Bau von Fahrstuhl erzwingen?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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charly

Bau von Fahrstuhl erzwingen?

Beitragvon charly » 30.04.2005, 22:45

Hi zusammen, hier mal wieder der Charly mit ner Frage - was auch sonst.
Kann uns jemand sagen, ob man einen ( unseren ) Vermieter "zwingen" kann, einen Fahrstuhl in ein Mietshaus einzubauen ???
Und wenn ja, auf wessen kosten ???
Alina ist nu knapp 17kg schwer und wir wohnen in der 3. Etage.
Nu wird's langsam problematisch, wenn wir als Eltern nicht längere Rehamaßnahmen für unserern Rücken planen wollen.
Schon mal Danke für die Info's.

Gruß aus klein Paris
Charly

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Petra B
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Beitragvon Petra B » 30.04.2005, 23:05

Hallo charly,

so weit ich es weis, muss der Vermieter zum Einbau seine Zustimmung geben, die Kosten müsst allerdings ihr übernehmen.
Bei Auszug müsst ihr dann alles wieder auf eure Kosten in den ursprünglichen Zustand versetzten.

Viele Grüße Petra B

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jessie
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Beitragvon jessie » 01.05.2005, 11:19

hallo charly

erstmal: erzwingen kannst du gar nix. es gibt zwar möglichkeiten, eine wohnung umzubauen, wenn der vermieter nein sagt, aber dafür müssen schon sehr starke vorrausetzungen da sein.

kosten: die wirst du selber tragen. normalerweise kann man die pflegekasse zu einem zuschuss (2550eur) bewegen, aber bei einen 17kg-schweren kind einen fahrstuhlzuschuss zu bekommen, wird eher schwer.

nachträglich einen fahrstuhl einbauen ist eh nicht einfach, da hat die baubehörde noch einiges mitzureden. irgentwo muß ja nun auch die hebeautomatik des fahrstuhls hin, nachträglich wird die dann meistens in einer dachgaube versteckt, das bedeutet aber dann, das du das dach z.t. abdecken mußt, einen zimmermann odern mußt, der die gaube aufzieht, alles wieder abdichten und zudecken, und halt dann noch die kosten für den fahrstuhl sowie später die betriebskosten.
nicht zu vergessen die genehmigungskosten, die in dem falle noch anfallen, sowie die planerkosten, da du selber den antrag alleine nicht unterschreiben darfst, dafür benötigst du einen architekten oder einen beratenden ingeniuer, und die werden nach der hoai bezahlt.

wenn man sich jetzt alles so aneinanderaddiert, kommt schon eine beträchtliche summe zusammen. sollte es nicht zufällig schon irgentwo in dem gebäude (z.B. im treppenhaus) ein fahrstuhl vorgesehen sein, wird es sich wohl eher nicht lohnen, da ihr ja auch noch für den rückbau verantwortlich seid, wenn der vermieter dieses wünscht. ausserdem müsst ihr die gestaltungswünsche des vermieters berücksichtigen, das einzige, was der vermieter dann nicht darf, ist bautechnisch unsinnige wünsche zu äussern. will er dann aber einen glasfahrstuhl, muß es auch ein glasfahrstuhl sein.

gruß jessie
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Petra B
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Beitragvon Petra B » 01.05.2005, 16:15

Hallo Charly, hallo Jessie,

ich gehe mal davon aus, dass Du, charly, von einem Treppenlift oder Außenaufzug ausgehst, da ein richtiger Aufzug vom Baulichen her in den wenigsten Fällen möglich ist.

Für einen Aufzug wird ein Platz von ca. 2 auf 2 Meter benötigt und das in jedem Stockwerk, das tangiert wird. Dann muss für eine Unterfahrt und Überfahrt gesorgt werden, ein Maschinenraum muss vorhanden sein, Verbindungskanäle und und und.

Allerdings Jessie, ich müsste mich sehr täuschen, es ist ein neues Gesetz herausgekommen, dass behinderte Mieter stärkt. Solch ein Einbau kann nicht mehr einfach abgelehnt werden, es muss schon ein sehr triftiger Grund vorliegen.

Nur der Mieter muss sich wirklich im Klaren sein, welche Kosten auf ihn zukommen.
Die Stromkosten sind das Geringste, die Wartung und der TÜV fallen da schon mehr zu Buche. Der TÜV will jedes Jahr den Aufzug abnehmen und alles 2 oder 3 Jahre wird ein Belastungstest durchgeführt.

Das Beste wird es für Euch sein, eine behindertengerechte Wohnung zu suchen.

