Wie geht ihr damit um, wenn euer Kind angestarrt wird?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Petra 13
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Beitragvon Petra 13 » 28.01.2006, 20:07

Unsere Diana wurde auch immer sehr skeptisch betrachtet.
Wir waren mal im Kaufhaus und ein Mann fragte mich ganz entrüstet, warum ich sie denn angebunden hätte - sie lief vornedraus mit Sauerstoffschlauch und ich hinterher.
Ich sagte dann zu ihm, er solle erst mal richtig gucken .
Ich war nur froh, daß sie das nicht verstanden hatte.

Petra
Petra(´65) und Arno(´55) mit Mario(´89):ADS, 2 kleinen Sternenjungs (19. und 20.SSW) und unseren Vollzeitpflegekindern Sissi(´98): Sprachbehinderung, emotionale Störung mit Ängsten,Wahrnehmungsstörung, Lernbehinderung; Zwilling Diana(´98): Sternenkind seit Juli 05 und Stefan(´00): Epilepsie, Entwicklungsverz.,Wahrnehmungsstörung

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Beitragvon Ange » 04.02.2006, 21:21

Ich hatte die Woche auch ein Erlebnis, über das ich mich im ersten Moment ziemlich geärgert hab.
Ich hab mit Sophie rumgetollt, wir waren in einem Schwimmbad, und sie lag mit mir auf der Liege und hat gekuschelt und gebrabbelt...
Eine Nachbarin fand sie anscheinend ganz süss und meinte nach einiger Zeit: "Wie alt ist denn die Kleine?" Als ich gesagt hab: 20 Monate" sind ihr fast die Augen rausgefallen (wie in einem Comic) und sie meinte völlig verdattert: "20 Monate?! Und dann läuft sie noch nicht?!?"

Die war so perplex, das hat irgendwie nicht in ihre heile Welt gepasst... Als ob Sophie vom Mond käme...

LG Angela
Sophie (05/04), gb; Grouchy I-Syndrom (= Mikrodeletion 18p Minus" (18p 11.31)) - voller Lebensfreude; Bruder 1 (03/07); Bruder 2 (05/10)

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Beitragvon Sabine » 04.02.2006, 22:23

Hallo Angela,

und was hast du darauf geantwortet?
Bei uns erübrigen sich die Fragen inzwischen, weil man JP inzwischen ansieht, dass er behindert ist. Da er aber ganz "normal" aussieht, werden wir eigentlich nicht groß angestarrt. Sicher, es wird schon geguckt, denn ein behindertes Kind sieht "man" halt doch nicht alle Tage. JP ist nun mal schon vier Jahre alt, sitzt im Buggy, lautiert, fuchtelt herum und man muss ihm ständig die Schnute abwischen. Da riskieren "die Leute" dann schon einen Blick mehr... Aber so richtig angestarrt werden wir eigentlich nicht.
Und hier im Dorf sind wir ohnehin schon "langweilig" geworden, weil uns jeder kennt und der Anblick von JP nichts besonderes mehr ist.
Es gibt übrigens auch normal entwickelte Kinder, die erst mit knapp zwei Jahren laufen... verstehe das Erstaunen dieser Frau nicht ganz...

Lieben Gruß
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Beitragvon Ange » 04.02.2006, 23:21

Hallo Sabine,

hab gar nichts gross geantwortet, nur "nein, sie läuft noch nicht". Und mich dann wieder meiner Tochter zugewendet, als ob nichts gewesen wäre...
Der anderen Frau war das alles irgendwie unangenehm, sie hat versucht noch ein Späßchen mit Sophie zu machen, als ob sie was gut machen müsste...
Hab danach mit meinen Eltern drüber gesprochen, daß mich das schon ziemlich geärgert hat, die meinten, daß das sicher nicht böse gemeint war und ich mir da einfach eine dickere Haut zu legen müsste - einfacher gesagt als getan...
Wegen Deiner Anmerkung, daß übrigens manchmal auch normal entwickelte tw. erst mit 2 Jahren laufen lernen - ich selbst bin ja auch so eine ... :wink:

LG Angela
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Beitragvon benni » 04.02.2006, 23:33

Hallo Angela,

ich finde auch nichts besonderes daran, meine gesunde Nichte konnte auch erst mit 18 Monaten laufen. Mit Benjamin stehen wir fast immer im Blickpunkt, er sitzt ganz selten nur ruhig im Rolli, fuchtelt rum, lautiert , lacht laut , jammert knatschig ... Meist gucke ich den " Gaffern " direkt in die Augen und vielen ist es dann peinlich , bei manchen häufig älteren Menschen hat man wirklich das Gefühl als hätten sie noch nie ein beh. Kind im Rolli gesehen. Manche verdrehen sich derart den Hals, darüber kann man sich an schlechten Tagen schon ärgern , aber je älter er wird destso mehr steht man im Blickpunkt, damit müssen wir leben. Wenn einige meinen sich dermaßen auffällig nach ihm umdrehen zu müssen oder gar stehen zu bleiben , drehen wir uns auch auffällig um und das wirkt meist.
Wenn wir zufällig eine Familie mit einem ebenfalls beh. Kind sehen , gucken wir zwar auch hin, aber nicht um zu gaffen , sondern meist interessiert mich was sie für einen Rolli... haben, manchmal ergibt sich auch ein Gespräch.
Ja das dicke Fell anzulegen ist nicht einfach , aber wohl wirklich notwendig.

L.G.

