Rolli - ja oder nein?

Hier könnt ihr die Hilfsmittel eurer Kinder vorstellen, z. B. Reha-Buggy, Pflegebett, Stehtrainer, Therapieliege usw. - gerne auch mit Foto.
Ihr könnt hier übrigens auch Fragen bezüglich Technik und Anwendung verschiedener Hilfsmittel stellen.

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SilkeS
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Rolli - ja oder nein?

Beitragvon SilkeS » 06.04.2005, 08:20

Hallo allle zusammen!

Bei der Überprüfung auf sonderpäd. Förderbedarf wurde uns dringend angeraten Jule bis zur Einschulung im August mit einem Rolli zu versorgen.
Für uns kam das ziemlich überraschend, denn im Rolli hatte ich meine Tochter nie "gesehen". Andererseits muß halt irgendetwas passieren, um ihr die Fortbewegung in der Schule zu erleichtern. Soviel ist schonmal klar.
Sie läuft mühsam an der Hand und mit 4-Punkt Gehstützen. Dabei erweist sich aber die Spastik in ihrer linken Hand als ziemliches Hindernis. Rollator haben wir schonmal ausprobiert. Sie findet das auch total klasse, nur leider hebt sie ihre Beine nicht mehr an, sondern führt sie gestreckt im Bogen nach vorne. Also auch nicht das Gelbe vom Ei!:wink:
Grundsätzlich ist also der Rolli das einzig Sinnvolle, damit sie später mit den anderen Kindern mithalten kann (Jule wird als I-Kind in einer Regelschule eingeschult). Meine größte Sorge ist aber die, ob wir ihr damit nicht die Motivation nehmen, weiter laufen zu lernen. Denn das fahren im Rolli fällt ihr deutlich leichter als das Laufen.
Puh, das ist jetzt ganzschön lang geworden.Wer bis hierher durchgehalten hat: Vielleicht habt ihr ja mal ein paar Erfahrungswerte, Anregungen oder Denkansätze für uns!?
Vielen Dank schonmal, Silke

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Conny
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Beitragvon Conny » 06.04.2005, 08:33

Hallo Silke,

meine erste Frage wäre, ob Jule krabbeln kann?
Wenn sie ordentlich krabbeln könnte, hätte sie gute Karten irgendwann richtig laufen zu lernen. So, wie du es beschreibst, läuft sie sehr schlecht.
Die zweite Frage wäre, ob sie einen Rolli selber bedienen könnte.

Wenn ja, würde ich ihr einen Rolli geben.
Das Laufen kann man deswegen trotzdem noch lernen, aber was hilft es ihr, wenn ihr das Laufen jetzt so viel Mühe bereitet, sie es falsch macht und sich dabei die Hüften kaputt macht?

Hier im Forum gibt es ein paar Kinder, die auch sehr zeitig im Rolli waren und gute Erfahrungen damit gemacht haben.

Ich persönlich würde es einmal probieren, denn die Gesundheit sollte auf jeden Fall im Vordergrund stehen. Achte auf ihre Hüften und auf ihre Bedürfnisse/Fähigkeiten.

lg

Conny
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 06.04.2005, 08:38

Hallo Silke,

wer nur mühsam laufen kann, ist nicht so schnell wie andere, und wird vermutlich auch eher müde. Beides kann man mit einem Rolli ändern. Dadurch könnte sie einerseits zwar die Lust am laufen verlieren, weil am andererseits mit dem Rolli aber nicht überall hin kommt, und nicht so gut mit anderen zusammen an einem Tisch sitzen kann, wird es dennoch immer wieder Motivationschübe geben, die ihr zeigen das selber laufen wichtig ist. Bei der Auswahl eines Rollis würde ich auch an einen E-Rolli denken. Spastiken können einem das einfache Rolli fahren so schwer machen, das der Unterschied zum mühsamen laufen den Aufwand nicht lohnen könnte. Dann wäre ein E-Rolli die bessere Lösung.

:-) Helmut
Vater von Sonja, 22.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung. Schwerstmehrfachbehindert.

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Beitragvon Ella » 06.04.2005, 09:31

Hallo Silke,

Mein Sohn Philip hat einen Rolli, seit er 4,5 Jahre alt ist. Damals waren seine Arme noch so fest(spastisch), dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass er es schaffen würde, mit einem Rolli auch nur geradeaus zu fahren. Er konnte!
Und endlich konnte er auch mit den anderen Kindern im KiGa und später in der Schule mithalten.
Seine Lust zu laufen hat das nicht beeinträchtigt. Für kurze Strecken benutzte er den Rollator, wenn wir shoppen gingen, den Rolli.

Du schreibst, Jule läuft "mühsam" an 4-Punkties oder an der Hand. Bei Philip habe ich die Erfahrung gemacht, dass er umso fester wird, je doller und je länger er sich anstrengt.
Ich würde Dir in jedem Falle raten für Jule einen Rolli zu besorgen.

Gruß von Ella
Ella, mit Jan (`89)Teilleistungsstörungen/psychische Probleme und Philip (`91)ICP,Tetraspastik
Unsere Vorstellung:http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic1184.html
Galerie:http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_personal.php?user_id=622

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Beitragvon Sascha C » 06.04.2005, 11:25

Hallo Silke,

ich war bis vor kurzem auch ein "Rolli-Gegner", eben aus Angst vor dem Verlust der Motivation, weiter zu laufen. Nachdem wir aber jetzt im März in der Ukraine waren und ich Anna dort einfach mal in einen Rolli gesetzt habe und sie den dreh raus hatte, wie es geht, kam mit glanzvollen Augen der Spruch:"Papi, jetzt kann ich endlich alleine spazierengehen". Diese Freude, die von ihr rüberkam, hat mich so bewegt, dass wir nun nächste Woche einen Termin in Dortmund haben, für einen "coolen" (Aussage von Anna) Rolli. Die Kinder erfahren mit Rolli eine ganz neue Selbstständigkeit.

Liebe Grüße

Sascha

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Beitragvon KatrinS. » 06.04.2005, 12:42

Hallo Silke,
bei unserem Sohn hat sich zwar nie die Frage gestellt, ob er durch den Rolli keine Motivation mehr hat, das Laufen zu lernen, denn er wird definitiv nie laufen können. Wir hatten allenfalls die kleine Befürchtung, dass er dann nicht mehr krabbeln will. Er hat mit 19 Monaten seinen Rolli bekommen, der eine große Bereicherung für ihn ist. Trotzdem will er auch immer wieder krabbeln. Er ist ja auch noch klein und spielt viel auf dem Boden.
Leiht euch doch einfach mal einen Rolli vom Sanitätshaus aus und testet mal, wie Jule damit klar kommt!
Viele Grüße,

Diana W.
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Beitragvon Diana W. » 06.04.2005, 12:53

Hallo Silke,

auch ich kann dir nur den Tip geben, es auszuprobieren, wie Jule mit einem Rolli klar kommt. In der Regel profitieren die Kinder davon. Trotz allem kann ich deine bedenken verstehen, dass Jule die Motiavation zu laufen verlieren kann. Aber dem kannst du ja auch entgegenwirken, indem ihr klare Absprachen trefft, wann Jule im Rolli ist und wann eben nicht. Wir haben bei uns in der Einrichtung auch einen Jungen, der schnell aus Bequemlichkeit auf den Rolli zurückgreift. Jetzt gibt es die klare Absprache, dass er den Rolli für die Schule hat und auf der Wohngruppe läuft oder krabbelt er. Zudem wird in der Schule regelmäßig mit ihm gelaufen und er hat dort mit den Lehrern jetzt zusätzlich die Absprache getroffen, dass er den Rolli in der Klasse nicht benutzt, sondern nur, wenn er zum Unterricht in andere Räumlichkeiten muss. Das klappt recht gut. So kann er auf allen Wegen mit seinen Klassenkameraden mithalten, da er mit seinem Rolli sehr flink und wendig ist und lernt trotzdem weiter sein Laufen zu verbessern. Wir haben ihm auf diesem Weg ganz viel Frustration genommen und ihm an einigen Stellen ziemlich entlastet.

