Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Jeany82
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Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Beitrag von Jeany82 »

Hallo zusammen,

wahrscheinlich lacht ihr mich jetzt aus, aber ich zermartere mir aktuell den Kopf, wie hoch der IQ meiner Tochter wohl sein könnte. Theoretisch müsste sie nächstes Jahr eingeschult werden sprich wahrscheinlich müssen wir mit ihr nun einen IQ-Test machen. Ich kann das leider gar nicht einschätzen und in meinen Augen wäre so ziemlich alles zwischen 30 und 80 oder so denkbar. 😅

Das Problem ist, dass sie sich in Testsituationen eh gerne verweigert, da frage ich mich eben wie wirklich ein richtiges Ergebnis herauskommen soll, zumal ich es ja selbst nicht schätzen kann. Meine Tochter ist 5, 5 Jahre alt. Sie ist kognitiv auf dem Stand einer 3, 5 Jährigen würde ich mal sagen. Die Ärzte bezeichnen sie eher als entwicklungsverzögert und nicht als entwicklungsgestört, da sie sich "normal", nur halt viel zu langsam entwickelt. Sie puzzelt Puzzle für 3 bis 4 jährige, zählt bis 10, kann die Farben aber nur passiv und nicht aktiv benennen. Sie hat ADHS und leidet auch darunter, große Unruhe und massive Wutausbrüche stören ihre Konzentrationsfähigkeit. Ironie oder komplexere Zusammenhänge versteht sie gar nicht.

Denkt ihr das ist grundsätzlich schon ein Zeichen für geistige Behinderung oder besteht doch die Chance, dass sie nur eine Lernbehinderung hat?

Danke und liebe Grüße

Jeany
Tochter, geb. 2015
Tochter, geb. 2017, seltener Gendefekt, kombinierte Entwicklungsstörung, Rumpfhypotonie, ADHS
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grace
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Re: Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Beitrag von grace »

Hallo Jeany,

Ich bin kein Freund solcher IQ Test, aber in eurem Fall, speziell wenn du als Mutter der Meinung bist das deine Tochter euch anscheinend wenig versteht, kann das Sinn machen.

Wichtig ist dass das Kind von erfahrenen Therapeuten getestet wird welche das Kind schon kennen, damit die Kleine mitmacht und im gesamten beurteilt werden kann.

Inwiefern das Ergebnis dann der Realität entsprechend wird kann dir keiner versichern, allerdings können solche Tests dann im laufe der Jahre wiederholt werden und auch aktiv zur Diagnose beitragen.

LG

Grace
kati543
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Re: Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Beitrag von kati543 »

Hallo,
wenn dein Kind 5 Jahre ist und auf dem Stand eines 3,5 Jahre alten Kindes, hast du doch schon einen Anhaltspunkt. Damit liegt der IQ mal definitiv um einiges über 50. Wichtig wäre jetzt allerdings die monatsgenaue Angabe des Alters und das genaue Testergebnis des SPZ. Sicher habt ihr ja Entwicklungstests gemacht.

Ein IQ von unter 50 … bist du dir klar, was das bedeutet? Kann dein Kind denn die Lautsprache? Also die kognitiven Fähigkeiten, die du aufgeführt hast, würde ich nicht bei einem Kind mit einer schweren oder mittelgradigen geistigen Behinderung in dem Alter erwarten.

Ich kann jetzt nicht sagen, ob das eine leichte geistige Behinderung oder doch nur eine Lernbehinderung ist. Vielleicht ist ihr IQ sogar im Normalbereich und das ADHS kreuzt hier dermaßen dazwischen. Ein IQ-Test wäre aber sowieso ohne Medikamente nie barrierefrei und somit null aussagekräftig.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Fettstoffwechselstörung (HeFH), Esstörung, Taub R, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Mikrodeletion 3p26.3, Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)
SimoneChristian
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Re: Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Beitrag von SimoneChristian »

Hallo.

