Wie geht ihr damit um, wenn euer Kind angestarrt wird?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Silke S
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Wie geht ihr damit um, wenn euer Kind angestarrt wird?

Beitragvon Silke S » 19.04.2005, 15:18

Hallo,

ich bin traurig und wütend wenn ich sehe, wie die Leute meinem Marvin hinterherschauen, teilweise lachen oder ungläubig den Kopf schütteln. Ich bin vor allem wütend, wenn Marvin glücklich lachend durch die Gegend läuft und die Leute den kleinen Kerl anstarren, weil er auf Zehenspitzen läuft mit nach innen gedrehten Beinen. Er hat halt einen sehr stark vorgewölbten Bauch und ein enormes Hohlkreuz und manchmal wenn er rennt, dann sieht es aus als würde er den Boden gar nicht berühren, als würde er fliegen. Aber ich kann nicht damit umgehen, wenn die Leute über ihn lachen. Letztes Jahr im Schwimmbad kam uns eine Frau mit zwei Jungs entgegen, die Marvin sahen und lachten und die Frau lachte dann auch und sagte:"ja, ein laufendes Fragezeichen". Ich war so wütend, dass ich sie am liebsten ins Wasser geschubst hätte und in diesem Moment fehlen mir dann immer die Worte. Manchmal, wenn die Leute stehen bleiben und gucken, dann frage ich sie:"soll ich ihn nochmal vorführen, soll er nochmal um Sie herumlaufen"?
Ich habe einfach nur Angst vor dem Tag, an dem Marvin seine Unbekümmertheit verliert und sich nicht mehr traut, vor allen Leuten zu der Musik zu tanzen, was er so gerne macht. Ich habe Angst davor, wenn er in die Schule kommt und wenn er dann vielleicht öfters mal weinend nach Hause kommt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Marvin stärker ist als ich, wenn er z.B. nach dem Spielplatz sagt:"Mit dem Lukas mag ich nicht meht spielen, der rennt immer so weit weg und das schaffe ich nicht". Für ihn ist das Thema dann erst mal erledigt, aber ich ´habe ihn auf dem Spielplatz gesehen und mir tut es in der Seele weh wenn ich sehe, wie er versucht mitzuhalten, dann aber aufgeben muss. Dann frage ich mich manchmal,ist es für mich schlimmer als für ihn? Das kann ja nicht sein, denn ich muss ihn doch stärken. Ich muss ihn auch beruhigen wenn er wütend wird und schreit:"siehst Du, ich falle immer hin".
Und dann immer wieder die Sache mit den Leuten, die so gucken und Marvin, der noch nicht merkt, dass er die Lach-oder Mitleidsnummer ist wenn er strahlend durch die Gegend rennt. Und ich glaube das ist das, wovor ich am meisten Angst habe: dass er merkt, dass die Leute über ihn lachen und er dann seine Fröhlichkeit verliert oder dann gar nicht mehr laufen will.
Wie geht Ihr damit um, wenn die Leute Euer Kind anstarren? Geht Ihr darüber hinweg? Ich kann es nicht, aber ich hoffe, dass ich irgendwann ein bisschen lockerer werde

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wiebke
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Beitragvon wiebke » 19.04.2005, 15:32

Hallo Silke, da kann ich dich gut verstehen! Auch mir ging es in den ersten Jahren mit Bent so: ein Schwanken zwischen Wut und Verzweiflung...Diese Blicke! Oft hab ich wütend reagiert und die Leute schon sehr böse angeschaut oder auch angesprochen: "Keine Angst!Ist nur ein Kind!!!" Oder "Haben Sie vielleicht eine Frage?" Mit der Zeit hab ich aber auch -und manchmal sogar bei den eben erwähnten Stiationen-positive und durchaus einfühlsame Begegnungen gehabt. Mittlerweile suche ich nur noch nach netten Blickkontakten (u.evtl. dann mehr),d.h.
ich fixiere die Menschen die uns begegnen und versuche zu zeigen, wie glücklich und stolz ich auf mein Kind bin, sprech mit Bent, streichel ihn über den Kopf, lächle... Ich glaube dass die meisten Menschen nicht wirklich negativ eingestellt sind, eher gedankenlos... Ich weiß nicht wie alt dein Kleiner ist, aber ich bin mir sicher ihr findet einen Weg mit der Zeit.
Ganz lieben Gruß von Wiebke
Wiebke Hindmarsh
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Bent 1.6.1993 - 11.8.2007 (MPS IIIA)

Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.
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Beitragvon jessie » 19.04.2005, 15:44

hallo

wir kennen dieses problem auch sehr gut, wir ziehen aufgrund des äußeren sowie weil er nicht laufen kann, eine menge aufsehen nach uns. natürlich weiß ich, daß man sich ganz unbewußt verwundert nach menschen umsieht, die anders sind, aber wenn ich merke, das mein kind mal wieder zur attraktion wird, , bleibt uns nichts anderes übrig, als die leute, die ganz ungeniert auf unser kind starren als gaffer anzusehen, sie anzulächeln oder zu fragen: "Mein Kind ist behindert, kann ich Ihnen helfen?" Die meisten stammeln dann eine Entschuldigung und verschwinden ganz schnell. oftmals starre ich auch zurück, irgentwas findet man ja immer, große oberweite, dicke nase....das merken die meisten auch, wenn man sie auf diese art "angreift". wir machen und dadurch das leben erheblich leichter. früher hat mich das immer traurig gemacht, aber da ich sehr stolz auf meinen sohn bin, und ihm auch die welt zeigen will, mußte ich irgenteinen weg finden, und die konfrontation war für mich der richtige. allerdings hat das auch recht lange gedauert, bis ich diesen weg eingeschlagen hatte, und mich dazu überwinden konnte.

gruß jessie
"wir können die kinder nach unserem sinne nicht formen. so wie gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben, sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren." (j.w. von Goethe)

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Julia
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Beitragvon Julia » 19.04.2005, 17:30

Hi!

Ich möchte dazu doch gerade auch mal mein Annekdötchen erzählen, da es gerade so gut passt zum Thema "andere machen sich über behinderte Kinder lustig".

Ich habe ja nun einen ganz anderen Bezug zu unseren Kindern als Eltern.
Mit dem Starren komme ich daher gut klar, je nach Laune reagiere ich dann halt so oder so.
Habe richtig positive Erfahrung gemacht, gerade jetzt vor kurzem in Köln im Zoo, richtig lustige (Frau mit Einkauftaschen flog mitten in der Stadt über ein hervorstehendes Stück Kopfsteinpflaster, weil sie uns überholen und dabei umsehen musste), richtig dämliche und unfreundliche und teils auch ordentlich dumm-böse...

Im Schwimmbad am Samstag - eine Freundin und ich waren mit zwei Kids dort - lief einer unserer Jungs, mittlerweile 14 Jahre alt und äußerlich auffällig auch wenn nicht besonders anders, durch das Wasser hinter einer Gruppe etwa 15jähriger Jugendlicher her (2 Mädels und mehr Jungs) die spielten Ball und lachten viel und bespritzten sich gegenseitig mit Wasser.
Das fand er halt lustig und lief - wenn auch mit Abstand, da er ja doch nicht so weit von uns weg wollte - absolut nicht störend hinterher und freute sich mit.

Irgendwann schaufelte er leicht auch ein bisschen Wasser vor sich her und da fingen die Jungs (die Mädels kicherten nur) an ihn zu verarschen, hielten ihm den Ball hin, nahmen ihn wieder weg bevor er ihn nehmen konnte, spritzten so, dass er sich schüttelte und das Wasser aus den Augen rieb, kicherten, flüsterten und sagten sowas wie "Guck mal, wie behindert der ist."
Er fand das immernoch sehr lustig, dachte wohl, dass sie mit ihm spielen (zum Glück) lief immer weiter weg hinter dem Ball her und freute sich, wenn er nassgespritzt wurde.

Solche Momente haben wir mit fitteren Kindern auf dem Spielplatz zu Hauf.
Unsere Kinder denken, dass die anderen Kinder fangen mit ihnen spielen, und freuen sich, wenn sie vor ihnen weglaufen wie vor Hunden.
Ein Kind hat sogar mal sein Brot weggeworfen und die Beine in die Hand genommen, als unser Kleinster auf ihn zusteuerte und "Hamm?" fragte...dabei war der sogar noch größer als unser Stöpsel! (Das habe ich ja als Kind auch gemacht, wenn im Wildpark die verfressenen Ziegen angerannt kamen...)

Und solche Momente sind auch Momente die mich manchmal wirklich nachdenklich machen und betroffen...unsere Kinder sind noch unbefangen - werden es wahrscheinlich zum größten Teil auch bleiben - aber eben vielleicht nicht alle.

