Ärzteblatt: Autismus: Genetische Störungen....

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Annette Schmidt
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Beitragvon Annette Schmidt » 15.03.2007, 18:56

Liebe Nina!
Ich habe gestern eine Mutter kennengelernt, deren Sohn Autismus hat. Im Gespräch sagte sie mir, man wisse nicht genau , warum ein Mensch Autismus bekäme, aber es gäbe wohl noch immer Stimmen, die den Müttern die Schuld daran geben würde.
Sie meinte noch, sie sei schon angeblafft worden, ob sie ihr Kind nicht im Griff hätte....

Bild Bild

Jetzt habe ich es begriffen, Du meintest nicht, dass der Mutter die Schuld gegeben wurde, dass ihr Kind autistisch ist, sondern dass Außenstehende, die nicht wissen, dass das Kind Autist ist, der Mutter nachsagen, sie könnte ihr Kind nicht richtig erziehen, wenn es sich auffällig verhält, sagen, das Kind bräuchte nur mal einen Klaps, wäre das Kind zwei Wochen bei ihnen, wäre das Problem erledigt (O-Ton meiner Schweigermutter früher) etc.

Das kenne ich irgendwoher....... Ich bin des öfteren in die Offensive gegangen, wenn in der Öffentlichkeit derlei Sprüche kamen und habe Ulis Schwerbehindertenausweis (GdB 80, Merkzeichen H, B und G) aus der Tasche geholt. Betretenes Schweigen, manchmal sogar eine Entschuldigung.

Und wenn das alles nicht hilft, zitiere ich einen Spruch von ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, den jeder kennen und parat haben sollte (den Spruch meine ich natürlich ;-)), der mit einem behinderten Familienangehörigen (egal ob Kind oder schon erwachsen) in der Öffentlichkeit schon mal blöd angemacht oder angestarrt wurde.

Nicht behindert zu sein ist ein Geschenk, dass einem jederzeit genommen werden kann

Nachfolgendes Dokument könnte man solchen Leuten auch mal in die Hand drücken.
http://www.imew.de/imew.php/cat/79/aid/ ... eizsaecker

Liebe Grüße

Annette
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

Bitte keine PN-Anfragen, danke.

nina108
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Beitragvon nina108 » 15.03.2007, 19:43

grins....
Liebe Annette,
nee, ich glaube ich hab mich nicht gut genug ausgedrückt, die Mama hat beides erzählt: 1.)manche Menschen würden noch glauben, es läge an der Mutter; und 2.), sie sei schon angeblafft worden, ob sie ihr Kind nicht im Griff hätte.

Ist schon krass , was sich manche Menschen so rausnehmen. Wir sind nur einmal blöd angemacht worden, unser Sohn sollte mal noch ne Sonnenbrille tragen, dann sähe der aus wie Heino. Der Typ war sicherlich kein Volksmusikfan, aber wir waren völlig baff und hatten keinen Spruch parat.

Das Zitat ist wirklich sehr gut. Und ich werde es mir auf alle Fälle merken.

LG
nine

Alex82
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Beitragvon Alex82 » 30.03.2007, 09:45

ein weiterer Artikel zu Autismus:
http://www.spektrum.de/artikel/866414

Fand ihn ganz interessant (habe aber das Heft - keine Ahnung bisher ob dort der ganze Artikel (als online) abgedruckt ist).

LG
Alex
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Beitragvon Sylvia_DD » 02.04.2007, 14:10

zu DDR-Zeiten hielt sich das gerücht der kalten Mütter hier auch extrem. Da wurden die Kinder sofort weggenommenund nach Arnsdorf in die Psychiatrie gebracht, um sie vor den bösen müttern zu schützen :shock:

dass sie darurch plötzlich "geheilt" wurden ist aber nicht bekannt :twisted:
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Beitragvon C.J. » 02.04.2007, 14:42

Hallo,
ich habe ja dieses jahr meine these in der medizinischen Forschung gemacht, und es ist nun einmal so, dass man, um die Krankheit besser zu verstehen und Ansaetze zur heilung zu machen, es einfach besser ist, wenn man die Genetik der Krankheit kennt. Dies ist zum Beispiel fuer eine Gentherapie (welche noch nicht moeglich ist es aber in der Zukunft sein kann) sehr wichtig.
Genthreapie ist ja eh die grosse Hoffnung aller Forscher, es gibt, wenige, Beipsiele wo in Tieren dies anschlaegt.
Mein Mann hat eine Retinopathie, auf dem X Chromosom liegt bei ihm der Fehler der ihn (sehr langsam) zum Erblinden bringt. Es wurde in Maeusen fetsgestellt, dass dies Gentherapeutisch einigermassen zu heilen ist. Natuerlich sind das erst erste Versuche, mit Maeusen und bis das bei Menschen geht brauchen wir noch Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte, aber man kann sehen, es tut sich etwas.
Um solche Therapien zu finden muss man eben den genausen lokus des gendefekts zu kennen.
Es ist nicht (nur) fuer Abtreibung etc...!!!!!!!
Es wird ja auch im Brustkrebs so geforscht, meine Mutter musste ihr Genom untersuchen lassen um zu sehen ob ihr Brustkrebs genetisch ist, dies wurde gemacht damit wir Toechter wissen ob wir sehr frueh mit Mammogrammen beginnen sollen oder nicht!

