Behindertenausweis, GdB 50, keine Merkzeichen - Widerspruch?

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Kirsten K
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Behindertenausweis, GdB 50, keine Merkzeichen - Widerspruch?

Beitragvon Kirsten K » 08.03.2005, 12:02

Hallo,

nun mal wieder eine Frage (genauer: ein Wust an Fragen. Vorsicht!) zum Behindertenausweis. Habe alle bisherigen Beiträge durchforstet, aber letzte Klarheit noch nicht erlangt. :wink:

Es geht um folgendes:
Sehr flott kam heute der Behindertenausweis für Tom mit GdB 50 und ohne Merkzeichen. Nun steh ich da und weiß überhaupt nicht, ob das berechtigt ist, was uns das überhaupt bringt und ob ich Widerspruch einlegen soll.

Tom ist ja erst 9 Monate alt und deshalb weicht sein Zustand (kann sich nicht drehen, nicht sitzen, nicht strampeln, hat keine Kopfkontrolle) noch keine 6 Monate vom Entwicklungszustand anderer Kinder ab. Aber ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass auch gilt, wenn diese Abweichung von mehr als 6 Monaten höchstwahrscheinlich eintreten wird und da Tom all das wohl nie können wird, ist das ja der Fall.

Deshalb müßte Toms Gdb meiner Ansicht nach viel höher ausfallen, auch der Kinderarzt meinte, er würde für 100 % plädieren. Auch frage ich mich, ob nicht trotz Toms "Jugend" auch das eine oder andere Merkzeichen angemessen wäre.

Auch wurde der Ausweis ab 18.02.05 und nicht ab Geburt (bzw. zumindest ab Diagnose) ausgestellt.

Als Funktionsbeeinträchtigung haben die übrigens lapidar "Muskelkrankheit" festgestellt. Da gibt es ja eine unendliche Anzahl, müssen die das nicht auch berücksichtigen?

Was meint Ihr:
Soll ich Widerspruch einlegen oder stehen wir da bei Toms Alter chancenlos da? Und wenn ja, gegen alle Punkte?
Was habt Ihr für Erfahrungen oder Ratschläge?
Und - gibt es irgendwelche Vorlagen, wie Widersprüche idealerweise formuliert sind o.ä.?

Über eure Hilfe wär ich sehr dankbar. Das alles ist noch so neu für mich, da steh ich immer wieder da wie der Ochs vorm Berg...
:oops: :wink:

Liebe Grüße

Kirsten
Kirsten (37) mit Tom (* 16.06.04, † 11.11.07), Spinale Muskelatrophie Typ I

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Beitragvon RA Philip Koch » 08.03.2005, 15:50

Hallo Kirsten!

Ohne jetzt genau das Forum durchsucht zu haben und zu wissen, welche Beeinträchtigungen bei Tom vorliegen, will ich Dir mal folgende Hinweise geben:

Der behandelnde Arzt ist der Auffassung ein GdB von 50 ist zu niedrig und in GdB von 100 wäre angemessen. Diese Einschätzung wird er sicherlich auch begründen können und erforderlichenfalls auch wollen.

Deshalb würde ich in jedem Fall Widerspruch einlegen. Außerdem bringt ein hoher GdB Steuervorteile bei der Einkommensteuer mit sich und Merkzeichen zu entzeihen ist schwieriger für die Behörde, als Merkzeichen zu erlangen. Es lohnt sich also zu kämpfen.

Widerspruch kannst Du allerdings nicht gegen einzelne Punkte des Bescheides einlegen, sondern nur gegen ide Einstufung als solche. Idealerweise solltest Du den Widerspruch darauf beschränken, daß nur ein GdB von 50 und kein höherer GdB festgestellt wurde. Die Formulierung müßte dann wie folgt lauten:

"Hiermit lege ich gegen den Bescheid vom ... - Az.: ......... -, mir zugegangen am ......., Widerspruch ein, soweit für meinen Sohn Tom lediglich ein GdB von 50 festgestellt wurde, und beantrage, den Bescheid vom ........ aufzuheben und den Grad der Behinderung meines Sohnes Tom mit 100 festzustellen."

Zur Begründung würde ich dann eine Stellungnahme des behandelnden Arztes beilegen.

Am Schluß des Schreibens würde ich dann auf die Drei-Monats-Frist des § 88 Abs. 2 SGG hinweisen.

