Integration in einer Grundschule NRW

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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julian

Beitragvon julian » 24.04.2005, 16:49

Hallo Marianne,

Dein Bericht hat mich neugierig gemacht. Ich komme aus NRW und von einer flexiblen Eingliederung kann hier nicht die Rede sein. Ich glaube das besteht alles nur auf dem Papier.
Da mein Sohn 6 schulpflichtig ist habe ich mich als Ergänzung zum Kindergarten für eine Sonderschule entschieden, da er noch großen Förderbedarf hat und die Therapien in den Sonderschulen mit angeboten werden, während wir diese in einer LB-Schule nach Schulschluß machen müßten und mein Sohn damit total überlastet wäre.
Während mir die Schulärztin gesagt hat mein Sohn sei zu blöd für eine Integrationsschule, attestierte der Test jedoch einen IQ von 89
Wir kämpfen jetzt mit einem Rechtsanwalt und Ärzten darum, dass wir den Platz in der Sonderschule bekommen.
Es ist zwar knallhart, aber eine LB Schule wäre günstiger und es geht um´s Geld, nicht um unsere Kinder.
Die Komunen werden zum Sparen angehalten, denn nach Auskunft eines Lehrers will das Kultusministerium sonderpädagogische Förderplätze wegrationalisieren.
Liebe Grüße

Hildegard

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marianne
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Beitragvon marianne » 25.04.2005, 16:06

Hallo Hildegard, nachdem nun das Thema sonderpädagogischer Förderbedarf und Einschulung so viel und immer in ganz ähnlichen Varianten hier im Forum diskutiert wird, bekomme ich langsam den Eindruck, dass in allen Bundesländern unter den scheinbar verschiedensten pädagogischen Konzepten und den verschiedensten Schulnamen aber im Grunde der gleiche Trend zu verzeichnen ist: Sparen und darum mit den besonderen Kindern früh in das Auffangbecken "Behinderung". Auch hier für Bayern habe ich gehört, dass sogar geplant ist, die Integrationsplätze im Kindergarten zu streichen auf Dauer, da heute so viele Kinder Therapien erhalten, dass dies ganz normal ist. Klingt zynisch, aber hilft sparen, indem nämlich dann wieder die Kigagruppen größer sein können mit weniger Personal. I-Plätze in Schulen gibt es in Bayern eh kaum. Und das, obwohl Sonderschulen oder Förderschulen, wie sie hier heißen, gar nicht wirklich billiger sind auf lange Sicht gesehen, wie ich auch mal gelesen habe. In anderen westlichen Ländern besuchen 2% aller Kinder eine Sonderschule, in D 5%!!!

Dass so mancher für sein Kind mit juristischer Unterstützung in Zukunft um die beste Fördermöglichkeit streiten wird, das kann ich wie in eurem Fall gut verstehen.

Ich meine zwar, dass Integration und Rückstellung nicht für jedes Kind das richtige ist wie es ja auch sein kann, dass eine Schule für geistige Entwicklung am Ende doch für unseren Sohn am besten ist, aber diese doch immer früher getroffenen Entscheidungen bereiten mir Magenschmerzen.

Verstehe ich das richtig, dass ihr euern Sohn noch ein Jahr zurückstellen lassen möchtet und ihm Kiga und sonderpädagogische Förderung zukommen lassen möchtet, während das Schulamt ihn schon einschulen möchte?

Lieber Gruß Marianne

SofieG
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Beitragvon SofieG » 25.04.2005, 23:49

