Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Inga
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Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Beitrag von Inga »

Unser Danielo geht in die WfbM, zeitlich verkürzt, aber gerne und auch ohne Probleme innerhalb der WfbM.
Unser Steven ist ein absoluter Ausnahmefall, er ist mit "nix" kompatibel, es hat noch nicht mal in der Tagesförderstätte mit Zusatzkraft funktioniert. Daher haben wir ihm ein für ihn gut passendes Förderprogramm gestrickt und betreuuen ihn in seiner Wohnung. Für ihn ist dies so perfekt.

Nun aber zu unserem aktuellen "Problemfall", Michelle geht aktuell in den BBB, dort kann man die Arbeitszeit nicht verkürzen und auch keine Zusatzkraft bekommen. Wenn der BBB geschafft ist, wäre beides möglich. So wie es aktuell ausschaut wird sie aber den BBB nicht "schaffen". Sie war schon mehrfach beurlaubt, nun war sie im KH und sollte danach wieder starten, nun kam die Aussage, sie kann nicht kommen, sie wäre nicht mit 1 zu 6 betreubar und selbst 1 zu 3 wäre so gut wie unmöglich. :shock: Zudem kommt die Aussage, dass sie dauerhaft eine Fachkraft an ihrer Seite bräuchte.
Ja, Michelle ist vom Verhalten nicht "Zucker", aber wir haben mehrere Kinder und wir haben es immer geschafft, allen gerecht zu werden, auch wenn wir mal mit 4 - 7 Kindern alleine waren.

Was soll nun mit ihr werden? In der TaFö wäre sie total unterfordert und würde sich auch mental langweilen, sie braucht Gesprächspartner! Gleiches wenn man sie zuhause fördert, die Förderung wäre dort sehr gut möglich, jedoch würde ihr da total die Gesellschaft fehlen.
Eine Idee, die wir jetzt hatten ist, dass sie (mit Assistenzkraft) Leute im Altenheim besucht, mit ihnen redet & singt, Fotos schaut, Gesellschaftsspiele spielt ect.

Da ist nun die Frage, wie kann man so etwas auf die Beine stellen, wer finanziert solche Aktionen?

Hat da jemand Tipps, Tricks & Infos?

Gruß, Inga
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Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
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die-ottilie
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Re: Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Beitrag von die-ottilie »

Hallo,
Ich habe mal im BBB ein Praktikum gemacht (sachsen), dort war ein junger, überforderter Mann. Bereits ab 10 wurde er unkonzentriert (bis dahin arbeitete er vorbildlich mit) und ab 12.00 ist er regelmäßig ausgerastet. Mit Schlagen, Brüllen, keine klaren Sätze mehr reden können (nur noch Floskeln schreien), teilweise wegrennen.
Nachdem eine eindeutige Eigen- und Fremdgefährdung durch dieses Verhalteb festgestellt wurde, durfte er früher nach Hause (meist dann direkt nach dem Mittag). Die Zeit im BBB wurde dann eben verlängert. Aber so war er wenigstens händelbar und fühlte sich wohler.

Was haben sie gesagt, warum eine Verkürzung nicht geht? Auf dem 1. Arbeitsmarkt geht man auch 20h, wenn einem 30h zu viel sind...
Es muss doch eine Möglichleit geben, individueller zu agieren!

Vg
Vorher als die_ottilie unterwegs...
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Inga
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Re: Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Beitrag von Inga »

In der Regel machen die Kostenträger (in der Regel Agentur für Arbeit) bei der Verkürzung nicht mit, das Thema hatten wir hier bei REHAkids schon mal:
https://www.REHAkids.de/viewtopic.php?f ... 7#p2261927
https://www.REHAkids.de/viewtopic.php?f ... 5#p2259265

Aber Verkürzung alleine reicht ja leider nicht, laut BBB wäre sie ja mit den dort bestehenden 1 zu 6 (was seltenst gegeben ist) nicht händelbar.

