Behindert sein, behindert aussehen, behindert gekleidet?!

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ehemalige Userin

Behindert sein, behindert aussehen, behindert gekleidet?!

Beitrag von ehemalige Userin »

Mein TV-Reminder (http://www.tv-into.de) hat mich auf diesen Film aufmerksam gemacht, den ich letztes Jahr schonmal gesehen habe. Eine Szene hat mich auf das Thema

"Behindert sein, behindert aussehen, behindert gekleidet sein?!"

gebracht:

Di 30.10.2007
22:50-00:20 Uhr
RBB

Kroko

Die 16-jährige Julia alias Kroko, ist Anführerin einer Mädchengang im Berliner Wedding. Ob mit verbalen Attacken oder mit physischer Aktion, Kroko weiß sich durchzusetzen. Mit dem Organisieren der Ladendiebstähle, Rumhängen, Aufstylen und Parties vertreibt sie sich die Zeit, immer im Zeichen ihrer Coolness. Als sie einen Unfall verursacht, verurteilt sie der Richter zu Ableisten von Sozialstunden in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Das ist uncool und Kroko hat natürlich keinen Bock auf „Spastis“ und „Mongos“ und das zeigt sie auch. Die Bewohner lassen sich aber davon nicht beeindrucken und langsam weicht Krokos Abwehrhaltung auf.


Gleich vorweg: Ein Oscar-Preisträger ist der Film sicher nicht, aber an manchen Stellen habe ich schon geschmunzelt. Nämlich z.B. als Kroko supercool am Türrahmen lehnt und zu den Eltern eines Bewohners sagt: „Ey, nur weil der behindert ist, müssen Sie ihn doch nich auch so anziehn!“

Gar nicht falsch, mal so Klartext zu reden. Ich traue mich das leider so nicht :-( Habe eine Frau bei meiner Arbeit kennen gelernt, die Down-Syndrom hat. Spontan habe ich sie auf etwa 40, 45 Jahre geschätzt und war sehr erstaunt, in ihrem Ausweis zu lesen, dass sie gerade mal Ende 20 ist :shock:!!!
Aber das macht wohl „einfach“ ihre Kleidung, gemeinsam mit ihrer Größe und ihrer Figur. Sehr klein, dick, sie trägt ausnahmslos braune Oma-Röcke, Strickpullis mit Blumen-Glitzer-Mustern drauf, Halsketten und Armbänder mit richtig „fiesen“ Perlen und Anhängern und immer diese braunen Schnürsenkelschuhe, die ich nur von alten Leuten kenne. Ihre Mutter trägt in etwa das gleiche; sie könnten durchaus auch Schwestern sein :roll:

Naja, jedenfalls fühle ich mich wenn ich sie so sehe oft an das Buch „Ich bin Laura. Ein Mädchen mit Down-Syndrom erzählt ...“ erinnert. Von dem habe ich mal eine Kritik gelesen, die überschrieben war mit: „Unsere chinesische Oma lernt reiten“ :evil:. Die Protagonistin mit Trisomie 21 wurde gezeichnet als ein dickes Kind im Schulalter mit ganz extrem schräger Lidachsstellung, gehüllt in Altdamen-Klamotten inmitten einer Gruppe modern und hip gekleideter Regelkinder. Diese Darstellung unterstreicht mal wieder gängige Klischees :evil: und hätte wirklich nicht sein gemusst. Hier mal das Titelbild: http://www.oi-gesellschaft.de/oi_info/i ... nlaura.jpg

Klar ist zunächst den Eltern die Entscheidung für die äußere Erscheinung ihres Kindes überlassen. Und nachher sollten die älteren Kids weitgehend selbst bestimmen dürfen, was sie anziehen. Aber muss man einen jungen Menschen wirklich so anziehen, dass er von der Kleidung her ins Seniorenalter passt? Das schreit doch förmlich danach, hinter vorgehaltener Hand zu tuscheln: "Siehste, Behinderte können sich eben nichtmal ihrem Alter entsprechend schick anziehen. Aber die haben ja eh keine Ahnung von Mode und es lohnt ja auch nicht, denen sowas beizubringen :lol: :lol: :lol: ..."

