Sprachbehinderte in Regelschule einschulen?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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gitti
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Sprachbehinderte in Regelschule einschulen?

Beitragvon gitti » 24.02.2005, 21:58

Hallo Ihr Lieben,

seit letztem Jahr gibt es in Berlin ein neues Schulgesetz, in dem es Rückstellungen nicht mehr gibt und Integration von "besonderen" Kindern Vorrang hat. Grob heisst das: Jedes Kind hat einen Anspruch auf einen Platz in einer Regelschule. Nur dummerweise wurden mit diesem Gesetz auch die sonderpädagogischen Zusatzstunden gestrichen, da es sich ja nun im engeren Sinne nicht mehr um Integration handelt

Für uns bedeutet das, dass Katharina, die im Mai 6 Jahre alt wird, dieses Jahr bereits auf eine Regelgrundschule gehen wird.

Nur mache ich mir schreckliche Gedanken darüber, wie sie mit ihrer Sprachbehinderung in einer Klasse mit ca. 28 Kindern und nur einer Lehrerin zurechtkommen soll. Integrationsklassen gibt es ja nun nicht mehr. Und Epilepsie -zwar seit 2 1/2 Jahren anfalllsfrei - hat sie ja auch noch...

Glücklicherweise bekommen Sprachbehinderte gnädigerweise noch 4 Förderstunden pro Woche,d.h. eine Sonderpädagogin oder eine andere Lehrerin sind für diese 4 Stunden zusätzlich dabei. :shock:

Wir haben und gegen eine Sprachbehindertenschule entschieden, da fast die gesamte Kitagruppe in diese Schule geht, und es für Katharina immer enorm wichtig ist, bekannte Gesichter um sich zu haben, da sie sich sonst total in sich kehrt.

Und je näher (Einschulung ist zwar erst im August) der Termin kommt - Schuluntersuchung und Anmeldung sind natürlich schon gelaufen - um so unsicherer werde ich, ob es das richtige für sie ist.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Euren Kindern in einer Regelgrundschule gemacht?

Liebe Grüsse

Gitti :?

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Ulli
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Beitragvon Ulli » 25.02.2005, 20:24

Hallo Gitti,

unsere Tochter war in Frankreich in der "Grundschule". Leider haben wir dort nur schlechte Erfahrungen gemacht. Unsere Tochter ging in der Klasse unter, die hatte aber nur 18 Schüler. Es gab nur Probleme mit den Mitschülern und vor allem mit immer denselben Lehrern und vor allem mit der Direktorin. :evil:

Heute ist meine Tochter in Deutschland in einer Schule für Sprachbehinderte. Sie blüht förmlich auf. Sie geht gerne in die Schule und hat auch Freunde. Sogar ihre sozialen unsicherheiten legt sie mitlerweile, wenn auch ganz langsam, schon ab. Dies obwohl sie erst 4 Wochen dort ist. Für meine Tochter war dies die Richtige Entscheidung. Das muss aber nicht heißen, dass es für euch auch zutrifft. Aber ich würde, wenn ich mich heute entscheiden sollte jederzeit und vor allem direkt für diese Schule entscheiden.

Ich hatte am Anfang auch starke bedenken mich für diese Schule zu entscheiden. Doch bei einem Besuch dort wurden mir viele Ängste genommen. Wenn du dir unsicher bist, dann moch doch einfach mal einen Termin dort und erkläre worum es geht und dass du gerne mal alles sehen möchtest. So haben wir es auch gemacht.

Auch wenn du dich entschließt, dein Kind dort einzuschulen, dann heißt es nicht, dass es auch immer dort bleiben muss. Unser Direktor hat uns erklärt, dass die meisten Kinder nur ein Jahr bei ihnen sind und dann in eine normale Schule wechseln können und dann dort auch keine größeren Probleme haben. Die wenigsten Schüler bleiben dort 2, 3 Jahre und sehr selten noch länger.

Für unsere Tochter war es auch eine sehr pos. Erfahrung, dass es auch andere Kinder mit Sprach- und Konzentrationsschwierigkeiten gibt.

Auch kann man sich bei uns bis, ich glaube es war Oktober oder November, noch entscheiden, ob es nicht doch besser wäre, sein Kind doch noch auf eine Schule für Sprachbehinderte zu schicken. Wenn man dann halt merkt, dass man sich vielleicht doch falsch entschieden hat und das Kind überfordert. Oder halt wie das oft ist, die Eltern bislang noch gar nicht wussten, dass ihr Kind eine Sprachschwäche hat. Kommt leider oft vor. :(

Hoffe ich konnte dir etwas helfen. Wenn du noch Fragen hast, melde dich ruhig.

