Die Zeit läuft ... (welche Schule für mein Kind?)

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

Ela_

Die Zeit läuft ... (welche Schule für mein Kind?)

Beitragvon Ela_ » 20.02.2005, 11:55

Hallo Ihr Lieben,
ich habe gerade mal ein bischen im Thema Kindergarten und Schule gelesen. Und ich muss sagen so langsam werde ich panisch.
Mit der richtigen Schule werden wir dank Bürokratie noch eine Menge Kampf haben. ADHS wird doch vom Umfeld (mit kleinen Ausnahmen) als Modekrankeit bzw. als Erziehungsfehler der Eltern gesehen.

Uns war schon von anfang an klar, das Basti (5 1/2) anders is als andere. Durchschlafen ist bis heute nicht möglich. Mit 10 mon. konnte er laufen mit knapp 3 fahrrad fahren. Aufgeplatze lippen und viel blut waren immer lustig, weil es tut ja nich weh. Soziale kontakte hat er wenige bis keine. Weil wie soll er verstehen das andere Kinder schmerzen haben? Genauso verstehen die anderen Kinder nicht warum er so grob is. Die Eltern sind schlimmer bzw. ignorant. Wir haben halt ein brutales verzogenes Gör.

Der Verschleiss an Kinderärzten bis heute war enorm. Anstatt zuzugeben von AdHS diagnostik keine Ahnung zu haben wurden wir nur noch mehr verunsichert.

Erst seit dem Kindergarten gehts so einigermassen. Und jetzt mit dem 5. Kinderarzt sind wir mehr oder weniger auch gut beraten.

Nach dem ich den letzten Kinderarzt gelöchert habe- er möchte sich doch endlich mal der Problematik stellen und uns an ein Institut überweisen - er hat auf die überweisung geschrieben "Eltern durch inkompententes Kindergartenpersonal verunsichert, erbitte Klärung und Ausschluss ADHS".
Wir mussten ein Jahr auf diesen Termin beim Institut warten. Der Befund war ADHS <<<< welch überraschung für uns ... mit empfehlung von Ergotherapie - bekommen wir auch Ergotherapie.

Uns wurde dann ein anderer Kinderarzt empfohlen, bisschen weiter weg von uns, aber das nehme ich gern in Kauf.

So Ignorant alle anderen Ärzte davor auf unser "problem" reagiert haben, so entgegengesetzt reagiert dieser Arzt auf unser anliegen. Nur aufgrund der Berichte der Ergotherapie und der Berichte des Instituts haben wir soooooofort ohne Basti einmal gesehen zu haben, ein Ritalin-Rezept in die hand gedrückt bekommen. (ich höre jetzt gerade den Aufschrei fast aller die diesen Bericht lesen *lach*).

Für die die das übliche über Ritalin zu wissen glauben; Ritalin is kein Beruhigungsmittel, sonder ein Stimulanzmittel und wirkt sich auf den Hirnstoffwechsel aus. Irrtümlich werden Kinder die Ritalin einnehmen als ruhiggestellt betrachtet, weil sie nun in der Lage sind sich zu konzentrieren und nicht mehr Hyperaktiv rumzappeln. Es wird also ein gleichgewicht geschaffen.

Meine beobachtung: Bisher hat mein Kind chos verbreitet. Jetzt verbreitet er Chaos mit Überlegung.
Er is noch genauso lebhaft und aufgedreht wie vorher. Nur ist er jetzt zusätzlich in der Lage aufmerksam zu sein. Ich habe das erste mal das Gefühl und die Sicherheit, das das was ich ihm erzähle auch bei Ihm ankommt.

Da wir bisher von ärzten und Umwelt so sträflich im Stich gelassen wurden, habe ich mich mehr als aufmerksam mit dem Thema ADHS und der Problematik auseinander gesetzt. Das Ritalin hilft ihm wirklich.

Das erste Mal ist ein gemeinsames einnehmen der Mahlzeiten möglich. Basti hat das erste mal in seinem Leben ein Bild gemalt, einen Lego-Turm gebaut, ein Puzzel gemacht. Halt so Kleinigkeiten die sein Leben aber stark eingschränkt haben.

Wir mussten uns bisher unter anderem auch anhören von seiten der familie das ADHS anerzogen ist :?: :?: .

Mittlerweile habe ich mir angewöhnt nur noch huldvoll über soviel ignorantz zu lächeln. Hat eh keinen Sinn.

Nun rückt der Tag der Einschulung immer näher und wir bekommen immer noch zu hören wir hätten ja Zeit. Aber der nächste Sommer kommt schneller als man denkt. Und ich kann mir mein Kind überall vorstellen nur nicht in einer Regelschule. Ich glaube kaum das seine sensomotorischen und sozialen Defizite in so kurzer Zeit auf ein "normales" niveau reduziert werden können.

Er ist unter anderem Autodidakt, kann nicht automatisieren usw.

Wir befinden uns in einer totalen Grauzone:

- Die ergotherapie weigert sich weiter zu machen sollten wir weiter in das institut gehen.