Gruß, Inga
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Charlotte4444
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Re: Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Beitrag von Charlotte4444 »

Hallo,

vom Budget für Arbeit habt ihr sicher schon gehört? Da wird ein ganz normaler Arbeitsvertrag zwischen dem Menschen mit Behinderung und dem Arbeitgeber geschlossen. Übers Budget für Arbeit werden dann die Kosten für die Assistenz und ein Lohnkostenzuschuss von maximal 75 Prozent als "Minderleistungsausgleich" an den Arbeitgeber gezahlt.

Ich kenne Menschen, bei denen das wunderbar funktioniert. Aber es muss meiner Erfahrung nach in irgendeiner Weise ein Rest an Leistungsfähigkeit bei den Menschen mit Behinderung gegeben sein. Vor allem Zuverlässigkeit, im Sinne von "wenn Michelle die Aufgabe hat sich 30 Minuten mit Frau X zu beschäftigen, dann darf es nicht regelmäßig vorkommen, dass Michelle sich verweigert, wegrennt, die Assistenz sich um Michelle kümmert und Frau X allein ist." Und dann braucht es eben einen Arbeitgeber mit einem gewissen Idealismus. Da müsstet ihr schauen, ob ihr da jemanden findet. Ich denke die Chancen steigen, wenn Michelle auch ein paar hauswirtschaftliche Aufgaben übernehmen würde. Leider ist ja für reine Beschäftigung in den Seniorenheimen nur sehr wenig Geld da.

Pragmatisch gesehen und ohne Michelle zu kennen: Ich würde sie vorläufig zuhause fördern und sie zweimal in der Woche ehrenamtlich mit Assistenz im Altenheim Menschen besuchen lassen. Dadurch, dass das Altenheim für Michelles Arbeit nichts zahlen muss und es viel weniger Bürokratie ist, werden viel mehr Altenheime bereit sein, es zu versuchen. Und dann sehen, wie es läuft. Wenn es super läuft, dann könnt ihr später immer noch aus dem Ehrenamt einen Job machen und aufs Budget für Arbeit umsteigen.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu demotivierend.

LG, Charlotte
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Inga
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Re: Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Beitrag von Inga »

Hallo,

nein, das ist nicht demotivierend, das würde für uns so passen, jedoch braucht es gute Argumente dafür, dass Michelle "einfach" zuhause bleibt.
Wir mußten bei Steven schon vor dem Kostenträger und dem Vormundschaftsgericht ordentlich argumentieren, damit das durch ging.

Michelle in der TaFö zu parken ist für alle halt einfacher und günstiger. 😟
Einzelbetreuung ist ja bestimmt 3mal so teuer wie ne TaFö.

Ach, alles nervend und frustend...
Habe den Kostenträger direkt informiert, dass wir eine Lösung brauchen, weil der BBB Michelle nicht aufnehmen möchte. Antwort kam bisher natürlich keine.
Ja, der BBB hat nicht genug Personal, die WG aber auch nicht, die rechnet ja nicht damit, dass ein Bewohner über Wochen nicht arbeiten geht, da braucht man mal eben ca. 50 Personalstunden mehr die Woche als normal. Die WG kann sich die Kräfte auch nicht backen. Das ist dann halt unser Problem.
Warum eigentlich? Immer wieder werden wir darauf hin gewiesen, dass wir NUR die gesetzlichen Betreuer sind, ja, wenn wir doch nur das sind, warum müssen wir immer Lückenbüßer spielen und Michelle betreuuen, wenn sonst keiner da ist??? Als ob ein Berufsbetreuer mal eben einen seiner Klienten betreuen würde, weil gerade kein Personal dafür da ist...

Manchmal hardere ich mit meinem Leben, hätte ich doch mal einen "normalen" Beruf gewählt, wo man nach 40 h einfach nach Hause geht und die Probleme auf der Arbeit lässt.
Nicht falsch verstehen, ich liebe meine Kinder und möchte sie nicht missen, aber dieser ewige Krieg mit den Ämtern, Behörden, Institutionen, Einrichtungen,... da ist absolut nicht meine Welt.

