Regelkindergarten? Für uns wünschenswert...

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

elvira brigitte

Regelkindergarten? Für uns wünschenswert...

Beitragvon elvira brigitte » 30.01.2005, 13:00

Hallo, ich bin neu hier. Mein Sohn ist 2 1/4 Jahre alt und bei ihm wurde Entwicklungsverzögerung in manchen Bereichen von 10 Monaten festgestellt. Wir bekommen seit 2 Monaten 1 x pro Woche eine Frühförderung. Er arbeitet ganz toll mit und hat auch schon Fortschritte gemacht.
Meine Frage nun?
Was heißt hier im Forum "I-Kindergarten"?
Da ich halbtags Berufstätig bin und mit meinem Mann den Babyurlaub teile, müssen wir uns langsam für einen Kindergarten anmelden.
Meine Frühförderungsfrau meinte, mein Sohn müsste auf jeden Fall in einen Kindergarten mit einer kleinen Gruppe und einer Integrationshilfe gehen oder in einen Montesori-Kindergarten (der leider außerhalb ca. 30 km entfernt liegt) gehen. Leider werden wir außerhalb schlechte Chancen eingeräumt einen Platz zu bekommen, da leider erst alle Kinder am Ort berücksichtigt werden.
Meine Frage nun, wer hat Erfahrung und wie stellen wir es an, dass wir in den normalen Kindergarten gehen können und eine Ingrationshilfe dazu bekommen? Muß man hier und wo etwas beantragen (Bayern)?Mein Sohn ist ein Einzelkind und ich bin der Meinung, dass der Umgang von Gleichaltrigen nur fördernd für ihn sein kann, sollte sich natürlich herrausstellen das es nicht klappen würde, wird er wieder von diesem Kindergarten genommen.
Vielen Dank für Eure Hilfe.
Momentan ist meine Frühförderung nicht begeistert hiervon, weil sie gerade einen Fall von Zwillingen hat die 3 1/2 Jahre alt sind und die von anderen Kindern im Kindergarten gehindert werden aufs Klo gehen zu können und deshalb wieder in die HOse machen.

Werbung
 
marianne
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4861
Registriert: 12.01.2005, 11:19
Wohnort: Landkreis München

Beitragvon marianne » 30.01.2005, 14:47

Hallo Elvira Brigitte, in diesem ganzen Bereich gibt es ein unheimliches Begriffs-Wirrwarr, deshalb erzähle ich einfach mal, wie es bei uns gelaufen ist, auch Bayern, Landkreis München. Ich weiss allerdings nicht, ob es landeseinheitlich überall genauso gehandhabt wird. Unser Sohn Janosch, viereinhalb, ist auch in einigen Entwicklungsbereichen verzögert (vor allem Sprache und Sauberkeit). Wir haben hier am Ort mehrere Kindergärten, einen, der auch zwei Integrationsgruppen hat, aber ein Regelkindergarten ist. Dort haben wir Janosch im ganz normalen Anmeldeverfahren angemeldet. Natürlich gab es viele Gespräche mit der Leitung und auch der Gruppe, aber wir selber mussten nirgendwo sonst Anträge stellen. Die Integrations-Gruppe hat 15 Kinder zwischen 3 und 6 Jahren (statt normal 25), davon bis zu 5 heilpädagoische Plätze und statt "normal" (die 25er-Gruppen) 2 Erzieherinnen hat sie 3. Einmal wöchentlich kommt eine Heilpädagogin und macht Frühförderung mit den HP-Kindern. Außerhalb des Kigas gehe ich mit Janosch noch zur Logopädie. Für die Frühförderung hat die Heilpädagogin bei ihrem Aufnahmegespräch in unserem Namen einen Antrag auf Kostenübernahme beim Landratsamt gestellt.
Da die Integrationsgruppen auch Wartelisten haben, wäre es theoretisch auch evtl. möglich gewesen, dass Janosch einen Integrationsplatz in einer "normalen" 25er-Gruppe bekommen hätte. Da wäre dann aber der Nachteil der großen Gruppe gewesen und ich stelle mir vor, dass natürlich seine Besonderheiten in dieser Regelgruppe schnell untergegangen wären. Es gibt glaube ich auch Integrationsgruppen (nicht bei uns), in denen fest eine heilpädagogische Erzieherin oder sogar eine Heilpädagogin angestellt ist. Dafür sind es dann aber nur 2 statt 3 Erzieherinnen, wenn ich das richtig verstanden habe!?
Gibt es denn bei euch in der Nähe Integrationskindergärten? Was soll diese Integrationshilfe genau sein?
Wichtig ist vielleicht auch noch zu wissen, dass eine Integrationsgruppe keine Fördergruppe ist wie in einem Förderkindergarten. Das tägliche Programm ist wie in jeder anderen Regelkindergartengruppe auch, nur, dass unsere 5 Kids mit besonderem Förderbedarf geduldig und sehr gut mit einbezogen werden und halt da "abgeholt" werden, wo sie stehen und einmal wöchentlich noch die Frühförderung bekommen. Unser Sohn und auch wir sind absolut begeistert. Unser Sohn geht dort von Anfang an gerne hin, ist ausgeglichen und hat vom ersten Tag an ganz viel gelernt dort. Die Zusammenarbeit ist auch super mit dem Kindergarten. LG Marianne