Ich habe auch so ein Kind, für das es aktuell keinen passenden IQ Test gibt.

Das große Problem entsteht dann, wenn neben allen anderen Auffälligkeiten, Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung und in der Wahrnehmungsverarbeitung bestehen.
Gerade letzteres ist oft entweder Ursache des ADHS Symptome oder in der Diagnose "eingebaut".

Sprachbezogene Aufgaben könnte mein Sohn mittlerweile ganz gut bewältigen, würde aber an bestimmten visuellen Aufgaben scheitern.
(Mit 3,6 Jahren hat er innerhalb weniger Wochen extrem gepuzzelt-mehrere 100 Teile Puzzle auf einmal- , um danach nie wieder ein Puzzle anzuschauen)
Genauso weit auseinander gehen seine schulischen Fähigkeiten und es bedarf immer wieder individueller Aufgabenstellungen, um ihm etwas beizubringen.

Bei uns waren diesbezüglich Vorschul Lernapps und Gesellschaftsspiele der Augenöffner.
Captain Sharky, Fiete Math und Dragonbox Numbers, sowie eine Autismus Lernapp, deren Namen ich vergessen habe.
So kann man auch die, für die Sprachentwicklung notwendigen, häufigen Wiederholungen generieren.

Zur Einschulung hat die Amtsärztin einen allgemeinen Entwicklungstest, der neben der Wahrnehmung auch eher so was, wie logische Reihen, alltägliche Abläufe und Mengenerfassung getestet hat, verwendet.

Gezählt hat er übrigens vor der Einschulung überhaupt nicht, sich aber dafür in der 1. Klasse selber Multiplikationsaufgaben gestellt.

Will sagen: Intelligenz ist nicht unbedingt eine statische Größe und hängt von vielen Dingen ab.
Bei meinem Sohn war es besonders die Kategorisierung und wenn-dann- Zusammenhänge.
Als es diesbezüglich "klick" gemacht hat, war vieles sprachlich und kognitiv kein großes Problem mehr.
Und das lässt sich spielerisch im Alltag fördern oder auch mit spielerischem Material. Das meiste habe ich bei Material für Logopäden gefunden.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)
Jeany82
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Re: Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Beitrag von Jeany82 »

kati543 hat geschrieben: 22.11.2022, 19:53 Hallo,
wenn dein Kind 5 Jahre ist und auf dem Stand eines 3,5 Jahre alten Kindes, hast du doch schon einen Anhaltspunkt. Damit liegt der IQ mal definitiv um einiges über 50. Wichtig wäre jetzt allerdings die monatsgenaue Angabe des Alters und das genaue Testergebnis des SPZ. Sicher habt ihr ja Entwicklungstests gemacht.

Ein IQ von unter 50 … bist du dir klar, was das bedeutet? Kann dein Kind denn die Lautsprache? Also die kognitiven Fähigkeiten, die du aufgeführt hast, würde ich nicht bei einem Kind mit einer schweren oder mittelgradigen geistigen Behinderung in dem Alter erwarten.

Ich kann jetzt nicht sagen, ob das eine leichte geistige Behinderung oder doch nur eine Lernbehinderung ist. Vielleicht ist ihr IQ sogar im Normalbereich und das ADHS kreuzt hier dermaßen dazwischen. Ein IQ-Test wäre aber sowieso ohne Medikamente nie barrierefrei und somit null aussagekräftig.

