Förderschule für Körperbehinderte - für Justin steht's fest

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Alexandra+Justin
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Förderschule für Körperbehinderte - für Justin steht's fest

Beitragvon Alexandra+Justin » 19.04.2005, 12:03

Hallo ihr Lieben...

In drei Wochen wird mein Zwerg schon 6 Jahre alt UNGLAUBLICH!!!

Nachdem wir im Oktober im Kiga einen Infoabend für Schulanfänger hatten, war eigentlich sofort klar, dass Justin aufgrund seiner Behinderungen nur auf die Körperbehindertenschule gehen kann. Da ist er auch nach Aussage der Ärtzin von der Frühförderung am besten aufgehoben.
Das Sonderschulaufnahmeverfahren läuft auch schon. Im Herbst gehts dann los :)

Nun stellen sich mir aber auch ne Menge Fragen.

-Sitzt Justin da den ganzen Tag im Rollstuhl oder müssen wir einen speziellen Stuhl haben?
-In der Regelschule brauchen Kinder ja nen Tornister, brauchen wir sowas auch? Ich meine, bekommen die Kinder Bücher oder ähnliches? blöde Frage, ich weiss, aber ich hab echt keine Ahnung, weil wir noch kein Gespräch mit nem Pädagogen aus der Schule hatten. das kommt noch.
-Wie läuft das mit der Einschulung? Gibts bei dieser Schulart auch am ersten Schultag Schultüten und sowas?

Oh mann, ich hör mich ja echt dumm an :oops:

Vielleicht können diejenigen unter euch, die schon Erfahrung mit der Körperbehindertenschule haben, mich ja mal ein bisschen schlauer machen. Sonst denkt der Pädagoge hinterher, ich wär eine dumme Nudel :lol: und das muss ja nun echt nich sein *grins

liebe Grüsse, Alex
Justin *Mai`99(30.SSW korr. 28. 950g,35cm, ICP, Tetraspasik,Athetose, Microcephalus, Wahrnehmungsstörung, gestörtes Schmerzempfinden ...)

" Even the smallest person can change the course of the future."

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Diana W.
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Beitragvon Diana W. » 19.04.2005, 12:33

Hallo Alex,
kann dir nur von unseren Erfahrungen berichten mit zwei unserer Kinder in der Einrichtung berichten. Den ertsen Schultag mit Schultüte und allem was dazu gehört haben wir auch gehabt.
Einen richtigen Schultornister haben unsere Rolli-Kinder alle nicht. Sie haben alle einen Rucksack hintendran, wo alles notwendige reinpasst.
Wir haben nach einem Infogespräch in der Schule einen Zettel bekommen, was die Kinder alles benötigen. Dabei ging es mehr um Stifte, Scheren etc Bücher haben wir für keinen benötigt. Die Praxis hat dann auch gezeigt, dass das schwer zu realisieren ist, da die Kinder aufgrund der Ausprägung und Art ihrer Behinderung unterschiedlich weit sind und unterschiedlich gefördert werden müssen. So gibt es dann für die Kinder jeweils Arbeitsblätter entsprechend den Möglichkeiten des Kindes, die einen malen beispielsweise einen Buchstaben erst mal nur nach, die anderen bekommen eine Vorlage und müssen ihn selbst schreiben. Für diese Blätter in den jeweiligen Fächern haben die Kinder in der Schule Heftmappen. Je nach Schule, aber zum Teil auch abhängig von den Lehrern müssen die Kinder die Mappen selbst mitbringen oder aber sie werden von der Schule gestellt.
Bei unseren Kindern ist es so, dass sie eigentlich alle nur ihr Schulbrot und Schwimm-bzw. Sportsachen mit zur Schule nehemen müssen, alles andere ist in der Schule. Gelegentlich werden mal besondere Sachen angefordert, z.B Fotos, Lieblingsbücher oder so für eine spezielle Unterrichtsreihe. Einige Kinder haben in der Schule ein Wochentextheft, was zum Wochenende mit nach Hause gebracht wird, so dass die Eltern oder in unserem Fall die Mitarbeiter sehen, was die Kinder in der Schule so alles gemacht haben. Je nach den Möglichkeiten stehen dann immer kleine Aufgaben drunter, die man gemeinsam mit den Kindern erledigen soll. Gemeinsam ist sowohl der KB- als auch der GB-Schule, auf die unsere Kinder gehen, dass sie als Ganztagsschulen keine Hausaufgaben aufgeben.

Ich hoffe, ich konnte ein paar deiner Fragen beantworten.
Liebe Grüße, Diana

Petra B
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Beitragvon Petra B » 19.04.2005, 13:01

Hallo Alex,

natürlich haben die Kids auch ihre Schultüten und Rucksäcke oder Ranzen.

Bei den anderen Sachen kommt es darauf an, wo dein Sohn in der Körperbehindertenschule hingeht. Auch hier gibt es gewaltige unterschiede.
Es gibt Klassen, in denen ein normaler Hauptschulabschluss gemacht wird (bei der Einschulung von Manuel wurde damals sogar gesagt Realschulabschluss und Abi wären möglich aber das kam noch nie vor) und dann gibt die Klassen, wo die Schüler nach ihren individuellen Fähigkeiten gefördert werden.

In die Körperbehindertenschule gehen Kids, von denen du gar nicht annehmen würdest, dass sie solch eine Schule besuchen können. Dann die, die evtl. im Rollstuhl sitzen aber ansonsten was Motorik der Hände oder Sprache und Geist angeht top fit sind. Kinder, die im Rollstuhl sitzen, ihre Hände bewegen, und sprechen können aber geistig behindert sind.
Leider steckte unser Sohn immer dazwischen und war selbst in der Körperbehindertenschule noch ein Integrationskind. Allerdings ohne die Möglichkeit zusätzlicher Unterstützung zu haben. Er sitz in einer körperangepaßten Sitzschale im Rollstuhl, kann seine Hände nicht gebrauchen, kann nicht sprechen ist aber geistig top fit.
Zum Schluss kommen die Kids, die fast nur noch liebevoll betreut werden können, die gar nichts können.

Je nachdem, wo euer Justin in seiner Entwicklung steht, kommt er in eine Klasse, in der die Kinder zusammen passen.
Bei Bücher ist es auch so, je nachdem in welche Klasse euer Sohn kommt braucht er Bücher oder nicht, dass wird euch aber bestimmt zum Schulbeginn mitgeteilt. Genau wie in einer Grundschule auch.

Mit dem im Rollstuhl sitzen ist es auch je nach Kind unterschiedlich.
Manuel saß nie den ganzen Tag im Rollstuhl, dass ist auch heute nicht der Fall.
Es war immer eine Ecke im Zimmer, wo er auf dem Boden liegen konnte.

Zu Anfang haben die Kids auch noch einen Mittagsschlaf gemacht. So richtig mit kleinen Bettchen, manche wurden angeschnallt.
Für Manuel, der auf dem Boden sehr aktiv ist brauchten sie immer etwas Besonderes. :roll: Er kam auf eine Matte, mit einer großen schweren Schlange drumherum. :roll: Die hatte der Kindergarten dann noch zur Verfügung gestellt, weil nichts anderes ging. :oops:
Du siehst es wird sehr individuell auf die Kinder eingegangen, man versucht es wenigsten :? und es kommt immer auf die Kinder an, was sie brauchen.

Falls er keine Bücher braucht, ist auch ein schöner Rucksack zum Schulanfang schön. Wir transportierten und transportieren auch heute noch die Lätzchen, Wechselwäsche und das Frühstücksbrot.

Viele Grüße
Petra B

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neue_Eva
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Beitragvon neue_Eva » 19.04.2005, 14:38

Hallo Alex,

auch ich habe eine Schule für Körperbehinderte besucht und kann Dir sagen der Unterricht in einer Körperbehindertenschule ist so individuell wie die Schüler, die diese Schule besuchen. Da decken sich meine Erfahrungswerte mit denen von Diana.

Im Bereich für Mehrfachbehinderte geht es eher um das Erlernen "lebenspraktischer Dinge" wie z. B. was gehört alles zu einem Frühstück, oder wie ziehe ich mich an, oder Unterrichtsreihen wie wir besuchen gemeinsam einen Wochenmarkt und lernen dabei verschiedene Gemüsesorten kennen usw.

