Gaumenplatte wegen ständigen Sabberns - wer hat Erfahrung?

Hier könnt ihr die Hilfsmittel eurer Kinder vorstellen, z. B. Reha-Buggy, Pflegebett, Stehtrainer, Therapieliege usw. - gerne auch mit Foto.
Ihr könnt hier übrigens auch Fragen bezüglich Technik und Anwendung verschiedener Hilfsmittel stellen.

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Mariea
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Gaumenplatte wegen ständigen Sabberns - wer hat Erfahrung?

Beitragvon Mariea » 03.04.2005, 16:34

Hallo Zusammen,

im Netz finde ich nicht viel zum Thema. Unsere Krankengymnastin hat angeregt, bei Alexa mal eine Zahnärztin/Kieferorthopädin aufzusuchen, um eventuell eine Gaumenplatte anpassen zu lassen.

Alexa ist hypoton, sprachlich entwicklungsverzögert (ca. 40 Wörter aktiver Wortschatz) und, was mich nun wieder zur Verzweiflung treibt, sie sabbert gerne und viel. Ohne Tuch/Latz geht es nur ab und zu, ansonsten ist der Pulli nass.

Da nun der Sommer kommt und sie nicht ständig mit einem Tuch um den Hals bei sommerlichen Temperaturen rumrennen soll, bin ich immer noch auf der Suche nach Hilfe. Es kommt auch noch dazu, dass sie selber mittlerweile regelmäßig Wutanfälle bekommt, wenn ich ihr ein Tuch dranmache, sie brüllt los und reisst dran rum: "ab, ab, ab" - also eine nervtötende Situation.

Ich kann mir unter einer Gaumenplatte wenig vorstellen. Laut Therapeutin ist das eine Platte aus Silicon, die durch Unterdruck am Gaumen befestigt wird und nur zeitweise getragen wird. Ist das so richtig?

Ist das Anpassen eine Tortur? Hilft es dabei, die Mundmotorik zu verbessern, das Schlucken von Speichel anzuregen? Wie sind eure Erfahrungen?

Castillo Morales Übungen machen wir regelmäßig, außerdem waren wir jetzt schon zweimal bei der Osteopathin, aber so richtig bei rumgekommen ist dabei nichts.

Danke und liebe Grüße
Marie

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Helmut
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Beitragvon Helmut » 03.04.2005, 20:07

Hallo Marie,

eine Gaumenplatte...ein weicher Gaumenabdruck, am besten einer mit einem "Bommel" (kleine, sicher beweglich befestigte Kugel ) dran bewirkt, das das Kind mit der Zunge mit dem Bommel speilt, wodurch der Unterkiefer angehoben, so der Mund geschlossen, und man das Speicheln so in den Griff bekommen kann. Durch den Mundschluss sammelt sich im Mund so viel Speichel, das dadurch der Schluckreflex ausgelöst wird.

Ob das einsetzen und raus nehmen an sich eine Totur ist, hängt vom Einzelfall ab, und sollte vom Facharzt, und Logopäden beurteilt werden. Hat ein Kind einen sehr hohen Gaumen, und kann den Mund nicht weit genug aufmachen, kann das Einsetzen und co. zum Problem werden. Das abnehmen des notwendigen Abdruckes vom Gaumen sollte... wenn es nicht auf Anhieb funktioniert, in Narkose, oder zumindest mit einer Sedierung gemacht werden, aber nur von Leuten, die es sicher können, und Erfahrung mit hilflosen Patienten haben... was nicht jeder Facharzt von sich sagen kann.

Sonja hatt anfangs auch Probeme mit dem Speicheln, die sie aber in den Griff bekommen hat, bevor wir in Richtung Gaumenplatte aktiv werden mußten. Ich hab ihr immer mal wieder harte Brotstückchen in den Mund gesteckt, sie hat damit im Mund rum gespielt, wodruch sich der Mundschluß verbessert hat.

:-) Helmut
Vater von Sonja, 22.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung. Schwerstmehrfachbehindert.

Angelika74
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Beitragvon Angelika74 » 03.04.2005, 20:30

hallo,

wir haben das gleiche problem. ohne tuch geht bei uns auch nix. :?


@helmut,

die idee mit den brotkrumen finde ich eigentlich ganz super. hat sich deine tochter nicht manchmal verschluckt? ich denke, eric würde es hinunterwürgen, wenn er es nicht schnell genug klein bekommt.
wie siehst du das??

danke!!
Sohn 02.02 starke glob. Entwicklungsverzg., hypotoner Muskelt., Wahrnehmungsst.,syndrom.Autismus,keine Spracheunsere Vorstellung
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Beitragvon Helmut » 03.04.2005, 20:46

Hallo Kathrin,

ob ein Kind so ein "stückchen hartes Brot" verschluckt, und ob das dann nachteilig sein kann, hängt vom Schluckverhalten allgemein, und der größe des Stückchens ab. Einem Kind, das sich oft an "kleinen Krümeln" verschluckt, sollte man natürlich nichts geben, was das verschlucken fördert. Natürlich sollte man sowas anfangs nur unter Aufsicht machen, und für den Fall des es ein Problem gibt, ein Getränk zum nachspülen parat haben. Ich hab früher auch mal ein Stück Marmorkuchen extra hart werden lassen, um harte Krümel mit anderem Geschmack zu haben. Wo man drauf achten sollte ist, das die Krümel gelutscht, und nicht unbedingt gekaut werden sollte. Wenn mehr gekaut als gelutscht wird, sollte man nicht ganz so harte Krümel geben, weil das für die Zähne tragisch werden könnte. Wichtig ist das der Unterkierfer oder die Zunge dabei arbeitet, weil das den Mundschluß fördert.

