(Not)Taufe in der Klinik

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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anner
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Beitrag von anner »

Hallo,

unser Sohn wurde mit 3 Monaten in der Klinikkapelle getauft.
Die Taufkerze durften wir wegen dem Sauerstoff nicht anzünden, es lief trotz ausführlichem Vorgespräch alles andere als schön ab (habe es vor längerem schon mal geschrieben).
Anwesend waren beide Großelternpaare, die Taufpatin, unsere Tochter, ein Oberarzt, eine Krankenschwester (beide hatten eigentlich frei) und eine Ordensschwester (Seelsorgerin der Klinik).

Anne
Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits, Makrocephalie, Gaumenspalt, Skoliose, Kleinwuchs, Epilepsie u. e. mehr
Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen

claudia fu
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Beitrag von claudia fu »

Hallo,
Christoph bekam auch in der Kinderklinik, wo er geboren wurde, die Nottaufe. Da war er auf den Tag genau 4 Wochen alt. Zwei Tage vorher sagte uns der Stationsarzt, dass es um Christoph sehr schlecht steht und er das Wochenende wahrscheinlich nicht überstehen würde. Weil alles sehr schnell organisiert werden musste, stand nur der Klinikpfarrer zur Verfügung. Aber das war auch kein Problem für uns. Er war super nett
und fand für uns in der schwierigen Situation genau die richtigen Worte.

Bei der Taufe dabei waren nur mein Mann und ich und zwei Schwestern und natürlich der Pfarrer. Die 2 Taufkerzen(zwei deshalb, weil es ja Zwillinge sind, Manuel wurde aber erst ein halbes Jahr später getauft, er war zu der Zeit ja schon über den Berg) bekamen wir von ihm geschenkt.
Ob wir die Kerzen angezündet haben, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber die Worte des Pfarrers gingen einem damals sehr nahe und wir haben alle, auch der Pfarrer! sehr geweint am Inkubator von Christoph.

Aber Christoph hat gekämpft und ein paar Tage später ging es ihm schon wieder ein wenig besser. Die nächsten Wochen waren aber trotzdem noch sehr sehr kritisch und er war noch lange nicht über den Berg. Ein halbes Jahr später aber hatte dann sein Zwillingsbruder Manuel Taufe und da war Christoph mit dabei. Die Taufe konnte er natürlich nicht nochmal empfangen, aber der Pfarrer erteilte ihm den Segen. Diesmal fand die Taufe natürlich in der Kirche statt und es war eine sehr schöne Zeremonie.


LG
Claudia

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johanna&natalie
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Beitrag von johanna&natalie »

Hallo,

Natalie wurde auch in der Klinik getauft. Aber es war bei weitem nicht so schön wie bei euch.
Ich habe den Pfarrer selber angerufen, meine Cousine (Patentante) hatte das Taufkleid besorgt, es ging alles sehr schnell. Die Schester hat uns geholfen Natalie an zuziehen und dann waren mein Mann meine Cousine und ich mit der Pastorin bei Natalie. Die Pastorin hat eine Taufkerze mitgebracht.

Ich war so schon sauer das kein katholischer Pfarrer kam obwohl ich mit ihm gesprochen habe sondern die evangelische Pastorin das war für mich nicht richtig.
Sie hat Natalie dann katholisch getauft.

Es hat keine Schwester, oder Arzt gratuliert, es war so als wäre es nix besonderes.

LG Johanna
Natalie geb. 05.06.06 Intrazerebrale Blutung im Bereich der Pons; Aneurysma A.basilaris; Pupillenfunktionsstörung;Brille; hypoton; motorische Funktion kaum vorhanden;Schwerhörigkeit bds. Hörgeräte; unser Sonnenschein/ und Carolin geb. 23.10.08 unsere kleine Biene ("einfach ganz normal")

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Martina und Kids
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Beitrag von Martina und Kids »

Oh schööön. Ich finde es ganz toll wie ihr das gemacht habt. Bei uns wurden selten Kinder getauft, das passierte meistens schon auf der Intensivstation.
Aber an meine letzte Taufe kann ich mich gut erinnern. Unser Schatz war ein Klinikkind (die Eltern liessen sie einfach bei uns und kamen nie wieder). Sie war unser aller Liebling, schwerst mehrfach behindert, blind und stark fehlgebildet. Egal wer von uns Schwestern kam, sie entspannte sich immer sehr schnell und man merkte, dass ihr das Schmusen und Wiegen gut tat. Als es zu Ende ging waren wir 6 Schwestern, einige von uns sind extra gekommen. 2 sind als Patin eingetragen. Unsere Stationsleiung hat den Pfarrer gerufen. Es war sehr schön aber auch traurig. Sie ist gleich nach der Taufe eingeschlafen. Aber würdevoller und mit mehr Liebe hätte es auch in einer Kirche nicht sein können. Ihr Taufschein hängt im Schwestternzimmer in einem Bilderrahmen.

