Diagnose Autismus - Gedanken

Hier könnt ihr Gedichte, Texte und kleine Geschichten zum Thema "besonderes Kind" einstellen und darüber dikutieren.

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Annette Schmidt
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Diagnose Autismus - Gedanken

Beitragvon Annette Schmidt » 16.07.2006, 15:39

Hallo!


http://www.aspies.de/asperger/familie/t ... m-uns.html

Nachdenkliche Grüße

Annette
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

Bitte keine PN-Anfragen, danke.

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ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 16.07.2006, 18:32

Hallo :pc5:

ich habe eben auf die Seite geschaut, die Annette empfohlen hat und möchte hier gern einen Teil zitieren, der mich sehr bewegt und mich sehr zum Nachdenken bringt, da wir erst seit kurzem mit der Diagnose "Autismus" konfrontiert sind und sich noch Vieles in den Köpfen unserer Familie ordnen muss.

Diesen Gedanken sollte ich wohl mein Leben lang nicht vergessen:

Autismus ist nicht etwas, das eine Person hat, oder eine "Glaskugel", in der eine Person gefangen ist. Es gibt kein normales Kind hinter dem Autismus. Autismus ist eine Art zu Sein. Er ist tiefgreifend; er färbt jede Erfahrung, jede Empfindung, jede Wahrnehmung, jeden Gedanken, jedes Gefühl und jede Begegnung, jeden Aspekt des Daseins. Es ist nicht möglich, den Autismus von der Person zu trennen - und wenn es möglich wäre, wäre die Person, die übrig bliebe, nicht dieselbe Person, die sie vorher war. Das ist wichtig, also nimm Dir einen Moment Zeit, um darüber nachzudenken: Autismus ist eine Art zu Sein. Es ist nicht möglich, die Person vom Autismus zu trennen.
Jim Sinclaire, 1993

LG
Hope
:icon_flower:

Mamatom
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Beitragvon Mamatom » 30.03.2007, 08:20

Zitat aus dem Text:

Deshalb, wenn Eltern sagen: "Ich wünschte, mein Kind hätte keinen Autismus",
sagen sie in Wirklichkeit: "Ich wünschte, das autistische Kind, das ich habe, würde nicht existieren und ich hätte statt dessen ein anderes (nicht-autistisches) Kind."

Habe ich das falsch verstanden ?

Mir tut der Text sehr weh !

Mein Kind ist eine Bereicherung - es zeigt uns die Welt ganz anders.

Was fehlt, ist die Liebe (seine Liebe), das ist wahr, das schmerzt zwar,
doch überwiegt die Freude an unserem Kind. Wir lieben ihn und möchten kein anderes Kind dafür.
Würde ich mir wünschen, dass Tom 'normal' wäre (ähnlich seiner Schwestern), dann wäre es nicht mehr unser Tom.

LG

Michaela
Tom, frühkindlicher Autismus auf hohem Funktionsniveau

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 30.03.2007, 08:32

Hallo Annette,

mir ist der Text sehr nahe gegangen und an manchen Stellen kamen mir die Tränen.

Nachdenkliche Grüße
Ela M

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silke925
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Beitragvon silke925 » 30.03.2007, 09:45

Hallo Annette,
Danke für den Link!

Es ist doch immer wieder wichtig, unsere Einstellung zu unseren kleinen und
großen Mehr- oder weniger-Autisten zu überdenken, damit ich mir immer wieder
auf die Schliche komme, wenn ich denke, wie Michael sein könnte und dann ist er
doch so anders...

Das Kind angucken in seiner ganz speziellen Besoderheit und so annehmen und
lieben, wie es ist! Und das gilt ja nicht nur für Autisten, sondern für alle Menschen!
Nur Autisten sind wohl besonders weit weg von dem, was man so im persönlichen
Erwartungshorizont hat, auch wenn so ein kleiner Michael hier rumwuselt, mal mehr
und mal weniger glücklich, mal mehr und mal weniger zufrieden, mal mehr und mal
weniger verstanden, aber immer glücklich, wenn man doch versteht was er will und
auf ihn eingeht...

Liebe und sehr nachdenkliche Grüße
Silke

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TanjaM1977
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Beitragvon TanjaM1977 » 03.04.2007, 11:22

Hallo Annette,
auch ich habe gerade Deinen Link gelesen und mir nochmals Revue passsieren lassen, was in den letzten Jahren bei uns passiert ist. Ob wir Trauer empfunden haben, als wir gesagt bekommen haben, Kilian habe doch sehr starke autistische Züge, kann ich nicht mehr sagen - ich denke eher nicht. Wir waren erschrocken und wollten ihn nicht als "behindert" abstempeln, ja, aber getrauert haben wir deswegen nicht. Kilian ist ein Wunschkind und wird es auch immer bleiben. Das der Umgang mit ihm so schwierig ist, damit sind wir bisher gewachsen und werden es vermutlich auch weiterhin. Das er wohlmöglich immer ständiger Betreuung bedarf, ich weiß nicht was ich dazu sagen soll, bis jetzt weiß ich es noch nicht.

Wir lieben Kilian, so wie er ist - sein Lachen, seine strahlenden Augen, das Gefühl zu haben, es geht ihm in "seiner Welt" gut. Natürlich erwischen auch wir uns immer wieder, wenn wir sagen, Kilian wird mal dies, mal das später - aber ist das nicht menschlich, sich eine Zukunft für sein Kind vorzustellen, auch wenn einem bewusst ist, dass es vielleicht nie so werden wird?!

Nachdenklich Grüße
Tanja
Kilian (01/03), Mina (09/11) und Bosse (01/2015) jeweils mit einem S-Adenosly-Homocystein-Hydrolase-Defekt auf dem AHCY-Gen (20cen-q13.1), Kilian dazu noch frühkind. Autist, Kim (†19. SSW / 10/2013) und Bjarne (04/08) gesund
"Wer keinen Mut zum träumen hat, hat keine Kraft zum kämpfen"


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