Hallo, Marianne,
also, nach NRW würde ich wegen einer integrativen Beschulung bestimmt nicht wechseln.... "Eigentlich" steht der GU (= Gemeinsamer Unterricht) gleichrangig neben den andern (Förder-)Schulformen - aber auf dem Papier stehen viele schöne Dinge, die in der Praxis offenbar Probleme bereiten, so lange es keine entsprechenden Gelder gibt. Es gibt in NRW immer noch vereinzelt Städte/Gemeinden, die Mittel locker machen für den GU - wie es auch immer noch Lehrer gibt, die sich für einzelne Schüler einsetzen und manches noch durchsetzen können. Leider sind die, trotz manchmal anderslautender Außendarstellung, bei uns im Kreis inzwischen eine Rarität.... Die sonderpädagogische Förderung im GU beträgt max. 3 Unterrichtsstunden/Woche/Schüler, um jeden Schulbegleiter muss man kämpfen. Eine Bekannte, die nach Niedersachsen umgezogen ist, hat es dort wesentlich besser angetroffen: Der Sonderpädagoge kommt für 5 UStunden, der Schulbegleiter ist 15 Stunden mit dabei - alles ohne Probleme mit der Verwaltung. Ich würde aber eher nach Baden-Württemberg gehen, mich lockt mehr der Süden....
Übrigens denke ich, dass auch die flexible Eingangsstufe in NRW nicht optimal anlaufen wird, so lange alles auf Sparflamme läuft: Die Idee ist ja an sich nicht schlecht und könnte ganz sicher das soziale Miteinander der Schüler fördern - was auch den Kindern mit Defiziten zugute käme. Aber mit 30 Kindern in der Klasse und nur einem Pädagogen - das ist schon wieder nichts Halbes und nichts Ganzes. Seit PISA kommt hier alle paar Wochen eine neue unausgegorene Idee an die Schulen....
Frust, Frust - trotzdem eine "Gute Nacht"!
SofieG

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Warum nicht Förderschule?

Beitragvon Constanze » 29.05.2005, 20:47

Für mich stand fest, daß ich Henrike in einer Regelschule haben wollte. Nun ist alles anders gekommen: sie besucht die erste Klasse unserer örtlichen Körperbehindertenschule, in der es Klassen für körperbehinderte, lernbehinderte und geistig behinderte Kinder gibt (alle aber körperbehindert).
Die Klassenstärken sind zwischen 6 und 9 (max. wohl 13), dafür gibt es einen Lehrer und eine pädagogische Unterrichtshilfe (die geht auch mit den Kindern während der Stunde auf die Toilette usw.).
Die Therapien finden alle in der Schule statt, so daß Kindern und Eltern zusätzliche Wege am Nachmittag abgenommen sind. Es gibt ein sog. Dehnungsjahr (Schuljahre 1 u. 2 in 3 Jahren), weil viele Kinder z. B. motorische Schwierigkeiten beim Schreibenlernen haben.

Mein Eindruck beim Vergleich mit der Regelschule: die Kinder der Kö-Schule sind deutlich freiere Persönlichkeiten als die in der Regelschule. Sie helfen sich gegenseitig, sind jedes auf seine Weise auch mal jemandem in bestimmten Situationen überlegen anstatt meist schwächer als andere. Freundschaften entstehen ohne Abgrenzungen auch über Klassenstufen hinweg usw.
Nach Besuch eines Integrativkindergartens hatte ich den Eindruck, daß Integration auch sehr anstrengend für das behinderte Kind ist - es will ja mit den anderen mithalten. Die Kö-Schule bietet zum Ausgleich eine Verschnaufpause, in der sich das Kind aufs Lernen konzentrieren kann.
Nachteil der Förderschulen ist, daß es wenige davon gibt und die Anfahrtswege für die Kinder zum Teil sehr lang und belastend sein können.

Da wir das Glück haben, eine empfehlenswerte Kö-Schule am Ort zu haben, bin ich mit unserer Entscheidung sehr glücklich.

Ich würde mir die nächstgelegene Förderschule zumindest anschauen. Sicher ist es unterschiedlich, welche Möglichkeiten auch zur Integration eingerichtet werden, wie weit der Schulweg zur Förderschule ist (wird bei uns über Fahrdienst geregelt).
Eine Bauchentscheidung ist aber bestimmt gut.

Außerdem: Ein Wechsel in die eine oder andere Richtung ist jederzeit möglich.

Constanze
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Constanze und Reiner mit Leon (09/96) und Henrike (05/98, 29+3 SSW, cerebrale Diparese)

julian

Beitragvon julian » 29.05.2005, 22:07

Hallo Constanze,

wo erfahre ich, wo es die nächste Förderschule gibt?
Ist Förderschule gleichzusetzen mit Sonderschule?