Benutzeravatar
Rachael
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3901
Registriert: 24.10.2004, 20:41
Wohnort: Neuruppin

Beitragvon Rachael » 30.01.2005, 14:54

Hallo und wilkommen!

Das mit den Kindergärten ist ja regional sehr unterschiedlich geregelt, deshalb kann ich Dir nur von uns erzählen und weiss nicht, wie es in Bayern so läuft.

Wir wohnen in Brandenburg wo ja die Versorgung mit Kindereinrichtungen sehr gut ist und wir haben eine tolle Integrationskita hier in Neuruppin, die Florian schon mit anderthalb Jahren aufgenommen hat :D. Und das hat ihm unheimlich gut getan. Denn er wird dort sehr gefordert.

Es gibt hier sechs Gruppen mit je 15 Kindern und davon je ca. 5 Intergrationskinder, d. h. auf ihre Weise besondere Kinder. Die Kinder sind in ihrer Gruppe alle ungefähr gleich alt. Florian ist das einzige Liegekind in seiner Gruppe.

Jede Gruppe hat zwei Erzieherinnen und einen Zivi und dann, je nach Bedarf in der Gruppe, eine Jahrespraktikantin der Heilerziehungspflege-Schule, die es hier auch gibt. Dazu gibt es eine Heilpädagogin, die mit allen Integrationskindern arbeitet, und außerdem kommt eine Bobath-Therapeutin einmal in der Woche.

Letztes Jahr wurde Florian hauptsächlich von der Praktikantin bereut, dieses Jahr ist der Zivi für ihn zuständig.

Ich glaube, ein Integrationshelfer, wie Du ihn beschreibst, wäre dann auch ein Zivi, der Deinen Sohn darin unterstützen würde, die Sachen, die er noch nicht selber kann, zu machen. Aber das alleine reicht nicht. Denn sowas wie mit den Zwillingen darf nicht passieren. Und dafür muss man ganz klar bei den anderen Kindern zum Thema machen, dass es eben besondere Kinder gibt, die dann auch manche Sonder"rechte" haben.

Florian z.B. darf in die kleine Bällchenwanne und die Kinder sitzen um ihn herum. Er darf dort die Bälle auch rausschmeißen und die anderen holen sie zurück und werfen sie wieder rein. Im großen Bällchenbad, wo die Kinder zusammen drin sind, ist das nicht erlaubt. Bei anderen Gelegenheiten gibt's aber keine besondere Extrawurst.

Ich bin sicher, es antworten auch noch Leute, die sich in Bayern besser auskennen, es gibt ja doch das eine oder andere Fähnchen auf der Karte in Deiner Nähe.

Liebe Grüße, Rachael

Benutzeravatar
dieMeike
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1094
Registriert: 04.11.2004, 12:43
Wohnort: Sachsen-Anhalt

Beitragvon dieMeike » 30.01.2005, 16:47

Hallo und willkommen im Forum,

die einzelnen Bundesländer haben da völlig unterschiedliche Handhabungen, da kann Dir sicher nur jemand aus Bayern die richtigen Tipps geben.

In Sachsen-Anhalt gibt es genügend Kindergarten- und Krippenplätze, auch im Intergrativen Bereich.

Neis geht ohne Integrationshilfe in einen Regelkindergarten, allerdings ist es ein Montessorikinderhaus. Der Betreuerschlüssel ist sicherlich schlechter als in einem Integrationskindergarten, aber das wird durch das Engagement der Erzieherinnen
wettgemacht.
Die Montessorimaterialien kommen gerade entwicklungsverzögerten Kindern entgegen.
Die Heilpädagogin der Lebenshilfe ist immer wieder begeistert das die Intergration von Neis so gut klappt.

Liebe Grüße
dieMeike mit

der Große, an der Grenze zur leichten Schwerhörigkeit ADS und LRS

Der Kleine, Muskelhypoton,
unklare Genese, einseitiger HG Träger

"Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann."

