Unterstützung für Paare, die ein behindertes Kind erwarten

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Sabine
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Beitragvon Sabine » 19.06.2004, 23:21

Hallo Helmut,

das ist mir völlig neu! Ich dachte Spätabtreibungen wären - zumindest hier in der Bundesrep. - verboten.
Ich werde mal recherchieren - mal sehen, was ich rauskriege. :wink:

Gute Nacht,
Sabine
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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Beitragvon Sabine » 21.06.2004, 13:08

Hallo Helmut und alle anderen,

folgende Antwort auf meine Anfrage hinsichtlich Spätabtreibung habe ich von einem Arzt aus dem RUB-Forum bekommen:
"Das seit einigen Jahren gültige Abtreibungsgesetz ermöglicht straffreie Abtreibung auch jenseits der 20. SSW. Das geht aber nicht einfach nach Wunsch, sondern es muß eine medizinische Indikation vorliegen."

Das sagt ja eigentlich alles...

Lieben Gruß,
Sabine
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Gast

Abtreibung und Indikation

Beitragvon Gast » 21.06.2004, 20:52

Hallo zusammen,

bei diesem Zeitungsbericht, Sabine, habe ich das so verstanden, dass es immer mehr Abtreibungen gibt, weil das Kind behindert ist. Richtig? Ich denke, wir dürfen auch nicht vergessen, dass wegen der vielen Einflüsse heutzutage auch das Erbgut nicht mehr "das Beste" ist und es auch immer mehr Gendefekte gibt. Es gibt ja auch so schlimme Defekte, dass das Kind gar nicht leben kann, wenn es geboren wird. In diese Statistik fallen sicherlich auch diese Abtreibungen hinein.
Es ist für die Mütter bestimmt nicht immer leicht, sich dann gegen das Kind zu entscheiden, vor allem, wenn es ein medizinisches Risiko wäre, das Kind bis zum "bitteren Ende" auszutragen. Ganz zu schweigen von der psychischen Belastung.
Ich kann das so schreiben, weil wir bereits ein kleines "Sternenkind" haben. In der 16. SSW musste ich die Schritte einleiten lassen.
Ich möchte hier jetzt kein Mitleid heischen, sondern bei der Diskussion um Abtreibungen zu bedenken geben, dass es immer zwei Seiten gibt und man Mütter/Väter/Mediziner nicht allzuschnell verdammen darf. :roll:
Zur psychologischen Betreuung wäre auch mein Wunsch, dass diese ausgebaut wird. Ich habe das besonders in der Frühförderung immer sehr vermisst. Da wird immer am Kind herum therapiert, aber die Mütter wissen auch oft nicht, wo es lang geht und wie sie damit umgehen können.
Außerdem kann die Ehe sehr darunter leiden.
Ich hoffe, dass das alles nicht wieder nur ein Gerede der PolitikerInnen ist und an dieser Stelle mal nicht gespart werden soll!

Liebe Grüße
Nadja

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Beitragvon Sabine » 21.06.2004, 21:59

Hallo Nadja,

manchmal frage ich mich auch, ob es früher auch schon so viele Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Gen-Defekten usw. gegeben hat. Wahrscheinlich wurde das damals aber auch nicht so publik gemacht wie heute. Durch die Medien erfahren wir ja heute sehr viel mehr als früher, wo man nicht viel weiter blicken konnte, als bis vor die eigene Haustür, das Dorf oder den Wohnbezirk, in dem man lebte.
Zudem können heute Kinder am Leben erhalten werden, die früher bei der Geburt ganz sicher gestorben wären. Man denke an die hohe Säuglingssterblichkeit, die es ja noch vor wenigen Jahrzehnten gab, oder den Tod vieler junger Frauen im Wochenbett.
Ich glaube auch, dass Eltern, die ein schwer behindertes Kind erwarten, intensiver Betreuung bedürfen. Ich bin keine generelle Abtreibungsgegnerin und kann es auch verstehen, wenn sich Paare dann in so einem Fall für eine Abtreibung entscheiden. Eine Entscheidung, die sicher sehr schwer fällt und für ein lebenslanges Trauma sorgen kann - besonders, wenn die Schwangerschaft schon weit voran geschritten ist.
Es wäre daher wirklich wünschenswert, wenn die psychologische Betreuung in all diesen Bereichen ausgebaut wird. Seelischen Beistand brauchen die betroffenen Eltern in jedem Fall - egal wie ihre Entscheidung dann ausfallen wird.

