Pflegestufe weggenommen - was tun?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Sandra22

Beitragvon Sandra22 » 28.01.2005, 16:45

Hallo an alle
Ich habe mal eine Frage. Und zwar hat mein Sohn Fabian (3Jahre) 2 Jahre lang Pflegestufe 1 bezogen (205 Euro). Und mir haben Ärzte und Eltern die Behinderte Kinder haben gesagt das ich eine Höherstufung beantragen soll. Und dies habe ich auch getan. Dann kam jemand zu uns nach Hause und Wochen später habe ich dann eine ablehnung bekommen. Und der hammer ist das mein Sohn jetzt noch nicht mal Pflegestufe 1 bekommt. Was kann man da machen brauche dringend tipps.
Gruss sandra

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Isolde
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Beitragvon Isolde » 28.01.2005, 17:14

Hallo Sandra,

auch an Dich den Tipp, wie in all den anderen Fällen auch.

LEGE WIDERSPRUCH EIN !!!

Das ist das allererste.
Dann rufst Du bei der Pflegekasse an und verlangst die Niederschrift des Gutachtens, aus der zu ersehen ist, mit welchen Zeiten die gerechnet haben.

Hast Du zuvor Dir die Zeiten aufgeschrieben, die Du evtl. Mehraufwand hast, jetzt sogar Mehraufwand gegenüber der Stufe 1 :?: :?: :?: .
Das ist ganz entscheidend, dass Du darauf vorbereitet bist :!: .
Denn wenn der Med. Dienst irgendwie eine Verunsicherung in Dir spürt, dann sind die sicher gnadenlos.

Also - wehre Dich - fordere Dir das Gutachten an, und lege Widerspruch ein.
Du kannst auch zuerst Widerspruch einlegen und darin sagen, dass Du die Begründung in den näachsten 2 Wochen nachlieferst. Bis dahin kannst Du Dich ausgiebig von verschiedenen Seiten beraten lassen.

Hat sich der Zustand von Fabian in den 2 Jahren sehr verschlechtert ????

Lieben Gruß
Isolde
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Beitragvon Sabine » 28.01.2005, 17:23

Hallo Sandra,

ich habe aus deiner Anfrage ein gesondertes Posting gemacht, damit du auch recht viele Antworten bekommst.

Die Frage ist: Was kann Fabian im Vergleich zu einem normal entwickelten gleichaltrigen Kind und was kann er nicht? Am Besten schaust du dir mal die Auflistung der Pflegezeiten (Rubrik "Pflegegeld") unter www.behinderte-kinder.de an.
Dort ist tabellarisch aufgeführt, welche Voraussetzungen für die einzelnen Pflegestufen erfüllt sein müssen.

Zitat: "Pflegegeld für ein Kind zu beantragen ist nicht leicht, denn besonders bei Kleinkindern muss der Pflegeaufwand erheblich höher sein als zu den normalen Hilfebedarf eines Kindes. "Bei der Zuordnung von Kindern in die Pflegestufen ist der zusätzliche Hilfebedarf gegenüber einem gesunden gleichaltrigen Kind maßgebend, § 15 Abs, 2 SGB XI."

Zitat: "Pflegeaufwand für :

* Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftig)

Der Zeitaufwand für den Pflegebedarf muss mindestens 1,5 Std. mehr betragen als zu einem gleichaltrigen Kind. Die Gründe müssen aus den Bereichen Körperpflege, Ernährung oder Mobilität kommen. Die zu pflegende Person muss mindestens einmal täglich bei zwei Verrichtungen Hilfe benötigen.

* Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftig)

Der Zeitaufwand für den Pflegebedarf muss mindestens 3 Std. mehr betragen als zu einem gleichaltrigen Kind. Die Gründe müssen aus den Bereichen Körperpflege, Ernährung oder Mobilität kommen. Die zu pflegende Person muss mindestens drei mal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen.

* Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftig)

Der Zeitaufwand muss mindestens 5 Std. täglich betragen, die Pflegeperson muss jeder Zeit unmittelbar erreichbar sein (Rund um die Uhr Betreuung). Schwerstpflegebedürftig sind die Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch Nachts, der Hilfe bedürfen."


Am Besten listest du einmal auf, wie dein Tagesablauf mit Fabian aussieht und auf welche Pflegezeiten zu kommst.
Eine Pflegestufe kann einem behinderten Kind in der Tat wieder genommen werden, wenn es in den vergangenen Monaten große Entwicklungsfortschritte gemacht hat, die sich auch auf die Pflege auswirken.

Wie ist denn der Besuch überhaupt abgelaufen? Musstest du Arztberichte und/oder ein Pflegetagebuch vorlegen? Das war bei uns z. B. der Fall. Außerdem hat sich unser Gutachter Jan-Paul sehr genau angesehen, seine Krabbelversuche angeschaut, wollte gucken, wie er isst usw.

Du kannst natürlich Widerspruch einlegen und meines Wissens auch einen zweiten Gutachter einfordern.

Lieben Gruß,
Sabine
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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Beitragvon jessie » 28.01.2005, 20:39

hallo

damit die pflegestufe aberkannt werden kann, muß eine wesentliche veränderung, also eine wesentliche reduzierung des pflegebedarfes eingetreten sein, z.b. durch fortschritte. dann darf der pflegegeldanspruch herabgesetzt werden. eine solche gravierende veränderung muß allerdings begründet werden, zum früheren gutachten muß eine nachvollziehbare änderung der pflegezeiten/des pflegebedarfs erkennbar sein.

da du wohl schon einen rechtskräftigen bescheid hast, mußt du innerhalb der frist widerspruch einlegen, siehe beitrag von isolde. ein bestandschutz gibts allerdings nicht.

gruß jessie
"wir können die kinder nach unserem sinne nicht formen. so wie gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben, sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren." (j.w. von Goethe)

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Beitragvon Christian77 » 28.01.2005, 23:00

Hallo Sandra,

sehr wichtig ist auch, daß die Betroffenen das Beurteilungsverfahren kennen, nach welchem eine Pflegestufe festgelegt wird.

Meines Wissens nach muß z.B. für die PS II ein Pflegeaufwand von mindestens 3 Std. täglich (ich glaube 2 Std. Grundpflege und 1Std. hauswirtschaftl. Bedarf) vorliegen. Diese Zeiten werden - soweit ich weiß - i.d. Regel nicht anhand der tatsächlich benötigten Zeiten für An- u. Auskleiden, Ober- oder Ganzkörperwäsche, Toilettengang, Hauptmahlzeit, Zwischenmahlzeit usw. ermittelt. Stattdessen gibt es einen Katalog mit Richtzeiten, sog. Zeitkorridoren für jede anrechenbare Pflegetätigkeit.

Anhand Deiner Schilderung gegenüber dem Gutachter sucht dieser wahrscheinlich die relevanten Zeiten aus seinem Katalog heraus und addiert diese. Hauptsächlich aufgrund dieser Gesamtzeit ermittelt er die Pflegestufe, wobei er pflegeerschwerende und -erleichternde Umstände zu berücksichtigen hat.

Daher ist es sehr vorteilhaft, wenn man diese Zeitkorridore kennt und bereits im Vorfeld selbst überprüfen kann, ob und welche Pflegestufe in Frage kommen könnte. :idea:

Diese Zeitkorridore gibt es auch mehrfach im Internet nachzulesen, einfach mal "drübergooglen".

Auf alle Fälle solltest Du umgehend Widerspruch einlegen, falls Du mit dem Ergebnis der Begutachtung nicht einverstanden bist.

Liebe Grüße

Christian
Christian, geboren im Frühjahr 1977, ICP mit dystoner Tetraparese, Sprachstörung und sonstigem Zubehör
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