Entwicklungsverzögert oder behindert?

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

Moderator: Moderatorengruppe

Antworten
Silvia & Iris
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3919
Registriert: 20.03.2007, 18:32
Wohnort: Österreich

Entwicklungsverzögert oder behindert?

Beitrag von Silvia & Iris »

Hallo!

Ich habe da eine Frage...
Anfangs wurden wir trotz eindeutigem CT bzw. MRT-Befund immer wieder als retardiert oder entwicklungsverzögert eingestuft, ab dem 30. Lebensmonat - auch angeregt durch meine Physiotherapeutin - habe ich erwirkt, dass dieser Begriff durch "mehrfachbehindert" ersetzt wird.

Bis jetzt konnte mir eigentlich keiner erklären, woran man erkennt ob ein Kind entwicklungsverzögert oder behindert ist! - Von amtswegen ist da ein gravierender Unterschied! (z. B. um zu einem Behindertenausweis zu kommen etc.)

Ich hoffe, dass jemand von euch den Unterschied kennt und diesen auch erklären kann, denn am Befund (MR, CT) alleine kann es ja nicht liegen, denn sonst wäre uns doch von Haus aus ein "mehrfachbehindert" zugestanden, oder?

Viele liebe Grüße

Silvie & Iris
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

Benutzeravatar
katrinchen
Professional
Professional
Beiträge: 2201
Registriert: 22.02.2006, 19:39
Wohnort: Bremen

Beitrag von katrinchen »

Hallo Silvie,
leide rkann ich dir hier kaum mit irgendwelchen amtlichen Begründungen helfen. Aber soweit ich das immer verstanden habe, ist die Entwicklungsverzögerung die Ursache oder Diagnose der Behinderung. Ähnluch wie bei Autismus oder so. Und damit hast du einen Behindertenstatus, der eben in einer Entwicklungsverzögerun begründet ist. Oder sehe ich das falsch? :?
Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Rita W.
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 37
Registriert: 15.09.2006, 01:50
Wohnort: Herzogenrath

Beitrag von Rita W. »

Hallo Silvia & Iris,

Also da machst Du Dir glaub ich das Leben selber etwas schwer. Beantrage doch einfach mal einen Ausweis.
Ich habe Deine Vorstellung gelesen und danach steht euch mit Sicherheit ein Behindertenausweis zu.
Es gibt wohl auch kaum entwicklungsverzögerung oder Behinderung. Fast alle behinderten ( oder sogar alle) Kinder sind durch die Behinderung entwicklungsverzögert.
Mein Sohn hat seinen Ausweis bereits mit 1 Jahr bekommen obwohl wir erst sehr viel später eine eindeutige Diagnose hatten.
Der Behindertenstatus wird in übrigen nicht einfach durch die Entwicklungsverzögerung begründet, sondern durch die Auswirkungen.
Wenn ich das richtig gelesen habe kann Iris doch sogut wie nichts alleine und damit müßten ihr neben 100% auch Merkzeichen wie aG ( außergewöhnlich Gehbehindert) sowie H ( Hilflos) und eine Begleitperson zustehen.
Habt Ihr eine Pflegestufe?
Rita mit Nicolai 18q-, bzw de Grouchy 2
schwer- mehrfach-behindert GDB 100%

nessaja
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 265
Registriert: 27.07.2006, 11:12

Beitrag von nessaja »

Hallo

ich glaube es gibt da keine konkrete Definition.

Ich find leider nicht mehr link - ich hatte irgendwo mal gelesen: Entwicklungsverzögert sagt man solange keine Ursache bekannte ist oder man davon ausgeht, dass die Verzögerung noch aufgeholt werden kann.

Anderseits ist ja jede Entwicklung die nicht altersgerecht ist eine Verzögerung.

lt Wiki: Von einer Behinderung spricht man bei individuellen Beeinträchtigungen eines Menschen, die umfänglich, vergleichsweise schwer und langfristig sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/Behinderung

lg nessaja
Junior: 11/01 gesund
Tami 10/04: langstreckige Ösophagusatresie IIIb; GÖR - Z.n. Re-Fundoplikatio 2010; rezid. obstruktive Bronchitiden u. Pneumonien; Restriktion der Lunge d. chron. Aspriration, Z.n. Verschluss Larynxspalte Typ1 2011; SEV
unsere Vorstellung

Benutzeravatar
dkizinna
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 11883
Registriert: 25.11.2005, 22:43
Wohnort: Köln

Beitrag von dkizinna »

Hallo,

mein Sohn ist schwerbehindert (70%, G, B), aber auch disharmonisch entwicklungsverzögert. Bei uns ist die Entwicklungsverzögerung bedingt durch die Behinderung, gehört eben dazu.

Es ist doch egal, welchen Namen das "Kind" hat! Ob Entwicklungsverzögerung oder Behinderung. Wegen der Einschränkungen kann man auf jeden Fall einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Entwicklungsverzögerungen sind ja, wie der Name schon sagt, ein irgendwann vorübergehender Zustand, aber solange Beeinträchtigungen vorliegen, steht einem auch SBA zu. Es geht da ja um Nachteilsausgleiche.