Lieben Gruß,
Sabine
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Beitragvon benni » 22.06.2004, 09:41

Hallo
ich finde es sehr wichtig, dass die Betreuung in der Schwangerschaft und vor allem danach an betroffene Familien angeboten wird. Wir haben uns damals schon sehr allein gelassen mit der Diagnose gefühlt.
Wir hatten das Glück uns nicht entscheiden zu müssen, denn diese Entscheidung finde ich sehr schwer, kann aber auch verstehen wenn Eltern sich dagegen entscheiden. Ich denke, ich hätte nicht abtreiben können. (Bei Benjamin wurde die Behinderung erst mit 1,5 Jahren ausgesprochen )
Ich gebe Nadja Recht, dass ein behindertes Kind sehr viel in der Ehe verändert. Nicht umsonst geht jede 2. Ehe mit einem solchen Kind auseinander, weil die Belastung enorm groß ist. In unserer Familie würden einige Partnerschaften das nicht aushalten. Auch die Geschwisterkinder kommen sehr häufig zu kurz bei einem besonderen Kind.
Anja
Anja mit Benjamin 03/97- schwere Mehrfachbehinderung wahrscheinlich durch 6- fach-Impfung, Muskelhypotonie,Wahrnehmungsstörungen/aut. Züge, Grand-mal-Epilepsie, Skoliose, Gastrotube, Tracheostoma, Sondennahrung
Benjamin hat 1 grossen und 3 kleine Brüder

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Beitragvon Sabine » 22.06.2004, 11:43

Hallo Anja,

ich denke auch, dass ein besonderes Kind die Partnerschaft stark belastet und sehr viel in der Beziehung zueinander verändert. Wir haben auch viele Paare im Bekanntenkreis, wo ich überzeugt bin, dass diese Beziehungen an einem behinderten Kind kaputt gegangen wären.

Lieben Gruß,
Sabine
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Beitragvon Helmut » 23.06.2004, 21:30

Hallo zusammen,

mehr Beratung für angehende Eltern behinderter Kinder wäre sich gut. Ich sehe daas nur so, das Eltern die wissen, das sie ein behindertes Kind bekommen werden,... PID und co...also das was jetzt angekurbelt weren soll... schon hinter sich.... oder für sich entschieden haben, ob sie das Kind wollen oder nicht. Was will man an der Situation solcher Eltern durch mehr oder auch bessere PID verbesser. Voriges Jahr gab es ein Film im Fernsen, das hatte sich die Mutter für das Leben, bzw. für einen Natürlichen Tod ihres offensichtlich nicht bebensfähigen ungeborerenen Kindes entschieden, und ist bis kurz zum 8. Monat von Ärzten bedrängt und bedroht worden es wegen des doch bestehenden Indikationlösung abtreiben zu lassen. Ich kann mir eher vostellen, das sie durch die jetzt angeleierte Aktion, die Zahlen solcher Fälle eher erhöhen, als das sie die Akzeptanz solcher Entscheidungen von Eltern bei den Ärzten... und Kostenträgern dadurch größer wird.

Wenn es mit meiner Anwtort länger dauert nicht Wundern, bin zur Zeit im KH, und der Internetterminel da ist oft besetzt.... oder kommt vorbei... Uni Münster, Bettentürme, Station 14 B Kieferchirurgie.
Vater von Sonja, 22.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung. Schwerstmehrfachbehindert.

Beate
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Beitragvon Beate » 26.06.2004, 15:38

Hallo,

die psychologische Betreuung kommt viel zu kurz!

Wenn während der Schwangerschaft oder irgendwann nach der Geburt, festgestellt wird, dass ein Kind behindert ist, sollte eine psychologische Betreuung unbedingt beginnen. Viele Ehe würden die besondere Situation mit einem behinderten Kind sicher überstehen, wenn es Hilfe gäbe. Ich denke, hier wird an der falschen Stelle gespart! :evil:
Was kostet es für unseren Staat, wenn Eltern krank werden vor Sorge um ihr Kind, wenn sie sich trennen, wenn Geschwisterkinder Probleme bekommen?