Sarah/Dany

Beitrag von Sarah/Dany »

Hallo
Sarah ließ ich 14 Tage nach ihrer Geburt damals auch auf der Intensivstation taufen,
Die Ärzte meinten damals sie schafft es nicht sie lag das dritte mal auf dem OP-Tisch und ihr Zustand verschlechterte sich zusehens.
Und dann plötzlich nach dem sie getauft war ging es mit ihr besser. :P
Ich weiß allerdings nicht ob das Vermerkt wurde habe auch keine Tauf-Urkunde und weiß auch nicht wo ich mich da hinwenden soll.
____________
Liebe Grüße
Daniela

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PapaBernhard
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Beitrag von PapaBernhard »

Und dann plötzlich nach dem sie getauft war ging es mit ihr besser. Razz
Ich weiß allerdings nicht ob das Vermerkt wurde habe auch keine Tauf-Urkunde und weiß auch nicht wo ich mich da hinwenden soll.
Das erinnert mich an unsere Geschichte: Direkt nach der Taufe ging es unserem Jungen besser...

Was die Taufurkunde angeht: wer hat denn den Kleinen getauft? an den müsst Ihr Euch wenden. Wir haben ja schon vor der Taufe das Formular ausfüllen müssen. Das ging dann an unser Heimatpfarramt und die haben dann den Eintrag in unser Familienstammbuch gemacht.
Bernhard *69, Christiane *70
Dominik *15.10.07 Asphyxie bei Geburt, Entwicklungsverzögerung, Epi, Pflegegrad 4
Adoptivschwester *2006
Leon 2005 (+10SSW) Björn 2004 (+15SSW)

Unsere Galerie
Ehemaliger Krankenpfleger in der Außerklinischen Kinderintensivpflege
Aus gesundheitlichen Gründen jetzt Sachbearbeiter beim ADAC Schutzbrief

Sarah/Dany

Beitrag von Sarah/Dany »

Hallo PapaBernhard,
Ich habe das Formular 10 min bevor sie getauft wurde ausgefüllt, getauft wurde sie von einem Pfarrer der Klinik (Name weiß ich nicht mehr) aber die Pfarrer gibt es an der Klinik nicht mehr.
____________
Liebe Grüße
Daniela

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Britta1974
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Beitrag von Britta1974 »

Hallo zusammen

meine Drillinge wurden auch in der Klinik getauft. Das war zwei Tage nach der Geburt. Lukas ging es sehr schlecht und wir haben uns dazu entschieden, alle 3 Taufen zu lassen. Innerhalb von 3 Stunden kam ein Pfarrer, brachte Taufkerzen mit und hielt eine kurze Zeremonie bei jedem Inkubator ab. Er fing mit Lukas an und als wir alle bei Tom waren, kamen die Ärzte zu uns und sagten, dass Lukas von seinem Leiden erlöst wurde. Er starb ca 15 Minuten nach der Taufe, als hätte er nur darauf gewartet.

LG
Britta
LG Britta

mit Zwilling Tom (gesund) und Nico (spastische Diparese nach Frühgeburt SSW27+1; posthämorrhagischer Hydrozephalus Shuntversorgt) * 05/03

saskia_19
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Beitrag von saskia_19 »

Leon wurde am 24.11. auch in der Klinik getauft.

Er ist zwar (relativ) stabil, aber wir werden mit ihm nie in eine Kirche gehen können. Er reagiert (eigentlich) sehr stark auf fremde Umgebungen und Stress.
Und da er ja schon ein halbes Jahr dort liegt, haben wir uns entschlossen ihn in der Krankenhauskapelle taufen zu lassen.

Es war eine wunderschöne Zeremonie, mein Mann und ich wurden auch gleich noch kirchlich getraut.

Der engste Familienkreis war anwesend, sowie eine Oberärztin und 2 Schwestern (eine hatte eigentlich frei).

Eine Nottaufe wurde uns bei jeder Krise nahe gelegt. Aber wir wollten eine geplante Taufe (vorallem weil wir ja auch kirchlich heiraten wollten)

Es war vielleicht nicht der schönste Ort für sowas, aber trotzdem war es ein wundervoller Tag.

Meggy
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Beitrag von Meggy »

Hallo,

die "offizielle" Anweisung für die Nottaufe in einer Kinderklinik lautet folgendermaßen:

"Vollzug der Nottaufe
Die Nottaufe kann von jedem Menschen, jeder Pflegeperson, auch wenn sie selbst nicht christlich ist, aber die notwendige Einstellung dazu hat, gespendet werden. Der Kopf des Kindes wird hierbei mit etwas Wasser übergossen. Mit der Formel „(Name des Kindes), ich taufe Dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“ wird das Kind in Anwesenheit von ein bis zwei Zeugen kirchenrechtlich gültig getauft. Falls bekannt und erwünscht, kann die Pflegeperson noch ein „Vater unser“, das Glaubensbekenntnis, einen Bibelspruch oder ein frei formuliertes Gebet sprechen. Bleibt das Kind am Leben, wird die Taufe nicht mehr wiederholt. Es kann eine Aufnahmefeier in die Gemeinde als Familienfeier nachgeholt werden.
Die Taufe wird im Dokumentationssystem festgehalten und das Vollzugsformular mit Unterschrift der Zeugen an die Krankenhausseelsorge weitergeleitet, die sich um die Eintragung in das Familienstammbuch und das kirchliche Taufregister kümmert.
Die Nottaufe wird in unmittelbarer Lebensgefahr auf Wunsch der Eltern durchgeführt. Der Wille der Eltern sollte hierzu immer respektiert werden. Sind die Eltern nicht erreichbar, so kann nach dem mutmaßlichen Wunsch der Eltern verfahren werden. Wenn es der Allgemeinzustand des Kindes zulässt, so kann es auch geplant in der Klinik mit einer kleinen Feier durch den Seelsorger getauft werden."

LG,
Meggy

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