Richard von Weizsäcker

melundkids

kindergarten

Beitragvon melundkids » 30.01.2005, 19:23

hallo!
also, meine kinder hatten alle frühförderung bekommen.nun aber mal von ganz vorne:mein ältester ,dominik,hat einen shunt(ventil zum ablaufen der gehirnflüssigkeit)und ist auch ein entwiklungsrückstand.vorallem in der sprache und im motorischen.dominik ist von anfang an in einen regulären kindergarten gegangen.meiner ansicht nach hat ihm dieser sehr gut geholfen und er wurde nicht ausgeschlossen.klar muß man privat dann mehr machen, wie zb.logopäden-förderung, aber das war es mir wert.heute geht er zwar auf eine schule mit schwerpunkt lernhilfe, aber er mußte nicht auf eine behinderten schule oder so.er wird von allen so angenommen als hätte er keine schwächen.und dieses gefühl baut ihn sehr auf und unterstütz ihn in seinem selbstbewustsein.

liebe grüße

melanie

benni
Moderator
Moderator
Beiträge: 5637
Registriert: 25.04.2004, 11:32
Wohnort: Sachsen

Beitragvon benni » 30.01.2005, 19:34

Hallo,

auch von uns ein herzliches Willkommen hier.

Wir wohnen seit reichlich 14 Jahren in Bayern und hier sind die I - Plätze leider Mangelware.
Wir haben hier im Ort 2 I- Kigas der Lebenshilfe und einen HPK und alle haben lange Wartelisten.
Mit 3 Jahren haben wir unseren Sohn in mehreren Kigas angemeldet und nur Absagen erhalten. Nur mit Hilfe der FF haben wir dann mit 3,5 J. doch noch einen 6- Stunden- Platz im I- Kiga erhalten, wo er dann 2 Jahre war.
Es sind auch hier 15 Kinder pro Gruppe, davin 5 mit einem heilp. Platz. Meist waren es 2 Betreuer sowie eine Praktikantin, das 2. Jahr gab es dann starken Personalmangel, so dass meist nur 2 zur Betreuung da waren. Die FF kam auch dahin jede Woche zweimal zu Therapien.
Für uns war es nicht die richtige Einrichtung, unser Sohn ist jetzt das 3. und letzte Jahr im HPK, da sind nur 8 Kinder pro Gruppe und mehr Personal.
Zusätzlich beantragen mußten wir auch nichts , nur ganz normal anmelden.


Gruß Anja
Anja mit Benjamin 03/97- schwere Mehrfachbehinderung wahrscheinlich durch 6- fach-Impfung, Muskelhypotonie,Wahrnehmungsstörungen/aut. Züge, Grand-mal-Epilepsie, Skoliose, Gastrotube, Tracheostoma, Beatmung, Sondennahrung
Benjamin hat 1 grossen und 3 kleine Brüder

Benja

Beitragvon Benja » 31.01.2005, 06:55

Hallo!
Ich komme zwar nicht aus Bayern sondern aus Schleswig-Holstein und kann daher auch nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten. :wink:
Jendrik hat auch eine Entwicklungsverzögerung von ca 1-1.5 Jahren und ging als Regelkind in einen "normalen" Kindergarten ohne Integrationsmöglichkeit. Mit 3.5 Jahren bekam er Frühförderung die bei uns über den Amtsarzt bewilligt werden muß. Nach Rücksprache mit der Amtsärztin habe ich Jendrik in einem Lebenshilfekindergarten in der Nachbarschaft angemeldet, der damals noch im Bau war und er hat dort zum Oktober 2002 dann auch einen Platz bekommen. :D
Die Gruppe bestand aus 10 Regelkindern und 5 Kindern mit Förderbedarf. Personell waren 1 Erzieherin, 1 Heilpädagogin sowie 1 Zivi dauernd in der Gruppe. Jendrik ist dort 6 Stunden täglich (von 8.00-14.00 Uhr) betreut worden und hat in den 2 Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Er ist damals mit einen Wortschatz von max. 15 Wörtern angefangen und konnte zur Einschulung letztes Jahre altersgerecht sprechen. :D Die Heilpädagogin hat sich immer wieder die entsprechenenden Kinder herausgepickt und allen spezielle Angebote gemacht und die Kinder individuell gefördert.
(Spezielle Bastelangebote usw.) Außerdem wurde vom Kindergarten Sprachtherapie, Krankengymnastik (Bobath)und Reiten angeboten. :wink:
Jendrik hat diese Gruppe sehr gut getan und er hat erhebliche Fortschritte gemacht. Ich persönlich finde Integrationsgruppen sehr gut und bei meinem Sohn hat sich die Gruppengröße von 15 Kindern auch nicht nachteilig auf die Wahrnehmung ausgewirkt. Ich würde ihn jederzeit wieder in diesen Ki-Ga geben.
Mein jüngster Sohn besucht übrigens die Paralellgruppe dort. Auch eine I-Gruppe allerdings als Regelkind!