Gruß, Inga
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sandra8374
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Re: Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Beitrag von sandra8374 »

Geht mit dem Budget für Ausbildung oder Budget für Arbeit etwas „Stricken“?
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 100 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)
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Re: Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Beitrag von Annika1 »

Hallo Inga,
Off-topic sorry, aber die Frage drängt sich aus der bisherigen Konversation auf: Ist Michelle evtl. ,nur‘ nicht händelbar, weil es ihr zuviel ist? Wäre es nicht vor dem kompletten Aufgeben im BBB einen Versuch wert, ob sie bei kürzerer Anwesenheit, die nicht ganz so anstrengend ist, nicht doch händelbar wird?
Hoffe Ihr findet eine gute Lösung - viel Glück!
Annika
SarahmitFlorian
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Re: Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Beitrag von SarahmitFlorian »

Hallo,
für NRW: ist jemand nicht werkstattfähig lautet wohl die Alternative "tagesstrukturierende Maßnahmen im häuslichen Umfeld" . Ich habe damit zum Glück keine Erfahrungen sammeln müssen, für mich hörte es sich aber so an, dass man sich selber um das Personal kümmern muss, damit man nicht ganztägig selber den Alleinunterhalter macht.
Und eine Verkürzung ist im BBB sehr wohl mit der Agentur für Arbeit möglich, wenn die Werkstatt zunächst einen Vertrag mit geringer Stundenzahl vergibt, um die Werkstattfähigkeit zu testen.
LG Sarah
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Inga
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Re: Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Beitrag von Inga »

"tagesstrukturierende Maßnahmen im häuslichen Umfeld", okay, den Begriff hab ich so noch nicht gehört. Finde auch auf die Schnelle beim Googeln nichts dazu.
NRW ist aber noch mal was anderes, weil sie ja keine TaFös haben, die haben wir hier ja. Aber a wäre Michelle da unterfordert und b sind dort eh keine Plätze frei.

Ach ich weiß nicht, glaube eine Verkürzung ist nicht das Mittel zur Wahl. Keine Ahnung, wir haben wohl bisher Wunder vollbracht, ich weiß nicht, wie ich es hin bekommen habe, alle meine Kinder zu fördern und zu fordern, obwohl ich oft alleine mit ihnen war und immer mind. 3 Kinder gleichzeitig da waren, manchmal bis zu 6.
Der BBB sagt, 1zu 6 nicht möglich, 1zu 3 grenzwertig, das KH, wo sie gerade war sagt, sie braucht immer 1 zu 1 Fachkraft. Okay, ich bin Fachkraft, aber 1 zu 1 hatte sie hier so gut wie nie (außer wenn ich mit ihr viele Wochen im KH war). Ja sie hat eine ausgeprägte Anstrengungsverweigerung, aber wenn man sie kennt, weiß man, wie man sie anpacken muß, damit sie trotzdem was tut.
Dafür haben sie in der Werkstatt aber keine Zeit, kein Nerv, was weiß ich...🤷🏽‍♀️
Das Konzept der WfbM krankt halt an allen Stellen, das was eigentlich ihr Auftrag ist, können sie mit dem aktuellen Struckturen gar nicht leisten.
Es ist mittlerweile einzig und alleine ein Wirtschaftsunternehmen, was seinen Umsatz mit der "Ware" Menschen mit Behinderung macht. :?

Budget für Ausbildung eher nicht, da sie für eine Ausbildung nicht fit genug ist, Budget für Arbeit evtl. MAl sehen, was die Agentur für Arbeit sagt - wenn sie sich denn irgendwann mal meldet, habe sie ja angeschrieben...

Gruß, Inga
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anna h.
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Re: Wie Beschäftigung / Arbeit außerhalb von WfbM & TaFö?

Beitrag von anna h. »

Hallo Inga,
hab dieses WE keine Zeit für mehr, daher nur kurz.
TZ im BBB geht durchaus.
Siehe meinen Beitrag hier
https://www.REHAkids.de/viewtopic.php?f ... B#p2219345
Ich habe den Brief von diesem Justitiar bestimmt noch auf dem PC. Kann ich Dir bei Interesse raussuchen.
Damit ging es dann doch, obwohl sie vorher gesagt haben , geht im BBB nicht.
LG
Anna H.
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