Schöne Grüße

Hildegard

dana68
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Beitragvon dana68 » 30.05.2005, 08:20

Hallo Gabi,

meine Pflegetochter ist am 1.Juni geboren und wurde aufgrund ihrer
Retardierung ein Jahr zurückgestellt. Letztes Jahr wollte sie aber mit
ihren Freundinnen in die Schule gehen.
Normale Grundschule ohne Integration wäre nicht gegangen. Leider ist
im Saarland die Regel, dass erst ab der 2.Klasse Integration bewilligt wird.
Ich bin von Pontius zum Pilatus, trotz Rückenstärkung vom Kiga, Frühförderung, Schulärztin und Kinderarzt sah es im Juni noch so aus, als
ob sie ohne Integration eingeschult werden müsste. Vom Kultusministerium bekam ich als Alternative den Schulkindergarten(also zum 2.mal zurückstellen) oder Sonderschule angeboten.
Erst nach einem persönlichem Gespräch mit der Schulrätin, wo ich erwähnt habe evtl. gerichtl. Schritte anzugehen, klappte es innerhalb einer
Woche völlig unbürokratisch Integration zu bekommen.
Jessica hat 2 Std. Integration in der Woche plus 1 Std. Förderstunde.
Ist zwar nicht die Welt aber es beruhigt, dass sie in manchen Bereichen
"L-Programm" machen kann und nicht der Klasse hinterher rennen muss.
Da wäre sie völlig überfordert und der Stoff nicht verfestigt.
Somit hat sie schon das Klassenziel der L-Schule erreicht, so dass sie
auf jeden Fall die Versetzung schafft, das wäre nicht der Fall, wenn sie
keine Integration hätte. Wobei sie vom Stoff weiter ist, als L-Schule.
Sie ist total glücklich und integriert in der Klasse.
LG Dana
S. geb. 09 (Atyp. Autismus und ADHS)
J. geb. 10 ( ADHS)

Constanze
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Wie Förderschule finden?

Beitragvon Constanze » 31.05.2005, 13:50

Liebe Hildegard,

habe Probleme, Antworten abzusenden und fliege immer wieder raus.

Also, ich würde bei der zuständige Behörde, die sich um Einschulungen kümmert (Jugendamt?) anfragen. Bestimmt ist das regional unterschiedlich.
Bei uns wisse die Leute vom SPZ gut Bescheid, dankbar wäre äuch Frühförderstelle.
Ansonsten würde ich den Kinderarzt fragen, ob der einen Rat weiß.
Wegen der Schulpflicht m u ß es Behörden geben, die Informationen bereitstellen.

Liebe Grüße
Constanze
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Nachtrag zu Förderschule

Beitragvon Constanze » 31.05.2005, 14:04

Liebe Hildegard,

mir fällt noch ein, daß es möglicherweise in den Bundesländern verschieden gehandhabt wird, wie viele Mittel auf Sonderschulen oder Integration verteilt werden und wie die Schwerpunkte gesehen werden. Daher hängt die Entscheidung natürlich auch sehr vom Angebot ab. Anschauen und Meinungen einholen ist da immer richtig.

Liebe Grüße
Constanze
Constanze und Reiner mit Leon (09/96) und Henrike (05/98, 29+3 SSW, cerebrale Diparese)

gabin

Beitragvon gabin » 04.06.2005, 12:46

Hallo,
Hallo,

zur Information, wie ich mich entschieden habe.

Zuerst wurde mir eine Integration in einer Grundschule für
gemeinsamen Unterricht abgelehnt, weil alle Plätze von anderen
Kindern schon Besthetz war. Mir wurde dann angeboten unsere
Tochter in eine körperbehinderten Schule anzumelden oder
als einzeln Integration in unsere zuständige Grundschule.

Wir haben uns für die körperbehinderte Schule dann entschieden
mir den vorbehält unsere Tochter nächstes Jahr als integrations- Kind
in einer Grundschule anzumelden.


Liebe Grüße

Gabi

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marianne
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Beitragvon marianne » 04.06.2005, 15:24

Hört sich gut an, keine Einbahnstraße, aber auch keine Überforderung am Anfang. So soll es sein. Lieber Gruß Marianne
Janosch (06/00) Frühkindlicher Autismus, leichte geistige Behinderung, Aufmerksamkeitsstörung, Adoptivkind

There´s a crack in everything but that´s how the light gets in (Leonard Cohen)


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