LG
Katrin
Hallo Katrin,

Nein Entwicklungstests haben wir nicht gemacht. Bei uns im SPZ wurde uns gesagt, wenn wir das möchten können sie es machen, diese Tests seien jedoch für die Eltern oft sehr schmerzhaft. Naja und darauf hin haben wir das gelassen, aus Angst vor den Ergebnissen. Es wurde nur ein erster Test gemacht, da war sie 2, 5 Jahre. Da war sie motorisch ganz knapp im Normbereich und bei allen anderen Aspekten weit unterdurchschnittlich, teilweise gerade noch im gelben oder sogar im roten Bereich. Sie spricht ganz ordentlich mittlerweile, bis zu 7 Wortsätzen, stellt Fragen nutzt Vergangenheits- und Zukunftsformen. Wie gesagt, ich kann leider gar nicht einschätzen, was man mit welchem IQ so kann. Ich habe nur meine ältere Tochter zum Vergleich und würde daher schätzen ihr Entwicklungsalter liegt ca. bei 3,5 Jahren. Aber was das nun genau aussagt über den IQ kann ich leider nicht einordnen.
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Jeany82
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Re: Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Beitrag von Jeany82 »

Ach und ich möchte noch hinzufügen: Prinzipiell ist mir das mit ihrem IQ ja nicht so wichtig, ich habe das nur so verstanden, dass sie mit einem IQ unter 70 auf die Schule für geistige Entwicklung "muss". Also mal abgesehen von der Möglichkeit in der Regelschule mit I -Kraft, was aufgrund ihres auffälligen Verhaltens aber schwierig werden könnte. Und außerdem habe ich mitbekommen, kann es passieren, dass ich sie nicht noch ein Jahr zurückstellen darf von der Schule, wenn ein sehr schlechter IQ Wert herauskommt. Daher ist das Testergebnis doch extrem wichtig, oder sehe ich das falsch?
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Lisaneu
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Re: Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Beitrag von Lisaneu »

Du kannst dir "Kuno Bellers Entwicklungstabelle" bestellen und dort die Fragen beantworten. Du bekommst dort zwar keine Zahl für den IQ, aber eine Kurve, die dir einschätzen hilft, wo deine Tochter im Vergleich zu Kindern ihres Alters in verschiedenen Bereichen "steht".

Gerade bei besonderen Kindern ist das oft aussagekräftiger und genauer als eine IQ-Zahl. Vor allem muss das Kind nicht in einer Testsituation zeigen, was es kann, sondern du beantwortest selbst die entsprechenden Fragen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama ADHS (mit 49 diagnostiziert)
kati543
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Re: Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Beitrag von kati543 »

Jeany82 hat geschrieben: 22.11.2022, 20:41 Ach und ich möchte noch hinzufügen: Prinzipiell ist mir das mit ihrem IQ ja nicht so wichtig, ich habe das nur so verstanden, dass sie mit einem IQ unter 70 auf die Schule für geistige Entwicklung "muss". Also mal abgesehen von der Möglichkeit in der Regelschule mit I -Kraft, was aufgrund ihres auffälligen Verhaltens aber schwierig werden könnte. Und außerdem habe ich mitbekommen, kann es passieren, dass ich sie nicht noch ein Jahr zurückstellen darf von der Schule, wenn ein sehr schlechter IQ Wert herauskommt. Daher ist das Testergebnis doch extrem wichtig, oder sehe ich das falsch?
Hallo,
da dein Kind die Lautsprache offensichtlich gut beherrscht, sehe ich gar nichts, was gegen eine inklusive Beschulung spricht … selbst bei vorhandener geistiger Behinderung. Die Inklusion mag anstrengend sein und von Eltern viel verlangen. Es ist eben nicht das „All inklusive“-Angebot der Förderschule, aber es lohnt sich.
Mein Jüngster hat übrigens ein IQ unter 70 und ist trotzdem im Förderbedarf Lernen. Das ging nur, weil er immer in der Inklusion war.