- Das Institut schlägt eine 4 wöchige stationäre aufnahme vor um eine Diagnostik zu stellen....

- Bei einer Psychologin habe ich nach einer stunde erfahren das mein Kind (ohne das sie es einmal gesehen hat) hochbegabt is und sich alles andere dann von allein erledigt, wenn wir Basti richtig fördern.

- Das institut hat eine hochbegabung ausgeschlossen, nachdem mein Sohn drei Stunden lück-Kästen legen musste (wie soll ein kind das sich nicht 2 minuten konzentrieren kann 3 Stunden so'n scheiss machen)

- Unser Kinderarzt hält Ritalin für ein Allheilmittel das sogar die Ergotherapie überflüssig macht.

- Bei der Erziehungsberatung habe ich den Stempel "supermami" aufgedrückt bekommen, man könnte mir nicht helfen, da meine Erziehung vorbildlich sei.

Wie finde ich jetzt die richtige Schule für mein Kind. Welche Schritte kann ich unternehmen?

Die Ergotherapie, das Institut und auch der Kinderarzt sprechen von einer "Lehrbuchartigen" form von ADHS.

Das heisst wir haben nichts "schriftliches" zum vorlegen, damit ich Bastian an einer anderen Schule unterbringen kann.
Und wenn is noch die Frage ob das auch Kreisübergreifend geht. Die uns nächstmöglichen Schulen liegen in einem anderen Kreis, die in unserem Kreis sind entsprechend weiter weg.

(mir is gerade mal wieder nach heulen zumute, mein Sohn kam gerade und fragte warum die anderen Kinder nicht mit ihm spielen dürfen. Ein Junge wurde von seinem Vater nach Hause beordert, weil er mit meinem gespielt hat. Diese Ignoranz kotzt mich an. Ich solle mein Kind mal richtig erziehen, dann dürfte der Junge auch wieder mit meinem Sohn spielen)

So ich glaube das reicht erstmal :wink: :twisted:
Ich freue mich über 'ne Menge Antworten auch zum nur Mutmachen.

Liebe Grüsse Ela_

Werbung
 
Ulli
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 825
Registriert: 10.09.2004, 22:42
Wohnort: Marpingen

Beitragvon Ulli » 20.02.2005, 13:21

Hallo Ela,

ich kann dich gut verstehen, denn bis vor einem halben Jahr ging es uns genauso. Wir hatten damals auch noch keine Diagnose, nur die Behauptungen, dass wir uns ja nicht um unser Kind kümmern würden. Dass unser Kind zu dumm sei zum lesen und sprechen lernen bekam unsere Kleine auch immer wieder gesagt. Auch dass sie mit dummen Kindern nicht spielen dürfen. :?: :evil:

Erst als wir uns an das SPZ gewandt haben, dies wurde durch unseren Kinderarzt, der auch sagte, dass diese Situation untragbar wäre, hat sich alles schlagartig geändert. Dort wurde endlich mal eine handfeste Diagnostik betrieben. Mit uns zusammen wurde dann auch aufgestellt, was als nächstes zu tun ist. Es wurden Tipps gegeben, wie man den Alltag besser bestreiten kann und wie man eine bessere Selbständigkeit erziehlen kann. Auch wurde uns gesagt, was an Therapien im Moment nicht nötig ist. Außerdem wurde mit uns zusammen die beste Schulform für unsere Tochter gesucht und gefunden :!: :D

Alles in allem wurden wir echt super beraten und sind nach der Entlassung auch noch regelmäßig in Kontakt mit dem SPZ. Wir können bei Schwierigkeiten jederzeit dorthin anrufen. Wir bekamen sehr viel Mut gemacht, haben aber auch klipp und klar gesagt bekommen, was unser Kind wahrscheinlich nie machen kann.

Ich bin sicher, dass auch du den richtigen Weg für und mit deinem Sohn finden wirst. Gib vor allem nicht auf. Ich habe meiner Tochter auch immer erklärt, dass ja die anderen Kinder eigentlich dumm sind, denn sie akzeptieren ja jemanden, der "anders" ist als die Mehrheit der Beölkerung nicht. Das Hilft ihr heute immer noch.

Liebe Grüße Ulli
Fabienne 9J schwere emotionale Störung mit sozialer Ängstlichkeit,schwere expressive und rezeptive Sprachstörung, Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten, passagere depressive Störung, Verdacht auf Skoliose,LRS,Neurodermitis; Léa (2)Neurodermitis, Céline (8)Zustand nach Harnröhrenplastik 2002, Jessica (13)Neurodermitis

Ela_

Beitragvon Ela_ » 20.02.2005, 13:31

Hallo Ulli,

SPZ?

Nein und wir geben auch nicht auf. Unser Sohn is clever, intelligent und vielen seiner altersgenossen weit voraus.

Nur diese Hilflosigkeit macht mich Wahnsinnig.

Ich komm mir ein bischen vor wie Don Quichotte, kämpfen gegen Windmühlen.......

