Vorurteile ADHS - Kinder

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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JulasWorld
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Vorurteile ADHS - Kinder

Beitrag von JulasWorld »

Hallo, zuerst einmal mein Sohn hat ADHS zwar noch nicht fest diagnostiziert weil er mit fünf Jahren zu jung ist aber laut Psychologin spricht alles dafür .
Nun zum eigentlichen Thema. Ich war gerade mit ihm einkaufen und ich hatte mit ihm eine kleine Diskussion mit ihm bezüglich deswegen weil er was haben wollte und ich nein sagte. Er akzeptierte das aber trotzdem war seine Reaktion anders ( also anders für Außenstehende, ich bin voll cool damit)
Er sagte zu mir das ich eine doofe Mama bin. Es ist seine Art es zu kompensieren und in dem Moment hätte es auch nichts gebracht mit ihm darüber zu reden weil er so wütend war. ( natürlich ist es nicht cool das er doofe Mama sagt aber ich meine das ich die Situationen durchaus kenne) Er war sehr aufgedreht und wütend.
Dann kam eine Frau und sagte zu mir das man ihm mal richtig den Arsch versohlen sollte.
Ich war platt und sagte zuerst wie bitte? Dann wollte sie es nicht noch einmal wiederholen.
Ich sagte zu ihr : ich bin ihnen keine Rechenschaft schuldig aber das Kind hat ADHS & er ist so wie er ist. Dann sagte sie zu mir : zum Glück ist das nicht mein Kind.
Warum machen Leute sowas? Ich weiß das es mich eigentlich kalt lassen sollte aber das macht es nicht. Ich sitze nun hier & habe es sacken lassen und fühle mich richtig mies weil die Leute mir das Gefühl geben es nicht hinzubekommen.

Ich musste mir mal Luft machen, danke für das Lesen... Gruß
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Anni7
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Re: Vorurteile ADHS - Kinder

Beitrag von Anni7 »

Warum Menschen das machen? Weil sie ihre eigenen Maßstäbe für gesellschaftskonformes Verhalten auch an andere anlegen, egal welche Voraussetzungen das Gegenüber mitbringt. Und weil sie das unerwünschte Verhalten mit Druck und Beschämung aberzogen bekommen haben, ist eine Eskalation des Drucks hin zur Gewalt aus ihrer Sicht die logische Konsequenz. Und weil sie davon ausgehen, dass Kinder defizitäre Menschen sind, die nur mit einem strengen Regiment zu empathischen und reflektierten Erwachsenen werden. Dass das Gegenteil der Fall ist, hat die Frau, die dich angesprochen hat, eindrücklich bewiesen.

Hut ab dafür, wie du für dein Kind einstehst! Als Kind hätte ich mir ein solches Elternteil gewünscht.
Liebe Grüße von Anni
Sirrolf
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Re: Vorurteile ADHS - Kinder

Beitrag von Sirrolf »

Hallo,
unsere Welt ist leider so. Alle sind ja so tolerant solange man es Öffentlichkeitswirksan verwenden kann. Aber bei Kranken hört die Toleranz meistens schnell auf. Und was man von der Dame zu halten hat sieht man an der Anregung zur Gewalt!

Liebe Grüße

Rolf selbst ADHS'ler
*Paula*
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Re: Vorurteile ADHS - Kinder

Beitrag von *Paula* »

Hallo JulasWorld,

eigentlich ist Annis Kommentar nichts hinzuzufügen ;-)
Ich habe überlegt, (Achtung Ironie) ob man der Frau hätte anbieten sollen, ihr aufgrund ihrer Einmischung "den A.... zu versohlen" schließlich mischt man sich nicht in Gespräche anderer Leute ein ;-)

Vielleicht hilft es dir zu bedenken, dass nicht du sondern die Frau ein Problem hat. Offensichtlich wurde sie getriggert. Und DU kriegst das GUT hin!!!

