Sauberkeitserziehung

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

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shone
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Sauberkeitserziehung

Beitragvon shone » 22.06.2004, 19:42

Hallo,
ich habe heute eine Frage zum Thema Sauerberkeitserziehung.
Ich bin mir unsicher, ob ich diesen Sommer versuchen soll, Dennis die Windeln abzugewöhnen.
Zur Erinnerung :
Dennis ist auf dem Entwicklungsstand eines ca. 3 jährigen (ist 5 Jahre), hat atyp.Autismus und Herzfehler.
Bisher interessiert es ihn überhaupt nicht, ob er etwas "in der Hose" hat, es ist ihm auch egal, wenn ich ihn auswärts (selbst auf einer parkbank !) wickeln muss.
Er hat weder Schamgefühl, noch zeigt er an, dass er eine frische Windel braucht. Statt dessen möchte er meist seine Ruhe haben und schwindelt , wenn ich frage ob er "kaka" gemacht hat.
Spielerisch geht er auf die Toilette und wenn ich ihn (ohne Zwang) frage, ob wir Pipi machen gehen, dann macht er es meist. Er kann also Pipi machen ! Kaka geht allerdings nur im Stehen...Als ich es aber versuchte, ihn ohne Windel zu lassen und öfter auf die Toilette zu bringen, wollter er nicht (sobald er Zwang spürt).
Da eines meiner Ziele zur Zeit darin besteht, dass er sich besser mit EINER Sache beschäftigt und länger an einer Tätigkeit dranbleibt ( er ist sehr sprunghaft), bin ich froh, wenn ich ihn nachmittags zuhause nicht so oft "rausreissen " muss.
Würde ich das mit dem Sauberwerden anfangen, müsste ich ihn allerdings sehr oft erinnern, da er nicht merkt, wenn er muss. Folglich würde ich ihn aus seinem Tun oft unterbrechen und das ist ja gerade das was ich vermeiden möchte.
Ich bin froh, dass er sich endlich (manchmal) mit einer Sache ein bisschen länger als 2 minuten beschäftigt !
Mein Gefühl sagt mir, er hat zur Zeit soviel anderes zu verarbeiten, macht neue Therapien, macht auch viele Fortschritte....so dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist.
Aber ich will ihn ja auch nicht "klein halten".
Habt ihr Erfahrungen mit Euren Kindern die mir weiterhelfen - man sagt ja, autistische Kinder hätten Probleme mit dem Sauberwerden....
Was meint ihr dazu ?
Ich hoffe ich habe das nicht zu unverständlich beschrieben.
Danke für Antworten
Inci
(http://www.inci-auth.de - Mama von Dennis, geboren 28.01.1999;
komplexer Herzfehler (Shone-Komplex) mit Lungenhochdruck, Autismus mit Zwangsstörung, Thorakal-lumbal-Skoliose, Epilepsie mit fokalen Anfällen; unser "kleiner" Sonnenschein)

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Sabine
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Beitragvon Sabine » 22.06.2004, 22:22

Hallo Inci,

Jan-Paul ist jetzt 2,5 Jahre alt und trägt auch noch Windeln. Ich könnte mir vorstellen, dass dies auch noch ein paar Jahre so bleiben wird.
Du hast geschrieben, dass Dennis auf dem Entwicklungsstand eines Dreijährigen ist. Und Dreijährige haben ja oft noch Probleme damit, zu sagen, wann sie müssen. Bei meiner Nichte (fast vier Jahre alt) war das jedenfalls so. Sie war zum dritten Geburtstag mit dem großen Geschäft immer noch nicht sauber. Sie sagte erst Bescheid, wenn das "Malheur" schon passiert war oder hielt den Stuhl auf und machte erst, wenn sie eine Windel tragen durfte. Obwohl sie in vielen Bereichen (Sprache z. B.) ihren Altersgenossen voraus ist, hat sie sich mit dem Sauberwerden doch recht schwer getan. Auch heute - mit fast vier Jahren - trägt sie nachts noch Windeln.
Und als wir letzten Sommer stationär für ein paar Tage in der Vestischen Kinderklinik waren, war dort ein dreieinhalbjähriger Junge (normal entwickelt), der das große Geschäft nur partout in die Windel machen wollen. Viele Kinder haben da anscheinend so ihre Eigenheiten... :wink:
Ich lese auch aus deinem Bericht heraus, dass Dennis in Ansätzen bereits Anzeichen zum Sauberwerden zeigt. Das ist doch schon mal sehr schön. Du kannst ja mit ihm mehrmals am Tag zur Toilette gehen und ihn daran gewöhnen, zumindest das kleine Geschäft auf der Toilette zu erledigen.

