Bei Schul-/Klassenausflügen außen vor???

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Susekie
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Bei Schul-/Klassenausflügen außen vor???

Beitragvon Susekie » 11.04.2005, 16:08

Hallo Ihr Lieben!

Bin gerade ziemlich gefrustet, aber weiß mir keinen Rat... (und frage mich, ob die Frage ggf. im Forum "Rechtliches" besser aufgehoben wäre...)

Also, Tobias besucht seit August 2004 eine GB-Schule. Tobias ist eigentlich "nur" körperbehindert ist und wird aufgrund seiner Beatmung - mitsamt E-Rolli - per Einzeltransport zur Schule und zurück befördert. Aber das ist nur indirekt der Grund des Ärgers:

Heute kam er aus der Schule und unsere - ihn begleitende - Kinderkrankenschwester erzählte mir, daß seine Klasse morgen einen Theaterbesuch mache und er deshalb in die Nachbarklasse "müsse". Angeblich sei das gaaaanz kurzfristig entschieden worden, so daß man nichts mehr habe "regeln" können!

Wir wissen aber, daß der Landkreis (Schülerbeförderung) sich sowieso weigert jegliche Transportkosten für ihn zu übernehmen, die nicht mit der Fahrt Zuhause-Schule oder Schule-Zuhause zu tun haben! Ähnliche Diskussionen gab es nämlich, als die Klasse im Dezember vormittags zum Weihnachtsmarkt wollte, der nicht zu Fuß erreichbar ist. Damals haben wir uns "ausnahmsweise" und mit viel "bitte, bitte" darauf einigen können, daß die paar Kilometer mehr von uns zum Weihnachtsmarkt (und der direkte Weg zurück) übernommen wurden, "eigentlich" wäre das ja gar nicht möglich.

Hintergrund ist wohl, daß die Schule über zwei (eigene?) Fahrzeuge verfügt, mit denen die Lehrer etc. ihre Klassen dann höchstpersönlich chauffieren. Platz für den E-Rolli von Tobias soll aber in keinem dieser Busse (ich meine, sie hätten die Größe von Mercedes Sprinter oder VW LT) sein. Selbst wenn der Rolli hineinpassen würde, gäbe es angeblich mit der Anzahl der Sitzplätze Probleme (und in seiner Klasse ist noch ein Rolli-Kind, das einen "normalen", faltbaren Rollstuhl hat). Zwei Fahrzeuge können auch nicht genommen werden, da ja Lehrerin oder pädag. Mitarbeiterin fahren müssen und die jeweils andere Dame die Kinder beaufsichtigen muß.
Wegen der existierenden Fahrzeuge erfolgt kein "Sondertransport" für Tobias. (dies sei dann halt ein Problem der Schule, nicht des Landkreises!)

Innerhalb des Landkreises könnten wir notfalls auf die Tobias zustehenden Privatfahrten im Behindertentransport zurückgreifen, was ich zwar nicht recht einsehe, wenn es während oder im Zusammenhang mit dem Schulbesuch steht, aber da wir diese Fahrten sowieso nicht ständig nutzen (es gibt halt keine "Ausflugsziele"), würde ich sie ja "opfern". Die Theatervorstellung ist jedenfalls außerhalb des Landkreises und dort bekommen wir keinen Meter Fahrt bezahlt!

Ich sehe aber auch nicht ein, daß ich jetzt selbst 1,20 Euro pro Kilometer, der außerhalb des Landkreises liegt (das mögen im Fall des Theaterbesuchs nicht so schrecklich viele sein, vielleicht 10, vielleicht aber auch 20 je Strecke, aber ich weiß es auch nicht genau), zahle, damit Tobias mit den anderen Kindern - die dann nur den Eintritt zahlen müssen - ins Theater kann!

Hat jemand schon einmal ähnliches erlebt??? Es kommt mir irgendwie unwirklich vor, daß er von derartigen Ausflügen immer ausgeschlossen wird! Hätte eine KB-Schule ein "besser geeignetes" Fahrzeug zur Verfügung oder extra Fahrer?

Wenn wir schon ein Auto hätten, würde ich ihn ja bei solchen Gelegenheiten fast selbst befördern, aber noch ist das in weiter Ferne!

Ich finde es einfach ungerecht! Wir hatten die leise Hoffnung, daß durch den Schulbesuch auch endlich mal Ausflüge in den Zoo o. ä. möglich werden, weil - so dachten wir - die Kosten für den Transport dann nicht zu unseren Lasten gingen!