Es ginge allen wesentlich besser, wenn dieses Geld in die `Vorsorge´ gesteckt würden. Von der emotionalen Bedeutung einer intakten Familie ganz zu schweigen.

Warum sehen die Verantwortlichen das nicht? Warum fragt uns keiner, welche Hilfen wir benötigen??? :?

Liebe Grüße

Beate
Sarah *02.96 Lissenzephalie Typ I (läuft leider nicht mehr - spricht ca. 40 Worte - schwere Wahrnehmungsstörungen - globale Entwicklungsstörungen - resistente Epilepsie(inzw. fast anfallsfrei - Ataxien)
Sie ist glücklich und hat viel Spaß!

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Gast

Beitragvon Gast » 26.06.2004, 16:46

Hallo alle zusammen,
ich habe mich vor einiger Zeit hier angemeldet aber noch nicht vorgestellt. Dies hole ich aber sicher noch nach. Der ein oder andere hier kennt uns sicher auch schon aus anderen Foren ;-) Aus gegebenem Anlass und zur Thematik passend folgendes Statement von uns:
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wir sind ein Zusammenschluß von Eltern mit Kindern die ein Down-Syndrom haben. Unsere Initiative verfolgt den Zweck, Eltern die ein Kind mit Down-Syndrom erwarten vorgeburtlich über diese Behinderung sachlich und fachlich korrekt aufzuklären, um diesen die Entscheidung für (oder gegen) das Kind zu erleichtern. In den meisten Fällen ist es heute so, das die Eltern von Ärzten falsch aufgeklärt werden. Meist werden diese Eltern dazu gedrängt das Kind abzutreiben. Es werden Argumentationen von vor 30 Jahren benutzt, die heute keinen Bestand mehr haben. Unser Ziel ist hier Aufklärungsarbeit bei den Ärzten und Eltern zu leisten, um die extrem hohe Quote von 90% Abtreibungen zu verringern. Die Diagnose Down-Syndrom bedeutet nicht, das ein solches Kind ein lebensunwertes Leben führen muß, wenn es ausreichend und liebevoll gefördert wird. Aber leider hat sich dies noch nicht sehr weit herumgesprochen und dies wollen wir ändern.

Falls Sie selber ein Kind mit Down-Syndrom haben und uns unterstützen möchten: Wir suchen immer Eltern, die bereit sind mit anderen Menschen telefonisch in Kontakt zu treten oder sie zu einem persönlichen Gespräch zu Hause empfangen würden, damit diese werdenden Eltern einmal sehen, das Kinder mit Down-Syndrom in erster Linie auch nur Kinder sind und sich gar nicht so sehr von anderen unterscheiden. Falls Sie Interesse daran haben, schicken Sie uns bitte eine Email. Wenn unsere Initiative erfolgreich sein soll, sind wir auf solche Menschen angewiesen. Es ist für sie nicht viel Arbeit, sondern wir nehmen Sie lediglich in unsere Kontaktdatenbank auf. Falls sich werdende Eltern die in ihrer Nähe wohnen bei uns melden, werden wir diesen ihre Telefonnummer nennen. Mehr Arbeit kommt hier nicht auf Sie zu. Falls Sie uns also in dieser Richtung unterstützen möchten, schicken Sie bitte eine Email an: ds-info-zentrale@onlinehome.de .

Unsere Webseite erreichen Sie unter www.ds-info-zentrale.de Falls Sie selber eine Webseite betreiben, die das Down-Syndrom oder Behinderungen zum Thema hat, wären wir Ihnen sehr dankbar wenn sie uns auf ihrer Webseite verlinken würden damit möglichst viele Hilfesuchende zu uns finden.

Wünschen Sie uns bitte Glück und Erfolg, denn jedes Menschenleben das wir retten können ist den Aufwand wert!
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Dieses Statement haben wir vor einigen Monaten im Internet verteilt und die Resonanz darauf war unglaublich gross. Mittlerweile sind wir schon über 30 Elternpaare, die sich daran beteiligen. 2 Elternpaare haben sich auch schon an uns gewandt - Und sie werden das Kind zur Welt bringen! Es hat sich also schon gelohnt, dies zu tun.

Schöne Grüße
Harald


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