AVWS Diagnose/Diagnostik

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Sophie-11
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AVWS Diagnose/Diagnostik

Beitrag von Sophie-11 »

Hallo,

meine Tochter (9, 4. Klasse) hat bereits die Diagnose ASS. Nun ist mir im letzten Urlaub vermehrt aufgefallen, wie oft sie nachfragen muss, wenn man etwas zu ihr sagt und dass sie Anweisungen z.T. nicht versteht (z.B. beim Reitunterricht). Der KiA hat uns eine Überweisung zur Abklärung von AVWS ausgestellt. In der Pädaudiologie der Uniklinik konnten wir aber nur einen Termin im nächsten April (!) bekommen. Also habe ich mich an eine niedergelassene HNO-Ärztin mit Phoniatrie und Pädaudiologie gewandt, da bekamen wir auch zügig einen Termin. Der sollte erstmal nur "zum Kennenlernen" sein. Das bestand dann aus einem maximal 5-minütigen Gespräch, in dem nicht mal eine richtige Anamnese gemacht wurde (ich habe nur sehr knapp erzählen können, dass der Verdacht von mir ausging, worauf sich das stützt und dass meine Tochter die ASS-Diagnose hat), daraufhin wurden wir zurück zum Empfang geschickt für weitere Termine, wie ich dachte. Es ergab sich aber, dass jemand am selben Tag abgesagt hatte und wir gleich in diesen Termin reinrutschen konnten.

Wir kamen also nach einer kleinen (Essens-)Pause wieder und dann war meine Tochter 20 min mit einer Testerin in einem Raum, wo Tests durchgeführt wurden. Sie hat das alles übrigens bravourös gemeistert! Dann sollte es noch ein Arztgespräch geben. Nach einer endlos erscheinenden Warterei erhielt ich dann die Auskunft, meine Tochter habe AVWS, es läge keine organische Hörstörung vor, aber sie verstünde schlecht im Störschall und war unterdurchschnittlich bei der Nachsprechaufgabe; wir sollten einen Logopäden suchen, dann bekämen wir ein Rezept, sie solle in der Schule vorne sitzen, Kopfhörer bei Stillarbeit nutzen - und das war's :shock: .

Also, nicht dass ich das Ergebnis nicht erwartet hätte und es kommt mir auch nicht direkt falsch vor, aber war das Vorgehen denn korrekt so? Irgendwie hinterlässt das ein ungutes Gefühl :? . Und wie sehr kann ich auf diese Diagnose bauen? Wie sinnvoll wäre es, doch noch auch in die Uniklinik zu gehen?

Was ich schon mal unternommen habe, ist Kontakt zur Beratungsstelle der für die Region zuständige Förderschule für Hören und Kommunikation aufzunehmen. Wenn ich das richtig verstanden habe, können die dann auch nochmal eine Art Diagnostik machen, die dann aber gezielt auf die Probleme in der Schule abzielt. Stimmt das so? Wobei ich sagen muss, dass meine Tochter aktuell kaum Probleme in der Schule hat, weil dort sowieso schon super auf sie eingegangen wird. ABER - diese Schule wird sie ja leider, leider im nächsten Jahr verlassen müssen, und dann wird der tiefe Fall kommen (habe ich mit dem Mittleren - ASS und ADHS - schon mal durch) :( . Deswegen auch meine rege Betätigung. Ein AO-SF Antrag auf Förderschwerpunkt sozial/emotional (in NRW typischerweise bei ASS vergeben) wurde schon abgelehnt, aber ich kann sie einfach nicht auf einer Regelschule in einer Klasse mit 30+ anderen sehen.

Habt Ihr noch Tipps? Kommentare? Irgendwas?

Danke und liebe Grüße!
der Große *12/2007 (eher Spektrumsnah)
der Mittlere *09/2010 (ASS, ADHS, Grenzgänger)
die Kleine *02/2014 (Asperger)
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Ma Iris
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Re: AVWS Diagnose/Diagnostik

Beitrag von Ma Iris »

Hallo Sophie,

die Diagnostik wird normalerweise im Alter zwischen 5 und 8 Jahren durchgeführt. - Weil die Kinder hier noch nicht so kompensieren. Daher ist über dieses Alter hinaus die Diagnostik nur mehr eingeschränkt möglich.
In den ersten 4 Schuljahren gab es die Geräte zum Abschirmen vom Störschall, in den Jahren danach hat mein Kind diese ganz abgelehnt und geweigert sie zu tragen... (obwohl er erkannt hat, dass er besser damit hören kann! - er fühlte sich damit aber "anders")

Und wenn die Lehrer jetzt so großartig auf deine Tochter eingehen können, dass sie dem Unterricht gut folgen kann... - so liegt es auch an dir in der weiterführenden Schule die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen und zu finden... (empathische Lehrer, kleinere Klassen...)

Inzwischen kompensiert mein Kind schon so gut, dass keiner mehr etwas merkt (außer seine sehr verwaschene Sprache). Vielleicht hast auch die das Glück irgendwo - selbst im Regelsystem - eine Klasse zu finden, in der es 16 Schüler gibt (weil eine Klasse geteilt wurde oder so...)
Damit kann man im Unterricht helfen:
https://www.phonak.com/de-de/hoerloesun ... r-focus-ii

Viel Erfolg!
Viele Grüße
Silvia & Iris

unsere Vorstellung:
viewtopic.php?f=19&t=23172&p=265506#p265506
(leider hatte ich Probleme mit e-Mail Adresse, daher neue Identität :oops:
SimoneChristian
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Re: AVWS Diagnose/Diagnostik

Beitrag von SimoneChristian »

Hallo,
die Diagnostik klingt stimmig. So viel kann man da nicht machen.