Unser Logopäde rät eigentlich dringend zu einem Schulwechsel - auf eine Körperbehindertenschule -, aber bei einem erneuten Verfahren auf Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs käme vermutlich dasselbe wie vor einem Jahr heraus, da Tobias sich in seinem Verhalten (mitmachen...) nicht geändert hat. Vielleicht ist das auch der Schule aufgrund ihrer ach so tollen individuellen Förderung zu verdanken! :-( Ja, ja, nur dort kann er diese erhalten, auf einer KB-Schule sei er ja Fehl am Platz... (im Ernst: die Schule an sich ist wirklich klasse, aber ich sehe keine spezielle Förderung für unseren Sohn, wie es vorher angekündigt wurde, im Gegenteil, manchmal haben wir den Eindruck, er wird gerade mal geduldet, weil ihm niemand etwas zutraut)
Was ich aber eigentlich sagen wollte: besagte KB-Schule liegt ebenfalls außerhalb des Landkreises - wer dann wohl die Fahrtkosten trägt? Wir trauen uns momentan nicht, das wirklich noch in diesem Jahr anzuleihern, sondern wollen lieber noch bis zum nächsten Jahr warten, auch wenn es ihn schulisch vermutlich keinen Schritt vorwärts bringt!

Ich hoffe inständig, daß jemand solch Querelen schon einmal erlebt hat oder zumindest einen ähnlich gelagerten "Fall" kennt!

Lieben Gruß,
Suse
Suse mit Tobias (*1997; Zentronukleäre Myopathie, dauerbeatmetes Sondenkind, E-Rollifahrer - hübscher Schelm mit ziemlichem Dickkopf) und Marlene (*2000; süße Zicke)-> Mehr über uns!

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Beitragvon Karin65 » 12.04.2005, 19:24

Hallo suse,

ich hab da leider gar keine ahnung, aber ist es eigentlich nicht eine Schulveranstaltung? Da muß dann doch die schule dafür Sorgen, das er mitkann. Was isn das für ne Sache. :cry:
Tobias ist doch bestimmt ziemlich gefrustet, oder???
Tut mir leid, wenn ich dir nicht helfen kann.

Gruß karin65

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Beitragvon Susekie » 12.04.2005, 21:46

Hallo Karin!

Naja, die Sache mit der Schulveranstaltung scheint den Landkreis als Kostenträger für die "Schülerbeförderung" nicht zu interessieren (die Fahrtkosten, um zur Einschulungsfeier zu kommen, wurden damals auch nicht übernommen: es sei ja kein "Unterrichtstag", auch andere Familien müßten sehen, wie sie ihre Kinder dorthin bekämen...). Es wird halt auf die vorhandenen Fahrzeuge der Schule "gepocht"! Und die Schule...tja, die steht auf dem Standpunkt: "tut uns ja leid, geht aber nicht - also muß er zurückbleiben". :-( Mich ärgert es halt umsomehr, als daß Tobi noch nicht einmal ein Jahr zur Schule geht und - sollte er dort bleiben - in Zukunft sicherlich noch viele "Ausflüge" kommen, an denen er nicht teilnehmen kann! Das ist einfach ungerecht! Auch wenn es ihm vermutlich relativ schnuppe ist - er mag die Schule ohnehin nicht besonders und ich weiß nicht, ob Theatervorstellungen "sein Fall" sind (er kennt es einfach nicht...). Mir geht es einfach ums Prinzip und den Gedanken "das kann doch nicht so sein!"

Lieben Gruß,
Suse
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Beitragvon Karin65 » 16.04.2005, 19:40

Hallo Suse,

ach Mensch, das finde ich auch so ungerecht. Ich weis leider aber echt nicht, wie die Rechtslage so ist. Vielleicht weis ja "unser" Rechtsanwalt mehr. Frag ihn doch mal.
Klar kennt Tobias das nicht, wenn er nie die chance hatte, daran teilzunehmen. Aber das ist es ja auch nicht. Ihm wird ja jedes dazugehören genommen.
Ich glaube, (ich bin ja da sehr gemein) ich würd das an die Öffentlichkeit bringen,
Vielleicht vorher noch mal ein gespäch mit den Lehrern und dem Schulleiter und dann auch sagen, Ne Leute, dann geh ich zur Zeitung. Mein sohn kann ja nichts dafür.

Gruß karin65

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Beitragvon Susekie » 16.04.2005, 21:39

Hallo Karin!

Naja, mit der Öffentlichkeit bzw. Presse bin ich momentan eigentlich NUR zurückhaltend, weil ja parallel noch das Gerichtsverfahren gegen unsere Krankenversicherung läuft und ein bißchen hängt dann auch der liebe Kostenträger für Schulbegleitung/-transport drin, also: ich mag es mir mit denen noch nicht verscherzen!

Philip, den RA, hab ich schon gefragt, werde aber noch einmal nachhaken! Er meinte, vielleicht ergebe sich etwas aus dem Niedersächsischen Schulgesetz - bin aber selbst noch nicht zum Nachlesen gekommen! Ansonsten sieht er es wie ich: ungerecht - und es darf (eigentlich) nicht sein! Aber das dem Landkreis "verkaufen"....?