LG Andrea

Benutzeravatar
Cerstin
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1402
Registriert: 29.06.2004, 10:29
Wohnort: Buchholz in der Nordheide

Beitragvon Cerstin » 31.01.2005, 09:57

Hallo

ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, Mascha war 2 Jahre im normalen Regelkindergarten. Und es war nicht gut.
Sie wurde gehänselt, hatte kaum Freunde. Die Erzieherinen waren einerseits ganz leib und bemüht, haben aber nicht immer mitbekommen. wenn Mascha in die Hose gemacht hat, und so wurde sie von den Jungs immer Kacka Mascha genannt.

Im Heilpädagogischen wird sie gefördert und genommen wie sie ist. (Ist jetzt saauber).
Wenn Du auch nur den geringsten Zweifel hast, gebe Dein Kind in einen I oder HP Kiga. tu im nicht die "normalen" Kinder an. Und die großen Gruppen überfordern leicht. Lieber in kleine Gruppen (Nest) von denen aus sie dann wenn sie sich sicher fühlen, langsam ihre "Fühler" in andere Gruppen ausstrecken können.
(Ich höre jetzt oft, ...Mascha war in der Gruppe sowieso und hat gespielt...
Liebe Grüße Cerstin
Mascha 5/99 leichte geistige Behinderung, Rolando Focus, Entwicklungsverzögert ca. 2 Jahre. KISS Syndrom. und Hannah 5/01 ADS-Träumer
Cerstin66 nach Depr./Angstat.nun ADS Gemischter Typ
unsere Vorstellung

elvira brigitte

Danke.

Beitragvon elvira brigitte » 31.01.2005, 12:33

Vielen Dank für Eure Antworten.
Ich habe am Freitag einen Termin bei unserem hiesigen Kindergarten und werde mal nachfragen, wie gross die Gruppe ist und Integrationshilfe möglich ist.
Es tut gut mit Betroffenen zu schreiben. Mit anderen Müttern bekommt man keine so großes Verständnis für seine Sorgen, zu spüren.

Habt Ihr Stellungsnahmen für den IntergrationsPlatz von Eurer Förderung und SPV benötigt?

Werbung
 
marianne
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4861
Registriert: 12.01.2005, 11:19
Wohnort: Landkreis München

Beitragvon marianne » 31.01.2005, 13:18

Hallo Elvira Brigitte, soweit ich weiss, sind in Regelkindergärten die Gruppen IMMER 25 Kinder stark, es sei denn, es ist ein I-Gruppe oder eine Montessorigruppe, aber mit letzterem kenne ich mich nicht aus. Außerdem warte ich gespannt auf deinen Bericht, was du über die Integrationshilfe hörst. Denn ich kann mir da so recht nichts drunter vorstellen!?Wenn das z.B. ein Zivi ist, der deinem Kind behilflich ist, ist das ja noch keine heilpädagogische Förderung und macht die Gruppe auch nicht kleiner. Vor allem wäre dein Kind ja dann ein "Einzelfall" in der Gruppe und nicht eins von 5 Kindern wie in einer Integrationsgruppe. Wenn neben dem ganz normalen Alltagsprogramm in einer Integrationsgruppe, die ja normales Regelprogramm hat, noch für die HP-Kinder täglich eine Heilpädagogin individuelle Angebote macht wie Benja das weiter oben schildert, das ist natürlich traumhaft, denn dein Kind hat dann seinen individuellen heilpädagogischen Förderplan UND die Förderung durch die normalen Alltagsaktivitäten einer Regelgruppe. So ist es aber bei uns z.B. nicht. Da kommt die Heilpädagogin einmal pro Woche und die Erzieherinnen haben heilpädagogische Fortbildungen und beziehen die HP-Kinder super mit ein, aber nicht noch mit individuellem heilpädagogischem Förderplan. Berichte mal, wie es bei euch weitergeht. Interessiert mich, weil wir ja sozusagen in etwas weiterer, aber immer noch bayrischer Nachbarschaft wohnen. LG Marianne :D


Zurück zu „Kindergarten und Schule“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste