Absencen plus ADS plus Hochbegabung

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Erica
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Beitragvon Erica » 22.04.2005, 22:12

Hallo Susanne,
ich habe noch etwas vergessen..
Kann Lars sich denn gut konzentrieren, wenn ihn etwas wirklich interessiert??

Lena wirkt auf viele Menschen auch wie ein ADS-Kind, wenn sie nicht ausgelastet ist, aber da sie sich schon mit zwei Jahren eine dreiviertel Stunde auf eine Sache konzentrieren konnte, kann das kein ADS sein...
Wie ist das denn bei Euch?
Liebe Grüße
Erica
Mama von Lena (18 Jahre), Frühchen, occipitale Partialepilepsie/ Panayiotopoulos-Syndrom, Herzrhythmusstörungen, Z.n. Schädelbasisfraktur/ SHT/subduralem Hämatom/ Hämatotympanon im April 2006, räuml.-konstruktive Wahrnehmungsstörung, Gesichtsfelddefekte, etc

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silke
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Beitragvon silke » 23.04.2005, 09:58

Hallo Susanne,

ich kann dein Problem ebenfalls gut nachvollziehen... Derzeit betreue ich ein Kind mit einer recht ähnlichen Problematik...
M.E. ist das Kind sehr begabt, dabei aber auch sehr ablenkbar, hat dazu seit 1 Jahr noch nicht näher geklärte motorische TICS entwickelt--> Schütteln einer Hand, des Kopfes , oder auch ausgeprägtes Zittern der Beine. Eine Anfallsbereitschaft liegt lt. EEG nicht vor.
Das Kind wird in der Regelschule ausgegrenzt..., kommt im Schreibtempo wg. der TICS nicht mit, obwohl es bei MEHR ZEIT alles Schreiben könnte...
Die GS will es nun an die So-Schule für Lernhilfe haben, wo es vom Kopf her völlig unterfordert wäre........
WIR KÄMPFEN...ebenso auf der Suche nach den "richtigen Ansprechpartnern"...
Mit Erstaunen haben wir nun festgestellt, dass z.B. die AOK offenbar keine weiterführende Diagnostik bei Kindern (Testungen etc.) finanziert, was der Grund sein wird, dass keiner der bisherigen 4 Ärzte , die mit dem Fall befasst waren, da heran wollte (wären sie auf den Kosten selbst hängen geblieben.)
Nun haben wir nächste Woche einen Termin in einer entfernten Tagesklinik mit Einweisung -ich hoffe, endlich eine zufriedenstellende Diagnostik und daraus Therapieempfehlung zu erhalten.
Das Kind "krampft" sein 1 Jahr!!! Weder von Seiten der Schule noch von Seiten der Ärzte irgendetwas - keine Ergo, keine Medis - nix.....
An die bisherige Schule kann das Kind nicht zurück, sie haben es aufgegeben, letzte Bank, lassen es "sitzen" -buchstäblich........Die Neue Regelschule würde es erst nehmen, wenn die "so-päd. Ü" vom tisch wäre...
Wir hängen in der Luft...... ---> haben Kind nun erstmal "krank schreiben" lassen, Unterricht erhält es bei mir.
Der "Förderbedarf" wurde beantragt, weil angeblich Lehrgänge im Lesen und Schreiben nicht bestanden.
Das ist ein Witz, weil Kind liest und auch schreibt (in Schreibschrift)---und nun bei einer U mit der Hamburger Schreibprobe knapp unter dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe abschnitt.....- auf jeden Fall WEIT über dem Schnitt einer Sonderschule...

Rat nehmen wir gerne an!

Liebe Susanne, ist euer Sohn mal auf "Asperger" überprüft worden???

S.

marianne
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Beitragvon marianne » 23.04.2005, 12:26

Hallo Zusammen! Meine Anmerkung gleich wird hier keinem weiterhelfen, aber ich kann sie mir doch nicht verkneifen: Anscheinend wird in Deutschland von seiten der Entwicklungsdiagnostik und der Schulen nur unauffälligste Durchschnittlichkeit bei Kindern erwartet, gewollt und gefördert. Hochbegabte Kinder, die bei richtiger Förderung die Leistungseliten der Zukunft sein könnten, werden als unbequem pathologisiert, in die Verhaltensstörungen gelangweilt bzw. unterfordert und aus den Schulen geekelt. "Unter"durchschnittliche Kinder werden auch immer früher aus den Regelschulen herausgehalten. Was bleibt dort übrig? Durchschnittlichkeit! Und warum wundert man sich dann über PISA?

Lieber Gruß und mögen wir alle das Richtige dennoch für unsere Kinder erreichen. Marianne

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C.J.
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Beitragvon C.J. » 23.04.2005, 13:05

Hallo,
ich bin ja sonst stille Leserin, aber ich sehe extreme Parallelen zwischen deinem Sohn und mir als ich in dem Alter war.
Ich habe mir mit 3 einhalb lesen und schreiben beigebracht und mit 4 ein "Buch" (etwa 8 Seiten lang) geschrieben. Eingeschult wurde ich nicht frühzeitig weil ich "nie stillsitzen" konnte. Ich sprach, las und schrieb damals in zwei Sprachen fliessend.
Die erste Klasse langweilte mich sehr, zweite genauso (ebenfalls sehr grosse Klasse 26 Kinder), ich rannte oft im Klassenzimmer herum und musste auf den Schulhof gelassen werden mitten in Unterrichtszeit. Doch mit der Zeit wurde es dann interessanter, es kommen ja ständig neue Sachen dazu in der Schule und auch Zeug was man sich nicht selber audenken kann (multiplizieren, dividieren, etc...).
Ich habe im ersten und zweiten Schuljahr etwa 2 Monate jeweils gefehlt, wegen Familienproblemen und das machte mir und der Lehrerin nichts aus, im dritten Schuljahr hinkte ich leicht nach als ich nur ein paar Wochen nicht dabei war und musste auch mal sitzen und Zeugs echt lernen!
Ich wurde auf Hochbegabung getestet als ich so 7 war und es ergab "hochbegabt", ich wurde wieder getestet als ich 15 war und es ergab "sehr intelligent" aber nicht mehr hochbegabt. Ich weiss nicht ob sich so etwas legt mit der Zeit aber je mehr ich am Unterricht interessiert war desto weniger hibbelig war ich. Ich habe eine Klasse übersprungen dann zwischendurch und war dann bis zum Abi (mit 18) eine gute Schülerin, aber nicht die beste.
Ich weiss es gibt im Norden Deutschlands eine Schule für "hochbegabte" Kinder aber ich glaube erst ab Gymnasium, da werden die Kinder mehr so einzelnd angepasst gelehrt.
Was ich sagen will: bei mir hat sich die "Hochbegabung" und die "Hibbeligkeit" ausgewachsen sozusagen (bin immer noch sehr aktiv, kann mich jetzt aber konzentrieren) und nach ein paar schlimmeren Jahren für die Lehrer war ich dann eine OK Schülerin. Manchmal, nehme ich an, sind das eben Phasen oder so, vielleicht hilft ja ein wenig abwarten, deinen Sohn anders stimulieren (ich habe extra Mathe gemacht nachmittags schwereres, und dann eben noch spanisch gelernt). Ich bin aber keineswegs Experte, dachte nur vielleicht ist das ja bei euch auch so (tut mir leid, dass es jetzt so lang geworden ist!).
Liebe Grüsse, C.J.

Birgit-B.

Beitragvon Birgit-B. » 23.04.2005, 22:39

Hallo Susanne,

aber eine Epilepsie und auch ein ADS kann man doch behandeln! Das Kind muß doch erstmal Hilfe erhalten, bevor man es einfach von der Schule wirft. Ich verstehe diese Taktik unserer Schulen nicht. Die wollen anscheinend wirklich nur "einfache" Kinder. Aber wer ist schon einfach!

Was hat den der Arzt vorgeschlagen? Mein Sohn (6 Jahre) erhält seit seinem 3. Lebensjahr Ergotherapie, Logopädie und geht in einen Sprachheilkindergarten. Seit September/Oktober wird er mit Medikamenten (auf ADHS) behandelt und ich muß sagen er hat sich sehr gut entwickelt. Sicher ist es kein Allheilmittel, aber die Konzentrationsfähigkeit ist deutlich erhöht und dadurch kann er vieles besser einordnen und nimmt vieles auch anders wahr. Er soll jetzt im September in einer Regelschule eingeschult werden. Die Rektorin hat ihn getestet und sieht keine größeren Schwierigkeiten.

Vielleicht kann er irgendwann ja auch mal zeigen was in ihm steckt. Oft denkt man er könne nicht bis 3 zählen, dabei kennt er die Zahlen schon seit seinem 2. Lebensjahr und hat uns schon oft mit Wissen verblüfft. Aber wenn´s um die "Wurscht" geht sagt er einfach nichts und guckt nur :roll: .

Übrigens ist es ein Trugschluss dass sich ADS-Kinder überhaupt nicht konzentrieren könnten. Sie können sich sehr wohl auf für sie interessante Themen konzentrieren. Z.B. können die meisten sehr gut und ausgiebig mit dem Computer umgehen (unserer auch schon seit 1-2 Jahren). Bei uns lief monatelang das Bertelsmann Tierlexikon - jeden Tag eine halbe Stunde :wink: . Länger darf er nicht - würde er aber gerne.

Also was meint der Dr.?

Viele liebe Grüße,

Birgit

SISA
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Schule, Begabung und Handicaps

Beitragvon SISA » 05.05.2005, 10:54

Hallo Susanne!
Sarah = geistig fit = vorzeitig eingeschult = Gymnasium (ab Sommer)
Hier in Deutschland oft leider immer noch so, dass eine Körperbehinderung mit einer geistigen Behind. gleichgesetzt wird.
Du wirst viel boxen müssen, um Dein Kind optimal fördern zu können. lass Dich durch Rückschläge nicht entmutigen.
Sarah hat in der 3. Klasse zusätzlich noch stundenweise die 4. Klasse besucht. So konnte sie und wir schauen, ob sich ein Überspringen einer Klasse lohnt. Es hätte ihr auch den Übergang in eine neue Klasse erleichtert.
Wenn Du Deinen Sohnemann als I-Kind einstufen lässt, gibt es vom RP eine Kann-Bestimmung, dass die I-Klasse eine max. Grösse von soundso vielen Kindern haben darf. Ggfls die Landesbestimmungen abchecken und dann einfordern.
Jetzt in der 4. Klasse besucht Sarah noch freiwillig einen Mathekurs für die 4. und 5. Klasse. So hat sie auch da schon die Möglichkeit neue Schüler kennenzulernen - und die Neuen, sich an Sarah, was Sprache und Laufoptik betrifft zu gewöhnen.
Frag einfachmal, ob es solche Möglichkeiten nicht auch bei Euch gibt.
@ Silke: Auch Sarah kommt vom Schreibtempo wegen der ICP nicht mit, durch den I-Platz hat sie aber mehr Zeit. Die I-Lehrerin setzt sie während der Klassenarbeiten in einen separaten Raum, da kann sie dann in die Pause hineinschreiben.
Bei uns hiess nicht gleich, als Sarah den I-Platz hatte, dass sie auch so gefördert wurde und wird, wie sie es braucht. Es hiess vielmehr, dass sie den Anspruch darauf hat und wir Eltern immer wieder auf der Matte stehen mussten, um ihn zu bekommen.
Dieses Jahr befinde ich mich im ständigen Dialog mit Behörden, w e i l Sarah auf das Gymnasium will.

Lieben Gruss
Silke :lol:

dana68
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Kiss

Beitragvon dana68 » 05.05.2005, 23:05

Hallo,

mein Sohn wurde mit 8 Jahren vom Kinderpsychiater als ADS-Kind diagnostiziert.
Er ist hochbegabt und hatte trotzdem Lernschwierigkeiten aufgrund
von Ablenkbarkeit, Konzentrationsproblemen und Träumen.
Er ist auch völlig unorganisiert. Letztes Jahr kam ich dann zufällig auf die
Seite:www.kiss-kid.de und plötzlich erkannte ich mein Kind wieder, auch seine Säuglingszeit war sehr charakteristisch.
Ein unerkanntes Kiss führt oft zu ADS Problemen. Bei den Kindern findet man auch nicht integrierte frühkindliche Reflexe.
Wir suchten uns einen guten Orthopäden (300km einfache Strecke) und
er bestätigte die Diagnose. Mein Sohn macht seitdem Therapie zur
Reflexhemmung und man sieht endlich Fortschritte. Über die Diagnose
ADS kann ich mittlerweile nur noch den Kopf schütteln.
LG Dana
S. geb. 09 (Atyp. Autismus und ADHS)
J. geb. 10 ( ADHS)

anjash
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Beitragvon anjash » 16.05.2005, 17:14