Ich hätte bestimmt noch 1000 andere Anliegen, wegen derer sich das Einschalten der Presse "lohnen" würde, dran gedacht haben wir auch schon sehr, sehr oft, nur bisher nicht durchgezogen, aber wie gesagt..momentan warten wir noch, wenigstens, bis klar ist, ob der vor Gericht geschlossene Vergleich von der Versicherung angenommen wird (wovon wir nicht ausgehen).

Ansonsten werde ich mir mal unseren Elternratsvorsitzenden "greifen", auch wenn ich selbst im Elternrat der Schule bin (aber als "Neuling" natürlich keine Ahnung...).

Rein gefühlsmäßig muß die Rechtslage auf unserer bzw. Tobis Seite sein! Daß sich der Landkreis das so einfach machen und die Frage des Transports auf die Schule "abwälzen" kann...also ich weiß nicht...man muß, denke ich, alles insgesamt bzw. auf den "Einzelfall" bezogen sehen und darf es nicht pauschal - wie es hier gechieht - handhaben! Naja, wir bleiben dran!

Lieben Gruß,
Suse
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Beitragvon neue_Eva » 17.04.2005, 00:15

Hallo Suse,

ich habe eine Schule für Körperbehinderte besucht. Dort wurde es allen Schülern unabhängig von der Schwere der Behinderung ermöglicht an einem Schulausflug oder einer Klassenfahrt teilzunehmen. Selbst dann, wenn hierzu ein Liegendtransport erforderlich war.

Schließlich dient so ein Ausflug ja auch zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft! Eigentlich bin ich mir sicher, dass Tobias einen Rechtanspruch darauf hat. Ich würde mal beim Schulträger nachfragen, ob sie der Meinung sind, dass so ein Verhalten sich mit den Konzepten des Förderplans (wird für jeden Schüler an einer GB-Schule oder KB-Schule erstellt) deckt :!:

Ich bin erschrocken über ein solches Verhalten.

Ansonsten denke ich wie der Logopäde. In einer Schule für Körperbehinderte wäre Dein Sohn besser aufgehoben. Eigentlich ist es auch so, dass wenn die Körperbehinderung überwiegt, Tobias auf eine Schule für Körperbehinderte gehört.

Und soweit wie ich es Deinen Zeilen entnehmen kann hat Tobias doch gar keine geistige Behinderung.

Ganz liebe Grüße
Birgit
Idealismus. Die Fähigkeit, die Menschen so zu sehen, wie sie sein könnten, wenn sie nicht so wären, wie sie sind.

Curt Goetz

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Beitragvon Diana W. » 17.04.2005, 05:39

Hallo Suse,

zum einen kann ich mich Birgit da nur anschließen, auf einer KB- Schule wäre dein Sohn sicherlich besser aufgehoben. Wenn die Lehrer eurer Schule das Gutachten zum sonderpädagogischen Förderbedarf so schreiben, dass ein Wechsel nicht in Frage kommt, würde ich auf einen unabhängigen Gutachter bestehen. Was ist das für ein Gutachten, in dem nur eine Schule empfohlen wird. Bei uns werden immer 2-3 Schulen empfohlen, so dass die Eltern dann wählen können. So weit ich weiß ist das auch so im VO-SF festgelegt.
Zum anderen kenne ich dein Problem aus dem Arbeitsalltag nur zu genüge. Aber rechtens ist das nicht. Ein Schulausflug statt normalem Unterricht ist eine schulische Pflichtveranstaltung und dein Sohn hat ein Anrecht darauf, an Ausflügen teilzunehmen. Ich glaube schon, dass der Landkreis die Kosten nicht tragen muss, aber die Schule hätte da sicher Möglichkeiten. Bei uns ist das immer ein bischen von den Lehrern der Klasse abhängig. Es gibt Lehrer, die mühen sich echt ab und geben alles dafür, dass Kinder an jedem Ausflug teilnehmen können, organisieren z.B. für diesen Tag dann auch schon mal eine Praktikantin aus der anderen Klasse etc. und es gibt andere, die ein Kind schon nicht mitnehmen, weil es unterwegs 2-3 gewickelt werden muss und man vielleicht auch einmal Wechselwäsche zum Ausflug mitnehmen muss. Eines unserer Kinder durfte jetzt nicht mit ins Kino, weil sie eine Phase mit extremer Anfallshäufung hatte. So musste sie vor dem Kinobesuch öfter Bedarfsmedizin bekommen. Aber im Normalfall hat sie halt sowieso immer min. 1 Anfall pro Tag. Mit der Begründung, dass es ihnen zu gefährlich ist, hätte ich es ja noch vertsanden. Aber sie durfte nicht mit, weil dass für die anderen Schüler der Klasse peinlich werden könnte, wenn Nele unterwegs Bedarf bräuchte. Gür die anderen Kinder soll es ein schöner Ausflug werden.
Da hilft nur ganz viel kämpfen für deinen Sohn, eben an Ziele wie Eingliederungshilfe oder auch den individuellen Förderplan erinnern. Gespräche mit der Schulleitung helfen bei uns ganz oft.

Liebe Grüße, Diana


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