Brief einer jungen Frau mit Down-Syndrom (Trisomie 21)

Hier könnt ihr Gedichte, Texte und kleine Geschichten zum Thema "besonderes Kind" einstellen und darüber dikutieren.

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ehemalige Userin

Brief einer jungen Frau mit Down-Syndrom (Trisomie 21)

Beitragvon ehemalige Userin » 01.11.2007, 10:59

Mod.edit: Originaltext entfernt, Quellenangabe führt genau auf Originaltext - Gruß Angela!


Quelle: http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/co ... 02123.html

:arrow:

Ich bin eine junge Frau mit Down-Syndrom. Ich bin sehr traurig von all den Babys mit Down-Syndrom zu hören, die abgetrieben werden. Ich denke es ist wie Genozid – die systematische Tötung ganzer Menschengruppen oder Völker.

Ich habe ein erfülltes, wunderbares Leben und die Welt soll wissen, dass ich nicht am Down-Syndrom "leide". Die meisten Menschen mit Behinderung die ich kenne, haben ein erfülltes, produktives Leben.

Es bricht mir das Herz daran zu denken, vielleicht Teil der letzten Generation von Menschen mit Down-Syndrom zu sein. Die Welt wird niemals mehr eine Wohltat von unseren Gaben erfahren. Aber ich werde die Hoffnung für Menschen mit Behinderung nicht aufgeben. Und ich werde beten für all die Leute die denken, dass wir nicht das Recht haben, zu leben.

BRIDGET BROWN


Eine Freundin von mir ist mit Spina bifida aperta und Hydrocephalus zur Welt gekommen. Einmal hat sie im Fernsehn eine Dokumentation angeschaut über einen Jungen mit der gleichen Behinderung und war ziemlich baff als die Eltern gefragt wurden: "Hätten Sie ihn abgetriben, wenn Sie es vorher gewusst hätten?" Und dann fragte sie mich: "Geht denn das? Warum denn?" Tja, wie erklärt man einem Menschen, dass es Leute gibt, die sein Leben und das Leben mit ihm für so schrecklich halten, dass sie ein totes Kind einem lebenden vorziehen... Sie hat es verstanden, aber ich glaube, nachvollziehen konnte sie es nicht. Sie mag ihr Leben schließlich, sagt selbst, sie kenne es ja nicht anders. Klar würde sie sich auch manchmal wünschen, laufen zu können usw. Aber sie sieht auch klar ihre Stärken. Zum Glück!!

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Liebe Grüße
Sabine

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Brigitte 1953
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Beitragvon Brigitte 1953 » 01.11.2007, 11:51

Hallo Sabine,

als Adoptivmutter einer , heute, jungen Dame mit DS, kann ich den Brief der jungen Frau, traurig, mit unterschreiben.

Auch mir versetzt es, ein jedes Mal , aufs Neue, wenn ich höre, daß Kinder mit DS( und alle Anderen) erst gar nicht die Chance auf ein Leben bekommen sollen, einen Stich in meinem Herzen.

Mit meiner Tochter bin ich sehr glücklich und unter Menschen mit DS fühle ich mich sehr wohl.

Sie ist , wie meine anderen Kinder, ein kostbares Geschenk und eine Bereicherung meines Erdenlebens. Ein Leben ohne sie kann ich mir nicht vorstellen. Ich liebe sie, gerade, weil sie so ist, wie sie ist.

Danke fürs Einstellen.

Lieben, traurigen Gruß

Brigitte

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Heidi mit Markus
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Beitragvon Heidi mit Markus » 01.11.2007, 21:26

Hallo Sabine,
ich gehe völlig konform mit den Ausführungen von Brigitte! Unser Leben unserem Sohnemann ist richtig glücklich, er zeigt uns jeden Tag, wieviel Freude das Leben bietet. Er kann sich so herrlich freuen, daß sich einem das Herz öffnet. Und dann natürlich die Liebe, die einem diese Menschen entgegenbringen, die erfährt man nur von ihnen. Ich habe mal gesagt: Als Gott den Menschen schuf, wollte er einen lieben und ehrlichen haben, also machte er zuerst die Menschen mit 47 Chromosomen. Dazu stehe ich, von diesen Menschen wird nie ein Krieg ausgehen, es kommt nur Liebe rüber!
Ich bin sehr stolz, daß ich meinen Sohn habe und ihn ein Stück auf seinen Lebensweg begleiten darf und jeder Artikel über Abtreibungen in diese Richtung machen mich sehr traurig!
LG Heidi
Markus ist 17 Jahre und hat DS-ein typischer Teenager und ist unser Knuddelbär!