Viele Grüße

Dagmar
Dagmar m. Florian (09/03)

Benutzeravatar
Tobias
Kinder-<br>physiotherapeut
Kinder-<br>physiotherapeut
Beiträge: 2432
Registriert: 28.06.2004, 13:17
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Beitrag von Tobias »

Hallo,

eine Entwicklungsverzögerung kann Teil einer Behinderung sein....
Man kann sagen es ist eine Charakteristik der Behinderung.

Umgekehrt sind aber nicht alle Kinder mit Entwicklungsverzögerung gleich behindert...dazu gehören eben diverse Voraussetzungen, die auf der WIkI-Seiteganz gut erläutert sind!

Gruß Tobias
Tobias Bergerhoff / Kinderphysiotherapeut

Physiotherapie bei Hüftreifungsstörungen
http://www.kinderhueftdysplasie.info
Physiotherapie in Indien - ein persönlicher Erfahrungsbericht
http://www.patengemeinschaft.de/seiten/ ... azin01.pdf
Die Patengemeinschaft
http://www.patengemeinschaft.de/seiten/ ... paedie.htm
jetzt auch auf Facebook:
https://www.facebook.com/pages/Praxis-T ... 80?sk=wall

meine Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic452.html

>>>Und du fühlst, dass du lebst
Weil du tanzt und fliegst, du schwebst
Weil du lachst, weil du weinst und liebst
Du bist ein Wunder
Du bist ein Wunder<<<
Andreas Bourani "Wunder"

Silvia & Iris
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3919
Registriert: 20.03.2007, 18:32
Wohnort: Österreich

Beitrag von Silvia & Iris »

Vielen Dank Tobias,

so hatte ich das nämlich auch verstanden, dass ein entwicklungsverzögertes Kind ncoh aufholen kann und ein mehr oder weniger selbständiges Leben erreichen kann. - Diese Kinder sind auch auf alle Fälle in die Regelschule integrierbar!

Während bei dem behinderten Kind nicht damit gerechnet werden kann, dass es einmal selbständig sein wird (es wird immer einen Sachwalter brauchen) und man sich bei solchen Kindern sehr wohl überlegen muß ob eine Integration in eine Regelschule möglich ist und nicht mehr der Entwicklung des besonderen Kindes schadet als nützt. - Und auch der schulischen Umwelt.

Natürlich können gewisse Faktoren auch normel entwickelte Kinder in eine Förderschule bringen, doch das ist eher die Ausnahme! (Ich denke da an soziale Verwahrlosung)

Das ist so ähnlich mit Puten und Truthähnen, jede Pute ist ein Truthahn, aber nicht jeder Truthahn eine Pute!

Habe ich das nicht wieder liebevoll verglichen... :)

Viele liebe Grüße
Silvia & Iris & Peter

Jetzt sehe ich schon, dass der Jüngere die Ältere in der Entwicklung bereits überholt hat...
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

Benutzeravatar
Heikem
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 11166
Registriert: 11.10.2006, 20:00
Wohnort: Schleiden

Beitrag von Heikem »

Hallo Silvia!

Auch ich frage mich manchmal, was der Unterschied zwischen beiden ist.
Dominik ist in seiner Entwicklung zwischen geistiger- und Lernbehinderung.
Ich weiss nicht, ob er dies jemals aufholen kann.

lg
heike
Heike *73,Ferdi *57,
Miriam*94 MFA
Saskia*96 gesund;
Matthias *05 soziale Angststörung
Tobias *99 Asperger
Dominik *01
ND,Asthma,Entwicklungsverzögert
Jan *09 Verdacht auf G.B. Dystrophie;
meine Galerie

Annette Schmidt
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 11800
Registriert: 25.02.2006, 21:44
Wohnort: Lehrte

Beitrag von Annette Schmidt »

Hallo!
nessaja hat geschrieben:
ich glaube es gibt da keine konkrete Definition.
Für den Begriff "Behinderung" gibt es eine klare Definition. Einfach mal hiervon was anklicken und lesen.

Die sozialrechtliche Definition des Begriffs Behinderung ist auch für die Gewährung von Rechten nach den Sozialgesetzbüchern notwendig, die Behinderung zum Thema haben, z.B. das SGB IX, in dessen §2 die Defintion von Behinderung steht.

SGB IX § 2 Behinderung

(1) Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.

(2) Menschen sind im Sinne des Teils 2 schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 73 rechtmäßig im Geltungsbereich dieses Gesetzbuches haben.

(3) Schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden sollen behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber wenigstens 30, bei denen die übrigen Voraussetzungen des Absatzes 2 vorliegen, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz im Sinne des § 73 nicht erlangen oder nicht behalten können (gleichgestellte behinderte Menschen).


Aufgrund des Punktes 1 nehme ich an, dass eine Entwicklungsverzögerung dann ein Entwicklungsrückstand von weniger als 6 Monaten ist.

Liebe Grüße

Annette
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

Bitte keine PN-Anfragen, danke.

Antworten

Zurück zu „Krankheitsbilder - Allgemein“