Liebe Grüße
Sabine

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ortrud
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Beitrag von ortrud »

Hallo Sabine,

genau das habe ich auch schon oft gedacht. Wir haben auch so einen Fall im Ort. Die inzwischen zwar erwachsene Tochter ist auch immer wahrscheinlich nach rein praktischen Erwägungen angezogen, es sieht häufig einfach furchtbar aus. Korina hat auch keinen Sinn für Mode und es ist ihr schlicht und ergreifend egal, was sie an hat. Deswegen achte ich akribisch darauf, Korina immer "cool" und modern anzuziehen (nicht zu verwechseln mit nur Markenklamotten!!). Wäre sie ein normal entwickeltes neunjähriges Mädchen würde sie auf ihr Äußeres achten, so ist es ganz einfach meine Pflicht.

Viele Grüße Ortrud
Korina, 07/98, starke Entwicklungsverzögerung ohne Diagnose, spricht nicht

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Linda79
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Beitrag von Linda79 »

Hi!
Ich muss da auch mal meinen Senf zugeben :) Das ist schon lange eine Thema mit dem ich mich beschäftige. Warum? Weiß ich auch nicht. Arbeite seit 10 Jahren (nun in Elternzeit) im Kindergarten und auch ich frage mich warum Eltern von besonderen Kindern oft so wenig wert auf das äußere Ihrer Kinder legen. Die Haare nicht gemacht und Klamotten die überhaupt nicht zueinander passen. Ich finde es sooo schade für die Kinder. Reinke war ja nun bis De.z gesund und ein cooles Kind. Warum sollte ich aufhören ihn so zu stylen ? Werde oft im KKH oder beim Doc angesprochen das er echt ne heiße Frisur hat. Ist auch schön so aufzufallen statt das jeder nur "so" glotzt oder? Ich mache jedenfalls weiter so mit Reinke. Ich glaube auch er mag das noch. Früher fand er das jedenfalls supi :wink: Also wir müssen doch unsere Kinder nicht verstecken.Schönen Tag noch :hand: :hand:
Linda mit Reinke tief in Herzen seit dem †13.Dez.2010 und Simon 18.08.08 geboren. Krümel insite ET Mai 2014Unsere Vorstellung

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Martin M.
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Beitrag von Martin M. »

Ich kann dem nur Beipflichten. Kleider machen Leute, dass kann man doch nicht leugnen. Und wir als nicht-Behinderte wissen doch oftmals gar nicht, was beispielsweise im Kopf eines Nicht-Sprechenden Kindes alles vorgeht. Ich denke, jemand, der ein Behindertes Kind ohne jede Beachtung der "Außenwirkung" anzieht macht es ihm damit einfach noch schwerer, sobald es sich in Menschengruppen bewegen soll. Mal aus einer anderen Sichtweise: Mir passiert es auch heute noch gelegentlich, dass mich morgens jemand anderes anzieht. Nicht dramatisch, wenn das Tamara ist, nur dass ich dann sehr streng gekleidet bin. Wenn Benjamin Herr des Kleiderschrankes ist, wird das schon schwieriger, denn er legt Wert darauf, alle Weiblichen Formen zu verstecken und besonders "böse" auszusehen. Und es ist mir auch schon passiert, dass ich erst während der Mittagspause auf der Arbeit merkte, dass mir eins der Kinder pinke Socken zur Jeans und ein Micky Maus T-shirt verpasst hatten. Hat es das für mich einfacher gemacht bei meinen Kollegen nicht für bekloppt zu gelten? Ganz sicher nicht! Und hat es meinem Selbstwertgefühl geholfen? Nö?! Genausowenig lieben es meine Kinder, immer diese blöden, lahmen Erwachsenensachen zu tragen, weshalb ich den Körper umziehe, bevor sie zum Spielen rauskommen, wenn es sich einrichten lässt. Wir sind immer auch das, was wir nach außen zeigen und wenn wir nunmal die Entscheidungen für ein Kind treffen müssen, sollten wir sie doch bitteschön in seinem Sinne treffen!
Maggy (mit Tamara und E.)