Ich habe mittlerweile oft beobachtet, dass Jugendliche - teilweise noch Kinder, teilweise sogar noch bis in mein Alter - sich über unsere Kinder deutlich lustig machen und das empfinde ich ebenfalls als ziemlich verletztend.

Auf der anderen Seite, noch ein weiteres Anekdötchen, in dem ich auch mitlachen musste, auch wenn's nicht so ganz angemessen war:
Ich war mit einer Gruppe Eis essen und habe mit unseren acht Kindern vor dem Eisladen gesessen und gewartet bis meine zwei Kolleginnen mit dem Eis rauskamen.
Einer unserer Jungs ist dann ein bisschen von uns weggegangen, soll er ruhig.
Außerdem wurde es doch ein bisschen stressig, alle Kinder wurden unruhig und ich habe ihm den Rücken zugewendet.
Das ist ein Junge der relativ viel lautiert und plötzlich höre ich ihn hocherfreut "tut-tut-tut-tuuuuuuut" rufen...da läuft der Kerl doch lachend und mit dem Finger zeigend neben einem älteren Herrn her, der verzweifelt versucht mit seinem E-Wagen (als kein so richtiger E-Rolli sondern so ein anderes Dingens halt was einige ältere Menschen fahren, mit Lenkstange) zu entkommen.
Er hatte zwar nur Spaß an diesem Wagen, kennt er "sowas" doch von Indoorspielplätzen :roll: und liebt "Autos" über alles und hat den Mann nicht im klassischen Sinne ausgelacht sondern sich mit ihm über das tolle Gefährt gefreut...
...da musste ich leider auch erst lachen, was dem Mann bestimmt auch nicht gefallen hat bevor ich mich entschuldigen und unseren Jungen zu mir zurück rufen konnte.

Und noch was anderes.
In unmittelbarer Umgebung ist noch ein weiteres (großes) Kinderheim mit einem Haus mit ebenfalls schwerstmehrfachbehinderten Kindern.
Eine Gruppe dieses Hauses war im McDonald's (im gleichem Ort) eingekehrt in dem ich auch war. So und da saß ich halt nichtsahnend auf meinem Platz herum und werde da von den Leuten angepöbelt, was ich so starren würde - Unverschämtheit! :shock:
Ich war wirklich baff, erstens deren (die waren so alt wie ich, wenn überhaupt jünger) Art wie die mich plötzlich von der Seite anblafften, die ich gar nicht gemerkt hatte, dass sich da sowas nähert und dann noch dass ich beim besten Willen nicht gestarrt hatte!

Ich habe mich halt eben umgeschaut, wie ich mich auch sonst so umschaue, habe sowohl deren Kinder als auch die selber als auch die anderen Leute angeschaut; ich habe nicht mal Grund zum Starren, kennt man die Kinder doch vom Sehen, sind wir doch eh immer auf den gleichen Schulen, Veranstaltungen...muss mir da nichts neues anschauen...:twisted:

Julia

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Beitragvon Helmut » 19.04.2005, 17:49

Hallo Silke,

ich hab selbst.. ohne Sonja.. einige Übung im angegafft und ausgelacht werden. Zum einen bin ich "sehr ziehrlich" gebaut... fast..1m breit, 2m groß, 3 z. schwer. Dazu kommt, das ich vor 2 Jahren zum Huträger geworden bin, und draußen meistens einen großen "Cowboyhut" auf habe. ( Nicht weil ich einen Cowboysplin hab, sondern weil solche Hüte einfach den besten Wetter- und, "ärztlich verordneten" Sonnenschutz bieten, und solche (teuren) Hüte, wegen meiner Übergröße, die "billigeste" Lösung dafür sind. Allein deswegen stehen immer wieder Leute mit offenem Mund und Stielaugen rum, wenn ich allein unterwegs bin.