Hallo Susanne,
bei meiner "Grossen", fast 3 Jahre mit Blepharophimose-Syndrom besteht seit einem halben Jahr der "Verdacht auf Hochbegabung". Daher bin ich auf dieses Forum hier gestossen:

http://www.kaskade.org/

Forum zur Förderung hochbegabter Kinder. Hier dreht sich sehr viel um das Thema Schule, Förderung etc. Schau mal rein, die Leute haben da viel Erfahrung.
Auf dieser Seite wurde auch auf ein Forum zum speziell zum Thema HB mit ADS verwiesen:

http://www.eigen-sinn.homepage.t-online.de/home.htm

Gruß, Anjash

Susanne K
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Beitragvon Susanne K » 16.05.2005, 18:06

Hallo Ihr Lieben,

war leider für zwei Wochen mit unserem jüngsten Sohn in der Uniklinik Tübingen, habe deshalb eure Nachrichten nicht gelesen, bin aber ehrlich gerührt, wie ihr Anteil nehmt.
Nun unser Süßer hat seine Probleme immer noch, es gestaltet sich sehr schwierig Hilfe für ihn zu bekommen.
Sein Neurologe meint, eine Wiederholung der dritten Klasse wäre eine Katastrophe für unseren Sohn, da er sich einfach langweile, die Lehrer meinen er wäre überfordert, da er das Tempo der Klasse nicht mitmache.
Meiner Meinung und Beobachtung nach, ist er bei der Einführung von neuem Stoff Feuer und Flammme, aber spätestens am dritten Tag beginnt er sich zu langweilen,
dann schaltet er einfach ab, man wundert sich nur wie rasch er immer wieder den Faden findet, sich einfach wieder einklinkt.
Die Lehrer haben einfach nicht begriffen, das die Absencen nun so halbwegs im Griff sind, das unser Sohn zum einen aus Langeweile wegträumt, vor allem aber
extrem leicht ablenkbar ist.
Ich bin mir nicht sicher ob ich einer Testung durch eine Sonderschullehrerin zustimmen soll, zum einen sehe ich nicht ein mein Kind laufend irgendwelchen Tests zu unterziehen, nur weil man meint die Heilpädagogin hätte es nicht richtig gemacht, zum anderen besteht immer noch das Risiko einer Absence wärend des Tests, was ja mit Sicherheit ein verfälschtes Ergebnis bewirken würde.
Obendrein vermute ich das sich unser Sohn bei einer Wiederholung des Test nur langweilen würde und dann einfach die Mitarbeit verweigert.

Noch bin ich mir nicht ganz sicher was ich machen soll, aber es wird sich sicher noch ein guter Weg finden.

Ich gebe nicht auf, schon gar nicht, weil mir bewußt ist das ich noch weitere Kinder in diese Schule einschulen muß, das kann sowie so noch heiter werden, eines hat schweres Asthma, ist zu klein für sein Alter aber kognitiv bereits jetzt schon Schulreif, ist aber erst kurz vor seinem fünften Geburtstag, das nächste hat einen
Hirnschaden, laut MRT-Befund dürfte es nicht laufen können, tut es aber doch,
spielt mit Leidenschaft Fußball und hat gerade entdeckt, wie viel Spaß es macht
einen Ball zu dribbeln.

Ihr seht wir sind die reinsten Stehaufmännchen, wir lassen uns einfach keine Schablone überstreifen.

Erst mal liebe Grüße

Susanne

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silke
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Beitragvon silke » 16.05.2005, 20:38

Nein, bitte keine Überprüfung auf sonderpäd. Förderbedarf............

Bei uns sollen solche Anträge nur dann gestellt werden, wenn einigermaßen sicher ist, dass für das Kind auch ein Fö-Bedarf wahrscheinlich ist...

Auch reines ADS (und in der Folge Lernschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten) kann im Einzelfall zur Überstellung an die Förderschule "Lernen" (oder Erziehungshilfe) führen.........

Wenn ein solcher Antrag und Überprfg. erstmal läuft, hast du nicht mehr in der Hand, was da am Ende herauskommt.........

Einen solchen Fall begleite ich gerade...und versuche, das Schlimmste zu verhindern... (das Kind ist nicht lernbehindert und ganz normal intelligent...- wäre an einer Förderschule Lernen -für lernbehinderte Kinder- wirklich fehl am Platze)

LG silke


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