Darin steht sinngemäß, daß die Behörde innerhalb von drei Monaten über den Widerspruch entscheiden muß. Tut sie das nicht, ist nach Ablauf der Drei-Monats-Frist die Erhebung einer Untätigkeitsklage zum Sozialericht zulässig. Viele Behörden scheuen derartige Klage wie der Teufel das Weihwasser, wodurch sich die Antragsbescheidung erheblich beschleunigt. Das gilt übrigens nicht nur im Bereich des Schwerbehindertenrechts.

Viel Erfolg!

Philip
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Beitragvon Kirsten K » 08.03.2005, 16:38

Hallo Philip,

super, danke für die ausführliche Antwort. Damit kann ich schon eine ganze Menge anfangen.

Habe zwischenzeitlich auch mit dem SPZ in Freiburg telefoniert und die zuständige Damen meinte, der GdB müsse an der Krankheit festgemacht werden und nicht am Alter des Kindes und in Bezug auf die Krankheit von Tom könne sie schonmal klar sagen, dass 50% zu wenig sind.

Nun sehe ich schon langsam wieder klarer.
:wink:

LG
Kirsten
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Beitragvon Karin65 » 08.03.2005, 22:42

Hallo Kirsten,

ich würde auch noch die Merkzeichen erwähnen, die du für deinen Sohn haben willst. Außerdem möchten sie doch bitte dann auch gleich den ausweis ab Geburt datieren, da die krankheit seit Geburt besteht.
Da mußt die evtl dann noch eine Bescheinigung vom Arzt zufügen. Dürfte ja aber kein Problem sein. :wink:

Unser Hans hat ja Duchenne Muskeldistrophie. Da wurde es auch erst mal so versucht.
Der Wiederspruch hat aber super geklappt. Wir haben80% und alle Merkzeichen und Datiert ab Geburt.

Gruß karin65

Kirsten K
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Beitragvon Kirsten K » 09.03.2005, 07:51

Hallo Karin,

alles klar, wird gemacht. Welche Merkzeichen habt Ihr denn genau? Ich denke, zumindest H und G müßten sie uns zugestehen, evtl. sogar aG.

LG
Kirsten
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Beitragvon Gundel » 09.03.2005, 08:23

Hallo Kirsten,

also ich denke auch ein B müßte Dir zustehen, da Dein Zwerg ja auch Dich als Begleitperson braucht.

Beim aG kann ich Dir nur sagen, daß das sicher schwierig wird. Til aht eine angeborene Querschnittslähmung und trotzdem hatten wir bis Mai 04 nur ein G.
Erst nach zahlreichen Befunden und Begründungen seitens der Ärzte hat er das aG bekommen. Gestern habe ich dann mal im versorgungsamt angerufen und da kam dann als Begründung, daß ein gesundes Kind in dem Alter auch noch nicht laufen könne...bla bla bla...naja was solls.

Falls Du 100 % Schwerbehinderung bekommen solltest, würde Dir auch Nachteilsausgelich zustehen, den Du dann ab dem 1. Geburtstag Deines Kindes bezahlt bekommen würdest oder eben rückwirkend. deshalb ist es günstig, diesen Antrag gleich mit auszufüllen.

Drück Dir die Dauemn und laß Dich nicht unterkriegen. Ist manchmal ein echt langer und harter Kampf, aber für unsere Kinder lohnt der sich!
Gundel mit ihren sieben Zwergen (Marie und Nane 06(1991, Lukas 01/93, Moritz 10/98, Emma Lucie 07/02, Til Richard (09/03, caudales Regressionssyndrom u.a. thorakolumbale Spina bifida, MMCele,Analatresie, schwere Skoliose, Zustand nach VEPTR-OP 01/2009, 9/2009, Zustand nach Appendikostoma 6/2010), Jannis Frederic (05/2005)

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Beitragvon Karin65 » 09.03.2005, 09:39

Hallo Kirsten,

wir haben G, aG, H und B als Merkzeichen. Ich hatte dmals auch ganz frech in unserer Begründung geschrieben, das ich aus dem Internet viele Familien mit Kindern kenne, die bei gleichem Krankheitsbild diese Merkzeichen und mehr % bekommen hatten.
Das hat dann ja auch geklappt. :wink:

Gruß karin65


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