Im Grund- und Hauptschulzweig von Körperbehindertenschulen kommen durchaus Bücher und Schultaschen zum Einsatz sowie Schreibmaterial, PC ...

Besonders Augenmerk wird aber auch auf die Therapien gelegt. Also eine pauschale Antwort auf Deine Frage gibt es nicht.

Liebe Grüße
Birgit
Idealismus. Die Fähigkeit, die Menschen so zu sehen, wie sie sein könnten, wenn sie nicht so wären, wie sie sind.

Curt Goetz

Line

Beitragvon Line » 19.04.2005, 20:18

Hi ,
hier nur ein paar wenige Zusätze zu den berichten oben - auch eigener Erfahrung .

ROLLI :
Wenn du sachlich gur begründen kannst und es notwendig ist , bekommst du für die Schule entweder ( neben der Hausversorgung ) ein zweites Reha-Gestell mit angepasstem Sitz o.ä. oder sogar einen Rolli , z.B. einen E-Rolli

AUTO-KINDERSITZ im Schulbus
bei guter Begründung bekommt man neben dem im Privatauto noch einen separaten für den Schulbus ; evtl. auch Rollitransport

THERAPIEN
werden in NRW häufig in den KB-Schulen angeboten , z.B. 2 x Vojta pro Woche

WEITERE HILFSMITTEL für Unterricht usw.
Die Krankengymnasten und Sonderschullehrer sprechen einen im Regelfall schon früh darauf an , wenn sie erkennen , dass ein neues Hilfsmittel gebraucht wird , z.B. ein Stehbrett oder ein E-Rolli , ein Kommunikationsgerät , usw. usw. Fast immer sollte die Übergabe in der Schule unter Aufsicht der Krankengymnasten erfolgen , die können oft und schnell Fehler usw. erkennen und abstellen usw

UNTERRICHTSMITTEL
Je nach Kind und Lernstufe unterschiedlich , je höher die Klasse / Lernstufe und je weiter der Bildungsgrad , desto mehr eher eine Regelschulausstattung .
Wir haben unserer von Anfang an einen leichten Tornister besorgt auf den sie Stolz war .

BEANTRAGUNGEN
Ämter und Schule helfen , bzw sind sogar verpflichtet

SCHULISCHE SONDERVERANSTALTUNGEN
Meist beim ersten Elternabend erfragen z.B. Schulsonderturnen für Rollifahrer / Rolli-Kurs , Schwimmen , Reittherapie o.ä.

Alexandra+Justin
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Beitragvon Alexandra+Justin » 25.04.2005, 20:29

Hallöchen...

erst mal vielen, lieben Dank für eure informativen Antworten.
Ich war ja schon auf der HP von Justins zukünftiger Schule, wo ich mich über die Lehrmethoden etc. informiert hab. Aber wenn man eben nur Einschulungen in Regelschulen kennt, fragt man sich ja doch, ob das alles genauso abläuft.

Ich habe gestern einen Brief vom Schulamt bekommen, indem ich informiert wurde, dass in nächster Zeit ein Gutachten zusammen mit einem Pädagogen aus der KB-Schule erstellt wird.
Da Justin aufgrund seiner Behinderungen auch völlig hilflos ist (bis auf selbsständiges Sitzen) werde ich wohl einen schönen Rucksack aussuchen, den wir hinten an den Rolli hängen können.
Nun bin ich ja schon mal ein bisschen schlauer und sorry nochmal, wenn die Fragen irgendwie dümmlich erschienen... :oops: liegt vielleicht auch daran, dass ich ein bisschen aufgeregt bin, weil mein Zwerg tatsächlich schon in die Schule kommt, wo doch viele Leute denken, er wär erst 3.

Liebe Grüsse, Alex
Justin *Mai`99(30.SSW korr. 28. 950g,35cm, ICP, Tetraspasik,Athetose, Microcephalus, Wahrnehmungsstörung, gestörtes Schmerzempfinden ...)



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