Liebe Grüße
Ida45
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Re: Vorurteile ADHS - Kinder

Beitrag von Ida45 »

Hallo Jula,

nimm dir das bitte nicht zu Herzen. Manche Menschen haben nichts anderes, als sich darüber zu profilieren, dass sie andere schlecht machen.
Die Dame hat sich dir in dem Moment überlegen gefühlt, ohne die Situation überhaupt einschätzen zu können.
Du kennst dein Kind am Besten und weißt ganz genau, wie du in welcher Situation reagieren musst, damit es nicht eskaliert.

Du machst das genau richtig! Lass dir nichts anderes einreden.

LG,
Ida
sabine g
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Re: Vorurteile ADHS - Kinder

Beitrag von sabine g »

Liebe Autorin von Julas World,

wichtig ist doch dein eigenes Gefühl, nicht das, was andere dir aufdrücken.Und, wie fühlst du dich, wenn er dich beschimpft?

Spontan denke ich, es gibt drei Möglochkeiten:
1. Du bekommst „es“ tatsächlich hin. Würde für mich bedeuten, du kannst die Reaktion deines Kindes gut abperlen lassen, bleibst selber für dich damit total ok. Es tut dir kein bißchen weh. Du wartest drauf, dass er sich einkriegt und bist weiterhin mega nett und gelassen. Risiko: provokative Steigerungen mangels Reaktion könnten folgen.

2. Du überspielst deine Verletzung, aber innerlich setzt dir das ganz schön zu und kostet Kraft. Dann bekommst du es nur zum Schein hin und eine andere Reaktion von dir wäre für deine eigene Seelengesundheit gut.

3. Du entwickelst eine Strategie abseits der vorgeschlagenen körperlichen Gewalt. ZB überfällst du ihn mit einer Knuddelattacke und sagst lachend „Ja, deine doofe Mutter hat aber auch ein total doofes Kind.“ Ihr könnt vielleicht beide lachen und er merkt, dass das was er gesagt hat, wenn mans selber gesagt bekommt, nicht ok ist. Er als Kind aber geliebt wird.

Ich glaube, die Außenstehenden verwundert, was du dir von deinem Dötz bieten läßt. Ein Grund wie ADHS ist in deren Augen kein Freifahrtschein für alles. Vielleicht wollen sie dir sogar indirekt sagen: „Pass besser auf dich auf!“ Der Eindruck, dass man dir Versagen unterstellt, entspringt vielleicht (!) mehr deinen eigenen Lebensmustern?

LG Sabine
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Danii-Ela
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Re: Vorurteile ADHS - Kinder

Beitrag von Danii-Ela »

Hallo,
Auch "normale" Kinder rasten mal beim Einkaufen aus, wenn sie was nicht bekommen.
Als Mama mische ich mich manchmal auch ein...allerdings wünsche ich dem betroffenen Elternteil dann viel Kraft für den Tag und sage, dass sie damit nicht allein ist ;-)

Ich habe einer Einmischenden auch schon gesagt, dass jeder Mensch das Recht auf körperliche Unversehrtheit hat, steht im Grundgesetz. Alles andere ist illegal.

Also tief durchatmen, es hat nix mit ADHS-Vorurteilen zu tun...sondern damit, dass manche Menschen einfach grundsätzlich A***L*** sind.
Das sind die Gleichen, die Diskussionen anfangen, wenn sie auf dem Supermarktparkplatz mit ihrem 5-Sterne-SUV alleine den Eltern-Kind-Parkplatz blockieren...
Liebe Grüße, Danii-Ela
mit dem Großen (*2014, Asperger-Autist) und der Kleinen (*2020, Frühchen 28+2)
...das sind wir (unsere Vorstellung im Forum)
JulasWorld
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Re: Vorurteile ADHS - Kinder

Beitrag von JulasWorld »

sabine g hat geschrieben: 23.11.2022, 10:18 Liebe Autorin von Julas World,

wichtig ist doch dein eigenes Gefühl, nicht das, was andere dir aufdrücken.Und, wie fühlst du dich, wenn er dich beschimpft?

Spontan denke ich, es gibt drei Möglochkeiten:
1. Du bekommst „es“ tatsächlich hin. Würde für mich bedeuten, du kannst die Reaktion deines Kindes gut abperlen lassen, bleibst selber für dich damit total ok. Es tut dir kein bißchen weh. Du wartest drauf, dass er sich einkriegt und bist weiterhin mega nett und gelassen. Risiko: provokative Steigerungen mangels Reaktion könnten folgen.

2. Du überspielst deine Verletzung, aber innerlich setzt dir das ganz schön zu und kostet Kraft. Dann bekommst du es nur zum Schein hin und eine andere Reaktion von dir wäre für deine eigene Seelengesundheit gut.

3. Du entwickelst eine Strategie abseits der vorgeschlagenen körperlichen Gewalt. ZB überfällst du ihn mit einer Knuddelattacke und sagst lachend „Ja, deine doofe Mutter hat aber auch ein total doofes Kind.“ Ihr könnt vielleicht beide lachen und er merkt, dass das was er gesagt hat, wenn mans selber gesagt bekommt, nicht ok ist. Er als Kind aber geliebt wird.

Ich glaube, die Außenstehenden verwundert, was du dir von deinem Dötz bieten läßt. Ein Grund wie ADHS ist in deren Augen kein Freifahrtschein für alles. Vielleicht wollen sie dir sogar indirekt sagen: „Pass besser auf dich auf!“ Der Eindruck, dass man dir Versagen unterstellt, entspringt vielleicht (!) mehr deinen eigenen Lebensmustern?

LG Sabine
Hallo Sabine. Natürlich wird es in einem ruhigen Moment noch einmal besprochen, inwieweit ich mich fühle wenn er sowas zu mir sagt. Er erkennt seinen Fehler und entschuldigt sich auch dafür.
Es ist nicht so das ich die Situation so stehen lasse, es bringt nur nichts mit ihm darüber zu reden wenn er wütend ist.
Mit dem Versagen hast du vielleicht auch Recht. Ich habe das alles noch nicht richtig verarbeitet.
JulasWorld
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Re: Vorurteile ADHS - Kinder

Beitrag von JulasWorld »

Anni7 hat geschrieben: 23.11.2022, 09:56 Warum Menschen das machen? Weil sie ihre eigenen Maßstäbe für gesellschaftskonformes Verhalten auch an andere anlegen, egal welche Voraussetzungen das Gegenüber mitbringt. Und weil sie das unerwünschte Verhalten mit Druck und Beschämung aberzogen bekommen haben, ist eine Eskalation des Drucks hin zur Gewalt aus ihrer Sicht die logische Konsequenz. Und weil sie davon ausgehen, dass Kinder defizitäre Menschen sind, die nur mit einem strengen Regiment zu empathischen und reflektierten Erwachsenen werden. Dass das Gegenteil der Fall ist, hat die Frau, die dich angesprochen hat, eindrücklich bewiesen.

Hut ab dafür, wie du für dein Kind einstehst! Als Kind hätte ich mir ein solches Elternteil gewünscht.
Danke Anni, das was du geschrieben hast baut mich sehr auf, danke dafür...
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SimoneChristian
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Re: Vorurteile ADHS - Kinder

Beitrag von SimoneChristian »

Hallo,

ich war auch so ein Kind.
Und ja, in dem Moment kochen einfach die Emotionen hoch. Meist steht die Wut im Vordergrund, aber darunter liegt meist Überforderung, Hilflosigkeit, das Gefühl, sich nicht verständlich machen zu können.
Außerdem verrauchen solche Ausbrüche sehr viel schneller als bei den meisten anderen Menschen.
Wenn die die "doofe Mama" sehr stört, würde ich versuchen mit eigenem Schimpfen auf eine Sache umzulenken. In dem Fall auf zu wenig Geld im Geldbeutel oder etwas, das zu deiner Grundeinstellung passt.
(Buchtipp: So sag ichs meinem Kind)

Bis er das sinnvoll steuern kann, wird aber vermutlich noch einiges an Zeit und Übungssituationen vergehen.

Zu den anderen Menschen fällt mir nicht viel ein, außer dass sie selber Empathie und Sozialverhalten nicht mit dem Löffel gegessen haben (RW).

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
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