Hast du bei dem „auffälligen Verhalten“ berücksichtigt, dass dein Kind eine Schulbegleitung in der Regelschule bekommen würde? Wegen dem ADHS wäre auch eine medikamentöse Einstellung möglich.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
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D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Fettstoffwechselstörung (HeFH), Esstörung, Taub R, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Mikrodeletion 3p26.3, Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)
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Re: Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Beitrag von Jeany82 »

Lisaneu hat geschrieben: 22.11.2022, 23:44 Du kannst dir "Kuno Bellers Entwicklungstabelle" bestellen und dort die Fragen beantworten. Du bekommst dort zwar keine Zahl für den IQ, aber eine Kurve, die dir einschätzen hilft, wo deine Tochter im Vergleich zu Kindern ihres Alters in verschiedenen Bereichen "steht".

Gerade bei besonderen Kindern ist das oft aussagekräftiger und genauer als eine IQ-Zahl. Vor allem muss das Kind nicht in einer Testsituation zeigen, was es kann, sondern du beantwortest selbst die entsprechenden Fragen.
Vielen Dank für den Tipp. Werde ich auf jeden Fall mal bestellen.
Tochter, geb. 2015
Tochter, geb. 2017, seltener Gendefekt, kombinierte Entwicklungsstörung, Rumpfhypotonie, ADHS
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Jeany82
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Re: Möglichkeit den IQ meines Kindes zu schätzen?

Beitrag von Jeany82 »

kati543 hat geschrieben: 23.11.2022, 06:52
Jeany82 hat geschrieben: 22.11.2022, 20:41 Ach und ich möchte noch hinzufügen: Prinzipiell ist mir das mit ihrem IQ ja nicht so wichtig, ich habe das nur so verstanden, dass sie mit einem IQ unter 70 auf die Schule für geistige Entwicklung "muss". Also mal abgesehen von der Möglichkeit in der Regelschule mit I -Kraft, was aufgrund ihres auffälligen Verhaltens aber schwierig werden könnte. Und außerdem habe ich mitbekommen, kann es passieren, dass ich sie nicht noch ein Jahr zurückstellen darf von der Schule, wenn ein sehr schlechter IQ Wert herauskommt. Daher ist das Testergebnis doch extrem wichtig, oder sehe ich das falsch?
Hallo,
da dein Kind die Lautsprache offensichtlich gut beherrscht, sehe ich gar nichts, was gegen eine inklusive Beschulung spricht … selbst bei vorhandener geistiger Behinderung. Die Inklusion mag anstrengend sein und von Eltern viel verlangen. Es ist eben nicht das „All inklusive“-Angebot der Förderschule, aber es lohnt sich.
Mein Jüngster hat übrigens ein IQ unter 70 und ist trotzdem im Förderbedarf Lernen. Das ging nur, weil er immer in der Inklusion war.

Hast du bei dem „auffälligen Verhalten“ berücksichtigt, dass dein Kind eine Schulbegleitung in der Regelschule bekommen würde? Wegen dem ADHS wäre auch eine medikamentöse Einstellung möglich.

LG
Katrin

Hallo Katrin,

wir haben jetzt letzte Woche begonnen mit Medikinet, mal sehen, ob sich dadurch eine Verbesserung einstellt. Das finde ich sehr interessant mit deinem Sohn, ich hatte eben genau den gleichen Gedanken, sie in die Schule mit Schwerpunkt Lernen einzuschulen und dann evtl. mit Schulbegleiter. Oder kann man diese Begleiter nur für die Regelschule beantragen? Bei uns in der Nähe gibt es eine inklusive Regelschule und eine Förderschule mit Schwerpunkt Lernen. Weißt du zufällig ob wir denn das Recht haben sie auch mit einem IQ unter 70 in die Schwerpunktschule für Lernen, soziale-emotionale Entwicklung, Sprache zu schicken? Oder hängt das vom persönlichen Ermessen der Schulleitung oder den Lehrern ab? Ich hänge eben auch sehr an der Idee der Inklusion bzw. finde auch dass mein Kind das Recht darauf hat.
Tochter, geb. 2015
Tochter, geb. 2017, seltener Gendefekt, kombinierte Entwicklungsstörung, Rumpfhypotonie, ADHS
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