Dennis isst schon wieder kaum!

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

Moderator: Moderatorengruppe

Xaxis

Beitragvon Xaxis » 12.04.2005, 21:57

Hallo Ilona,

kann Dennis das Essen in die Hand nehmen ?
Erfühlen und dann fütterst Du es ihm ?

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Ilona
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Beitragvon Ilona » 13.04.2005, 10:13

Hallo Susanne!

Dennis sträubt sich gegen jede Art von Essen! Gebe ich ihm das Essen in die Hand, läßt er es sofort wieder los! liegt es dann vor seiner Nase auf dem Tischchen vom Stühlchen, schiebt er es ganz schnell runter auf die Erde!
Er hat niht wirklich einen bezug zum Essen! Ich habe ihn schon einfach mit nem Becher Quark "allein" gelassen, aber das einzige, was er getan hat war den Becher auf die Erde zu schieben!
Ist der Becher leer, und der Löffel sauber, dann tut er immer so, als wenn er mich füttern wollte! Aber halt NUR dann, wenn der Becher leer ist, und dann auch nur ab und zu!
Allerdings ist er auf dem Entwicklungsstand von ungefähr 11 Monaten. Ist dafür sein Eßverhaltem nicht eigentlich gar nicht so ungewöhnlich? Ich habe keine Ahnung!

Ich bin echt ratlos!

Liebe Grüße

ilona
Ilona 09/1977 mit Dennis 01/2003
Globale Entwicklungsverzögerung (wenige und kleine Fortschritte), keine Sprache, hypoton, autistisch, Epilepsie... Alles ohne Diagnose oder Ursache, und mit meinem geliebten Bruder im Herzen (17.04.1975-14.01.2008)

Xaxis

Beitragvon Xaxis » 13.04.2005, 11:37

Hallo Ilona,

ich kann Dir nur von meiner Tochter und meinen Arbeitskids berichten...
da haben wir vor fast 3 Jahren einen bekommen, der jeden Abend - wenn er nach Meinung der Betreuerin nicht genug gegessen hat - per Nasensonde zwangsernährt wurde. Außerdem hatte er eine Therapeutin, die immer, wenn er ein Häppchen schluckte, Kinderlieder anstellte (japp, er aß mit 12 Jahren lange nur bei Hänschen klein...)...

Ich will hiermit NICHT sagen, daß Du Dennis zwingst oder gezwungen hast ! Aber Essen scheint eine heikle Situation bei Euch zu sein, und das spürt Dein Kind...

Es hat lang gedauert - 5,6 Monate - bis unseres begriff, daß Essen nicht Zwang, sondern Spaß ist.

Es hat uns sehr viel Geduld abverlangt, nicht zu schimpfen, wenn er die Nudel in der Hand nur zermatschte und guckte und net aß...

Trinkt Dennis denn Brei aus der Flasche ? Kannst Du Dir Bioni (hochkalorische Nahrung für Kids in versch Geschmacksrichtungen) besorgen und ihm das aus der Flasche geben ? Dann deckt er seinen tägl Kalorienbedarf relativ leicht, und Du leidest nimmer, wenn er nur einen oder zwei Löffel Quark ißt - das Ganze könnte sich entspannen und ihr könnt es langsamer angehen, wenn er weiter ist...

Kann gut sein, daß Dennis sich grad in einem andren Bereich weiterentwickelt -motorisch z.B., fällt Dir da was auf ?
Und deshalb beim Essen zurücksteckt...

Oder - und da bin cih mir persönlich sicher - er spürt wie es Dir geht, was alles auf Dir lastet und er hat einfach keinen Appetit :-(

Sabine2
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Beitragvon Sabine2 » 13.04.2005, 15:54

Hallo Ilona,

meine Tochter ist ein ehemaliges Sondenkind und daher kenne ich die Spirale zwischen Nicht essen und drohender Gewichtsabnahme ganz gut.


Erst einmal: Kann Dennis essen? Also schlucken, etwas kauen? Du kannst Dich natürlich auch mit Deinem Kinderarzt absprechen, wenn Du Dir unsicher bist.
Wenn das in Ordnung ist, dann wiege Dennis heute einmal und schreibe es auf.

Dann überlegst Du Dir, was er essen soll. Morgens einen Griesbrei, mittags Gemüse/Fleisch, abends wieder einen Griesbrei. Dazwischen eine Obstmahlzeit. Zu trinken gibt es Wasser (Du kannst mit sehr verdünnter Milch, also quasi weiß gefärbtes Wasser anfangen) Du kannst natürlich auch die Mahlzeiten tauschen.

Dies ist Dein Plan und diese Mahlzeiten bietest Du ihm an. Wenn er nicht will, sagst Du ganz ruhig. "In Ordnung, dann räume ich ab." Lobe ihn nicht für das Essen, schimpfe aber auch nicht. Und achte auf seine Zeichen. Hat er wirklich Hunger? Dreht er den Kopf weg oder macht eine positive Bewegung? Du solltest ihm nur dann etwas zu Essen geben, wenn er ein positives (das heisst "ich will etwas zu essen") Signal aussendet. Sonst wird das Essen irgendwann Euer Leben bestimmen und Essen soll etwas feines sein.

Nach einer Woche wiegst Du ihn wieder und dann schau, wieviel er wirklich abgenommen hat. Hat er mehr als 5 Prozent abgenommen, solltest Du noch einmal mit Deinem Kinderarzt sprechen und einen neuen Plan entwickeln. Aber ich denke, Dein Sohn merkt sehr genau, was er durchsetzen kann und was nicht.

Die Infos bei Markus Wilken sind wirklich sehr zu empfehlen, man ahnt manchmal gar nicht, wie schnell man in diese Spirale reinrutscht.

