Orthesen bei Knick-Senkfuß

Hier könnt ihr die Hilfsmittel eurer Kinder vorstellen, z. B. Reha-Buggy, Pflegebett, Stehtrainer, Therapieliege usw. - gerne auch mit Foto.
Ihr könnt hier übrigens auch Fragen bezüglich Technik und Anwendung verschiedener Hilfsmittel stellen.

Moderator: Moderatorengruppe

Lea1989
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Orthesen bei Knick-Senkfuß

Beitrag von Lea1989 »

Hallo zusammen,

ich hoffe ich bin in diesem Unterforum richtig und ihr könnt mir einige Tipps geben ☺️
Mein Sohn (3 Jahre) ist etwas Muskelhypothon und hat aufgrund dessen einen recht stark ausgeprägten (physiologischen) Knick-Senkfuß. Er kann aber problemlos laufen und rennen und hat auch keine Beschwerden.
Er hat seit einem Jahr knöchelübergreifende Orthesen aus dem 3D Drucker. Er bekommt zusätzlich Physio, er läuft zu Hause sehr viel Barfuß und wir sind viel Draußen (klettern/Fußballspielen/im Sand laufen etc.). Aber bisher haben sich die Füße überhaupt nicht gebessert. Im Gegenteil, die Zeit am Tag, die er die Orthesen trägt, sind seine Bewegungen sehr steif, er kann in Ihnen kaum rennen, oder springen.
Ich weiß, dass sich durch die Orthesen die Muskeln im Fuß nicht bessern, sondern der Fuß aufgerichtet wird, damit Muskeln/Sehnen/Knochen geschont werden… aber ich habe eher das Gefühl, dass ihn die Orthesen in seiner Entwicklung behindern. Der Orthopäde sagt, dass Einlagen oder auch sensomotorische Einlagen/Orthesen nichts bringen… aber ich kann nichts an meinem Gefühl ändern, dass ihm diese Orthesen überhaupt nicht helfen und wir ihm ganz umsonst seinen Alltag erschweren.

Ich habe auch schon häufig gehört, dass erst ab einem gewissen Alter Einlagen nötig sind, davor wird nicht behandelt. Oder auch, dass es nicht behandelt werden muss, wenn es ein physiologischer Knick-Senkfuß ist… aber ich kann diese Aussagen als Laie natürlich nicht einordnen.

Könnt ihr aus eigener Erfahrung etwas dazu sagen?

Danke euch und noch einen schönen Abend ☺️

Lea
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CorinaT
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Re: Orthesen bei Knick-Senkfuß

Beitrag von CorinaT »

Mein Sohn (8 J.) ist auch muskelhypoton und hat Knick-Senkfüße.

Seit seinem 3. Lebensjahr trägt er Orthesen, seit einem halben Jahr Einlagen. Physio bekommt er, seit er 6 Monate ist.

Geholfen hat das alles nichts.

Und dein Orthopäde hat Recht. Der Fuß wird künstlich in die richtige Stellung gebracht, der Muskel, der das Fußgewölbe aufrecht erhalten soll wird dadurch eigentlich noch "fauler" und tut noch weniger seine Arbeit.

Und das ist das große Dilemma bei muskelhypotonen Kindern. Zum einen hat das Gehirn keinen Plan vom eigenen Körper und somit kann das muskelhypotone Kind oft gar kein Fußgewölbe aufbauen, weil das Gehirn den Fuß / die Beine nicht richtig wahrnimmt. Und mit Orthesen/Einlagen baut man auch kein Fußgewölbe auf, da die Orthesen/Einlagen dem Muskel, der sowieso nicht richtig wahrgenommen wird, auch noch die Arbeit abnehmen.

Auf der anderen Seite möchte ich ungern auf die Einlagen für meinen Sohn verzichten. Grund: ein schiefer Gang durch Knick-Plattfüße ist auch langfristig ein Problem der Knie, ein Problem des Beckens, ein Problem der Wirbelsäule, was später zu Schmerzen führen kann.

Meine - ganz eigene - Lösung: Einlagen in Schuhen und gleichzeitig möglichst viel barfuß laufen auf unebenen!!!! Flächen. Waldboden, Sand, Weiche Matratzen etc.

Barfuß laufen auf ebenem Boden in der Wohnung bzw. auf Straßen hat keinen wirklich positiven Effekt auf die Fußmuskulatur.

Und mit den Einlagen hoffe ich langfristige Schäden für Beine, Becken Wirbelsäule möglichst verhindern zu können.
Fichy
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Re: Orthesen bei Knick-Senkfuß

Beitrag von Fichy »

CorinaT hat geschrieben: 18.09.2023, 22:02 Mein Sohn (8 J.) ist auch muskelhypoton und hat Knick-Senkfüße.

Seit seinem 3. Lebensjahr trägt er Orthesen, seit einem halben Jahr Einlagen. Physio bekommt er, seit er 6 Monate ist.

Geholfen hat das alles nichts.

