Schwerbeschädigung 80 statt 100%?

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Katrino_1
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Schwerbeschädigung 80 statt 100%?

Beitragvon Katrino_1 » 02.02.2005, 23:25

Hallo,

ich habe mal wieder eine Frage an Euch.
Mein Widerspruch zu dem Schwerbeschädigtenausweis meiner Tochter ist abgeleht worden. Der GdB ist wieder mit 80% festgelegt worden. Nun bleibt mit nur noch der Klageweg. Davor schäue ich mich jedoch.
Aber kann es denn sein, das ein Kind von 5 Jahren mit einer Tetraspastik, was nicht sitzen, laufen usw. kann, nicht 100% körperbehindert ist? Ich habe immer angenommen, das man als Rollifahrer eigentlich immer komplett eingeschränkt ist.
Wie seht ihr das?

Viele Grüße Katrin

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Sanne
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Beitragvon Sanne » 03.02.2005, 08:58

Hallo Katrin,

ich bin noch relativ neu im Forum und kenne mich noch nicht so aus (von daher kann ich dir leider auch nicht helfen). Aber eine Frage habe ich: Für was ist das wichtig?

Für uns war das "H" wichtig (steuerliche Vorteile) und das "aG" (Parkausweis) - unser Joel hat schon mit 3 Jahren für seine Tetraspastik beides bekommen.... (allerdings haben sie ihn dann auch mit 100% eingestuft).
Was steht denn in der Begründung, warum deine Tochter nicht 100% körperbehindert ist?

LG
Sanne

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jessie
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Beitragvon jessie » 03.02.2005, 10:17

hallo

eigentlich sollte durch das versorgungsamt versucht werden, eine realistische einstufung zu erreichen. eine zu hohe bringt zwar mehr finanzielle vorteile, aber ebenso wie eine zu niedrige erzeugt es ein falsches bild. der grad der behinderung richtet sich an alle gesundheitsstörungen, die vorhanden sind, und zwar unabhängig von ihrer ursache. es gibt sowas wie "richtwerttabellen", an denen der gdb eingeteilt wird.

bei koordinations- und gleichgewichtsstörungen z.b. geht es je nach ausmass der störung (feinmotorik, schwierigkeiten beim gehen/stehen..) um einen gdb von 30-100%. deswegen kann es durchaus sein, daß auch ein rolli-fahrer nicht unbedingt 100% hat, sondern halt 80%.

die einzeln eingeteilten werte werden dann addiert, daraus ergibt sich dann der gesamt-gdb.

ob eine klage nun gerechtfertigt ist, weiß ich nicht. frag mal deinen arzt, wie er selber den gdb einschätzen würde. allerdings hat diese einschätzung vor gericht keinen wert, aber vielleicht hilft es dir bei deiner entscheidung weiter.

gruß jessie

PS: es gibt auch den GdB-assistenten, dieses programm verschafft dir vielleicht einen überblick, welche behinderung welchen einzel-gdb zum tragen bringt. das programm ist aber nur eine art hilfsmittel, die die beurteilung eines arztes des versorgungsamtes nur in ansätzen erreichen kann. das ergebnis wäre halt nur ein anhaltspunkt für die beurteilung/entscheidung des versorgungsamtes

30tage-testversion zum download gibts hier:

http://www.global-help.de/projekt/conte ... 050120.htm
"wir können die kinder nach unserem sinne nicht formen. so wie gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben, sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren." (j.w. von Goethe)

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Beitragvon *Beate* » 03.02.2005, 11:49

Hallo Kartin,

mein Sohn,kann auch nicht laufen ist Rollifahrer,wir haben auch nur 80% bekommen,mir waren die Merkzeichen aber wie AG,G,B und H wichtiger.
Wenn Du das H im Ausweis hast,bekommst Du ja schon den höchsten Satz
an Steuervergünstigung am Ende des Jahres vom Finanzamt wieder oder monatlich auf der Steuerkarte.


Gruß Beate

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Isolde
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Beitragvon Isolde » 03.02.2005, 19:05

Liebe Katrin,

also zu schämen brauchst Du Dich mit Sicherheit nicht, wenn Du klagen willst.
Es ist Dein gutes Recht zu klagen, wenn die Dinge eindeutig sind.

Eines weiß ich aber auch - vielleicht kann sonst noch jemand etwas dazu sagen.
Die Versorgungsamtsbewertungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Es ist so, dass die gleiche Behinderung in dem einen Bundesland niedriger bewertet wird als in einem anderen Bundesland.
Warum das so ist, könnte mein Mann beantworten - der liegt aber derzeit im Krankenhaus. Aber ich spreche ihn am Wochenende mal an, und dann soll er mir diktieren, was ich schreiben soll.
Mein Mann ist da sehr fit, selber schwerbehindert und Schwerbehindertenobmann.

Insofern kann es sein, dass eine Klage Dir nichts bringt - weil Berlin eben das nur so bewertet, während Niedersachsen es evtl. anders bewerten würde.

Wenn Du G,B,H, oder noch aG im Ausweis stehen hast bei 80% - würde ich nicht klagen. Steuerlich bringt Dir das nicht so viel, denke ich mal, und diese Buchstaben reichen um einen Ausweis zu bekommen, bzw. einen Parkausweis zu beantragen in Eurer Stadt, wenn aG drin steht.