Wenn ich mit Sonja unterwegs bin, ist das um einiges schlimmer. Da muß man insgesamt einfach drüber wegzusehen lernen....oder sich Flotte Sprüche einfallen lassen, die man laut sagt... oder sich denkt. "Wat is dat für ein armes Wesen, dat uns so angaffen muß.. gibt et nicht genug ander Schönheiten zum Angaffen ? An guten Tagen gehe ich schon mal "wie ein Clown" auf die schlimmsten zu, stell mich daneben, und versuch zu ergründen was es da zu Glotzen gibt....Zum dem Spruch mit dem laufenden Fragezeichen fällt mir spontan die Frage ein, wie die wohl lachen würden, wenn die sich selbst da stehen sehen könnten... . Oder man Fragt, warum man so angegafft wird... Wie hab ich was an der Nase, oder in den Harren... Nein ? Sie glotzen nur, weil ich anders bin als Sie ?... Uiiii... da fällt mir aber ein Stein vom Herzen (.... weil ich anders bin als der Gaffer )

Besonders wenn man befürchtet, das das behinderte Kind durch die Gaffer seine Unbefangenheit verlieren könnte, ist wichtig, das man selber locker bleibt, wenn man angegafft wird, und sich möglichst nicht angegriffen, sondern allenfalls "spaßig" darauf reagiert. Reagiert man agressiev, könnte das Kind im spiel mit anderen genau so reagieren, den kürzeren ziehen...und die Lust am Kontakt mit anderen verlieren. Um so lockerer wie man selber bleibt, wenn man angegaft wird, um so weniger besteht die Gefahr, das das Kind sich dadurch belästigt fühlt. Wenn das Kind selber fragt, warum die so kucken, sollte man das ehrlich beantworten... Sowas wie uns haben die wohl noch nicht gesehen... Sollen wir man hin gehen, und fragen, ob wir uns umdrehen sollen, damit er uns von allen seiten sehen kann.... Wenn man das so laut sagt, das der Gaffer es hören kann... ist er sicher weg, wenn mann losgehen will.. ;-)

:-) Helmut
Vater von Sonja, 22.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung. Schwerstmehrfachbehindert.

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Beitragvon Petra B » 19.04.2005, 18:24

Julia hat geschrieben:Hi!

Ich habe mittlerweile oft beobachtet, dass Jugendliche - teilweise noch Kinder, teilweise sogar noch bis in mein Alter - sich über unsere Kinder deutlich lustig machen und das empfinde ich ebenfalls als ziemlich verletztend.



In der Schule war es eine zeitlang "in" behindert als Schimpfwort zu benutzen. :x
Meine Tochter kam einige Male total sauer nach hause und schimpfte darüber, dass die doch alle keine Ahnung hätte, was das bedeutet.

So ist es doch auch, auch die stehen und gaffen haben keine Ahnung worum es geht.

Wenn wir mit Manuel mit dem Rollfiets unterwegs sind bleiben oft die Leute verdutzt stehen und sehen uns mit offenem Mund nach. Es ist köstlich sich das anzusehen :lol: . Unser Mittlerer fuhr bis vor kurzem fast immer das Rollfiets und wir folgten in etwas Abstand.
So haben wir aber auch mitbekommen, wie viele positiv reagierten.

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Beitragvon Ela74 » 19.04.2005, 18:39

So ganz kann ich das mit den ständig negativen erfahrungen auch nicht bestätigen. Klar gucken einem die Leute schonmal hinterher, aber das ist ja auch völlig normal. Wenn ich ehrlich bin, und ich denke das geht den meisten so, dann schaue ich ja auch, wenn auch nicht wirklich bewußt, etwas länger hin, wenn etwas für mich merkwürdig ausschaut und das tun unsere Kinder wohl. Böse, bissige Bemerkungen sind aber ehr die Seltenheit. Kinder kommen ehr und fragen, wieso er so komisch ist. Bei Erwachsenen fällt er zwangsläufig auf, da er die tolle Angewohnheit hat hier und da Passanten einfach festzuhalten. Der erste Blick ist dann natürlich erstmal böse und erschreckt, denn die meisten fürchten da wohl um ihre Handtasche, aber wenn sie dann das strahlende Kerlchen vor sich sehen, müssen die meisten lachen oder versuchen ihn zu überreden doch bitte mal los zu lassen. Die reaktionen bei meinem eigentlich gesundem Kind mit starker neurodermitis sind da viel schlimmer. Da bin ich auch mal hinter meinem Sohn mit Papa her gegangen und genau neben mir sagte dann eine Frau: hast du das Kind grad gesehen...wie ekelig!
Ich bin übrigens kein Freund von solchen bemerkungen wie: "Haben sie noch nie ein Kind gesehen" Meiner Meinung nach ruft das nur wieder negativ reaktionen hervor und das ist ja nicht, was ich erreichen will.
Ela (Bj.74) mit Marvin (09/97, CP, geistige Behinderung, fehlende Sprache, Epilepsie, Neurodermitis) und Felix (10/01 ADS?, Neurodermitis) und Gordian Andrin 10/09 und Aurelian 8/11