Und dein Orthopäde hat Recht. Der Fuß wird künstlich in die richtige Stellung gebracht, der Muskel, der das Fußgewölbe aufrecht erhalten soll wird dadurch eigentlich noch "fauler" und tut noch weniger seine Arbeit.

Und das ist das große Dilemma bei muskelhypotonen Kindern. Zum einen hat das Gehirn keinen Plan vom eigenen Körper und somit kann das muskelhypotone Kind oft gar kein Fußgewölbe aufbauen, weil das Gehirn den Fuß / die Beine nicht richtig wahrnimmt. Und mit Orthesen/Einlagen baut man auch kein Fußgewölbe auf, da die Orthesen/Einlagen dem Muskel, der sowieso nicht richtig wahrgenommen wird, auch noch die Arbeit abnehmen.

Auf der anderen Seite möchte ich ungern auf die Einlagen für meinen Sohn verzichten. Grund: ein schiefer Gang durch Knick-Plattfüße ist auch langfristig ein Problem der Knie, ein Problem des Beckens, ein Problem der Wirbelsäule, was später zu Schmerzen führen kann.

Meine - ganz eigene - Lösung: Einlagen in Schuhen und gleichzeitig möglichst viel barfuß laufen auf unebenen!!!! Flächen. Waldboden, Sand, Weiche Matratzen etc.

Barfuß laufen auf ebenem Boden in der Wohnung bzw. auf Straßen hat keinen wirklich positiven Effekt auf die Fußmuskulatur.

Und mit den Einlagen hoffe ich langfristige Schäden für Beine, Becken Wirbelsäule möglichst verhindern zu können.
Hallo Lea,
ich selbst habe einen senk-spreiz bis plattfuß. Tochter (siehe signatur) hatte mal orthesen. nach den ops wollte unsere physios weiter Orthesen aber der operirende Orthopäde (Dr. Bernius, Harlaching) wusch uns freundlich den Kopf mit der selben Begründung die Corina schon geschrieben hat: der Muskel wird noch fauler bzw. in unserem Fall: der Muskel ist noch nicht so richtig da und wenn ihr weiter Orthesen nehmt wird er es nie sein. "Sie müssen auf Einlagen umsteigen, ja anfangs wird sie gefühlt wackeliger unterwegs sein aber langfristig ist das der weg".
Was soll ich sagen? Er hatte SO WAS VON RECHT. Dieser Mensch war auf unserem Weg ein Segen. Er tat neben der Myofaszotomie nicht viel - aber die paar Nebensätze waren ein Segen weil sie uns den Weg zeigten.
Wenn ihr nur halbwegs ohne Orthesen und mit Einlagen könnt bin ich daher der Meinung: Einlagen. Wenn nicht, bin ich eingroßer Fan der Carbon-Feder-Orthesen: 3d-beweglich, durhc abschleifen individuell in der Steifheit in entsprechende Richtungen anpassbar. Und leichter als Fußgelenkorthesen. Sicher nicht immr das richtige. Aber auch etwas für den Hinterkopf bei Orthesen.
Hoffe meine Geanken haben geholfen.

LG

Edit: Ohne Einlagen habe ich Knieschmerzen und Schmerzen im Becken. Bei der Tochter kommen wenn wir wegen Blasen Einlagenpause machen (ist immer bei neuen am Anfang) auch Beckenschmerzen, sind daher wie von Corina schon geschrieben wegen möglicher Probleme an anderen Gelenken sinnvoll. Der ganze Körper ist nunmal ein Komplex - alles hängt irgendwie zusammen.
Tochter (noch PG4):
11.2016: notsectio 30+6
Cerebralparese, beinbetonte Spastik
08/2020 selektive dorsale Rhizotomie
01/2021 perkutane Myofaszotomie
04/2021 wir können endlich stehen und ein wenig laufen
07/2021 keine Orthesen mehr
08/2021 erste Schritte ohne Hilfsmittel
07/2023 2km (stolpernd) gehen :D
Frau (PG3):
11.2015: PTBS + schwere Depri
Julia27118
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Re: Orthesen bei Knick-Senkfuß

Beitrag von Julia27118 »

Unser Sohn hat ebenfalls Knick - senk füße. Da er auf Zehen spitzen stehend ein gutes Gewölbe hat und den Knöchel aufrichtet, soll er ausdrücklich keine Einlagen etc. Tragen. Er bekommt ausschließlich barfußschuhe an, im Sommer läuft er barfuß oder mit sockenschuhen über Stock und Stein.

Die Füße sind super, der Knöchel knickt halt, er läuft damit sehr gut, muskulär ist er damit so fit wie es die Erkrankung hergibt.
Mama von T. 2018 (Williams Beuren Syndrom, atypischer Autist) und L. 2021 (supersensible powermaus)
kati543
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Re: Orthesen bei Knick-Senkfuß

Beitrag von kati543 »

Hallo,
meine Kinder (Großkind: muskelhypoton, Kleinkind: muskelhyperton) haben auch beide einen Knick- und Senkfuß. Da beide längst Teenager sind, tragen beide natürlich Einlagen. Wir machen das genauso, wie es hier auch beschrieben wurde. So oft wie möglich barfuß, insbesondere eben draußen, wo das Gelände uneben ist. Wenn Schuhe angezogen werden, dann ausschließlich mit Einlagen damit es keine „Folgeschäden“ gibt. Einlagen heilen nicht. Von dem Gedanken musst du dich verabschieden. Aber sie können bewirken, dass es zu keinen weiteren Schädigungen kommt. Das zieht sich nämlich sonst von den Füßen bis hoch zur Wirbelsäule und ist dann tatsächlich irgendwann auch dauerhaft schmerzhaft. Das geht los mit den klassischen „X-Beinen“, dann kommt ein Beckenschiefstand und am Ende die Skoliose.
Meine Kinder tragen ihre Einlagen nicht nur freiwillig, sie bestehen auch darauf, ihre Schuhe mit Einlagen zu tragen. Es scheint ihnen also regelrecht unangenehm ohne Einlagen zu sein.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachbehinderung, komor. Depressionen, Hypotonie, AVWS, LRS, Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, komb. Fettstoffwechselstörung, Esstörung, Taub R, Trigonoceph., Hypertonie, Strabismus, Mikrodeletion 3p26.3, Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)
Lea1989
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Re: Orthesen bei Knick-Senkfuß

Beitrag von Lea1989 »

Vielen Dank für eure Antworten!

Für Orthesen scheint sich bisher niemand auszusprechen 😅
Das ist auch das, was für mich bisher so unverständlich war. Der Arzt hat gesagt, dass die Muskeln durch die Orthesen nicht besser werden, aber gerade diese müssen doch stärker werden, damit der Fuß sich irgendwann von selbst aufrichten kann…
Ich habe den Orthopäden schon ein paar mal auf Einlagen angesprochen, aber er meinte das würde nichts bringen, da der Fuß trotz Einlagen wegknicken würde…

@Fichy, vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Ich hoffe, dass wir auch noch einem Arzt begegnen, der uns auf den richtigen Weg führt. Ich befürchte, dass wir aktuell auf dem falschen Weg sind :-/ unsere Physiotherapeutin meinte sofort, dass unsere Orthesen falsch für meinen Sohn sind. Sie hatte sensomotorische Orthesen vorgeschlagen. Aber eben auch Orthesen und keine Einlagen. Ich würde ja gerne auf Einlagen umsteigen, aber ich weiß leider nicht, wo ich einen Arzt finden kann, der das für den richtigen Weg hält…

Kann mir vllt. jemand erklären in welchen Fällen die Orthesen die richtige Entscheidung sein könnten?
Geht es darum, dass das Kind ohne Orthesen nicht/kaum laufen könnte?
Oder darum, dass später starke Beeinträchtigungen (Knie/Becken/Wirbelsäule) ohne Orthesen zu erwarten sind?
Werden diese zukünftigen Beeinträchtigungen denn minimiert oder verhindert, wenn die Kinder früh Einlagen tragen oder geht das nur durch Orthesen?

Entschuldigt den langen Text und danke euch im Voraus ☺️
ConniM
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Re: Orthesen bei Knick-Senkfuß

Beitrag von ConniM »

Hallo Lea,
ich habe Dir eine PN geschickt.
Lea1989
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Re: Orthesen bei Knick-Senkfuß

Beitrag von Lea1989 »

ConniM hat geschrieben: 19.09.2023, 12:30 Hallo Lea,
ich habe Dir eine PN geschickt.
Hi Conni,

ich habe leider keine PN bekommen. Schicke sie mir gerne nochmal, wenn du magst ☺️

LG
Lea
Michaela.Sandro
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Re: Orthesen bei Knick-Senkfuß

Beitrag von Michaela.Sandro »

Hallo Lea, Sandro hatte mit 4-6 Jahre ganz krasse Knick-Senkfüße, hat orthopädische Schuhe & Einlagen erhalten und nach ca. 1,5-2 Jahren war alles ok, leider hat er aktuell wieder Fußprobleme, die haben aber die Ursache verkürztes Bein nach Hüft-OP.
Orthesen waren bei uns nie ein Thema. Liebe Grüße Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!
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SandraMu
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Re: Orthesen bei Knick-Senkfuß

Beitrag von SandraMu »

Es hängt sicherlich auch vom Fall im Detail ab. Barfusslaufen auf geeigneten Böden und gute Physio bringt meist total viel und ist das richtige Training fr schwache Muskulatur, die Hilfsmittel eben an sich nicht aufbauen.

Aber bei sehr starken Knickfüssen kommtes zu Überlastungen und Problemen in vielen Bereichen die beim alltäglichen Gehen korrigiert werden müssen. Mein "guter" rechter Fuß hat durch Überlastung einen starken Knickfuß entwickelt und neben Training und Physio helfen im Alltag Ringorthesen sehr gut, die eben nur das Nötige korrigieren und der Rest kann sich gewohnt entwickeln.
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