Was auch noch gut ist zum lutschen und Kauen ist,.. wenn denn Geschmacklich paßt.. ist die entsprechend cross gebratene, und passend groß zugeschnittene Schwarte von Bauchspeck.

:-) Helmut
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Beitragvon Elisabeth » 05.04.2005, 23:44

Hallo Marie,

unser Sohn sollte eigentlich auch ein Gaumenplatte bekommen, ebenso wegen seines mangelnden Mundschlusses. Es ist nicht nur ein Problem des Speichelflusses, auch beim Essen und in der Sprachentwicklung gibt es Probleme.

Nun waren wir heute bei unserer Logopädin (Castillo-Morales machen wir auch, Mund- und Esstraining), die es erst mal mit einem sog. "Face-Former" probieren will. Das ist ein kleines Trainingsgerät, das man sehr spielerisch einsetzen kann. Es verschließt den Mund und "zwingt" das Kind zum Mundschluß und zur Nasenatmung. Unsere Logopädin sagt, dass sich dadurch vieles von selbst ergibt, sich die Zunge anhebt etc.

Der "Face-Former" ist ein spezielles Produkt unserer Logopädiepraxis in Unna (Du gibst als Wohnort "bei Dortmund" an, vielleicht ist es ja nicht weit von Euch). Wenn Du magst, sende ich Dir gerne die Adresse (vielleicht nur für ein Info-Gespräch) als PN.
ich habe allerdings noch keine Erfahrungen, geschweige denn Erfolge dazu zu berichten, wie gesagt, wir haben das Ding erst heute erhalten.

Gruß, Susanne
Sohn *2002 +2016, Adenylosuccinat-Lyase-Mangel

Mariea
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Beitragvon Mariea » 06.04.2005, 21:56

Hallo Susanne,

es wäre ganz toll, wenn du mir für alle Fälle die Adresse deiner Logo-Praxis schreibst. Wir haben schon zwei Logopädinnen "verschlissen" und mit keiner war ich auch nur ansatzweise zufrieden, was den Einsatz und das Mitdenken anging.

Face-Former, hört sich interessant an. Wir haben jetzt schon einen Termin wegen der Gaumenplatte, zum Vorgespräch. Ich bin gespannt, was die Kieferorthopädin zu meiner Tochter sagt.

Evtl. komme ich aber auf deine Logopädin zurück. Bist du ansonsten sehr mit ihr zufrieden? Unna wäre ganz gut für uns zu erreichen.

Wie alt ist dein Sohn?

Danke und liebe Grüße!

Marie

dana68
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Beitragvon dana68 » 06.04.2005, 23:40

Hallo Marie,

du schreibst, dass ihr Osteopathie gemacht habt. Seid ihr auch bei einem
Kiss-Spezialisten gewesen? In Dortmund ist ein sehr guter, Dr. Sacher.
Viele Symptome unter anderem auch Sabbern deuten darauf hin.
Ein Versuch wäre es immerhin wert, viel angenehmer denke ich, als eine
Gaumenplatte, die von deiner Tochter wahrscheinlich nur schwer
tolerierbar wird.
Empfehlenswerte Seite: www.kiss-kid.de
LG Dana
S. geb. 09 (Atyp. Autismus und ADHS)
J. geb. 10 ( ADHS)

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Line

Beitragvon Line » 20.04.2005, 19:25

Hi ,

ich lasse nur einmal kurz Revue passieren , was wir innerhalb von Jahren bzgl.
,,Sabbern" besser erhöhter Speichelfluss / hypersalivation gemacht haben :

01.- Mundmotorische Übungen unterschiedlicher Art , vorw. Morales
02.- Physiotherapeutische Zusatzübungen/ Therapien zu:
-- Aufrichtung des Oberkörpers / Halsstreckung
( wenn der kopf immer nach vorn unten absinkt , hat physikalisch
kein hilfsmittel und keine Therapie eine nachhaltige Chance !!!
der Kopf-Halsbereich muss angehoben sein )
03.- kieferspange mit Zungenspiel , siehe oben beschrieben i.e.and, Beitrag
04.- operative Verlegung bzw teilweise Kappung von Speichelkanälen
mit ca. 60 bis 75 % Erfolg ( vgl. unter Krankengymnastik / Therapien )
( möglich wären theoretisch noch Botox-Spritzen , aber u.E. in diesem Bereich zu risikoreich )


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