Liebe Grüße
Ulli
Fabienne 9J schwere emotionale Störung mit sozialer Ängstlichkeit,schwere expressive und rezeptive Sprachstörung, Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten, passagere depressive Störung, Verdacht auf Skoliose,LRS,Neurodermitis; Léa (2)Neurodermitis, Céline (8)Zustand nach Harnröhrenplastik 2002, Jessica (13)Neurodermitis

Birgit-B.

Beitragvon Birgit-B. » 25.02.2005, 22:56

Hallo Gitti,

bei uns steht diese Entscheidung jetzt auch an. Sprachheilschule oder Regelschule, evtl. mit mobilem Dienst der Sprachheilschule.

Auch wir sind noch sehr unschlüssig. Ein detailierter Elternabend steht noch an. Danach hoffe ich klarer zu sehen...

Liebe Ulli,

schön dass es Deiner Tochter besser geht. Mein Sohn ist im Sprachkiga auch aufgeblüht. Es tut ihnen einfach gut zu sehen dass auch andere Kinder Probleme haben und sie nicht alleine dastehen. Außerdem ist der Druck sicherlich nicht so groß...

Von daher wäre die Sprachschule wohl die erste Wahl...

Viele Grüße,
Birgit mit Marc-Oliver, 6 Jahre, ADHS mit auditiver Wahrnehmungsstörung und Problemen im sprachlichen Bereich, Jan-Niklas 14 Monate

micha82

Beitragvon micha82 » 25.02.2005, 23:06

Hallo Gitti,

ob deine Entscheidung richtig war, das wird die Zeit zeigen.

Ich würde es vor allem davon abhängig machen, ob deine Tochter eine Sprachbehinderung hat, die auf einer körperlichen Erkrankung beruht und bleiben wierd, oder ob sie "ausheilbar" ist.

Wenn man sie therapieren kann, würde ich dir die SB-Schule empfehlen. Dort wird man neben dem Unterricht intensiv mit deiner Tochter daran arbeiten, ihre Sprache zu verbessern.
Wenn sie nach ein oder zwei Jahren ihre Probleme im Griff hat, dann kann sie auf eine Regelschule und hat dort wesentlich geringere Probleme.
Auf der Regelschule selbst wird deine Tochter sich mit ihrem Handicap anpassen müssen. Man wird nicht sehr intensiv mit ihr daran arbeiten, ihre Sprache zu verbessern.

Wenn die Behinderung deiner Tochter nicht zu heilen ist, dann kann die Regelschule auch das Richtige sein. Dann wird dein Kind sich früher oder später daran gewöhnen müssen, mit der Behinderung umzugehen, ohne dass eine Besserung eintritt. Die bekannten Kinder aus dem Kindergarten können ihr dabei eine große Hilfe im neuen Lebensabschnitt sein.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen.

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Kate
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Beitragvon Kate » 25.02.2005, 23:27

liebe Gitti,

Auch ich besuche schon immer Regelschulen. In der Grundschule hatte ich in meiner erdten Klasse Schwierigkeiten, es waren viele Kinder und ich war etwas langsamer. Ich hab die erste Klasse wiederholt und seither hat alles geklappt. Heute besuche ich ein Gymnasium. In der Grundschule hatte ich auch nie Anschlussschwierigkeiten und hatte viele Freunde.

Ich möchte dich beruhigen. Ich finde es zweifels ohne auf deutsch gesagt zum Kotzen, dass bei euch jetzt die Integration abgeschafft wurde, denn die hat mir sehr geholfen, aber ich hatte sie auch nur 5 Stunden in der Woche, von daher hab ich da keine Bedenken. Es ist erst ein Anfang warte einmal ab, wie sie sich einlebt und zurecht kommt. Vielleicht erlebt ihr ja eine Überraschung und solllte es wegen der Sprachbehinderung Schwierigkeiten geben könnt ihr dann nach einer anderen Mäöglichkeit suchen. Lass es auf dich zu kommen, denn wenn du dir jetzt schon den Kopf zerbrichst hilft dir das nicht wirklich.
Ich drücck euch auf jedenfall ganz doll die Daumen
liebe Grüße
Kate :)
29 J. Studentin, ICP-spastische Tetraparese, angeborener Herzfehler, Wirbelsäulendeformitäten, Hüftdysplasie, Nervenschädigungen Z.n. OP mit chronisch neuropathischem Schmerzsyndrom, Rollinutzerin
"Ich bin nicht so oder so, sondern so und so und so." (Peter T. Schultz) "Liebt einander oder geht zu Grunde." (W.H. Auden)


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