila,

da brauch ich keinen Arzt zu fragen, denn die Sache ist in dem Fall recht eindeutig. Sie läßt sich über die Sonde ernähren,... nicht weil sie eingesehen hat, das ihr Gedankengang auf dauer tödlich verlaufen wird, sondern weil sie so "ihrer kranken Vorstellung von sich un der Umwelt" treu bleiben kann, ohne das es ihr vor Hunger so weh tut, wie ihr Verhalten es ohne die Sondenkost täte. Das ist in keiner Wesie eine Grundlage, für einen leicht... durch die Nasensonde.. vermeidbaren operativen Eingriff. Erst wenn ernsthaft Gefahr für ihre Gesundheit besteht, und sie sich dann gegen die Nasensonde wehrt, gibt es überhaupt einen Grund, über eine PEG nachzudenken. ( Wobei sie dann eher zum sondieren durch die Nase fixiert werden würde, als das sie wegen der Gegenwähr eine PEG bekäme... )

Auch wenn sie sich derzeit über die Nasensonde ernährt... oder nur ernähren läßt ?, und keine großen Probleme hat, würde ich eher damit rechnen, das sie sich... ohne weitere Therapiemaßnahmen... in nächster Zeit neue Maßnahmen einfallen läßt, um sich "für ihr kranke Auffassung von sich und der Umwelt" zu bestrafen = sich zu Schädigen, als das der Zustand sich durch die Sondenkost auf Dauer sicher verbessert. Daher macht es keinen Sinn, ihr die Ernährung durch die Sonde einfacher zu machen. Dadurch würde sie sich eher in ihrem falschen Ernährungsverhalten bestätigt fühlen, das als es sich dadurch positiv verändert.

:-) Helmut
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Beitragvon Laila » 16.06.2005, 14:08

Hallo und nocheinmal Danke für eure Antworten!

Ich bin in diesem Fall ein weinig weiter gekommen. Und das Thema hat sich dann doch hoffentlich erledigt. Unsere junge Frau wird wohl eine PEG bekommen, wenn sie im Gegenzug eine Therapie beginnt.
Ich denke, dass das so in Ordnung ist und sie hoffentlich bald ihren Weg zu sich finden wird.

Nochmals Danke!

Laila

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Beitragvon Nellie » 16.06.2005, 14:46

Hallo Laila,

es hat sich ein Arzt also mit Wissen der URsache des Untergewichts dazu bereit erklärt?

Ich kann es nicht verstehen, ich würde es nicht tun. Es ist ja ein richtiger Tauschhandel.. PEG gegen Therapie... ich gebe Helmut recht.. der Wunsch nach einer PEG ist meiner Meinung nach auch nicht gesund, warum sie es will, weiß ich nicht.

LG
Nellie
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Beitragvon Laila » 16.06.2005, 15:42

Hallo!

Oh man, da habe ich ja ein heikles Thema angeschnitten... So richtig fest steht das auch noch nicht, aber ich denke, es wird klappen.

Tauschhandel würde ich es nicht unbedingt nennen, es müsste dann ergänzend über die PEG ernährt werden und den Rest muss sie essen und an der Therapie mitarbeiten, tut sie das nicht, wird die PEG wieder gezogen. Also eher eine Unterstützung....

Na ja... Ich kann ja, wenn Interesse besteht weiter berichten wie sich das Ganze entwickelt.

Vielen Dank :!:


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