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Beitragvon Anneke* » 01.11.2007, 21:49

Hallo,

mir ist auch schon aufgefallen, dass es immer weniger DS-Babys gibt. Vielleicht ist es bald so weit, dass man als Mutter eines DS-Kindes angepöbelt wird, warum man denn nicht abgetrieben hätte. :twisted:

Unsere Große hat einige Handycaps (aber kein DS) und wir wurden oft gefragt, ob wir prenatale Diagnostik machen würden. Haben wir nicht gemacht. Das konnten viele Leute nicht verstehen.

Eine Freundin von mir hat prenatale Diagnostik machen lassen, "weil sie kein behindertes Kind will" :shock: :evil: :cry: Als ob diese Diagnostik ein Garantieschein für lebenslange körperliche und seelische Unversehrheit ist.

"Die Welt ist bunt - Gott sei Dank!"

Viele Grüße
Anke
Anneke (Aspergerautistin) mit Enna (* 2003) frühkindliche Autistin und seit Aug.09 mit Schulbegleitung in einer Regelschule sowie Daniel (* 2006)

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Beitragvon ehemalige Userin » 02.11.2007, 08:27

mir ist auch schon aufgefallen, dass es immer weniger DS-Babys gibt. Vielleicht ist es bald so weit, dass man als Mutter eines DS-Kindes angepöbelt wird, warum man denn nicht abgetrieben hätte


Ich fürchte, es ist längst soweit :roll: :

"...Obwohl Trisomie 21 die weltweit häufigste chromosomal bedingte Behinderung beim Menschen ist, gibt es noch immer Menschen, die skeptisch und ausgrenzend gegenüber Betroffenen reagieren. Das von vielen Vereinen, Verbänden, Eltern und nicht zuletzt von den Menschen mit Down-Syndrom selbst angestrebte Ziel der vollständigen gesellschaftlichen Integration und der vorbehaltlosen Akzeptanz ist noch nicht erreicht. Dies verdeutlicht auch die hohe Zahl der Schwangerschaftsabbrüche nach der vorgeburtlichen Diagnose eines Down-Syndroms. So wurde beispielsweise bei einer Studie von Lumkemann (2001) herausgefunden, dass sich mittlerweile die große Mehrzahl der Eltern eines Kindes mit Down-Syndrom (72 % der befragten Mütter, 100 % der befragten Väter) nach der Geburt mit der Frage konfrontiert sieht, warum man keine pränatale Diagnostik in Anspruch genommen hätte, was indirekt den Vorwurf, nicht abgetrieben zu haben, mit einschließt. Die Entwicklung und innergesellschaftliche Festigung von Meinungsbildern dieser Art erschweren die Bemühungen um Akzeptanz und Integration von Menschen mit Down-Syndrom erheblich..."

Quelle: Wikipedia, Artikel "Down-Syndrom", 02.11.2007, 8.15 Uhr

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Beitragvon Brigitte 1953 » 02.11.2007, 10:01

Guten Morgen Sabine,

das ist ja erschreckend traurig.

Was sagt die Kirche, der Papst dazu? :cry:

Traurigen Gruß

Brigitte

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Beitragvon josephin-luise » 30.08.2010, 21:49

ich hatte in der schwangerschaft, ein aneurysma-was leider nicht vorher entdeckt wurde...es ist in der 16 ssw geplatzt. das kind, mein kind hielt sich wacker :) damit haben die ärzte nicht gerechnet. nach dem ganzen krankenhausaufenthalten und anschließend reha-musste ja wieder laufen lernen usw...wurde dann im 6. monat erst genau nach meinem kind geschaut. bei dem gespräch vorher wurde dann auch gesagt das ich das kind, unter bestimmten umständen noch abtreiben kann. ich verstand das damals nicht-warum sollte ich mein kind abtreiben???ich war doch so froh das WIR es bis dahin geschafft hatten-es ist mein kind!
es wurden alle möglichen untersuchungen gemacht und weil ich es ja mittlerweile gewohnt war, lies ich alles ganz lieb über mich ergehen.
herzfehler hatte man schnell gesehen.
es wurde auch eine fruchtwasseruntersuchung gemacht, aber das ergebnis war mehr als gut! ich war so froh das es meinem kind gut geht, soweit.

josi (meine kleine) kam zu früh auf die welt, sie wollte schon ab der 32. woche-aber das lies ich nicht zu :wink:
danach ging alles ganz schnell und jeden tag kam irgendwas dazu, auch das sie einen chromosomfehler (monosomie 1p36) hat.
ich sprach später mit meinem arzt (der damals die fruchtwasseruntersuchung machte) aber da wurde mir dann erklärt das die hauptsächlich nach trisomie o.ä. gucken.

für mich kam und kommt eine abtreibung nicht in frage, auch wenn es nicht immer leicht ist mit meiner motte-es ist mein kind und ich will keinen tag ohne sie sein müssen.

lieben gruß
anni


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