Anja
Anja mit Benjamin 03/97- schwere Mehrfachbehinderung wahrscheinlich durch 6- fach-Impfung, Muskelhypotonie,Wahrnehmungsstörungen/aut. Züge, Grand-mal-Epilepsie, Skoliose, Gastrotube, Tracheostoma, Sondennahrung
Benjamin hat 1 grossen und 3 kleine Brüder

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Beitragvon Sabine » 05.02.2006, 08:07

Hallo Angela,

die Reaktion dieser Frau ist mir nach wie vor unverständlich... :?
Leider hat Anja Recht - je älter unsere Kinder werden, umso eher sieht man ihnen an, dass sie nicht "normal" sind. Und je auffälliger sie aussehen und sich benehmen, umso schlimmer ist dann das Starren...

Lieben Gruß
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Beitragvon Susanne X » 05.02.2006, 11:22

Wie geht es euch denn selber, wenn ihr ohne euer besonderes Kind unterwegs seid und auf besondere Menschen trefft. Wie verhält man sich denn da?

Klar, ich versuche zu helfen, Tür aufhalten oder sowas und ich würde auch eingreifen, wenn blöde Anmache kommt, hab ich auch schon gemacht. (ab und zu streit ich mich ganz gern mal rum....) Aber ich habe auch Berührungsängste, geb ich zu. Mich hat neulich mal ein Mädchen mit einer Trisomie 21 angesprochen und mich zugequasselt, erst war es ganz nett, denn wurde sie mir ziemlich lästig in ihrer Art.... Keine schöne Reaktion von mir... *schäm*


Aber ich denk mir oft: Was ist denn richtig:

Hinschauen - kann als Starren ausgelegt werden: falsch!
Bewusst nicht hinschauen? - kann als Verlegenheit, Berührungsangst und Ausgrenzung ausgelegt werden, auch falsch!

Über blöde Bemerkungen braucht man nicht reden, klar.
Aber auch nette bemerkungen können nerven (Mich jedenfalls), weil ich nicht dauernd Hinz und Kunz indiskrete Fragen beantworten mag.

Und Ignorieren find ich auch schlimm und unangemessen, weil ich da wwieder das gefühl hab, dass mein Tochter in ihrem besonderen Schicksal nicht gewürdigt wird....


Wenn ich mit meiner Tochter unterwegs bin, mag ich eigentlich keine der Varianten - man kann es mir nciht Recht machen.... (Außer ich bin grade super ausgeglichen und im Reinen mit mir - oooooommmm ;) ) Ich lese in den Blicken der Leute meistens Mitleid (im Sinn von: Wie schreckich, GsD sind meine Kinder gesund!), manchmal auch Irritation, wenn Sonja hustet, was durch ihr Tracheostoma oft komisch klingt oder viel speichelt. Beides tut mir weh und die Blicke legen meinen Kummer frei. Ich hasse das - aber es hat eigentlich wenig mit den Reaktionen der anderen zu tun, sondern mit meiner eigenen Seelenverfassung.

Also: Gibt es das: Die "richtige" Reaktion auf behinderte Menschen?

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Beitragvon Susanna » 05.02.2006, 18:17

Die "richtige" Reaktion auf behinderte Menschen?
Hmm, darüber mache ich mir keine Gedanken.
Ich reagiere genauso wie auf andere Menschen auch.
Wenn sich ein Gespräch ergibt ist es sehr schön, wenn nicht, frage ich nicht extra nach.
Bin eigentlich immer recht aufmerksam , sozusagen "immer auf dem Sprung".
Ich mache mir eher Gedanken um meine "Reaktion auf nichtbehinderte Menschen",
diverse Langzeitstarrer und Dummbabbler.
Meine Reaktion faellt bei unfreundlichen Mitmenschen , die persönlich werden ,nicht sehr freundlich aus.
Mein Sohn kann sich nicht wehren, so muss ich das für ihn tun.

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Beitragvon Susanna » 05.02.2006, 18:19

Mit unfreundlichen Mitmenschen , die persönlich werden meine ich "sich lustig machen über mein Kind" und/oder "das Verhalten meines Sohnes nachäffen" usw.

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Gabriella
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Beitragvon Gabriella » 06.02.2006, 20:34

Liebe Angela, liebe "Forummitglieder",
ich glaube, die meisten Leute sind schlichtweg übrerfordert, wenn irgendwas außerhalb der sog. Norm ist. Ich bin ja jetzt schon ein bißchen am Überlegen, wenn ich dies gefragt werde. Letzen Do hatte ich aber ein recht positives Erlebnis: ich gehe ja zur Krabbelgruppe und eine Mutter sah meine Mina immer so seltsam an und letztes Mal- siehe da - hat sie sich doch tatsächlich ein Herz gefaßt und mich gefragt, wie häufig ich mit ihr KGym-Übungen mache und was es mit Vojta so auf sich hätte. Im Nachhinein glaube ich, hat sie lange mit sich gerungen, wie sie mich fragen soll. Ich kann dir sagen, mir fiel auch ein Stein vom Herzen, als ich ihr das so erklärte, als wärs das Normalste von der Welt. Lieben Gruß und CU soon, Gaby
Gabriella (1972) mit Elli (6/02); ist sehr lieb und zu ihrer kleinen Schwester Marina (8/04), PhelanMcDermid-Syndrom (auch 22q13.3 Deletion): Muskelhypotonie, verzögerte Entwicklung, keine aktive Sprache, weiß sich aber gut mitzuteilen und Wonneproppen Adrian (05/08)
"LET LOVE BE YOUR ENERGY!"


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