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Inge
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Beitrag von Inge »

Hallo Sabine,

als ich vor kurzem in der Kinderklinik zum EEG war, hat der Doc auch Annika angesprochen und gemeint, sie wäre "echt gut angezogen".
Da freut sich mein stolzes Mutterherz doch ungemein :D

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

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Beitrag von RosaD »

Hallo Sabine,
mir ist auch wichtig ,daß die Anne gut gekleidet ist.
womit ich Probleme habe, das sind Mützen....
(das sind immer Babymützen, wegen der Kopfgrösse und Form)
LG
Rosa
Rosa(1966)mit Anne(11.2000) ICP, Mikrocephalie, Epilepsie, Skoliose eine glückliche Maus seit 7.07 PEG gest. 28.2.2016
und Laura(6. 2003) gesund

Jann
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Beitrag von Jann »

Hallo Sabine,

ich bin auch der Meinung , dass Behinderte nicht behindert aussehen müssen. Bei Jann legen wir auf jeden Fall gesteigerten Wert darauf. Gelen ihm schon mal die Haare, kürzlich haben wir ihm erst ne coole Camouflage-Hose gekauft. Auch im Bereich der Hilfsmittel setzen wir es um. Sein Rolli hat nen Janosh-Speichenschutz und seine Sitzschale, die jetzt wachstumsbedingt geändert wird, lassen wir in drei Farben gestalten.
Im Kiga sagen sie immer: Da kommt unser Model !!! Frisch aus dem Katalog !!! :D :D :D
Mir macht es besondere Freude, ihm was Schönes zu kaufen. Und selber laufe ich ja auch nicht rum, wie ne Altkleidersammlung !!!

Liebeb Grüße
Sylvi
Sylvia (Baujahr 1972), Holger (Baujahr 1970),
Jann (Baujahr 2001) Cerebralparese, Tetraspastik, Saug-Schluckstörung, Aphyxie, Reflux, blind, schwerhörig, Krampfkind, absaug- z.T. auch sauerstoffpflichtig..., Daja (Baujahr 2003)

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Andrea5
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Beitrag von Andrea5 »

Hallo Ihr Zusammen,

ich denke man kann als Eltern von besonderen Kindern wohl ja auch
darauf achten, daß sie wie andere gesunden Kinder auch zeitgemäß
angezogen werden. Kind ist Kind, besonders oder gesund, das sollte
man in puncto Kleidung keine Ausnahme machen.  8)

Lieber Gruß
Andrea

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janina2003
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Beitrag von janina2003 »

hallo


beschäftige mich auch oft mit diesen thema wenn ich manche kinder im spz sehe frage ich mich auch.
jonny hat auch immer coole jeans und turnschuhe an und die haare gestylt(mama ist ja mal friseur gewesen :wink: ) und ich finde das ut. bekommen dafür viele komplimente und das macht mich stolz.

es heißt nicht weil unsere kinder anders sind auch so aussehen müssen

lieben gruß janina und jonny
janina*81, marcel*75 und jonny *2.6.03 zustand nach 4maliger reanimation im babyalter, aortenismusstenose, niereninsuffizenz, epilepsie usw. seit dem 1.12.2010 im wachkoma nach nochmaligen herzstillstand am 30.6.13 ein stern geworden und timmy 5.7.10 gesund

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Jaqueline
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Beitrag von Jaqueline »

Hallo,

ich muss zugeben, dass ich mich auch nicht style. Ich mach auch nicht viel mit meinen Haaren. Trage sie entweder offen oder zum Pferdeschwanz. Allerdings
fällt es mir auf, dass gerade Behinderte die eh schon Grund zum lästern geben - in der Gesellschaft, nicht aus meiner Sicht - (sprich zu dick, schiefe Zähne usw.)
oft zur "Jogginghosen und T-Shirt drei Nummern zu groß Fraktion" gehören. Ich kannte davon jetzt schon mehrere. Ich persönlich trage bei den Oberteilen auch mal "Schlabberlook" (also nicht hauteng), aber es sollten dann schon Jeans, Stoff- oder Cordhosen sein. In Jogging würde ich nicht auf die Straße gehen.
LG Jaqueline
Spastische Tetraparese, Kyphose
Mann: Epilepsie (VNS seit 2008)
Zwei Töchter *01/2015 und *01/2020

Für immer im Herzen.

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