Lieben Gruß
Isolde
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Jean
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Beitragvon Jean » 03.02.2005, 19:23

Hallo Kathrin,

ich kann mich Isolde nur anschließen.
Du hast mit 80 % die gleichen Vergünstigungen wie mit 100 %.

Es könnte nämlich im schlimmsten Fall passieren, das Du nach der Klage weniger als 80 % bekommst, weil sie Dir was aberkennen.
Wünsche ich natürlich niemanden, aber ist theoretisch möglich.

liebe Grüße
Jean
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Beitragvon Isolde » 03.02.2005, 21:20

Liebe Katrin,

zum Glück hat die Telekom das Telefon auch eingeführt und ich kann Dir noch vor dem Wochenende antworten.

Also das Schwerbehindertengesetz ist ein Bundesgesetz.
Jedoch gibt es sog. Rahmenbedingungen die von den einzelnen Ländern gestellt werden.
Insofern liegt es alleinig im Ermessungsspielraum des einzelnen Sachbearbeiters und des ärztlichen Dienstes, wie sie die Bewertung vornehmen. (man könnte auch Willkür dazu sagen). So ist es auch mit dem Med. Dienst bei der Beurteilung der Pflegeeinstufung.

Die Vorarbeit zu einer guten Bewertung sollten natürlich die Ärzte liefern, die die Gutachten schreiben für das Versorgungsamt. Und da fängt es meist schon an, wenn ein Arzt da keine Lust im Grunde hat.

Also wichtig sind in der Tat die Merkzeichen.

Eine Klage ist dann sinnvoll, wenn die 80% in jedem Falle total fest sind, und man nicht dran rütteln kann. Denn am Ende hat der Richter genauso einen Ermessungsspielraum und wenn die 80% auf wackeligen Füßen evtl. stehen, dann könnte der Richter tatsächlich auch anders entscheiden.

Und der Unterschied bei 80% zu 100% macht sich beim Lohnsteuerfreibetrag bei der Steuererklärung bemerkbar - hast dann einen etwas höheren Freibetrag.

Mein Mann meinte, dass die 100% es in der Regel fast nur noch gibt, wenn einer den Kopf unter dem Arm trägt, oder es wirklich ganz eindeutig ist.

Vielleicht konnte ich ein klitzekleinwenig helfen.

Lieben Gruß
Isolde
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Beitragvon Katrino_1 » 04.02.2005, 05:03

Hallo,

vielen Dank für die Antworten. Eigentlich hatte ich mich schon mit dem GdB abgefunden, ich gehe nicht arbeiten und alle Merkzeichen habe ich schon erpresst. Ich weiß inzwischen, das alle Dinge die mit Staat zu tun, in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich ausgelegt werden. Und ich wohne halt in der besch...Stadt und dabei noch im aller besch... Stadtbezirk. Was woanders z.B. übers Berliner Jug-amt (Stadtbezirke) geht, wird hier abgelehnt. In Bln. steht das Verwaltungs-und Sozialamt fast ausschließlich zu seinen Ämtern. Da hat man wenig aussicht auf Erfolg. Seit diesem Monat sind auch die Gerichtsverfahren nicht mehr kostenfrei, so ab 250€ aufwärts.
Ich wollte halt die 100% GdB, die meinem Mädchen mit logischen Menschenverstand mit Sicherheit zustehen, gerne haben, weil wir uns wegen ihr einen Hund anschaffen wollten ( heute ist er auch zufälligerweise ins Haus geschneit, eine Aufregung!) und ich erfahren habe, das man bei 100% keine Hundesteuerbezahlen muß. Und 120 €/a sind ja eine Menge für nichts und es wäre ja wirklich mal etwas, wo ich sagen kann, dafür hat sich der Schwerbeschädigtenausweis mal gelohnt. Ansonsten bringen uns der GdB rein gar keine Erleichterungen.
Selbst in unseren Tierpark komme ich als Begleitperson trotz Kennzeichen B nicht kostenfrei rein, sondern bezahle Kindertarif von 8 € und bei 4 Kindern und ein paar großen Leuten ist so ein Tierparkbesuch sehr genau zu überlegen.

Viele Grüße Katrin

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Beitragvon dieMeike » 04.02.2005, 12:09

Hallo Katrin,

die Entscheigungen der Versorgungsämter sind schwer nachzuvollziehen.


Der Link von Jessie ist zur Information, sehr interessant.

Bei Neis wird für den GdB immer noch die Erstdiagnose Mitochondriopathie und kongenitale Muskelschwäche, herangezogen. Da ist der GdB mind. 90 % und max. 100 %.
Bei Behinderungen durch Hirnschädigungen gibt es einen Spielraum von mind. 20 % bis max. 100 %

Ich frage mich aber ehrlich wie unser GdB zustande gekommen ist, ohne das sie Neis auch nur ein einziges Mal gesehen haben. :o

Liebe Grüße
dieMeike mit

der Große, an der Grenze zur leichten Schwerhörigkeit ADS und LRS

Der Kleine, Muskelhypoton,
unklare Genese, einseitiger HG Träger

"Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann."

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