Ich würde über den Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation nachdenken, wenn es in eurem Fall Vorteile hätte.
Dann käme vielleicht auch die Förderschule Hören für euch in Frage.

Logopädie: Puuh. Da wirst du gut auswählen müssen, wer sich mit dem Problem überhaupt auskennt. Wir hatten lange 2 verschiedene logopädische Ansätze bei unterschiedlichen Therapeuten plus eine 3. Praxis zur Diagnostik für die LRS.
Ich bin mir nicht sicher, ob sich der Aufwand lohnt, wenn es nicht andere Leistungsprobleme gibt.
Die Empfindlichkeit, z.B. bei Windgeräuschen, nicht gut hören zu können, wird sich nicht wirklich weg therapieren lassen.
Das ist ein Teil der Reizfilterschwäche bei ASS plus Probleme mit der Aufmerksamkeitssteuerung.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)
Sophie-11
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Re: AVWS Diagnose/Diagnostik

Beitrag von Sophie-11 »

Danke für Eure Antworten.

@Ma Iris: Genau das ist mein Problem, eine Schule mit kleiner Klasse zu finden. Mir ist schon lange klar, dass sie mit größeren Klassen nicht zurecht kommen wird, jetzt haben wir nur noch eine Bestätigung für mein Gefühl. Aber solche Klassen gibt es hier nicht. Ich habe schon zwei größere Kinder an zwei unterschiedlichen Schulen, eine staatliche Schule (Klassenstärke Kl. 8: 31) und eine Privatschule in kirchlicher Trägerschaft (Klassenstärke Kl. 10: 36(!!)). Es gibt noch die eine oder andere Gesamtschule als Schulen des gemeinsamen Lernens, da ist dann die Klassenstärke 26. Aber Gesamtschule ist bei ASS echt schwierig: Riesige Schulkomplexe, ständig wechselnde Kurszusammensetzung, Räume etc...
Einzige Möglichkeit, die ich noch sehe ist eine Privatschule, Schulweg kompliziert, Schulgeld für uns finanziell kaum zu leisten, dann müsste die ganze Familie erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen (kein Urlaub, keine Musikschule...). Aber Klassenstärken von wohl nur etwa 20 Kindern. Ob sie aber dort genommen werden wird?
Oder halt Förderschule. Auch keine passende in der Nähe :? . Und sowieso meist nur mit Förderschwerpunkt Lernen.

@ Simone: Danke für Deine Einschätzung. Das Ergebnis passt ja soweit schon und erklärt nochmal einiges. Und Du bestätigst meine Vermutung, dass Logopädie vermutlich nicht so viel wird ausrichten können. Wir hatten ja auch schon mal Logopädie, weil sie lange kein "sch" sprechen konnte. Das hat für den Fall gut geholfen, aber nicht mehr und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass dort allgemein viel mehr als Mundmotorik und Aussprache therapiert wurde. Wie man damit das Hören im Störschall verbessern will, weiß ich nicht. Da sie extrem viel liest (inzwischen mehrere Bücher/Tag), sind Grammatik und Rechtschreibung für sie kein Problem.

Ich hoffe jetzt mal auf Hilfe durch die genannte Beratungsstelle und eventuell auch die Autismusbeauftragte des Kreises. Und dass wir meine Tochter irgendwie halbwegs erfolgreich durch dieses kranke Bildungssystem durchgeschleust bekommen :( . Ich habe immer mehr das Gefühl, dass sich das Schulministerium viele toll klingende theoretische Konzepte ausdenkt - die in der Praxis ganz schnell zusammenbrechen, weil einfach die entsprechenden Leute fehlen/nicht ausreichend bezahlt werden, das auch umzusetzen...

LG!
der Große *12/2007 (eher Spektrumsnah)
der Mittlere *09/2010 (ASS, ADHS, Grenzgänger)
die Kleine *02/2014 (Asperger)
Sophie-11
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Re: AVWS Diagnose/Diagnostik

Beitrag von Sophie-11 »

Hallo,

muss hier doch noch ein Update schreiben. Wir hatten mit viel Glück kurzfristig einen Termin an der Beratungsstelle der Förderschule Hören/Kommunikation für eine Diagnostik bekommen, bei der ganz ähnliche Tests durchgeführt wurden. Das Team dort war super-nett, sie sind toll auf meine Tochter eingegangen, und sie hatte viel Spaß dort. Ergebnis: es konnte absolut keine AVWS bestätigt werden!

Meine Bauchschmerzen bezüglich der Diagnose in der Pädaudiologie haben sich also bestätigt. Es hat sich (wieder einmal) deutlich gezeigt, dass es einen erheblichen Einfluss auf meine Tochter hat, wie auf sie eingegangen wird und mit welcher Wertschätzung ihr begegnet wird. Nur wenn das Umfeld passt, kann sie ihre Leistung auch abrufen. Es war sehr lehrreich für mich! Die perfekte Schule habe ich damit nicht gefunden, aber ich werde jetzt zumindest für den Übergang eine Schulbegleitung beantragen, in der Hoffnung, dass ihr das hilft, eine gute Lernumgebung zu bekommen.

LG!
der Große *12/2007 (eher Spektrumsnah)
der Mittlere *09/2010 (ASS, ADHS, Grenzgänger)
die Kleine *02/2014 (Asperger)
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