Viele Grüße
Petra B

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Beitragvon jessie » 01.05.2005, 16:47

hallo petra

ich kenne das gesetz bezüglich von behindertengerechten mietwohnungen. dieses beschränkt sich allerdings auf die wohnung selber, keineswegs eingeschlossen sind aussenanlagen, wozu der aussenfahrstuhl ja gehört, deswegen hätte ja in solchen fällen das bauamt auch noch einiges mitzureden.
wenn es theoretisch möglich wäre, einen innenliegenden lift zu errichten, was natürlich ausreichend platz vorraussetzt sowie die zufällig bereits vor baubeginn des hauses höher kalkulierte statik (wer rechnet denn schon mit solch gewaltigen deckendurchbrüchen???), und dann immer noch ausreichend platz für die anderen mieter ist, dann könnte ich theoretisch einen fahrstuhl auf meine eigenen kosten durchboxen. aber der preis hierfür???? wir haben das vor vielen jahren mal in einer schule machen müssen, es war erstens ein baulich seeehr gewaltiger aufwand, die durchbrüche zu schaffen, dann war uns noch eine pfette im wege,die abgefangen werden mußte. ich befürchte, wenn ich mal alle baukosten addiere, ist der fahrstuhl selber wahrscheinlich das billigste teil, was ich zu bezahlen hätte.
und das vermieterrecht darauf, die wohnung wieder in den urzustand zurückzustellen, bleibt.
so kann ich mich eigenltich der meinung von petra nur anschließen, wenigstens nach einer wohnung im eg ausschau zu halten.

guß jessie
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Beitragvon Isolde » 01.05.2005, 19:18

Hallo Charly,

vom baulichen her habe ich keinerlei Ahnung.
Aber wenn ich das so als Mensch lese, würde ich glatt sagen - bis das durch ist, reibt Ihr Euch immens auf, habt eine Menge Kosten auf dem Buckel und am Ende stellt sich die Frage - ist ein Umzug nicht billiger?

Ich muss gestehen, ich käme nicht auf die Idee, einen Fahrstuhl in ein Haus einbauen zu lassen - sondern würde eher einen Dringlichkeits-Antrag stellen auf eine EG-Wohnung, bei nächster Gelegenheit, die frei wird.
Es gibt genügend öffentlich geförderte Wohnungen bei Baugenossenschaften, die einem da vielleicht in dem Fall weiterhelfen können.
Also hier in München bekäme ich sofort Hilfe in dem Haus, wenn im EG die alte Frau stirbt, dass ich dann mit Jonathan runter ziehe. Ich wohne im 4. Stock - wobei Jonathan läuft, aber nur so, wie ER die Treppen laufen will. Und die Gefahr des Stürzens ist groß.

Ich drücke Dir sehr die Daumen, dass Deine Vorstellung doch irgendwie zu realisieren ist.

Einen lieben Gruß - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

Jonathans CFC-Syndrom + Unsere Vorstellung + https://www.facebook.com/CfcAngelDeutschland

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Beitragvon Petra B » 01.05.2005, 19:51

Hallo jessie,

genau das sage ich ja auch.
Kosten und Aufwand sind viel zu hoch. Allerdings bei einem Neubau würde ich die Variante des Aufzug gegenüber einem Treppenlift, wenn eben finanzierbar, den Vorrang geben.

Viele Grüße
Petra B

Jetzt interesseirt mich aber doch langsam, was Du beruflich machst. :P

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Beitragvon dieMeike » 01.05.2005, 20:01

Hallo Carly,

nein, zwingen kannst Du Deinem Vermieter nicht. Du könntest um sein Einverständnis bitten und das der anderen Mieter, denn diese müssen unter Umständen auf einige ihrer Wohnquadratmeter verzichten und die Baumassnahmen auf sich nehmen.

Die Kosten musst Du tragen und die Betriebs- und Folgekosten auch.

Umziehen ist in jedem Fall besser und billiger.. :)

Ein Innenaufzug über 3. Etagen im Altbau, kostet ca. 60.000 €, Baukosten.
Ein Aussenaufzug ist billiger, aber auf Grund städtebaulicher Auflagen (z.B. Denkmalschutz) fast nie machbar.

Gib doch einfach mal zum Spass bei google.de aufzug-nachrüstung ein.

Als Vemieter und aus der 3. Etage geschrieben... :)
dieMeike mit

der Große, an der Grenze zur leichten Schwerhörigkeit ADS und LRS

Der Kleine, Muskelhypoton,
unklare Genese, einseitiger HG Träger

"Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann."

Richard von Weizsäcker

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Beitragvon charly » 02.05.2005, 20:23

Hallo Zusammen,
vielen Dank für die Hinweise. Ich denke, bevor wir 60000€ für einen Fahrstuhl ausgeben, werden wir wohl eher ein eigenes Haus bauen.

Ganz lieben Dank an Euch

Gruß Charly

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Beitragvon Petra B » 03.05.2005, 09:13

Hallo charly,

genau das würde ich auch sagen, da ja diese 60.000,-- € nur die eine Hälfte der Rechnung ist und beim Rückbau später die 2. Hälfte folgt.

Es ist halt so die Sachen, dass auch nicht alles hilft was man erzwingen kann.
Abgesehen davon, muss man auch versuchen sich in die Lage des Vermieters zu versetzen. Was würdest Du davon halten, wenn ein Mieter deines Hauses solch einen Einriff auf dein Eigentum vorhätte. :?
Man muss auch hier die Sache von beiden Seiten betrachten.

Viele Grüße
Petra B


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