Liebe Grüße, Diana

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Beitragvon Anke B. » 06.04.2005, 13:09

ich kann nur sagen das das Laufen bei uns nicht weniger wird. Der Rolli kmmt aber auch nur zum Einsatz wenn Spaziergänge anstehen, oder für den kiGa. Zu Hause krabbelt Nicole oder nutzt ihren Rollator, was so auch völlig ok ist für Nicole. Seit neuesten machen wir einmal die woche Rollisport, damit Nicole einen besseren umgang mit den Rolli lernt. Auch werden die Kiddsa dadurch noch viel Mobiler und noch ein Stück Selbstständiger.
Probiert es doch einfach aus. Für die Schule den Rolli und zu Hause wird dann gelaufen.

ganz liebe Grüße von Anke
Nicole *01.06.01,Myelinisierungsstörung, fortschreitende Kleinhirnatrophie, geistig- und körperbehindert, Rumpfataxie, Skoliose unsere Vorstellung
mein Album
http://www.mobil-mit-behinderung.de/con ... s/home.htm

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Beitragvon SilkeS » 06.04.2005, 15:23

Also: erstmal vielen Dank für die vielen Antworten.

Ich hätte vielleicht noch dazu schreiben sollen, daß Jule im Kiga bereits mit einem Rolli probefährt. Sie kommt erstaunlich gut damit zurecht. Der Rolli bietet ihr auf jeden Fall ein großes Stück Selbstständigkeit.
Sie krabbelt auch alternierend und wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, daß sie vielleicht doch noch mal das freie Laufen erlernt. Laut
Aussage der Ärzte in Hamm und Aschau ist sie vom biomechanischem her dazu auch durchaus in der Lage. Vermutlich ist bei ihr die Angst vor Stürzen und das Gleichgewicht das grosse Problem. Deshalb ja meine Angst, daß sie aus Bequemlichkeit den Rolli bevorzugt und das Laufen ganz aufgibt.
Es ist einfach eine ziemlich schwierige Sache. Einerseits möchte ich ihr das Leben erleichtern (was mit Rolli ganz sicher so wäre), andererseits möchte ich ihr die Möglichkeit nicht nehmen, doch noch zu laufen.
Vermutlich wird es auf eine Kompromißlösung hinauslaufen: Lange Strecken und Schule mit Rolli, kurze ohne.Vorausgesetzt ich bekomme überhaupt ein Rezept für den Rolli, da Aschau ja den möglichst geringen Einsatz von Hilfsmitteln predigt. :?
Lassen wir uns einfach mal überraschen.
Lieben Gruß, Silke

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Kate
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Beitragvon Kate » 06.04.2005, 19:46

Liebe Silke,

Auch ich war bzw. bin noch auf einer Regelschule. An deiner Angst, dass sie aus Bequemlichkeit den Rolli bevorzigt ist vielleicht schon etwas dran. Aber bei mir war es eigentlich so, dass die anderen Kinder, die ja ganz normal laufen konnten, mich sehr motiviert und angespornt haben. Sie sind gelaufen, also wollte ich das auch. Anfangs hatte ich Angst in der Schule zu stürzen, bei den wilden Kids. Aber als mich alle besser kannten und wussten, dass sie rücksicht nehmen müssen ging das. Manche Orte der Schule bzw. auf dem Schulhof, wie z.B. den Sandkasten erreicht sie auch nicht mit dem Rolli.
Letzten endes müsst ihr ausprobieren, wie das bei ihr individuell am besten ist.Aber versucht es auch ohne Rolli, wenn sie die Wege ewas kennt. Es ist in jedem Fall einen Versuch wert vielleicht erlebt ihr eine Überraschung

Ich drück euch die Daumen und bin immer für Fragen offen
liebe Grüße
Kate :D
29 J. Studentin, ICP-spastische Tetraparese, angeborener Herzfehler, Wirbelsäulendeformitäten, Hüftdysplasie, Nervenschädigungen Z.n. OP mit chronisch neuropathischem Schmerzsyndrom, Rollinutzerin
"Ich bin nicht so oder so, sondern so und so und so." (Peter T. Schultz) "Liebt einander oder geht zu Grunde." (W.H. Auden)


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