Lieben Gruß,
Sabine
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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Beitragvon shone » 23.06.2004, 05:50

Hallo Sabine,
Du hast mich glücklicherweise in meinem Gefühl bestärkt.
Das ist ja eigentlich DAS was ich haben wollte....

Mir ist es überhaupt nicht wichtig, ob das dieses Jahr oder später passiert (da ist mir die Individualität und das Wohlergehen meines Kindes viel wichiger). Ich denke seit langem dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist, der Kiga war da nur anderer Meinung, aber dem habe ich immer entgegnet.
Ich war nur nicht sicher, ob ich ihn damit "kleiner halte" als nötig, aber ich denke nicht.
Und es ist sehr beruhigend wenn ich als Mutter (vor allem eines besonderen Kindes) Verständniss (von anderen Müttern) bekommt.
Bei vielen Bekannten (auch andern Kiga Müttern) stosse ich nämlich oft auf Kopfschütteln, weil ich vieles anders mache.
Danke für Deine Antwort.
Inci
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Beitragvon Andi » 23.06.2004, 09:42

Hallo Inci
Also ganz sauber ist Noah(4J ) auch noch nicht.Das Große geht immer noch in die Windel.Auch nachts braucht er die WIndeln noch.
ALs Noah die ersten Anzeichen zeigte dass er gerne aufs Klo möchte haben der Kiga und ich uns beraten und ihn dann eine Woche lang tagsüber jede Stunde kurz aufs Klo gesetzt.
Am Ende der Woche war er trocken.
Aber jetzt als er die Windpocken hatte brauchte er auch tagsüber wieder die Windel.Er geht seit gestern wieder in Kiga und braucht keine Windel.
Wo ich manchmal fast verzwiefle ist,dass wenn er das große Geschäft nicht in die Windel machen kann dann verdrängt er das bis er Vertopfung hat.Noah meldet sich aber auch nicht wenn er ohne Windel läuft dass er mal Groß müßte.So bin ich immer noch auf der Suche wie ich ihm das beibringen kann.
Liebe Grüße

Andi + Noah,atypischer Autismus,Entwicklungsverzögerung und seinen 4 Geschwistern

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Beitragvon shone » 23.06.2004, 21:42

Hallo Andi,
ja das ist wirklich schwierig, da habe ich auch keine Idee für Dich.
Wünsche Dir alles Gute Inci
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Beitragvon Sabine » 24.06.2004, 18:29

Hallo Inci und Andi!

Es ist doch ganz klar, dass ein Kind mit Entwicklungsproblemen ein ganz anderes Körpergefühl hat als ein normal entwickeltes Kind. Insofern finde ich es schon super, dass eure Kinder zumindest Ansätze zum Sauberwerden zeigen. Mir sind sehr viele besondere Kinder bekannt, die bereits im Grundschulalter sind und aufgrund ihrer Behinderung noch nicht sauber sind und dies eben auch noch nicht sein können. Also wenn Jan-Paul so mit sechs bis sieben Jahren sauber wird, wäre das für mich der Hit! Man muss bei unseren Kindern halt ganz andere Maßstäbe setzen.

Lieben Gruß und lasst euch da nicht von anderen reinquatschen.

Sabine
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Beitragvon Beate » 26.06.2004, 14:03

Hallo ihr,

Inci, lass einfach dein Bauchgefühl entscheiden. Du hast in deinem Beitrag zwar eine Frage gestellt, aber sie gleich selbst beantwortet. Und ich denke, wir liegen als Mütter (Eltern) mit unseren Bauchgefühlen oft sehr richtig. Andere Eltern haben andere Kinder und sollen machen, was sie für richtig halten. Gerade besondere Kinder sollten auf keinen Fall verglichen werden. Denn diese Kinder sind mehr als einmalig!