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Beitragvon Angelika74 » 19.04.2005, 19:11

hallöchen,

ich habe eine körperbehinderte freundin. durch ihre krankheit ist sie relativ klein und läuft an zwei stöcken. sie ist ein super lebensfroher mensch und an ihr könnte sich manch unbehinderter eine große scheibe selbstbewußtsein abschneiden. sie geht mit ihrer behinderung sehr locker um, selbst scherze (spielt dabei aber auch immer eine rolle, wer sie macht...)steckt sie locker weg. wir studieren gemeinsam und sie meint, der einzige nachteil wäre ihr großer "erinnerungswert", wenn sie bei einer vorlesung fehlt, fällt es immer auf :lol:
ich habe sie mal gefragt, was sie als schlimmer empfinden würde, eine körperliche oder eine geistige behinderung. sie meint, als kind wäre es ihr manchmal lieber gewesen, sie wäre geistig behindert, um die sprüche und blicke der mitmenschen nicht so mitbekommen zu müssen :?
Sohn 02.02 starke glob. Entwicklungsverzg., hypotoner Muskelt., Wahrnehmungsst.,syndrom.Autismus,keine Spracheunsere Vorstellung
"DAS LEBEN IST WIE EIN REGENBOGEN! MAN BRAUCHT REGEN UND SONNE UM DIE FARBEN ZU SEHEN!"

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Beitragvon JudyBlfd » 20.04.2005, 12:28

Hallöchen..
genau das " mit bekommen" ist auch unser Problem.
Laura hat zwar unter anderem éine leichte geistige Behinderung, (entwicklungsretadierung) aber ist trotzdem sehr Klar. Sie ist jetzt in einem alter, wo sie bemerkt das sie " anders" ist als andere.
Das Starren geht mir auch total auf den Keks, denn wenn sie läuft oder besonders aufgeregt ist ( was eigentlich immer der Fall ist da es immer so aufregende Dinge zu sehen und zu hören gibt ) bemerkt man erst richtig, das mit Laura etwas "nicht stimmt". Ich habe oft entweder bewusst weg geschaut , wenn das Gaffen anfing, oder auch mal gefragt ob diese Personen noch nie ein behindertes Kind gesehen haben. Meist starre ich aber einfach zurück. Jemanden direkt in die Augen zu sehen, wirkt richtig gut. Denn fast niemand hällt so einem Blick stand.
Ich habe letztens eine kleine Gruppe besonderer Kinder plus Betreuer beim Einkaufen gesehen und bin nach einem kurzen Blick zum Betreuer gegangen und habe ihn gefragt ob sie aus der Albatros Schule sind. Er freute sich und erzählte mir das sie ab und zu wärend ein Teil der Klasse bei der Reittherapie ist, einfach mal einkaufen gehen und diese Dinge üben.
Ich fand das ganz klasse.
Und noch besser fände ich es, wenn diese "Gaffer" (aus welchem Grund sie es auch tun , obs Unsicherheit oder Schaulust ist) einfach mal auf uns zu gehen und fragen.
Denn wer fragt, muss später nicht mehr gaffen. :wink:
Herzlichst Eure Judy mit L.*99 Frühchen 28 SSW, spastische Diplegie, Entw. verzögert, eingeschr. Körperwahrnehmung,
Plexusparese li Oberarm

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ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 20.04.2005, 15:21

Hallo,
bisher sind uns diese Gaffer mit blöden Sprüchen Gott sei Dank erspart geblieben. Das liegt wohl daran, dass Maya durchaus noch in einem Alter ist, in dem andere auch noch Kinderwagen liegen.... nur halt nicht mit Wintersack bei Frühlingstemperaturen.....Letztens hatte ich einen Todesblick zugeworfen bekommen - von 2 älteren Frauen. Sie schüttelten den Kopf, schauten immer wieder zu mir - dann zu Maya.... das arme Kind - wird auch noch gekocht!!! Ich musste schmunzeln... gesagt habe ich noch nichts, aber ich bereite mich schon seelich darauf vor.....

LIebe Grüße und Kopf hoch an alle, die es an Tagen trifft an denen man eh nicht so dolle drau ist

Myri


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