Also Forschung ist nicht schlecht, leider werden oft durch Kuerzungen Projekte abgebrochen und es ist einfach schade! Denn viel viel Zeit wird investiert, Kindern und erwachsenen mit Krankheiten zu helfen, und irgendwo muss man ja anfangen!!
Grussi, CJ
C.J., humangenetische Beraterin in Great Ormond Street Hospital for Children, London.

“Today you are You, that is truer than true. There is no one alive who is Youer than You.”
(Dr. Seuss)

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Beitragvon silvana muc » 02.04.2007, 21:06

HAllo Inge,

vielen Dank für Deinen Link! ICh fände es auch sehr hilfreich, wenn man es genetisch ermitteln könnte, das würde einem sehr vieles ersparen...Odysseen und Irrwege inklusive!
Das mit den Abtreibungen wäre sicher ein Problem, aber vielleicht würde es ja auch dazu beitragen, die Kinder die dann bewusst zur Welt kommen von frühester eit an zu fördern...statt Jahre in Unwissenheit und Zweifel vergehen zu lassen...Ich jedenfalls bin über neue Erkenntnisse immer dankbar, es hilft mir den ganzen Wust von Problemen/Themen zu bewältigen.... :roll:

lg silvana
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Beitragvon Sylvia_DD » 05.04.2007, 12:18

Hallo C.J.,

ich stimm dir da zu...

vor allem, wenn man so liest .. und ich bekomm oft mal bei meinen Radio-News sone Sachen hingelegt... für was für bekloppte forschungen Geld ausgegeben wird...
Für wen ist es sinnvoll zu wissen, ob Männer oder Frauen mehr lügen? Oder auf welchen Ruf des Hahnes die Hühner eher anfangen ihre Körner zu picken? Oder, dass Menschen im "Schwarm" einkaufen .. da bekomme ich Schreikrämpfe!

Natürlich wird jedes forschungsergebnis in der Genforschung immer wieder dazu beitragen, dass sich Menschen gegen ein krankes Kind entscheiden...aber es wird auch dazu beitragen, dass Menschen, die bereits krank sind geholfen werden kann.
Es wird immer gut und böse geben...anders funktioniert es nicht.

Ich wurde vor kurzem auch gefragt, wieso ich das risiko einging mit Epilepsie kinder zu bekommen ... ja ich wußte es da ja noch nicht...und ich kann diesen Gedanken nicht vollziehen... ich weiß es nicht, da ich meine kinder über alles liebe!!! Ich kanns mir nicht vorstellen, sie nicht zu haben!

Allerdings tu ich jetzt alles dafür, nicht nochmal schwanger zu werden! Meine verkorksten Gene geb ich nicht noch weiter!
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Beitragvon Syke » 10.05.2007, 11:41

Jau, solche verkorksten Erfahrungen musste ich auch machen. Meine eigene Mutter meinte zu mir, als Kind noch sehr klein war, sperre sie doch ins Krabbelgitter ein und auch Kathi könnte lernen, was geht und was nicht! Oder eine Dame vom Amt (Kathi liebt Papier über alles), die wegen Kathi mal ein bißchen ihr Schreibtisch aufräumen musste *frechgrins* .. "Geben sie ihr Kind doch ins Heim!" :oops:

Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht, erst meine Mutter und dann das noch ... ich bin dann aus dem Osten ins Ruhrgebiet gezogen und habe hier nur positive Erfahrungen gemacht! Frühförderung usw, das war hier viel besser schon ausgebaut als im Osten :-)
LG
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Beitragvon Sylvia_DD » 10.05.2007, 12:14

* .. "Geben sie ihr Kind doch ins Heim!" :oops:
ich glaub bei mir hätte die dann erstmal ihren Schreibisch wieder aufstelln müssen, wenn sie drunter vorgekommen wäre!!!!!!!! :evil:

Wir takt- und herzlos sind nur manche Menschen!?
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Beitragvon Syke » 10.05.2007, 12:52

LOL .. ja kann ich mir gut vorstellen :o
LG
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