Viel Glück
Sabine mit Stella (06/2002, fröhliches Rollikind, globale Entwicklungsverzögerung unbekannter Ursache, spricht nicht, hat aber ein gutes Sprachverständnis, Schluckstörung)

kerstinm
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Beitragvon kerstinm » 13.04.2005, 16:51

Hallo Ilona,

unsere Tochter wurde als Früchchen und nach ihrer BNS-Epilepsie über mehrere Monate per Sonde ernährt. Sie hat das Essen wieder erlernt. Oder sollte ich sagen: Sie hat wieder Freude am Essen gefunden. Geholfen haben ihr ihre Drillingsschwestern. Ich hatte gar nicht die Zeit, dass Essen lange in sie hereinzutricksen. Wenn sie nicht wollte, dann habe ich sie eben später sondiert. Sie ist immer noch ein Super-Leichtgewicht. Solange sie jedoch fröhlich und mobil ist, spielt das Thema Essen oder nicht Essen bei uns keine große Rolle.

Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Gelassenheit hilft.
Zunächst ist es sinnvoll, den Zwangskreislauf zwischen Gewichtszunahme und Essen zu unterbrechen.

Ihr habt schon viel unternommen, um herauszubekommen, ob Dennis relativ problemlos schlucken und kauen kann. Das scheint ja halbwegs zu funktionieren. Das ist doch schon mal gut. Außerdem trinkt er gerne. Das heißt die Gefahr der Austrocknung besteht nicht. Prima.

Dann würde ich es doch einfach mal so probieren: Jedes Essen kurz anbieten. Möchte er nicht - auch gut. Dann gibt es eben später etwas.
Wenn mich jemand ständig mit dem Thema Essen "nervt", vergeht mir auch der Appetitt. Vielleicht will Dennis auch lieber mir euch Erwachsenen essen. Oder du läßt ihn mal versuchsweise von einer anderen vertrauten Person füttern. Das wirkt oft Wunder, weil andere nicht so verkrampft an die Sache herangehen.

Ich habe inzwischen auch gelernt, meine Vorstellung von gesunder Kleinkindkost zu relativieren. Tochter Nr 1 und 2 essen wochenlang nur Quark und Pfannkuchen. Zur Zeit ist Käsebrot der Hit. Tochter Nr. 3 bevorzugt möglichst salzige Gemüseeintöpfe. Tochter Nr. 2 kann problemlos 8 Würstchen essen, schafft aber keine halbe Scheibe Brot. So kommt jeder mal zu seinem Recht und wer nicht möchte, bekommt eben nur Brot oder nur Quark. Morgen ist ein neuer Tag.

Mit anderen Worten: Kleinkinder (auch stark entwicklungsverzögerte) haben ihren eigenen Kopf und den erproben sie auch mal beim Thema Essen.

Erst wenn ein Kleinkind wirklich über mehrere Tage nicht essen will (es muss natürlich trinken), würde ich über hochkalorienreiche Ernährung per Flasche oder per Sonde nachdenken.

Viel Erfolg, Gelassenheit und Geduld

Kerstin

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Beitragvon Ilona » 13.04.2005, 20:12

Hallo Ihr Lieben!

Ich habe mir von Milupa Probepackungen schicken lassen von einem zusatz fürs Essen, damit mit der Nahrung mehr kcal aufgenommen werden können, denke aber NICHT daran, sie ihm zu geben!
Sie sind mehr so eine Art Notreserve, für den Fall, daß er wirklich mal ganz mit dem Essen streiken sollte!
Bis jetzt war das aber noch nicht der fall, und ich glaube auch eigentlich nicht, daß da die Gefahr besteht.
Was mir aufgefallen ist, daß er motorisch bzw bei seinem Sprachverständnis Fortschritte gemacht hat, und beim überlegenist mir aufgefallen, daß er eigentlich immer das Essen als erstes sein gelassen hat wenn er woanders einen fortschritt gemacht hat.
Kann so etwas sein?

Ich habe mir angewöhnt, Dennis jeden Tag ein Sache anzubieten! Meistens dreht er schon den kopf weg,wenn er den Löffel kommen sieht, und dann lasse ich ihn auch in Ruhe, da ich auc Angst davor habe, daß er sich sonst zum Essen gezwungen fühlt!

bis jetzt kann ich sagen, daß dennis kein Gramm abgenommen hat, habe ihn nämlich gerade gewogen, und das ist doch eigentlich beruhigend, oder?

Ich gewöhne mir auf jeden fall die Gelassenheit an, die Dennis braucht!

Manchmal denke ich nämlich, daß man vor lauter RICHTIG-MACHEN-WOLLEN manches aus den Augen verliert!

Ganz lieben Dank für die tollen Tips!!!

Liebe Grüße

Ilona
Ilona 09/1977 mit Dennis 01/2003

Globale Entwicklungsverzögerung (wenige und kleine Fortschritte), keine Sprache, hypoton, autistisch, Epilepsie... Alles ohne Diagnose oder Ursache, und mit meinem geliebten Bruder im Herzen (17.04.1975-14.01.2008)

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Beitragvon kerstinm » 13.04.2005, 20:23

Hallo Ilona,

klasse, dass Dennis solche Fortschritte macht.

Ja, das mit der Gelassenheit ist nicht einfach. Ich musste das auch erst mühsam lernen.

Beruhigend, dass Dennis nicht abnimmt. Mit dem nächsten Wachstumsschub kommt sicher auch wieder sein Apetitt.

Grüße

Kerstin mit 3 Mädels (2,5 Jahre und 9 kg, 10,5 kg und 12,5 kg und bisher noch nicht verhungert ;-)


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