Sarah ist acht Jahre und trägt immer noch Windeln. Wir haben, in Absprache mit dem Kiga, vor einigen Jahren versucht sie auf die Toilette zu setzen. Die erfolgreichen Versuche, kann ich an zwei Händen zählen.
Darauf habe ich die gleiche Entscheidung getroffen wie du, Inci. Andere Fortschritte in der Entwicklung sind mir wesentlich wichtiger, als die `Sauberkeitserziehung´. Sarah hat seit Jahren einen ganz tollen Toilettenaufsatz, weil sie Angst hatte (wegen der Wahrnehmungsstörungen)vor der Toilette. Trotzdem sitzt sie auch heute noch ganz verkrampft auf ihrem Thron. Das möchte ich ihr einfach nicht zumuten. Wir lassen das Ganze auf uns zukommen und beobachten, wie sie sich verhält.

Seit ca. 4 Wochen sagt sie:" Aa", wenn sit sie:" Aa", wenn sie das Gefühl hat, dass Stuhlgang kommt. Das finden wir echt toll. Geht also auch ohne `Drill´. Auf diese Art wird es wohl noch ewig dauern - aber was soll´s. Es gibt Schlimmeres.

Wisst ihr, dass die KK ab dem 3.Lebensjahr die Kosten für die Windeln übernimmt?

Liebe Grüße

Beate
Sarah *02.96 Lissenzephalie Typ I (läuft leider nicht mehr - spricht ca. 40 Worte - schwere Wahrnehmungsstörungen - globale Entwicklungsstörungen - resistente Epilepsie(inzw. fast anfallsfrei - Ataxien)
Sie ist glücklich und hat viel Spaß!

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Beitragvon shone » 26.06.2004, 14:48

Hallo Beate,
vielen dank für Deine liebe mail, ja ich werde es auch so entscheiden !
Das mit den Windeln weiss ich glücklicherweise, toll, hier so nette Menschen zu treffen.
LG Inci
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Beitragvon Chrissie » 26.06.2004, 23:09

Hallo Inci,

mein Alexander hat es im Vorschulalter trotz seiner schweren Behinderung geschafft, tagsüber trocken zu werden. Solange er im Kindergarten war, hat das super funktioniert. Vorbei war es damit, als er in die Schule kam. Anfangs brauchte er nur in der Schule wieder Windeln und seit ein paar Jahren (er ist inzwischen das 6. Jahr in der Schule) hat er auch zuhause wieder Windeln an. Für mich war es anfangs sehr schwer, zu akzeptieren, daß er in dieser Hinsicht einen Rückschritt gemacht hat. Ich bin heute noch überzeugt davon, daß wenn die Schule sich mehr gekümmert hätte, er heute noch trocken wäre. Aber so hat er es nicht mehr auf die Reihe gebracht, in der Schule Windeln, kann er laufen lassen und zuhause keine Windeln, muß er sich melden, wenn er muß. Irgendwann habe ich einfach resigniert, da sich doch mit der Zeit ein unwahrscheinlicher Frust aufgebaut hatte und Alexander schon immer Panik bekommen hat, wenn er mußte, bzw. den ganzen Tag aus Angst nicht mehr gemacht hat. Da war für uns die Lösung mit den Windeln auf Dauer die bessere Lösung.

Liebe Grüße
Ulli :icon_pale:
Alexander 10/91 spastische Tetraparese, Epilepsie, Christina 5/90 und Niklas 10/2002 ADHS


Mein Album: klick hier!

cameleon

Beitragvon cameleon » 07.07.2004, 23:12

die beste erfahrung machte ich damit, sogenannte WC-zeiten vorzugeben bzw. herauszufinden, wann das kind meistens pipi macht oder stuhlen muss. werden diese WC-zeiten (meist jede stunde) eingehalten, das kind aber nicht länger als 5-10 minuten auf der toilette sitzen lassen.

macht das kind ins wc oder hat seine windel oder einlage trocken, ist es wichtig, dass es gelobt wird und ev. eine belohnung (z. B. ein zuckerfreies gummibärchen oder so) bekommt, da dies dem entwicklungsstand vieler behinderter gerecht ist ( wahrnehmen über stimme, wahrnehmen über schmecken, was für viele behinderte ja sehr wichtig ist, da sie in anderen bereichen eingeschränkt sind.

auf unserer wohngruppe konnten wir so mehreren bewohnern helfen, zumindest teilweise trocken zu werden.


liebe grüsse

cameleon


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