Wir sind im Laufe der letzten 3 Jahren mehr inkompetenz, Ignoranz und kluger Ratschläge begegnet als wirklicher Unterstützung.

Liebe Grüsse
Ela_

Liane K.

Beitragvon Liane K. » 08.03.2005, 12:55

Hallo Ela,
habe deinen Bericht gelesen.
Ich wüßte da vielleicht, was du noch machen könntest.
Wie schaut denn eure Ernährung aus. Bekommt dein Kind genug Vitamine, Mineralstoffe,Spurenelemente?
Ich habe mal irgendwo gelesen ,dass ADHS auch mit der Ernährung zusammenhängt. Dann fehlen dem Körper bestimmte Bausteine, die evtl.erst mal mit Nahrungsumstellung und -ergänzung annähernd repariert werden sollten.

Das wäre ein kleiner TIPP von mir!

Liebe Grüße
Liane K.

Dula

Beitragvon Dula » 08.03.2005, 17:53

Hallo Ela_,

Ups, Du benötigst anscheinend echt eine Menge Aufmunterung und Bestätigung. Ich weiß gar nicht wo und wie ich anfangen soll... grübel gerübel.

Habe ich es richtig verstanden, dass Basti Ritalin bekommt? Da ich in der frühförderung und im Kindergarten arbeite, habe ich mich viel mit diesem Thema auseinander gesetzt. Dazu habe ich einige Elterngespräche geführt und möchte echt nicht in der Haut der Eltern stecken um zu entscheiden was das Richtige für mein Kind ist - gerade bei solchen Entscheidungen. Ich denke das Ritalin für einige Kinder genau das "Richtige" ist und leider (bin ich der Meinung) wird es teilweise zu schnell von Ärzten verschrieben.
Ich denke das auch Du dich viel mit deisem Thema auseinander gesetzt hast und schon viele gut gemeinte Tipps (besonders aus dem Bekanntenkreis) gehört hast.

Da ich Basti nicht kenne, ist eine Ferndiagnose so gut wie unmöglich.
Was ich Dir raten könnte, wäre z.B.
- Erkundige Dich wie die Klassengröße in den einzelnen Schulen ist. Ich könnte mir vorstelen, je kleiner die Klasse, desto größer die Chance für Basti dem Unterricht zu folgen.
- Gibt es auch integrative Schule im Einzugsgebiet? Wenn ja, halte ich die Variante auch für überlegungswert.

Ansonsten möchte ich Dir mitteilen, dass ich in meinem Beruf Kinder, wie deinen Basti, immer wieder sehr "klasse" finde. Sie lassen sich nicht immer alles sagen und wiedersprechen oder handeln so, dass man/frau immer wieder herausgefordert wird.

Zum Schluß...
Kopf hoch und ein kleiner Spruch
"Es ist nicht leicht gegen den Strom zu schwimmen. Aber manchmal ist es der einzige Weg."

Ich würde mich freuen von Dir zu hören. Wenn Du Interesse hast, kann ich DIr noch Info zukommen lassen, aber ich denke Du hast Dich wirklich schon super informiert!!!
:wink:

Carolin mit Chris

Beitragvon Carolin mit Chris » 16.03.2005, 15:43

Hi, Ela,
ich bin neu hier, aber ich möchte dir auch noch ein Bsp. schreiben.
Mein Neffe ist 10 und bekommt Ritalin. Er war vorher ein sehr ruhiges Mutterbezogenes Kind. Ihm hilft es offensichtlich, denn er ist letztes Jahr aufs Gymnasium gekommen.
Mein Sohn -auch 10- bekommt kein Ritalin. Er ist ständig unruhig, selbst unter der Geburt war er ein Quirl. Er ist "nur" auf die Realschule gekommen, aber er ist ein glückliches Kind, trotz der Belastung mit seinem mehrfach behinderten Bruder.
Welche entscheidung richtig ist, weiß nie jemand genau, solche Entscheidungen müssen wir Mütter offensichtlich aus dem Bauch raus treffen.
Liebe Grüße Carolin

BineBe
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 119
Registriert: 26.02.2005, 15:34
Wohnort: Osnabrück

Beitragvon BineBe » 16.03.2005, 21:16

Hallo,
wenn dein Sohn große Wahrnehmungsstörungen hat, könnte auch eine Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung in Frage kommen. Es wird wesentlich vom Lehrer abhängen, wenn er auf eine normale Schule geht. Wenn du aber denkst das er einen gänzlich anderen Unterrichtsstil braucht, kleine Klassenverbände,enge Strukturen , könnte es sinnvoll sein einen sonderpädagogischen Förderbedarf überprüfen zu lassen. Wenn er dann das Lernen gelernt hat, kann er ja auf eine andere Schule wechseln.
Ich habe auch von guten Internaten gehört, aber ich weiß nicht, ob das für Euch in Frage kommt.
Schwierig zu entscheiden, da er ja auch ein helles Köpfchen ist....Ich würde mir auf jeden Fall mehrere Schulen ansehen und hospitieren.
Gruß BineBe


Zurück zu „Kindergarten und Schule“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast