Heilpädagogischer Kiga oder I-Kiga?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Claudia Gierak

Heilpädagogischer Kiga oder I-Kiga?

Beitragvon Claudia Gierak » 08.05.2005, 20:12

Joel wird Anfang Juni drei Jahre alt. Der einzige I-Kindergarten in unserem Stadtteil hatte dieses Jahr nur einen freien I-Platz, aber 14 Bewerber auf diesen einen Platz. Den haben wir leider nicht bekommen. Nun haben wir uns in einem angrenzenden Stadtteil in dem dort einzigen
I-Kiga angemeldet. Die dürfen die freien Plätze aber nur dann an Bewerber aus anderen Stadtteilen abgeben, wenn aus dem eigenen Stadtteil keine Bewerber vorhanden sind. Die Entscheidung, ob wir einen Platz bekommen oder nicht fällt erst Ende dieses Monats.

Wir haben uns einen Heilpädagogischen Kindergarten angesehen. In dieser Einrichtung war kein Kind in der Lage sich ohne Hilfsmittel (sog. Walker) oder einen Rollstuhl fortzubewegen. Alle Kinder dort sind Schwer- und Mehrfachbehindert. Joel hat sich während der Besichtigung total verängstigt unter meiner Jacke versteckt. Er hat nicht, wie bei den vorhergegangenen Besichtigungen von I-Kindergärten, versucht mit den anderen Kindern zu spielen oder sich auch nur einen Meter von mir wegzuwagen. Die Rollstühle und die teilweise vollkommen bewegungsunfähigen Kinder haben ihm große Angst gemacht. Er wollte auf keinen Fall dort bleiben und hat mich immer wieder gedrängt, mit ihm nach Hause zu gehen.

Er wäre dort das mit Abstand fitteste Kind, sowohl körperlich wie auch geistig. Die kleine Gruppenstärke und die intensive Betreuung durch gut ausgebildetes Fachpersonal wären natürlich toll.

Ich habe allerdings die Sorge, dass sich Joel dort vielleicht eher zurück- als weiterentwickelt und dass er dort keine geeigneten Spielkameraden finden wird, weil alle anderen Kinder ja mit noch größeren körperlichen und geistigen Einschränkungen zu kämpfen haben wie Joel. Auch will er dort, wie gesagt, auf keinen Fall hingehen.

Hat jemand eine ähnliche Erfahrung gemacht und kann uns einen Rat geben? Ich möchte gern die richtige Entscheidung für Joel treffen, und wenn wir den I-Platz nicht bekommen, haben wir ein großes Problem. Bei den integrativen Einrichtungen in unserem und im angrenzenden Stadtteil brauchen wir uns dann auch im nächsten Jahr gar nicht erst zu bewerben, und eine andere Möglichkeit der Unterbringung gäbe es dann auch nicht mehr, da ein Regelkindergarten nicht in Frage kommt, und die Anzahl der I-Plätze in Hannover nur sehr gering ist. Die Anzahl der Bewerber übersteigt die Anzahl der I-Plätze um ein Vielfaches.

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Beitragvon Sabine » 08.05.2005, 20:52

Hallo Claudia,

Joel könnte als I-Kind durchaus einen Regelkindergarten besuchen, wenn der Kiga bereit wäre, eine zusätzliche Kraft für ihn einzustellen. So ist das jedenfalls bei dem Sohn einer Freundin von mir gelaufen, der körperlich und geistig behindert ist, mit 4,5 Jahren allerdings laufen konnte.
Erkundige dich doch mal bei den Regelkindergärten, ob so eine Lösung nicht möglich wäre.

Lieben Gruß,
Sabine
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Beitragvon SISA » 08.05.2005, 22:01

Hallo Claudia,

Sarah war auch in einem Regelkindergarten - wir wußten bei der Anmeldung noch nicht, was los war.
Vielleicht kannst Du ja bei der Auswahl des KiGa darauf achten, dass die Gruppen kleiner sind. Schon dadurch ist eine individuelles Eingehen auf besondere Kinder möglich.
Der Vorschlag von Sabine mit der I-Kraft finde ich gut - wäre das nicht vielleicht auch noch für den Regelkindergarten ein zusätzliches Argument?

Lieben Gruss
Silke

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Beitragvon kachiya » 09.05.2005, 12:54

Hallo Claudia,

unsere Kindertagesstätte (in Hamburg) nimmt Integrationskinder auf Anfrage, ist eine normale KITA, wäre also für Kinder im Rollstuhl nichts, für mobile Kinder aber schon. Die KITA dürfte dann eine(n) Heilerzieher(in) einstellen, Gruppengröße liegt im Elementarbereich bei 20 Kindern. Mit Heilerzieher wären das dann 3 Erzieher für diese Gruppe. Unser Sohn ist im Krippenbereich, dort werden "nur" 18 Kinder zwischen eins und drei von 2 Erzieherinnen betreut.

Viele Grüße,

Katja

Nicole M

Beitragvon Nicole M » 09.05.2005, 14:17

Hallo Claudia,

bei uns gibt es die Möglichkeit, daß ein Regelkindergarten die Hilfe des mobilen sozialen Dienstes in Anspruch nimmt. Da kommen Ergotherapeuten oder Logopäden in den Kindergarten und arbeiten mit den Kindern, die spezielle Förderung brauchen.Vielleicht gibt bei euch auch so etwas.
Auf alle Fälle viel Glück für den Kiga-Platz!

Liebe Grüße
Nicole


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